Freiwilligenarbeit im Dienst der Gesellschaft

Eine Frau am Rednerpult hält eine Ansprache (Foto: EFJ2011)
Eröffnungsansprache am EFJ2011 durch die Präsidentin des BAGFW (Foto: EFJ2011)

Freiwillig. Etwas bewegen! - Unter diesem Motto findet 2011 das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft (EJF 2011) statt. In Deutschland sowie in Österreich ist Freiwilligenarbeit ein wichtiger Pfeiler der Zivilgesellschaft.

Es läutet und der kleine Diyar geht zur Tür. „Endlich ist Monika da!“ Die junge Frau ist gekommen, um mit Diyar zusammen die Hausaufgaben zu lösen. Diyar rechnet wieder einmal ganz langsam, da lacht Monika: „Schneller, schneller, Diyar, sonst schlafen wir noch ein! Du kannst das schon!“ Der Junge lacht bei diesem Gedanken und mit dieser Motivation ist die Aufgabe schnell gelöst.

In diesem Schuljahr besucht Monika in der Wohnsiedlung von Diyar in der Tiroler Marktgemeinde Telfs acht Familien ein- bis dreimal pro Woche. Sieben Familien besucht sie noch in anderen Ortsteilen. Die Familien bezahlen Monika dafür einen kleinen Pauschalbetrag. Doch damit sind die Kosten der jungen Frau noch nicht gedeckt. Sie benötigt auch öffentliche Förderung, die aber in Österreich immer mehr gekürzt wird.

Ein Fall von vielen. Freiwilligenarbeit hat sich in Österreich zur wichtigen Stütze von sozialen Institutionen entwickelt. Nach Angaben des österreichischen Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) stellen die Freiwilligen in Österreich ungefähr zehn Prozent der Erwerbstätigen dar. Gemessen an diesen Zahlen, erstaunt es, dass die Freiwilligenarbeit in Österreich wie auch in anderen EU-Ländern keine gesetzlichen Rahmenbedingungen hat. 2011 soll das Thema Freiwilligenarbeit erstmals im europäischen Rahmen breites Gehör finden.

Förderung der aktiven Bürgerschaft

„Freiwillig. Etwas bewegen!“. Unter diesem Motto findet 2011 das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft (EJF 2011) statt. Mit der Förderung der Freiwilligentätigkeit und der aktiven Bürgerbeteiligung wird das Ziel verfolgt, durch Bewusstseinsbildung und die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen die Freiwilligentätigkeit als Instrument der Partizipation und des Engagements zu stärken.

Menschen jeder Altergruppe und sozialen Zugehörigkeit beteiligen sich an zivilgesellschaftlichen Aktivitäten und übernehmen Verantwortung; sie üben Ämter bei Vereinen und Organisationen aus oder engagieren sich informell. Ohne diesen freiwilligen und ehrenamtlichen Beitrag würden viele Politik- und Gesellschaftsbereiche ganz anders aussehen. Dieses unbezahlbare Engagement zu zeigen, die Menschen und Organisationen zu stärken, aber auch den Stellenwert der Freiwilligenarbeit kritisch zu beleuchten, ist das Ziel der vielfältigen Beiträge im EJF 2011.

Eröffnungsfeier in Berlin

Am 21. Februar fand in Berlin die nationale Auftaktveranstaltung des Europäischen Jahrs der Freiwilligentätigkeit 2011 statt. Auf der Fachtagung "Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011: Ziele und Erwartungen" wurden die Chancen und Herausforderungen des EJF 2011 abgesteckt und diskutiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Möglichkeit, in vier Workshops die Ziele des EJF 2011 zu diskutieren und dadurch Impulse für das Jahr zu geben. Außerdem wurden die "European Employee Volunteering Awards" verliehen.

Eine Gruppe von Männern und Frauen am EFJ2011 Kongress (Foto: EFJ2011)
Gruppenfoto an der EFJ2011 Eröffnung in Berlin (Foto: EFJ2011)

EFJ 2011 Allianz

Die sogenannte „EYV 2011 Alliance“ bzw.“ EJF 2011 Allianz“ ist ein aus mittlerweile 39 Mitgliedern bestehendes Bündnis europäischer Netzwerke und Verbände. Im Jahr 2008 organisierte die Allianz eine breit angelegte Lobbykampagne für das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit, die auf nationaler Ebene über ihre zahlreichen Mitgliedsorganisationen unterstützt und begleitet wurde. Anfang 2011 richtete die Allianz Arbeitsgruppen ein, die bis zum Ende des Jahres ein umfängliches Strategie- und Empfehlungspapier zu relevanten Themen Bürgerschaftlichen Engagements erstellen werden.

Die Ergebnisse werden der Europäischen Kommission bei der Abschlussveranstaltung des EJF im Dezember 2011 in Warschau präsentiert und zur Verfügung gestellt. Schwerpunktthemen der Arbeitsgruppen sind Qualität, rechtliche Rahmenbedingungen, Infrastruktur, Anerkennung bzw. der Wert von Freiwilligentätigkeit und Unternehmensengagement.

Mitmenschlichkeit und Solidarität

“Schon allein der Erfolg der europäischen Allianz stimmt mich optimistisch, “ sagt Dr. Stephanie Scholz vom Diakonischen Werk der EKD e.V. Das Freiwilligenjahr könne nur eine Zwischenetappe auf einem bereits bestehenden Weg in eine Zukunft mit Zielen der Mitmenschlichkeit und der Solidarität sein. „Damit sich jedoch viele auf diesem Weg begegnen können, muss er barrierefrei sein, muss er gute Strukturen bereithalten aber auch ein positives Image haben. Dazu trägt das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 bei, “ sagt Stephanie Scholz.

Geplante Umsetzung in Deutschland

In jedem Mitgliedstaat der Europäischen Union wurde eine Nationale Koordinierungsstelle eingesetzt, die für Veranstaltungen, Projekte und Öffentlichkeitsarbeit auf nationaler Ebene zuständig ist. Die deutsche Koordinierungsstelle ist im BMFSFJ (Referat 317) angesiedelt. Für die operative Umsetzung der Aktivitäten wurde eine Geschäftsstelle bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) eingerichtet.

Die Koordinierungsstelle hat unter enger Beteiligung der Zivilgesellschaft ein Nationales Programm für die Umsetzung des EJF 2011 in Deutschland erstellt, das durch die EU-Kommission gebilligt wurde. Die Zielsetzungen der Europäischen Union wurden mit Blick auf die nationalen Herausforderungen angepasst und präzisiert. Die nationalen Prioritäten lauten:

  • Stärkung der Aufmerksamkeit und Anerkennung für Freiwillige und bürgerschaftliches Engagement in der Gesellschaft
  • besonderer Fokus auf generationenübergreifende Aktivitäten
  • gezielte Ansprache von Frauen, jungen Menschen, Älteren sowie Menschen mit Migrationshintergrund
  • Intensivierung des Austauschs mit Verbänden und Organisationen der Bürgergesellschaft zur Verbesserung des Umfelds für Freiwillige und bürgerschaftliches Engagement
  • Unterstützung einer besseren Vernetzung und Kooperation der Akteure und der Informationsangebote über bürgerschaftliches Engagement in Deutschland
  • Initiierung eines regelmäßigen Dialogs über das Thema auf europäischer Ebene
Eine junge Frau betreut einen Patienten im Notfallwagen (Foto: Deutsches Rotes Kreuz)
Freiwilligenarbeit beim Deutschen Roten Kreuz (Foto: Deutsches Rotes Kreuz)

Der Bedeutungszuwachs des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland zeigt sich darin, dass der Staat auf den föderalen Ebenen des Bundes, der Länder und der Kommunen mit vielen verschiedenen Mitteln und Methoden (Programme, Projekte sowie zahlreiche Preise zur Anerkennung) Engagementförderung betreibt.

Hierzu tragen auch verschiedene gesetzliche Regelungen in Bundes- und Landesgesetzen bei. Häufig geht es dabei um steuerliche Erleichterungen für Engagierte, zum Beispiel die steuerliche Absetzbarkeit von Aufwandspauschalen. Weitere Regelungen finden sich unter anderem auch im Vereins- und Stiftungs- sowie im Sozialrecht.

Das Freiwilligendienststatusgesetz

Da die Bandbreite der Freiwilligentätigkeiten sehr groß ist, gibt es in Deutschland keinen „allgemeinen“, rechtlich normierten Status für Freiwillige. Im Bereich der Freiwilligendienste wird jedoch angestrebt, diesen im Rahmen eines „Freiwilligendienstestatusgesetz“ zu definieren.

Die Jugendfreiwilligendienste "Freiwilliges Soziales Jahr“ und „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ stehen mit dem „Gesetz zur Förderung der Jugendfreiwilligendienste“ auf einer gesetzlichen Grundlage. Gerade bei Jugendlichen findet das „Freiwillige Soziale Jahr“ sehr großen Anklang. Hier erhalten Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren die Möglichkeit, für minimal sechs und maximal 18 Monate einen Arbeitsdienst zu leisten in verschiedenen sozialen Einrichtungen und Organisationen.

Das Portal Freiwilligenarbeit.de www.freiwilligenarbeit.de hingegen hat sich auf die Vermittlung von Arbeitseinsätzen im Ausland spezialisiert. Bei einem dieser Projekte werden sich Jugendliche in einem chilenischen Altenpflegeheim oder in einem chilenischen Hilfsprojekt für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderungen einsetzen.

Veranstaltungskalender

Die Website www.ejf2011.de informiert über sämtliche Veranstaltungen, aktuelle Entwicklungen, Aktivitäten und Termine im Rahmen des EJF 2011.


Text: Michel Benedetti - 08/2011

Photos: EJF 2011, Deutsches Rotes Kreuz

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!