Einschränkungen durch Unverträglichkeiten: Ernährungstipps für den Alltag

Zutatenlisten zu kontrollieren gehört für Allergiker zum Alltag.
Zutatenlisten zu kontrollieren gehört für Allergiker zum Alltag.
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Wer unter Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidet, muss oft große Einschränkungen im Alltag hinnehmen. Einfach essen, was schmeckt? Nicht möglich. Ohne die genauen Zutaten von Speisen zu kennen, sind weder Spontankäufe im Supermarkt noch Restaurantbesuche risikolos möglich. Beim Einkauf richtet sich der erste Blick von Menschen, die unter Lebensmittelallergien und Intoleranzen leiden, darum immer auf die Inhaltsstoffe.

Seit dem 13. Dezember 2014 gilt die sogenannte Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) in sämtlichen Mitgliedsstaaten der EU. Von der Sterneküche bis zum Imbiss, vom Discounter bis zum Bio-Laden: Eine Allergenkennzeichnung ist überall Pflicht. Es spielt keine Rolle, ob es sich um vorverpackte oder frische Lebensmittel handelt. Bei Backbaren, Wurst und Käse hängt in der Regel eine Liste mit Inhaltsstoffen aus.

Es gibt in der Verordnung 14 berücksichtigte Haupt-Allergene:

  • Eier
  • Erdnüsse
  • Fisch (inklusive Anchovis und Kaviar)
  • Gluten
  • Krebstiere wie Garnelen, Scampi und Hummer
  • Kuhmilch und -produkte
  • Lupine
  • Schalenfrüchte (Nüsse) wie Mandeln, Pistazien, Walnüsse
  • Schwefeldioxid und Sulfite (E220 bis E228), unter anderem zu finden in Wein und Trockenobst
  • Sellerie
  • Senf
  • Sesam
  • Soja
  • Weichtiere wie Schnecken, Muscheln und Austern

Gekennzeichnet werden müssen sämtliche Erzeugnisse, die diese Bestandteile enthalten.

Das Ziel dahinter: Verbraucherinnen und Verbraucher sollen über Inhaltsstoffe von verpackten und unverpackten Lebensmitteln, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, informiert werden.

Allergie oder Unverträglichkeit – die Unterschiede

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Allergie“ und „Unverträglichkeit“ beziehungsweise „Intoleranz“ häufig synonym gebraucht.

Dabei gibt es große Unterschiede:

Aus medizinischer Sicht ist eine Allergie eine Überempfindlichkeitsreaktion, die durch das Immunsystem hervorgerufen wird. Dabei reagiert der Körper auf an sich harmlose Eiweiße.

Häufig zeigen sich bei Kindern Allergien auf Eier, Milch und Weizen. Für Erwachsene sind vor allem Erdnüsse, Äpfel, Muscheln oder Fisch ein Problem. Ungefähr fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter einer Lebensmittelallergie. Diese zeigen sich auf unterschiedliche Weise wie zum Beispiel:

  • Juckreiz
  • Hautausschlag
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Atemnot

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind zwar ebenfalls Überempfindlichkeitsreaktionen, allerdings werden sie nicht durch das Immunsystem hervorgerufen. Schuld ist das Fehlen eines bestimmten Enzyms oder eine Stoffwechselerkrankung. Dem Organismus gelingt es nicht oder nur eingeschränkt, bestimmte Nahrungsmittelbestandteile zu verdauen. Zu den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten gehören: 

  • Laktoseintoleranz
  • Fructoseintoleranz
  • Glutenintoleranz (Zöliakie)
  • Histaminintoleranz

Manche Menschen leiden gleichzeitig unter mehreren Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Bei Allergien... 

  • reagiert der Körper meistens innerhalb von Minuten bis zu einer Stunde.
  • sind Schwellungen, Ausschlag oder Rötungen sichtbar.
  • löst bereits eine kleine Menge eine allergische Reaktion aus.
  • muss das allergieauslösende Lebensmittel gemieden werden.
  • kann Lebensgefahr bestehen.
  • gibt es spezifische Tests. 

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten...

  • reagiert der Körper meistens innerhalb von sechs bis 48 Stunden.
  • liegt ein Mangel oder ein Defekt eines Proteins vor.
  • zeigen sich Beschwerden, die nicht unbedingt mit Lebensmittel-Intoleranzen in Verbindung gebracht werden. Dazu zählen Migräne, ADHS, Gelenkschmerze oder Ekzeme.
  • spielt die Dosis eine Rolle.
  • kann es reichen, die Menge des entsprechenden Nahrungsmittels zu reduzieren.
  • gibt es spezifische Tests.

Welche Allergien und Unverträglichkeiten bringen die größten Einschränkungen mit sich

Mit Lebensmittelallergien leben

Selbst Spuren einer bestimmten Zutat können bei Lebensmittelallergikern Reaktionen auslösen. Daher raten Ärzte dazu, allergieauslösende Lebensmittel vollständig zu vermeiden.

Fachleute unterscheiden vier Schweregrade:

  • Hautreaktion: Beim niedrigsten Schweregrad ist nur die Haut betroffen. Es kommt beispielsweise zu Juckreiz, Hautrötungen, Hitzegefühlen oder Ausschlag.
  • Reaktion von Haut und Schleimhaut: Bei einer allergischen Reaktion kann beispielsweise Juckreiz in Kombination mit Erbrechen oder Atemnot auftreten.
  • Schockreaktion: Bei Schweregrad drei kommt es zu Schwindelgefühlen, einem Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit.
  • Atemstillstand: Der anaphylaktische Schock führt zum Kreislaufzusammenbruch, die Atmung hört auf.
Einsatz einer Epinephrin-Schnellinjektion bei einem anaphylaktischen Schock. Fotolia.com, © oldmn

Wird aller Vorsicht zum Trotz doch eine winzige Spur eines Allergens aufgenommen, ist bei einer starken Ausprägung der Allergie schnelles Eingreifen erforderlich. Mit dieser Unsicherheit leben die meisten Menschen, die von einer Lebensmittelallergie betroffen sind. In der Regel führen sie darum ein Notfall-Kit mit.

Es enthält in der Regel ein Antihistaminikum als Tabletten oder Tropfen, Cortison, eine Adrenalinspritze und bei Bedarf ein Spray, das die Luftnot lindert. Es ist ratsam, Angehörige, Freunde und Kollegen darüber zu informieren und ihnen zu erklären, was sie im Falle eines anaphylaktischen Schocks tun sollten.

 

Mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten leben

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist ein kompletter Verzicht auf bestimmte Lebensmittel nicht nötig. Im Gegenteil: Wer beispielsweise unter einer Fruktose-Intoleranz leidet und kleine Mengen Obst zu sich nimmt, sorgt dafür, dass der Körper die Fähigkeit zur Verarbeitung wenigstens nicht komplett verliert.

Ein Ernährungsexperte hilft dabei, die akzeptable Menge herauszufinden.

Laktoseintoleranz

Die Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) ist weit verbreitet. Schätzungen zufolge fehlt 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Europa das Enzym Laktase. Es wird gebraucht, um den Milchzucker (Laktose) im Darm in Glukose und Galaktose zu spalten. Ohne dieses Enzym gelangt der Milchzucker in den Dickdarm. Dort bauen die Darmbakterien ihn zu Kohlendioxid, Milchsäure und Wasserstoff ab. Das Ergebnis dieses Prozesses sind Krämpfe, Durchfall und Blähungen.

Wer unter Laktoseintoleranz leidet, sollte laktosehaltige Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse weitgehend meiden.


Ein Allergietest gibt Aufschluss über mögliche Kreuzallergien. Fotolia.com, © Katarzyna Leszczynsk

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)

Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist von einer Glutenunverträglichkeit betroffen. Diese genetisch bedingte Erkrankung ist nicht heilbar. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten. Oft wird sie erst durch einen unerklärlichen Eisenmangel entdeckt. Die Diagnose „Zöliakie“ heißt, dass eine lebenslange Diät eingehalten werden muss. Das Klebereiweiß ist in Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Einkorn und Emmer enthalten.

Allerdings ist es nicht damit getan, auf Brot und Brötchen zu verzichten, denn Gluten dient in der Lebensmittelindustrie unter anderem als Stabilisator, Verdickungsmittel und Geschmacksträger. Es kann beispielsweise in Pudding, Fertigsaucen oder auch Zahnpaste stecken.

Bei einer Zöliakie kommt es beim Verzehr von Gluten zu einer Entzündung in der Darmschleimhaut. Zu den typischen Symptomen gehören Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Blähungen, ein fettig glänzender Stuhl, Kopfschmerzen und Migräne.

Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktose-Intoleranz)

Eine Fruchtzuckerunverträglichkeit kann erworben oder angeboren sein. Etwa eines von 20.000 Kindern wird mit diesem seltenen Gendefekt geboren. Symptome fallen erst auf, wenn das Baby keine Muttermilch mehr bekommt und auf Beikost umgestellt wird. Bei diesen Kindern kann die Leber den mit der Nahrung aufgenommenen Fruchtzucker nicht abbauen. Die Folgen sind Unterzuckerung, Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall. Auch schwere Nieren- und Leberschäden sowie komatöse Zustände sind möglich.

Häufiger ist allerdings die erworbene Form der Fruchtzuckerunverträglichkeit. Die Symptome sind weniger stark ausgeprägt als bei der geerbten Form. Gründe für die Unterverträglichkeit sind meistens eine anhaltende Fehlernährung, Umweltgifte, Stress oder die Einnahme von Medikamenten über einen langen Zeitraum.

Sorbit-Unverträglichkeit (Sorbit-Intoleranz)

Sorbit findet sich unter anderem in Trockenobst, Äpfeln, Pflaumen und Pfirsichen. Künstlich hergestellt dient es als Zuckeraustauschstoff. Wer Fruktose nicht verträgt, hat vermutlich auch mit Sorbit Schwierigkeiten. Der Verzehr von Früchten ist unproblematisch, aber eine Empfindlichkeit gegenüber Sorbit liegt vor? Dann kann zusätzlich eine Laktoseintoleranz vorhanden sein.

Bei gesunden Menschen gelangt Sorbit vom Dünndarm in die Blutbahn. Bei einer Sorbit-Unverträglichkeit fehlt dafür allerdings der Transportstoff. Also verbleibt das Sorbit im Dünndarm und wird irgendwann in den Dickdarm weitergeleitet. Dort sind Darmbakterien aktiv. Beim Zersetzen des Sorbits werden Gase frei, was Verdauungsbeschwerden wie Krämpfe und Durchfall auslöst.

Aus diesem Grund sind sorbithaltige Süßigkeiten mit dem Vermerk versehen, dass ein übermäßiger Verzehr zu Verdauungsstörungen führen kann.

Histaminintoleranz

Schätzungsweise jeder 20. Deutsche leidet unter einer Histaminintoleranz. Histamin ist ein Gewebshormon. Es entsteht durch den bakteriellen Abbau der Aminosäure Histidin. Bei gesunden Menschen wird das Histamin durch das Enzym Diaminooxidase (DAO) verarbeitet. Bei einer Unverträglichkeit reichert es sich im Körper an und wird nicht abgebaut. Zu den histaminreichen Lebensmitteln zählen beispielsweise Rotwein, Weißwein, Wurst, gereifter Käse (Camembert, Parmesan), verschiedene Obstsorten wie Kiwis, Birnen und Ananas und Gemüse wie Sauerkraut, Tomaten und Auberginen.

Welche Einschränkungen machen sich im Alltag bemerkbar

Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten beeinträchtigen die Lebensqualität. Viele Menschen trauen sich nicht mehr, Einladungen zu Partys anzunehmen, Restaurants zu besuchen oder auf Reisen zu gehen. Was für gesunde Menschen selbstverständlich ist, bedeutet für Allergiker und ernährungssensible Menschen im ersten Moment nur eins: Stress.

Zu Hause ist die Versorgung einfacher, denn mit der Zeit spielt sich das ein. Betroffene wissen, wo sie einkaufen können oder welche Produkte ihnen guttun.

Ist eine Allergie besonders stark ausgeprägt und beeinträchtigt den Alltag sehr umfassend, kann dies sogar als Behinderung anerkannt werden. Vor allem, wenn die Berufstätigkeit eingeschränkt ist, kann offiziell eine Erwerbsminderung festgestellt werden und es besteht die Möglichkeit, einen Behindertenausweis zu beantragen. 

Verlust der Spontaneität

Beim Einkaufen können Lebensmittelallergiker und Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten nicht einfach nach Lust und Laune zugreifen. Die Inhaltsstoffe jedes Produktes müssen zunächst aufmerksam studiert werden. Die Leitfragen dabei:

  • „Was ist drin?“
  • „Darf ich das essen?“
Spontan etwas unterwegs zu essen ist für viele Betroffene ein Problem. Fotolia.com, © terovesalainen

Am Probierständen neue Produkte testen? Besser nicht, ohne die genauen Zutaten zu kennen. Darunter leidet die Spontaneität. Außerdem schränkt es die Anzahl und Art der möglichen Lebensmittel ein.

Auf Reisen im In- und Ausland verschärft sich das Problem: Besser als Ferien im All-Inclusive-Hotel ist bei Lebensmittelallergien und -Intoleranzen die Unterkunft in einer Ferienwohnung mit Selbstversorgung. Das gibt Reisenden die Möglichkeit, im Supermarkt unbedenkliche Produkte auszusuchen und selbst zu kochen. Das wiederum heißt allerdings, dass der Erholungsfaktor niedriger ausfällt: Sich komplett verwöhnen lassen, die Beine hochlegen und einfach mal gar nichts tun, fällt in dem Fall aus. Nur wenige Hotels und Gastronomiebetriebe haben sich bislang auf Allergiker eingerichtet oder spezialisiert.  

Restaurantbesuche als Risiko

Schwieriger wird es beim Essengehen: Zwar gilt die Kennzeichnungspflicht auch für unverpackte Lebensmittel und den Gastronomie-Bereich. Allerdings ist gerade bei letzterem nicht klar, wie ernst Imbisse und Restaurants die Verordnung nehmen:

  • Verwendet die Küche wirklich keine Produkte, in denen Allergene in versteckter Form enthalten sind?
  • Wie halten es die Köche mit der Hygiene?
  • Wie schnell wird bei der Zubereitung unterschiedlicher Gerichte dasselbe Brett, Messer oder ein anderes Küchenutensil benutzt?

Für Lebensmittelallergiker, bei denen selbst winzige Spuren eine Reaktion auslösen können, ist auch das ein Risiko.

Wer mit Sonderwünschen kommt, empfindet sich in Gaststätten häufig als Störfaktor. Gestresstes Personal reagiert nicht unbedingt positiv auf die Extra-Anforderungen. Trotzdem führt an Gesprächen über die Inhaltsstoffe und an Menü-Anpassungen oft kein Weg vorbei:

Wer Gluten nicht verträgt, möchte keine Croutons auf dem Salat oder bittet darum, Beilagen auszutauschen. Der laktoseintolerante Gast verzichtet auf Sahne in der Suppe und bestellt Fleisch ohne Soße. Menschen mit Histaminintoleranz bringen möglicherweise am liebsten Salz, Pfeffer und Salatdressing selbst mit, sodass sie ungewürztes Essen bestellen können.

Manchen ist das ständige Fragen nach Extrawünschen unangenehm. Fotolia.com, © Robert Kneschke

Diese Vorsichtsmaßnahmen sorgen dafür, dass auf Restaurantbesuche nicht vollständig verzichtet werden muss.

Ungewollte Aufmerksamkeit

Menschen mit Lebensmittelallergien und Lebensmittelunverträglichkeiten stehen im Fokus der Aufmerksamkeit. Ob sie wollen oder nicht, sie werden auf ihre Lebensweise angesprochen. Immer und überall. Im Sommer gehen Kollegen in der Mittagspause vielleicht einen Milkshake trinken oder verabreden sich zu einem After-Work-Drink. Vielleicht sitzen sie in der Werkskantine zusammen oder treffen sich auf einem Betriebsfest.  

Irgendwann fällt auf, dass jemand bestimmte Lebensmittel meidet oder konsequent nicht mitisst. Damit steht der Lebensmittelallergiker beziehungsweise der Kollege mit Lebensmittelunverträglichkeit im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit, muss sich erklären und eventuell rechtfertigen.

Für selbstbewusste Menschen ist das vielleicht kein Problem. Aber es gibt durchaus Schüchterne, die gern auf das Rampenlicht verzichten würden. Dazu kommt, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten nicht unbedingt ernstgenommen werden. Jana Rückert-John ist Professorin für die „Soziologie des Essens“ an der Universität Fulda. Sie sieht aktuell eine Tendenz zur Problematisierung der Ernährung. Die Zahl der Menschen mit Allergien und Intoleranzen habe rapide zugenommen. Teilweise seien die Beschwerden allerdings selbst diagnostiziert.

Lebensmittelunverträglichkeiten liegen offenbar im Trend. Das macht es Menschen, die tatsächlich Probleme mit bestimmten Stoffen haben, schwer. Sie werden nicht ernstgenommen und geraten unter Rechtfertigungsdruck, weil angezweifelt wird, dass eine ärztliche Diagnose vorliegt.

Mehr Aufwand in der Familie

Wird in der Familie gekocht, bleibt oft keine Wahl, als mehrere Mahlzeiten zuzubereiten. Sonst müssten auch die gesunden Familienmitglieder auf allergieauslösende Zutaten verzichten. Doppelt zu kochen, bedeutet mehr Arbeit und verursacht eventuell höhere Kosten. Auf jeden Fall sind Umsicht und Rücksichtnahme gefragt.

Wege für ein einfacheres Leben mit Unverträglichkeiten und Allergien

Anpassung der Ernährung

Um beschwerdefrei leben zu können, bleibt letztendlich nur ein Weg: Die Ernährung konsequent umstellen. Ärzte und Ernährungsberater unterstützen dabei, unbedenkliche Lebensmittel zu finden. Die eigene Erfahrung zeigt, was in welchen Mengen in Frage kommen und welche Produkte am besten komplett von Speiseplan gestrichen werden sollten. So entsteht ein individueller Plan, der dabei hilft, sich im Alltag beschwerdefrei zu ernähren.

Für viele Produkte gibt es inzwischen Alternativen, auf die Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten zurückgreifen können:

  • Wer beispielsweise keine Laktose verträgt, hat die Möglichkeit statt Kuhmilch auf Sojamilch, Hafermilch oder Reismilch auszuweichen.
  • Es gibt Pudding, Schokolade und Brotaufstriche mit diesen Milch-Alternativen in Supermärkten, Reformhäusern und Bioläden.
  • Etliche Lebensmittel wie Käse, Schokolade und Schlagsahne sind laktosefrei erhältlich.

Wer Gluten vermeiden muss, sollte von verarbeiteten Lebensmitteln Abstand nehmen. Denn in industriell gefertigten Produkten kann sich Gluten in versteckter Form finden. Vorsicht ist beispielsweise bei Kartoffelchips und Pommes frites geboten: Damit sie möglichst knackig-frisch beim Verzehr sind, werden sie mit Mehl bestreut. Diese Panade enthält in der Regel Weizenmehl.

Zwar ist es mittlerweile kein Problem mehr, als „glutenfrei“ deklarierte Fertigprodukte wie Brot, Brötchen oder Pizza im Supermarkt zu finden. Allerdings dürfen gemäß der EG-Verordnung Nummer 41/2009 vom 20. Januar 2009 trotzdem bis zu 20 mg/kg Gluten enthalten sein.  Sehr empfindliche Menschen könnten beim Verzehr dieser Produkte schlimmstenfalls dennoch Symptome entwickeln. Zudem sind in der Regel in glutenfreien Produkten eine Vielzahl chemischer Zusatzstoffe enthalten, die nicht unbedingt gesund sind. Irgendwie muss das fehlende Klebereiweiß ersetzt werden.

Um Fruktose besser verarbeiten zu können, hilft die Einnahme von Traubenzucker. Auch sollten Früchte möglichst nicht allein verzehrt werden. Zusammen mit Milch sind sie bei einer Fructose-Unverträglichkeit bekömmlicher. Das liegt an dem enthaltenen Fett und Eiweiß: Beides verzögert die Aufnahme der Fructose.

Bei Histaminintoleranz ist Frische ein wesentliches Kriterium: Je unverarbeiteter die Lebensmittel sind und je unmittelbarer sie zubereitet und verzehrt werden, desto besser. Merkblätter helfen bei der Zusammenstellung der Ausschlussdiät.

Selbst kochen mit den passenden Zutaten ist meist die sicherste Alternative. Fotolia.com, © lenets_tan

Selbst kochen und versorgen

Es ist sinnvoll, möglichst frische Lebensmittel einzukaufen und selbst zu backen und zu kochen. Das macht zwar etwas mehr Arbeit. Dafür gibt es bei den Zutaten keine bösen Überraschungen.

Eine konsequente Selbstversorgung, auch auf Reisen, heißt, dass sich Lebensmittelallergiker und Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten nicht rechtfertigen oder erklären müssen. Außerdem weiß niemand so gut über die richtige Ernährung Bescheid wie sie selbst.

Nutzung von bestimmten Medikamenten

In der Apotheke gibt es Enzym-Tabletten, die den Abbau von Laktose oder Histamin unterstützen. Diese Medikamente können helfen, um Familienfeiern zu überstehen, bei denen die Gäste keinen Einfluss auf die Zubereitung der Speisen haben.

Essen unterwegs

Wer gern Ausflüge macht oder beruflich viel unterwegs ist, versorgt sich am besten selbst mit Proviant. Selbst gebackenes Brot und in mundgerechte Stücke Geschnittenes lässt sich in Vorratsdosen mitnehmen. Das spart Geld und Nerven. In den Sommermonaten bietet sich die Unterbringung von Speisen und Getränken in Kühlboxen an. In Thermoskannen lassen sich nicht nur Getränke, sondern auch Suppen unkompliziert mitnehmen.

Bei Reisen ins Ausland kann die Verständigung erschwert sein. Wer die Sprache des Reiselandes nicht spricht, sollte sich zur Sicherheit eine App aufs Handy laden, ein Zeigewörterbuch und ein Taschenwörterbuch mitnehmen. Auf diese Weise können Selbstversorger beim Einkaufen Lebensmittel und Zutaten vor dem Verzehr auf mögliche Allergene prüfen und sich verständigen.

Bei Urlaub im Hotel ist englischsprachiges Personal eine Hilfe. Trotzdem schadet es nicht, die wichtigsten Lebensmittel in der Landessprache auswendig zu lernen. Wer sich das Sprechen der Fremdsprache nicht zutraut, kann zwei Listen vorbereiten und bei Bedarf vorzeigen: eine mit Dingen, die unbedingt vermieden werden müssen, eine mit unproblematischen Lebensmitteln.

Passende Restaurants finden

Mittlerweile gibt es in Deutschland Gaststätten, die sich auf Allergiegeplagte und Gäste mit Lebensmittelunverträglichkeiten spezialisiert haben. Es lohnt sich, in größeren Städten nach Bio-Restaurants Ausschau zu halten.

Wer einen Urlaubsort in Deutschland sucht, sollte in den Norden schauen: Die Insel Borkum gilt als erste allergikerfreundliche Insel Europas. Übernachtungsgäste haben in zahlreichen Hotels und Pensionen umfangreiche Wahlmöglichkeiten am Frühstücksbuffet. Bei Speisen sind die Inhaltsstoffen klar ausgewiesen und auf Grünpflanzen wird verzichtet. Diese Umsicht und das Hochseeklima sind eine Wohltat für viele allergiegebeutelte Menschen.

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