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Zählt der Schlaganfall als Arbeitsunfall?

Topic Status: beantwortet

 » Gesundheit, Hilfsmittel & Medikamente
Landesflagge: DE
Tomislav
Themenersteller
Beiträge: 1
Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe eine Bitte und eine Frage. Mein Mann hatte letzte Woche einen Schlaganfall am Arbeitsplatz. Ich frage mich, ob das als Arbeitsunfall zählt..? Die Kosten für die Behandlung werden von den Krankenkasse übernommen, aber ich habe auch zusätzliche Kosten... Wir wissen nicht, ob er bei der Firma Arbeitsgeber zusätzlich versichert ist. Aber wenn er versichert IST, kann er den arbeitsgeber um entschädigung suchen? Wir wollen den arbeitsgeber nicht beschädigen, weil ich denke, dass die Versicherung trotzdem entschädigung zahlt (falls vorhanden), nicht Arbeitsgeber. Bitte helfen Sie mir mit ein paar Worten zu diesem Thema. Vielen Dank im Voraus.
Verfasst am: 01. 09. 19 [18:40]
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idur65
Beiträge: 1735
Hallo Tomislav,
ein Schlaganfall kann nicht als Arbeitsunfall anerkannt werden weil er nicht durch etwas arbeitstechnisches ausgelöst wurde.
Vorerkrankungen sind meist die Ursache eines Schlaganfalls.
Welche Mehrkosten hast du denn? Die Behandlung und die evtl. Folgen des Schlaganfalls übernimmt die Krankenkasse, auch die anschließende Reha übernimmt die Rentenversicherung.

Gruß idur

Wie man in den Wald ruft so schallt es zurück!
Verfasst am: 01. 09. 19 [18:49]
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Denis_MyHandicap
Beiträge: 296
Hallo,

ich leite die Frage an unseren Fachanwalt weiter.
Vielleicht kennt er noch Möglichkeiten.

Freundliche Grüße

Denis, MyHandicap
Verfasst am: 02. 09. 19 [15:19]
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idur65
Beiträge: 1735
Zitiert als Kopie:

ein Arbeitsunfall „bei einer versicherten Tätigkeit“ ist im § 548 der RVO (Reichsversicherungsordnung) geregelt.

Die Rechtssprechung machte bisher zur Voraussetzung der Anerkennung eines Arbeitsunfalls, dass dieser Unfall nicht nur bei der Arbeit auftrat, sondern infolge der Arbeit und in einem inneren Zusammenhang mit dieser Tätigkeit stehen muss. Gelegenheitsursachen wie z.B. ein Angestellter erleidet am Arbeitsplatz einen Schlaganfall, sollten damit ausgeschlossen sein.

Die Berufsgenossenschaften berufen sich auf folgende Definition:

Arbeitsunfall: Eine von außen kommende, plötzlich, d.h. auf längstens eine Arbeitsschicht begrenzte, körperlich schädigende Einwirkung, die in einem inneren, wesentlichen, zumindest teilursächlichen Zusammenhang mit der versicherten Tätigkeit steht.

Eine exemplarische BG Anfrage hat diese Aussage nochmals bestätigt.

D.h. Der Kostenträger für die Akutbehandlung und die Frühreha-Phase B ist die Krankenkasse. Die Reha-Phase C und Anschlußheilbehandlungs-Phase D in der Regel vom Rentenversicherungsträger, sowie die Wiedereingliederungsmaßnahmen bei Berufstätigen mit Versicherungsansprüchen. Ist der Patient bereits Rentner, bleibt die Krankenkasse der Kostenträger. Ganz wichtig für den Patienten und die Angehörigen ist der Kontakt zu den Sozialdienstmitarbeitern der jeweiligen Klinik über alle Schnittstellen hinweg. In Berlin kann auch parallel schon zum Servicepunkt Schlaganfall der Berliner Schlaganfallallianz Kontakt zwecks Beratung aufgenommen werden. Wir beraten Sie gerne. www.schlaganfall-allianz.de

Mit freundlichen Grüßen

Petra Thea Knispel
Servicepunkt Schlaganfall

Gruß idur

Wie man in den Wald ruft so schallt es zurück!
Verfasst am: 02. 09. 19 [16:04]
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idur65
Beiträge: 1735
Besondere Einzelfallentscheidung:

Glück im Unglück: Schlaganfall kann versicherter Arbeitsunfall sein

Das Sozialgericht Ulm entschied im Falle eines Klägers, der während einer geschäftlichen Besprechung einen Schlaganfall erlitt, dass ein Schlaganfall unter bestimmten Voraussetzungen ein versicherter Arbeitsunfall im Sinne der Gesetzlichen Unfallversicherung sein kann, so dass die Gesetzliche Unfallversicherung Leistungen zu erbringen hat.

Im zu entscheidenden Fall hatte der Kläger, bei dem nach Feststellung des Sozialgerichts keine wesentlichen Risikofaktoren für einen Schlaganfall vorlagen, an einer Besprechung mit der Geschäftsführung teilgenommen. Gegenstand der Besprechung war ein großer, vom Kläger akquirierter Auftrag, der mit nicht unerheblichen Risiken für das Unternehmen behaftet war. Das Unternehmen befand sich zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Insolvenz, so dass dem Auftrag eine besondere Bedeutung zukam. Das Gericht setzte die Voraussetzungen für die Anerkennung eines Arbeitsunfalls hoch an. Entscheidend war vorliegend, dass sich der Versicherte während der geschäftlichen Besprechung in einer psychischen Ausnahme- bzw. Belastungssituation im Sinne einer erheblichen geistig-seelischen Einwirkung ausgesetzt sah.

In seinem Urteil hatte sich das Gericht zudem mit dem Problem auseinanderzusetzen, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Schlaganfall ursächlich auf eine geistig-seelische Einwirkung zurückgeführt werden kann. Nach Auffassung des Gerichts ist hiervon auszugehen, wenn der Schlaganfall unmittelbar während einer geistig-seelischen Einwirkung auftritt und zudem beim Versicherten keine relevanten Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegen. Der Auffassung der beklagten Berufsgenossenschaft, dass ein Schlaganfall ein unversichertes, allgemeines Lebensrisiko darstellt, folgte das Gericht nicht.

Quelle: SG Ulm, Urt. v. 30.06.2009 - S 10 U 4096/07
zum Thema: Arbeitsrecht


Gruß idur

Wie man in den Wald ruft so schallt es zurück!
Verfasst am: 02. 09. 19 [16:06]
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