Ein Rollstuhl – keine Spaßbremse für den Partybesuch!

Aufnahme einer belebten Discofläche von oben
Tanzparty (WONG/pixelio.de)

Für die Jungen und Junggebliebenen gibt es immer wieder am Wochenende ein Ritual: Der Partybesuch in einer Disco oder (meist im eher ländlichen Raum) in einer Stadthalle, einem umfunktioniertem Sportheim etc. Auch Rollstuhlfahrer müssen wochenends nicht zuhause bleiben und den Fernseher hüten. Damit das Partyvergnügen ungetrübt bleibt, ist es jedoch angebracht, ein paar Tipps zu beherzigen.

Besonders für die Nutzer von schweren Elektrorollstühlen empfiehlt es sich, im Vorfeld abzuklären, ob es am Veranstaltungsort Stufen oder gar Treppen gibt. Jeder Rollstuhlfahrer weiß selbst, wie viele Stufen er (mit Hilfe) mit seinem Gefährt überwinden kann. Grundsätzlich sind die meisten Menschen sehr hilfsbereit, wenn es darum geht, einen Rollstuhl über ein paar Stufen hinweg zu heben.

Allerdings sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass zur fortgeschrittener Stunde nur das Veranstaltungspersonal (z.B. Türsteher) noch mit Sicherheit ganz nüchtern ist und risikolos mit zupacken kann. Einfacher und sicherer ist es natürlich, wenn es einen ebenerdigen (Neben-)Eingang gibt. Dies ist besonders bei großen Discotheken häufig der Fall.

Rollstuhlfahrer erhalten üblicherweise von den Türstehern besondere Aufmerksamkeit. Langes Anstehen in der Schlange muss daher nicht sein. Trotzdem sollte man sich benehmen und, wenn möglich, der Kleiderordnung der Veranstaltung entsprechen. Denn ein Rollstuhl ist kein Freifahrtschein. Ebenso, wie bei allen anderen Gästen, obliegt es letztendlich den Herren an der Tür, wer hinein kommt und wer nicht.

Wenn man nicht ohnehin, aus Kulanz, freien Eintritt erhält, sollte man die Kassierer zumindest darauf hinweisen, dass eine Begleitperson (wenn im Schwerbehindertenausweis eingetragen) freien Eintritt erhält.

Es empfiehlt sich grundsätzlich für Rollstuhlfahrer, Partys immer in Begleitung eines Fußgängers zu besuchen. Ob man dabei mit einer Assistenzkraft oder mit Freunden ins Nachtleben startet, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass man jemanden dabei hat, der einen kennt und weiß wann man welche Hilfe benötigt. Manchmal müssen auch andere Partygäste beiseite gebeten werden, wenn man im Rollstuhl nicht durch kommt, oder an zu hohen Bars Getränke besorgt werden.

Erfahrungsgemäß kommt es auf jeder Party vor, dass andere Besucher, im nicht mehr ganz nüchternen Zustand, auf Rollstuhlfahrer zukommen. Meist gibt es dann Aussagen zu hören, wie toll die Leute es doch finden, dass man trotz Rollstuhl gekommen ist und sich nicht zuhause versteckt. Andere wollen einem (je nach Grad des Angetrunkenseins) auch schon mal die Hand geben oder einem ein Bussi auf die Wange drücken.

Wenn man sich dessen als Rollstuhlfahrer nicht selbst erwehren kann, ist es sinnvoll, mit „seinem Fußgänger“ im Vorfeld ein Zeichen auszumachen, damit er weiß, wann es einem zuviel wird und er dazwischen gehen soll. Auch die Begleiter sollten sich auf Kommentare der anderen Partygäste einstellen, wie toll es doch ist, dass sie mit einem Rollstuhlfahrer unterwegs sind. Für beide gilt bei derartigen Bekundungen: Einfach nett lächeln und nicken. Dann ist der Spuk meist schnell wieder vorbei. Wenn jedoch jemand zu sehr auf die Nerven geht, sollte man auch nicht davor zurückschrecken, dies klar zu sagen.

Grundsätzlich ist es jedem selbst überlassen, ob und wieviel Alkohol er auf einer Party trinkt. Bei manchen Krankheitsbildern empfiehlt es sich jedoch, vorher kurze Rücksprache mit seinem behandelnden Arzt zu halten.
Egal ob Jägermeister und Co. oder alkoholfreie Drinks. Eines haben alle gemeinsam: Irgendwann wollen sie wieder aus dem Körper.

Während die meisten Diskos über ein separates WC für Rollstuhlfahrer verfügen (falls verschlossen einfach an das Hauspersonal wenden), kann es bei kleineren Clubs schon mal vorkommen, dass es nur Herren- und Damen-WCs gibt. In diesem Fall muss es einem nicht peinlich sein, wenn man sich in die hintere Ecke des Raumes zurückzieht, um dort Wasser zu lassen. Damit man dabei nicht unbedingt auf eine Toilette angewiesen, sind im Sanitätshandel spezielle Urinflaschen oder -beutel erhältlich.

Sinn und Zweck eines Partybesuchs ist jedoch nicht, sich dumm anquatschen zu lassen oder sich in der hinteren Ecke eines WCs zu verkriechen, sondern Spaß zu haben. Für viele Menschen gehört neben dem Alkoholgenuss und dem Knüpfen neuer Bekanntschaften auch das Tanzen dazu. Manchem Rollstuhlfahrer reicht es bereits, die anderen Partygäste beim Tanzen zu beobachten, um Spaß zu haben.

Getreu dem Motto: „Die Party findet nicht auf der Tanzfläche statt, sondern im Herzen.“ Wer aber trotzdem den Tanzreifen schwingen will, sollte sich dieses Vergnügen nicht nehmen lassen. Ob man dazu mitten auf die Tanzfläche rollt oder lieber abseits stehen bleibt, ist dabei ebenso dem eigenen Geschmack überlassen, wie die Wahl, ob man nur ein wenig seinen Körper im Rhythmus bewegt, oder den ganzen Rollstuhl im Takt der Musik umherlenkt.

Erlaubt ist, was gefällt und Spaß macht! Und keine Sorge vor den Blicken anderer Partygäste. Denn wenn man ehrlich ist: Nur die wenigstens Menschen (ob mit oder ohne fahrbaren Untersatz) machen beim „Abtanzen“ wirklich eine gute Figur.


Text: Justin Black
Bild: pixelio.de

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