Typgerechte Ernährung bei Diabetes

Zuckerhügel mit Johannisbeeren garniert
Ganz ohne Zucker müssen auch Diabetiker nicht leben. (Bild: Barbara Eckholdt/pixelio.de)

Diabetes ist eine Krankheit, die tief in das gewohnte Leben einschneidet und eine Umstellung der Lebensgewohnheiten dringend nötig macht. Allem voran die Ernährung. Hier eine kleine Übersicht der Grundsätze in der Ernährung mit Diabetes.

Diabetes lässt sich grob in zwei Typen aufteilen: Bei Diabetes Typ 1 wird zu wenig oder gar kein Insulin – ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel reguliert – produziert. Man hat also Insulinmangel und der aufgenommene Zucker, der sozusagen das Benzin des Körpers ist, kann nicht verwertet werden.

Mit Diabetes Typ 2 hat man zwar genug Insulin, es wirkt aber nicht oder unzureichend. Typ 2 wird auch „Altersdiabetes“ genannt, weil er bis vor einigen Jahren im Gegensatz zu Diabetes Typ 1 meist erst nach dem 40. Lebensjahr auftrat. Heute findet man diesen Typ aber immer häufiger auch bei jüngeren, meist übergewichtigen Personen, auch bei Kindern.

Typ 1 kann eigentlich alles essen

Typ 1-Diabetiker können heute mehr oder weniger alles essen, vor allem wenn sie keine Gewichtsprobleme haben. Sie müssen jedoch wissen, wie viel Insulin sie für die jeweilige Mahlzeit spritzen müssen. Genau das ist allerdings oft schwierig einzuschätzen. Das Berechnen größerer Mengen von Kohlenhydraten kann schwierig sein und bedarf einiger Erfahrung.

„Je nach Lebensmittel steigt bei großen Portionen auch der Gehalt an Fett und Eiweiss. Dies kann das Blutzuckerverhalten stark beeinflussen“, erklärt Dr. med. Karl Scheidegger, Spezialist für Hormonkrankheiten und Diabetes. „Auch die Einnahme größerer Mengen ‚einfacher‘ Kohlenhydrate, etwa als Süßspeisen oder als Süßgetränke, lässt sich oft nicht befriedigend mit Insulin abdecken.“ Dies sollte mit dem Arzt oder Ernährungsberater angeschaut werden.

Volkskrankheit Diabetes Typ 2

Aufwändiger wird es bei Typ 2, der mit rund 90 Prozent der häufigste ist. In der Schweiz erkranken rund fünf Prozent der Schweizer Bevölkerung also schätzungsweise 219'000 Personen im Laufe ihres Lebens an Typ 2. Viele Betroffene leben mit dieser Stoffwechselerkrankung, ohne es zu wissen, weil die Symptome wie stärkeres Durstgefühl, größere Urinmengen und Müdigkeit oft erst spät erkannt werden.

Das Wichtigste bei Typ 2 ist eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. Bei übergewichtigen Diabetikern kann eine Gewichtsreduktion von wenigen Kilos bereits eine Senkung des Blutzuckergehaltes zur Folge haben und die Wirksamkeit des Insulins erhöhen. Auch hier ist es nötig, zusammen mit einer Fachperson einen individuellen Ernährungsplan aufzustellen, da der Energiebedarf von verschiedenen Faktoren wie Größe, Gewicht, Alter, Geschlecht und körperlicher Aktivität abhängt.

Zucker ist nicht gleich Zucker

„Der Mahlzeitenrhythmus soll den individuellen Bedürfnissen und dem Blutzuckerspiegel angepasst werden. Grundsätzlich sollte die Kohlenhydratzufuhr auf mindestens drei Mahlzeiten verteilt werden“, rät die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE.

Zucker ist nicht gleich Zucker. So lassen Vollkornprodukte den Blutzuckerspiegel beispielsweise langsamer ansteigen als raffinierte Produkte. Dies hat zur Folge, dass der Zuckerspiegel nicht hochschnellt und schnell wieder abfällt. Er sollte jedoch möglichst konstant gehalten werden. Vollkornbrot, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte sollte man deshalb raffinierten Produkten wie Weißbrot vorziehen.

Teeglas mit Dörrfrüchten im Hintergrund
Ungezuckerte Tees und Wasser sind besser als Light-Getränke (Bild: Cornelia Menichelli/pixelio.de)

Doch nicht nur die Art des Kohlenhydrats spielt eine Rolle, sondern auch die Kombination mit anderen Nahrungsmitteln. Der Blutzuckerverlauf ist positiver, wenn die Kohlenhydratquelle mit Nahrungsfasern, Eiweiß oder Fett kombiniert wird und eine feste Konsistenz aufweist, weil der Blutzuckerspiegel dadurch langsamer und weniger stark ansteigt.

Light- und Diabetikerprodukte ja oder nein?

Häufig sind sich Betroffene unsicher, sind jetzt Lightprodukte gut oder schlecht? Maßvoll konsumiert können Lightprodukte auch für Diabetiker geeignet sein und erweitern die Lebensmittelpalette im Alltag. In Lightprodukten wird im Vergleich zum Normalprodukt der Energiegehalt über eine Fett- oder Kohlenhydrateinsparung reduziert. Achtung aber gerade bei Light-Getränken. Mit weniger als 1,5 Gramm Kohlenhydraten pro Deziliter sind sie zwar, wiederum in maßvollen Mengen (maximal fünf Deziliter am Tag), geeignet, sollten aber nicht täglich konsumiert werden.

Spezielle Diabetikerprodukte sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Grundsätzlich benötigen Diabetiker kein Diabetes-Gebäck oder Diabetes-Schokolade. Denn Diabetikerprodukte können fettreich sein und enthalten anstelle von Haushaltszucker andere Kohlenhydratarten, die den Blutzuckergehalt ebenfalls erhöhen. Die SGE empfiehlt sie deshalb nicht.

Kleine Sünden

Ein Gläschen Wein zum Abendessen, ein Schokoriegel als Pausensnack – darf man sich mit Diabetes gar nichts mehr gönnen? Doch, aber auch hier gilt die goldene Regel „maßvoll“. Alkohol sollte während dem Essen genossen werden, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Achtung bei Bier, Dessertweinen, Likören und Alcopops. Sie enthalten viel Zucker und lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen.

Süßigkeiten sollten allein eigentlich schon deswegen vermieden werden, weil sie eine gewünschte Gewichtsreduktion nicht unterstützen. Doch ganz auf Schokolade muss man trotzdem nicht verzichten. Sinnvoll ist es, wenn man sie anstelle von anderen kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln im Rahmen einer Mahlzeit genießt. Dies sollte aber natürlich nicht täglich geschehen.

Versteckte Fallen finden sich in vielen Lebensmitteln, zum Beispiel in Wurstprodukten. Eine gezielte Reduktion kann eine Gewichtsreduktion bewirken, was sich wiederum positiv auf das Insulinverhalten auswirkt.

Unsere Diabetes-Fachexperten im Forum

Grundsätzlich kann jedoch nur ein Arzt oder ein Ernährungsberater zuverlässig Auskunft über die passende Ernährung geben. Es lohnt sich, denn die passende Ernährung kann Symptome von Diabetes erheblich reduzieren.

Die Schweizer Diabetes-Gesellschaft und die Deutsche Diabetes-Stiftung sind Fachexperten im MyHandicap-Forum. Sie unterstützen die MyHandicap-User mit ihrem Fachwissen bei Fragen rund um das Thema Diabetes.

 

Text: SGE / M. Plattner -08/2011

Bilder: pixelio.de
 

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