Leben mit der Amputation

Ein Feldweg gesäumt von Blumen und blauem Himmel
Der Lebensweg von Menschen mit Amputation verläuft meist viel farbenfroher als er unmittelbar nach der Amputation scheint (Grace Winter/pixelio.de)

Amputation, Prothese, Rehabilitation,… und dann? Wie geht es weiter, wenn man den diesen Weg hinter sich hat? Wenn der Alltag als Mensch mit Amputation beginnt?

Katharina S. ist 22 Jahre alt. Mit 19 verlor sie bei einem Autounfall ihren rechten Arm. In ihrem Leben hat sich dadurch scheinbar nicht viel verändert. Und doch vermisst sie viele Kleinigkeiten sehr. Sie kann nicht mehr in die Hände klatschen, nicht mehr den Kindern im Kreis die Hand geben.

Dafür traut sie sich Vorträge zu halten. Katharina hat durch ihre Amputation realisiert, dass das Leben nur einmal da ist und dass sie das Beste daraus machen möchte.

Der Verlust eines Körperteils ist ein massiver unumkehrbarer Einschnitt im Leben. Der Alltag muss sich neu einspielen, beziehungsweise müssen die gleichen Aufgaben wie vor der Amputation erfüllt werden, nur mit einer Gliedmaße weniger.

In den ersten Augenblicken nach einer Amputation scheint dies für die Betroffenen meist noch nicht wirklich vorstellbar zu sein. Aber je weiter die Zeit voranschreitet, umso deutlicher wird, dass sich alles regeln lässt und fast alles möglich ist.

Andrea Scherney erntet beim Weitsprung viele bewundernde Blicke
Andrea Scherney möchte möglichst viele Menschen mit Behinderung von der positiven Wirkung des Sports überzeugen (Foto: Andrea Scherney)

Sport steigert die Lebensqualität: Andrea Scherney

Andrea Scherney wurde infolge eines Motorradunfalls unterhalb des linken Knies amputiert. Die Österreicherin war damals zwanzig Jahre alt und Sportstudentin. Heute ist sie Sportdirektorin des Österreichischen Behindertensportverbands und des Österreichischen Paralympischen Committee. Sie war unter anderem mehrmals Behindertensportlerin des Jahres und beendete ihre äußerst erfolgreiche Karriere als Leichtathletin mit drei Goldmedaillen bei den Paralympischen Spielen 2008 in Peking.

Nach ihrer Amputation hatte Andrea Scherney Sorge, dass sie sich nicht mehr wie vorher bewegen und vielleicht nie wieder laufen und Radfahren kann. Auch die Fortsetzung ihres Sportstudiums erschien ihr fragwürdig.

Am Ende versäumte Scherney nur ein Semster, überwand einige bürokratische Hürden und war die erste österreichische Sportstudentin mit Behinderung.

Andrea Scherney, die vor ihrer Amputation nur als Hobbysportlerin aktiv war, trat einem Behindertensportverband in Wien bei und erntete mit ihren Leistungen viel Begeisterung. „Das gab mir solche Mut, dass ich mich und meine Bewegungen immer mehr perfektionieren wollte“, erinnert sich Scherney.

Als ihre größten sportlichen Erfolge wertet sie ihren Weltrekord im Weitsprung bei den Paralympics 2004 in Athen und die Goldmedaille im Weitsprung 2008 bei den Paralympics in Peking.

Für Scherney wird Sport immer Teil ihres Lebens bleiben. Mit ihren Erfahrungen versucht sie, Menschen mit Behinderung für Sport zu begeistern. „Sport ist eine Möglichkeit, um sich selbst mit dem veränderten Körper kennen und lieben zu lernen und alle Bewegungsmöglichkeiten in abgeänderter Form wieder testen zu können. Was man im Sport erlernt, hilft bei Alltagsbewegungen und steigert die Lebensqualität“, weiß Andrea Scherney.