Herausforderungen und Lösungsansätze

Ein Mann im Rollstuhl wartet vor einer geschlossenen Türe. ( Uta Herbert/pixelio.de)
Ob mit Behinderung alt werden oder im Alter eine Behinderung erfahren: Die Herausforderungen für Betroffene und Gesellschaft sind groß. (Uta Herbert/pixelio.de)

Unabhängig davon, was zuerst da war: Alter und Behinderung erfordern in der Kombination gezielte Lösungen.

Die Herausforderungen und Fragen, die sich in Folge der steigenden Zahl von alten Menschen mit Behinderungen stellen, sind zahlreich. In der 2009 vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung erstellten Studie "Alt und behindert: Wie sich der demografische Wandel auf das Leben von Menschen mit Behinderung auswirkt" werden sie zusammenfassend wie folgt skizziert:

  • Künftig mehr Hilfebedarf: Die steigende Lebenserwartung und die damit verbundene demografische Alterung der Gesellschaft haben zur Folge, dass es in Zukunft deutlich mehr ältere Menschen mit Hilfe- und Pflege-Bedarf geben wird.
  • Mehr chronische Erkrankungen: Dank des medizinischen Fortschritts sterben immer weniger Menschen an akuten Erkrankungen. Dafür steigt das Risiko, an chronischen Leiden zu erkranken, etwa ab einem Alter von 50 Jahren linear an.
  • Mehr psychische Leiden: Psychische Erkrankungen führen immer häufiger zu Behinderungen und einem Bedarf an Eingliederungshilfe.
  • Mehr Demenzfälle: Mehr als ein Drittel aller über 85-Jährigen leidet an einer Alzheimer-Demenz. Es ist damit zu rechnen, dass Menschen mit Altersdemenz neben den Menschen mit langjähriger Behinderung künftig die zweite große Gruppe von Menschen stellen werden, die der intensiven täglichen Begleitung bedürfen.
  • Personen mit geistiger Behinderung werden zu Rentnern: Die meisten Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen haben ihre Erwerbsphase in speziellen Werkstätten verbracht und während dieser Zeit bei der Familie oder in einem Heim gelebt. Für diese Personen bedeutet das Altwerden eine besondere Herausforderung. Denn ihre eigenen Eltern sind kaum noch in der Lage, sie zu versorgen, und die meisten Betreuungseinrichtungen sind noch nicht ausreichend darauf vorbereitet, ihnen als Senioren die nötige Assistenz und ein Zuhause zu bieten, in dem sie ihren Alltag selbst bestimmen können.

Lösungsvorschläge könnten gemäß der Studie sein (Zusammenfassung):

  • Gesundheitliche Prävention kann Trendwende einleiten: Mit Präventionsprogrammen für die gefährdeten Bevölkerungsgruppen ließe sich der Anstieg von Behinderungen mildern, die aufgrund chronischer Erkrankungen entstehen.
  • Mehr Kinder brauchen Förderung und Integration: Die gemeinsame schulische Ausbildung von Kindern mit und ohne Behinderung sollte der Regelfall statt Ausnahme sein. Außerdem ist die Betreuung von Familien mit gefährdeten und behinderten Kindern durch die Sozial- und Jugendämter zu verbessern.
  • Eine effizientere Organisation bei den Kostenträgern spart Aufwand und Geld: Die Schnittstellen zwischen den Zuständigkeiten verschiedener Kostenträger sollte klarer geregelt und die Verwendung der Mittel mehr in die Hände der Einzelnen und ihrer direkten Begleiter gelegt werden.
  • Inklusion hilft allen: Eine wirkliche Teilhabe ist erst erreicht, wenn Menschen mit Behinderung selbstverständliche Teilnehmer am öffentlichen Leben werden. Die Zukunftsaufgabe der Profis der Behindertenhilfe wird sein, private Initiativen und Menschen mit Behinderung zusammenzubringen. In einer Gesellschaft mit immer mehr alten Menschen wird diese Art von Solidarität und bürgergesellschaftlichem Engagement lebensnotwendig.
  • Lange überfällige Reformen werden unter neuem Druck möglich: Der durch den demografischen Wandel ausgelöste Kostendruck auf die Sozialsysteme zwingt zu Reformen. Gute Ideen und Konzepte existieren schon länger – es fehlt aber bisher die Bereitschaft der Gesellschaft, gewohnte Strukturen aufzubrechen und damit verbundene Sicherheiten aufzugeben.

Menschen mit Behinderung haben ebenso wie Menschen ohne Behinderung ein Recht darauf, ihr Leben auch im Alter möglichst autonom und selbstbestimmt zu führen. Die Herausforderungen sind gewaltig. Schon nur wenn sich die Gesellschaft für die Teilhabe aller behinderter Menschen öffnet und auf allen Ebenen Barrieren abbaut, ist ein erster Schritt getan.

 

Text: Patrick Gunti - 04/2013
Fotos: pixelio.de, pixabay.com

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