Freiwilliges Soziales Jahr – wozu?

Ein alter Mann sitzt vor einer Rührschüssel – eine kopflose Frau hält den Mixer
Das Freiwillige Soziale Jahr bietet unter anderem die Möglichkeit, seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln, Menschen zu begegnen und soziale Berufsfelder kennenzulernen (R.B./pixelio.de)

Vorsicht! Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) kann Ihr Leben unwiederbringlich verändern! Denn eine Tätigkeit im freiwilligen Dienst einer guten Sache ist alles andere als ein 08/15-Job.

Viola ist 24. Sie studiert Sozialpädagogik und absolviert zurzeit ein Auslandssemester in Guatemala. Vor drei Jahren wusste Viola noch nicht so genau, welchen Ausbildungsweg sie einschlagen sollte. Deshalb hat sie sich dazu entschieden, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren.

Erfahrungen sammeln und Selbstvertrauen tanken

Viola wollte sich Zeit geben und Zeit nehmen, Erfahrungen sammeln und in Ruhe darüber nachdenken, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Die junge Frau war ein Jahr in der Altenpflege tätig. Die Hilfstätigkeiten, die sie übernommen hatte, waren vielfältig. Viola blickt gerne auf diese Zeit zurück: „Es war eine sehr lehrreiche Zeit. Ein Jahr, aus dem ich viel mehr mitgenommen habe, als das Wissen, das ich mir über die Tätigkeiten, die ich ausgeübt habe, angeeignet habe.“

Nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr wusste Viola, wo es langgehen sollte. Sie bewarb sich auf der Fachhochschule für Sozialpädagogik und wurde – vielleicht nicht zuletzt durch ihren freiwilligen Einsatz – als Studentin akzeptiert.
In Deutschland entscheiden sich jährlich rund 30.000 junge Menschen für ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Zwei ausländisch wirkende Kinder auf einer nicht geteerten Straße fotografiert von oben
Auch weltweite Auslandseinsätze sind innerhalb des Freiwilligen Sozialen Jahres möglich (Dieter Schütz/pixelio.de)

Sechs bis 18 Monate im Dienst der Freiwilligkeit

Meist dauert das FSJ ein Jahr. Mindestdauer für ein FSJ sind sechs Monate, mit einer Verlängerung sind höchstens 18 Monate freiwilliger Dienst möglich. Ein FSJ kann nur über einen zugelassenen Träger absolviert werden. Welche Träger für ein FSJ in Frage kommen, können Sie den jeweiligen FSJ-Stellen Ihres Bundeslandes entnehmen. Ein FSJ kann auch im Ausland geleistet werden.

In Deutschland kann ein Freiwilliges Soziales Jahr von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erbracht werden, die ihre Vollzeitschulpflicht bereits erfüllt und das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Ein FSJ wird ganztägig als überwiegend praktische Hilfstätigkeit in gemeinwohlorientierten Einrichtungen, den sogenannten Einsatzstellen, geleistet. Einsatzstellen sind typischerweise Krankenhäuser, Kindergärten, Altenheime, Rettungsdienste, Kultur- und Sporteinrichtungen.

Variable Rahmenbedingungen

Die Arbeitszeit während des Dienstes richtet sich nach den Gegebenheiten der Einsatzstelle. Meist beträgt sie rund 39 Wochenstunden.
Die finanzielle Vergütung variiert bei den unterschiedlichen Trägern. Unterkunft und Verpflegung werden, falls sie nicht gestellt sind, finanziell vergütet. Für unter 25-jährige Freiwilligendienstleistende wird für die Dauer des Einsatzes Kindergeld nach dem Bundeskindergeldgesetz bezahlt.

Für FSJ-Dienstleistende gelten die gleichen Vergünstigungen wie für Schüler oder Auszubildende. Mit dem Beginn des Dienstes wird ein FSJ-Ausweis ausgestellt. 

Das Freiwillige Soziale Jahr findet seine Wurzeln in Deutschland im Jahr 1962. Damals initiierte Gertrude Rückert den sogenannten „Philadelphischen Dienst“, um Abiturientinnen vor dem Studium mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr die Möglichkeit zur persönlichen und beruflichen Orientierung zu bieten. Dieses Konzept war damals vollkommen innovativ und das Vorläufermodell des heute bundesweit verankerten Freiwilligen Sozialen Jahres.

Alte Hände, die sich an einem Hilfsmittel festhalten
Das Freiwillige Soziale Jahr wird von jungen Menschen ganztägig in gemeinwohlorientierten Einsatzstellen absolviert (Gerd Altmann/pixelio.de)

Freiwillige Arbeit mit pädagogischem Rahmen

Das FSJ gilt als soziales Bildungsjahr. Die Durchführung muss deshalb innerhalb eines pädagogischen Gesamtrahmens gestaltet werden. Die Freiwilligen werden während ihres Einsatzes pädagogisch begleitet. Sie sollen dadurch optimal auf ihren neuen Erfahrungsraum vorbereitet werden und die Möglichkeit erhalten, ihre Erlebnisse auszutauschen und aufzuarbeiten.

Im Laufe des Einsatzes werden jeweils ein Einführungs-, Zwischen- und Abschlussseminar im Umfang von jeweils mindestens fünf Tagen durchgeführt. Die Gesamtdauer der Seminare beträgt, berechnet auf einen zwölfmonatigen Einsatz, mindestens 25 Tage. Je nach Einsatzgebiet und Träger erhalten freiwillige Helfer eine gegebenenfalls notwendige Ausbildung oder Fortbildung.

Verlieren Sie keine Zeit!

Falls Sie sich dafür interessieren, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren, bewerben Sie sich rechtzeitig bei den für Sie in Frage kommenden Trägern!
Die Träger führen ab dem Frühling Bewerbungsgespräche für ein FSJ ab September durch. Bei einem FSJ im Ausland sind Bewerbungen mit einem Vorlauf von mindestens bis zu einem Jahr erforderlich.

Wenn Sie überlegen, ein FSJ zu absolvieren, denken Sie nicht an die Zeit, die Sie „verlieren“, sondern an die vielen wertvollen Erfahrungen, die Sie innerhalb von sechs bis achtzehn Monaten sammeln können! Erfahrungen, die Sie vielleicht ein Leben lang prägen und Ihre Selbstständigkeit und Ihr Selbstbewusstsein stärken werden.

„Dieses eine Jahr als Freiwillige hat mich weitergebracht als die fünf Jahre davor“, sagt Viola. Für die junge Frau war der freiwillige Einsatz wegweisend für ihre berufliche Zukunft und eine enorme Stärkung ihrer Persönlichkeit.
Was auch immer Sie aus Ihrem Einsatz als freiwilliger Helfer mitnehmen, „verloren“ ist diese Zeit im Dienste einer guten Sache mit Sicherheit nicht! 

 

Text: Michaela Hawlik – 02/2012

Fotos: pixelio.de

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