Allergien: Von Pollen, Nüssen und anderen Plagen

Ein schneuzendes Mädchen
Gesundheit! Heuschnupfen-betroffene sehen dem Frühlingsbeginn oft mit Unbehagen entgegen (Thomas Blenkers/pixelio.de)

Diese Stoffe, auf die der Körper reagiert, sind meist harmlos – dafür sind die Folgen für Allergiker aber nervig, wenn nicht sogar lebensbedrohlich. Allergien machen gut einem Drittel der Bevölkerung das Leben schwer.

Frühlingszeit – Pollenflugzeit. Wenn von Allergien die Rede ist, haben viele Menschen das Bild des dauerniesenden Heuschnupfengeplagten mit rötenden Augen vor sich.

Nicht zu Unrecht: An der allergischen Rhinitis, wie der Heuschnupfen von Medizinern genannt wird, leidet die Hälfte der deutschen Allergiker. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind es rund 12 bis 17 Prozent der Deutschen.

Dabei bleibt es nicht nur beim Heuschnupfen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geht sogar von 30 bis 50 Prozent Allergiebetroffenen in der Bundesrepublik Deutschland aus. Die Einschätzung ist so hoch, weil viele – oftmals schwächere – Allergien meist gar nicht diagnostisiert und folglich nicht erfasst werden.

Rund ein Drittel der Deutschen leidet an einer Allergie

Allerdings können Anzahl und Herkunft der einzelnen Allergien oft kaum festgestellt werden, da laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund heutzutage über 20.000 Allergene – Stoffe, die eine Allergie auslösen können – bekannt sind und zudem so genannte Kreuzallergien existieren. Eine Kreuzallergie ist eine zu einer Allergie zusätzlich auftretende Allergie, die auf ähnliche Molekülstrukturen wie bei Allergenen der "Haupt"-Allergie reagiert.

Medizinisch gesehen ist eine Allergie eine Überreaktion des Immunsystems auf normalerweise unschädliche Umweltstoffe. Das heißt, der Körper bekämpft diese harmlosen Stoffe so, als wären sie gefährliche Krankheitserreger. Das äußert sich oft durch Symptome wie juckende Augen, gerötete Haut, Asthmaanfälle oder gar anaphylaktische Schocks, die mitunter lebensbedrohlich sein können. In Extremfällen kann sich eine Allergie gar so stark auswirken, dass sie als Behinderung anerkannt wird.

Birke, im Hintergrund ein blauer Himmel
Auf vergleichsweise harmlose Stoffe wie Birkepollen überreagiert das Immunsystem des Allergikers (Foto: Europäische Stiftung für Allergieforschung)

Das Immunsystem überreagiert auf harmlose Allergene

Die Immunreaktion ist auch das, was Allergien von Unverträglichkeiten – wie etwa gegenüber Milchprodukten – unterscheidet. Während bei einer Allergie der Körper auf ein bestimmtes Allergen (über)reagiert, verfügt bei einer Unverträglichkeit der Körper nicht oder zuwenig über das passende Enzym, um einen bestimmten Stoff abzubauen.

Warum es zu diesen übertriebenen Abwehrmechanismen bei Allergien kommt, darüber sind sich die Forscher nicht einig. Es spricht jedoch viel dafür, dass verschiedene Faktoren für die Entstehung von Allergien entscheidend sind. Genetische Ursachen, zuviel Hygiene und selbst Impfungen werden unter anderem als mögliche Auslöser in Betracht gezogen.

Mögliche Gründe für die Zunahme an Allergien

Außerdem verzeichnen Wissenschaftler seit Jahren einen stetigen Anstieg von allergischen Erkrankungen in Industrieländern, was den Schluss nahelegt, dass die Umweltverschmutzung ebenso ein entscheidender Faktor sein könnte.

Die Klassifizierung von Allergien in verschiedene Typen erfolgt anhand zweier Kriterien: Zum Einen zählt der Reaktionsmechanismus, zum Anderen die Reaktionszeit, das heißt die Zeit, die nach Kontakt mit dem Allergen verstreicht, bis die ersten Symptome auftreten. Die Europäische Stiftung für Allergienforschung unterteilt Allergien über diese zwei Kriterien in insgesamt vier Typen.

Typ I: Soforttyp, anaphylaktische Reaktion

Dieser Allergie-Typ zeichnet sich dadurch aus, dass die Symptome sofort oder innerhalb weniger Minuten auftreten. In der Regel sind die Haut oder Schleimhäute betroffen. Fast immer handelt es sich bei den Allergenen der Typ-I-Allergien um Eiweiße. Zahlenmäßig sind die Allergien vom Typ I am häufigsten vertreten.

Beispiele von Typ I-Allergien sind Heuschnupfen, Nesselsucht, Allergien gegen Tierhaare, Nahrungsmittel, Latex, Hausstaubmilben oder Medikamente.

Typ II: Allergien vom zytotoxischen Typ

Bei Allergien vom Typ II werden die körpereigenen Zellen so geschädigt, dass sie vom Körper als Allergene eingestuft werden. Spezifische Antikörper werden direkt an die Oberfläche der Zellen gebunden, dadurch wird die Zelle selbst zum Antigen, das bekämpft werden muss. Typ II-Allergien sind allerdings sehr selten.

Autoimmune hämolytische Anämien, Rhesusunverträglichkeit bei Neugeborenen oder Blutgruppenunverträglichkeit sind Beispiele für Allergien vom Typ II.

Pricktest am Unterarm eines Menschen
In einem Allergietest wird die Körperreaktion auf verschiedene Allergene getestet (Foto: Europäische Stiftung für Allergieforschung)

Typ III: Allergien vom Immunkomplextyp

Medikamenten-Allergien äußern sich oftmals anhand von Typ III- Reaktionen.  Hierbei werden körperfremde Stoffe – zum Beispiel Medikamente – im Blut durch Antikörper gebunden, wodurch größere Zusammenschlüsse entstehen, die sich zum Beispiel an der Haut oder an den Nieren festsetzen. Dies führt zu lokalen Entzündungsreaktionen, die sich auf der Haut meist in Form eines Hautausschlages zeigen, manchmal in Verbindung mit Einblutungen, Schädigungen der Haut und Juckreiz.

Hierzu gehören beispielsweise Vaskulitis (Gefäßentzündung), Serumkrankheit, Farmerlunge und Arthritis (Entzündungen der Gelenke).

Typ IV: Zelluläre Immunreaktion, Spättypallergie

Charakteristisch für die Allergien vom Typ IV ist das zeitverzögerte Auftreten der allergischen Reaktion. Wie bei Typ II lagern sich Allergene beziehungsweise körperfremde Stoffe an Körperzellen an und aktivieren spezifische T-Lymphozyten, die diese Zellen erkennen und bekämpfen. Dabei kommt es zu einer Schädigung des umliegenden Gewebes.

Bei diesem "Erstkontakt" prägen sich die T-Zellen die durchgeführte Abwehraktion ein, und sobald sie mit dem gleichen Allergen noch einmal in Kontakt kommen, lösen sie heftige allergische Reaktionen aus. Da die (Re-)Aktivierung der T-Lymphozyten und die Zelleinwanderung jedoch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, tritt die allergische Reaktion nicht sofort, sondern erst 12 bis 72 Stunden nach dem Allergenkontakt auf.

Beispiele für Reaktionen vom Typ IV sind Transplantatabstoßung, Tuberkulinreaktion (Tbc-Test) oder Kontaktallergien wie etwa eine Nickelallergie.


Text: Thomas Mitterhuber – 04/2012

Fotos: Europäische Stiftung für Allergieforschung – ECARF

Quelle: Europäische Stiftung für Allergieforschung – ECARF

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