Tina ist verliebt – Liebe einfach erklärt

Buchcover von „Tina ist verliebt“ (Foto: Allitera Verlag)
„Tina ist verliebt“ erzählt eine Liebesgeschichte, ausgerichtet auf geistig behinderte Jugendliche (Foto: Allitera Verlag)

"Du hast Schmetterlinge im Bauch", meint Lena zu ihrer Schwester. Darüber ist diese sehr erschrocken. Doch dann erklärt Lena ihr, dass das etwas Schönes ist. Denn Tina ist verliebt.

Wir alle kennen wohl dieses kribbelige Gefühl im Bauch, wenn man verliebt ist. Viele können sich bestimmt auch noch an die erste (große) Liebe erinnern. Doch was genau ist "Liebe" eigentlich? Und warum fühlen sich Verliebte mal, als wenn sie schweben und dann wieder, als würde ihnen jemand ins Herz stechen?

Fragen, die schon so manchen Teenager trotz Jugendzeitschriften, TV und Internet verzweifeln ließen. Richtig schwierig werden diese Fragen jedoch für Jugendliche, die ein geistiges Handicap haben. Denn für Sie gibt es kaum Informationen, die auf ihre speziellen Bedürfnisse angepasst sind. Auch Eltern stehen dann vor einer besonderen Herausforderung. Sie können nicht auf BRAVO & Co. verweisen, sondern müssen ihren Kindern "Liebe" erklären. In einer verständlichen Form. Eine Unterstützung dabei ist jetzt im Allitera Verlag erschienen: "Tina ist verliebt" von Steffi Gheis.

Illustration von Tina mit Schmetterlingen im Bauch und ihrer Schwester (Foto: Allitera Verlag)
Tina hat Schmetterlinge im Bauch (Foto: Allitera Verlag)

Kein Kinderbuch

Für Jugendliche ohne ein geistiges Handicap würde "Tina ist verliebt" wohl wie eine Kurzgeschichte für kleine Kinder anmuten. Tinas Erlebnisse wurden vom Verlag in großer Schrift auf 58 Seiten gesetzt. Zahlreiche bunte Illustrationen unterstreichen die unterschiedlichen Situationen, die die Hauptfigur durchlebt.

Die Autorin, freie Journalistin und nach ihrem Studium der Sozialen Arbeit Mitarbeiterin einer Heilpädagogischen Tagesstätte, benutzt bewusst eine einfache Sprache. Auch werden umgangssprachliche Floskeln oder komplizierte Ausdrücke verständlich in ihrem Text erklärt. Dass "Tina ist verliebt" trotzdem kein Kinderbuch ist, macht neben dem Hauptthema des Buches spätestens die Beschreibung des Küssens deutlich. Entsprechend der Zielgruppe der Geschichte wird dabei genau erläutert, wie das, was man so oft in Filmen sieht, eigentlich funktioniert.

Viele Handlungsvorschläge

Auch sonst gibt Tina als Vorbild den jugendlichen Leserinnen und Lesern mit geistiger oder Lern-Behinderung viele Handlungsvorschläge. Für den Umgang sowohl mit diesem schwierigen Auf und Ab der Gefühle, als auch mit der geliebten Person. Dabei folgen die Ereignisse einer klaren Struktur. Sämtliche Aspekte des Verliebtseins werden angesprochen. Aber unkompliziert und hintereinander. Angefangen bei den ersten Schmetterlingen im Bauch, über Träumereien, Appetitlosigkeit, Eifersucht und Zurückweisung bis hin zu der wichtigsten Frage in dieser Zeit: "Wollen wir am Wochenende was zusammen unternehmen?"

Jugendliche und junge Erwachsene mit geistiger Behinderung werden so an eine zentrale, aber oftmals komplizierte Thematik herangeführt, ohne damit überfordert zu werden. Am Beispiel von Tina lernen sie dabei, dass Liebe nicht immer einfach, manchmal unschön, meistens wunderbar aber vor allem eines ist: Nicht schlimm und ganz normal.

Illustration von Tina, die sich haareraufend und weinend auf dem Klo versteckt (Foto: Allitera Verlag)
In der Liebe geht es auch mal abwärts (Foto: Allitera Verlag)

Reihe soll fortgesetzt werden

Um dieses Lernen durch Vorbilder für geistig behinderte Jugendliche in diesem wichtigen Bereich des Lebens auch über das erste Date und den ersten Kuss hinaus zu ermöglichen, ist geplant, die Buchreihe fortzusetzen. Nach "Tina ist verliebt" soll "Tina hat einen Freund" folgen. Damit genderpädagogische Aspekte berücksichtigt werden und die Identifikation mit der Hauptfigur für junge Männer einfacher wird, ist angedacht, dass Tina ein männliches Pendant - Tom - bekommt, der dieselben Geschichten erlebt.

Somit wird "Tina ist verliebt" wohl erst der gelungene Auftakt dafür sein, dass Liebe, Partnerschaft und Sexualität ansprechend, witzig und auf ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnitten für Jugendliche mit einer geistigen Behinderung aufbereitet werden.

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