Besuche der Menschlichkeit

Türglocke mit der Beschriftung "Welcome". (Bild: didi01/pixelio.de)
In der Regel klingelt der Besuchsdienst einmal in der Woche an Ihrer Haustür. (Bild: didi01/pixelio.de)

In einer anonymen Welt bleibt die menschliche Nähe oft auf der Strecke. Besuchsdienste leisten einen wichtigen Beitrag für unsere soziale Gesellschaft und Menschen mit Behinderung.

Wann haben Sie das letzte Mal jemandem Ihren Lieblingssong vorgespielt? Sie erinnern sich nicht mehr? Dann ist es höchste Zeit, dass Sie Ihre alten Platten aus dem Schrank holen oder Ihre MP3s hochladen. Einen Zuhörer finden Sie bei einem der zahlreichen ehrenamtlichen Besuchsdienste.

Wer bekommt zu Besuch?

Ehrenamtliche Besuchsdienste stehen allen Menschen zur Verfügung, die den Wunsch nach sozialer Nähe verspüren. Die Helfer besuchen Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung, Kinder im Krankhaus, alte Menschen und alle anderen Personen, die sich nach etwas Gesellschaft sehnen.

„Unser Besuchsdienst ist für alle Menschen da, die das subjektive Gefühl von Einsamkeit verspüren“, erklärt Michael Kilian, der Dienststellenleiter des Malteser Hilfsdienst München.

Die Malteser sind einer der zahlreichen Anbieter von ehrenamtlichen Besucherdiensten in Deutschland. Suchen Sie am besten in Ihrer Umgebung nach einem Besuchsdienst oder nach Nachbarschaftshilfe. Falls Sie nicht weiterkommen, fragen Sie bei der Pfarrei in Ihrer Nähe nach, wenden Sie sich an die Caritas oder das Rote Kreuz. Meistens wird in diesen Einrichtungen Besuchsdienst oder Nachbarschaftshilfe für Menschen mit Behinderung angeboten. Falls dies in Ihrem Ort nicht der Fall sein sollte, kann man Ihnen an diesen Stellen weiterhelfen und mit Ihnen gemeinsam eine Lösung finden.

Jeder ist ein Gewinner

Eine Alternative, falls ein Besuchsdienst nicht möglich ist, ist zum Beispiel der Malteserruf. Menschen, denen noch kein Besuchsdienst zur Seite gestellt werden kann, werden zu einem fixen Zeitpunkt von einem ehrenamtlichen Maltesermitarbeiter zum Plaudern angerufen. Dabei handelt es sich jedoch ausdrücklich um keine Telefonseelsorge.

Besuchsdienste und Nachbarschaftshilfe sind ehrenamtlich und somit für den Empfänger unentgeltlich. Trotzdem gibt es dabei immer zwei Gewinner: den Besuchten und den Besucher. „Besuchsdienst schafft einen Raum, in dem sich zwei Menschen in einem unverbindlichen Verhältnis begegnen können. Keiner trägt einen Nachteil davon.

Zwei Kaffeetassen. (Bild: Bernd Bast/pixelio.de)
Bei einem Kaffeepläuschen lässt sich's mit dem Besuchsdienst gut reden. (Bild: Bernd Bast/pixelio.de)

Als Besucher gibt man seine Zeit und profitiert von der Weisheit, den Erfahrungen, dem Leben des Besuchten“, erklärt MyHandicap-Diplompsychologe Tim Glogner, der selbst als ehrenamtlicher Helfer tätig ist.

Besuchsdienst oder Nachbarschaftshilfe kommen in der Regel einmal in der Woche für eine vereinbarte Zeitspanne. Ziel ist, eine längerfristige Beziehung aufzubauen. Wer einen Besuchsdienst anfordert, bekommt einen freiwilligen Helfer zugeordnet.

Nach einer Zeit des gegenseitigen Kennenlernens können Besuchter und Besucher entscheiden, ob die Chemie stimmt. Falls nicht, kann die Beziehung abgebrochen werden und es wird versucht, eine neue Person für die Besuchsdienste zu finden.

Besuchsdienste machen viel, aber nicht alles

Der Besuchsdienst und die Nachbarschaftshilfe sind niedrigschwellige Angebote. Sie übernehmen in der Regel keine Haushalts- und Pflegetätigkeiten. Es sollen keine Dienstleistungen ersetzt werden, die sonst bezahlt werden.

Ein Besuchsdienst begleitet Sie als Mensch mit Behinderung bei Spaziergängen und kleinen Ausflügen, geht mit Ihnen in Ihr Lieblingscafé, hört zu und hilft Ihnen vielleicht beim Backen eines Geburtstagskuchens.

Menschen, die ehrenamtlich als Besuchsdienst tätig sind, müssen keine spezielle Ausbildung aufweisen. Oft werden jedoch von den Trägerorganisationen kurze Grundausbildungen, Reflexionstreffen und Fortbildungen angeboten.

Freiwilligkeit als Prinzip

„Besuchsdienst ist eine menschliche Beziehung. Der eine gibt sie freiwillig, der andere nimmt sie freiwillig an. Es ist eine gleichgestellte Beziehung, ein Geben und Nehmen“, erklärt Tim Glogner.

Wenn Sie beim Lesen dieser Zeilen Lust auf dieses freiwillige Geben und Nehmen in einem unverbindlichen Rahmen bekommen haben, wenden Sie sich bitte an einen Anbieter von Besuchsdienst oder Nachbarschaftshilfe in Ihrer Nähe. Ein- und Ausstieg sind jederzeit möglich.

 

Text: MHA - 4/10

Bilder: pixelio.de

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