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Wirbelfraktur wurde viel zu spät erkannt

Topic Status: in Lösung

 » Recht & Soziales
Landesflagge: DE
Humpler
Themenersteller
Beiträge: 12
Ich benötige Hilfe:
Vor meinem Unfall war ich jahrelang Mitglied in einem Tanzclub und habe dort Prüfungen bestanden und auch in einer Gruppe lange Zeit Formationstanz gemacht. Sogar auch in der Stuttgarter Liederhalle.

Ich konnte vor dem Unfall problemlos weite Strecken laufen, rennen oder ständig auch schmerzfreie Dauerläufe machen. Außerdem hatte ich etwa 1970 nacheinander zwei kräftige Schäferhunde angeschafft. Auch mit denen lief ich täglich sehr weite Strecken schmerzfrei. So ein Hund muss täglich kilometerweit laufen. Mit den Hunden war ich jahrelang Mitglied (vor dem Unfall) in einem Hundesportverein. In diesem Verein habe ich selbst die Hunde unter Anleitung von anderen Hundesportlern, die auch die Leitung des Vereins hatten, abgerichtet und in dieser Zeit mit meinen Hunden auch einige Prüfungen bestanden. All das habe ich am Unfalltag aufgeben müssen.

Mein Unfall wurde danach später von einer Berufsgenossenschaft anerkannt.
Die Fraktur meiner Wirbelsäule bei BWK 12 ist erst 20 Tage nach meinem Unfall festgestellt und dokumentiert worden, weil ich wegen meines Arbeitgebers, einer großen und in Deutschland sehr bekannten deutschen Privatbank nicht in eine Klinik gehen durfte und nicht zu einem Unfallarzt gebracht wurde.

Der erste Unfallarzt sagte mir nach der Feststellung, dass ich auch nach zwei Tagen noch in einer Klinik hätte operiert werden können. Dann hätte ich heute nach mehr als 23 Jahren keines meiner Probleme.
Aber nach 20 Tagen war das zu spät, sagte damals der Arzt. Die Fraktur war schon am Zusammenwachsen, aber leider falsch und keilförmig. Der Arzt konnte mich nur noch krankschreiben.

Meine Probleme:
vor dem Unfall hatte ich schon eine Torsionsskoliose an der BWS und LWS.
Dann kam mein Unfall. Die Folge davon:
Impression der Deckplatte BWK 12 und diese starke Keilwirbelbildung. Die Bandscheibe zw. 11 und 12 befindet sich seit damals teilweise im eingebrochenen BW 12. Ein weiterer Teil davon befindet sich zu etwa 30 - 50% im Nervenkanal. Das wurde nach einem Kernspin im Sommer 1988 festgestellt.
Der zuständige Arzt sagte mir nach dem Kernspin, die Probleme sind Folgen des Traumas.
Heute weiß ich, 22 Jahre nach dem Unfall hat sich das jetzt auf etwa 20 bis 30% reduziert.

Ich frage mich heute, wie weit war die Bandscheibe am Tag des Unfalls in den Nervenkanal eingedrungen und hat alles beschädigt.
Seit dem Unfall habe ich auch eine erhebliche Gangattaxie mit Fallneigung nach rechts. Davon die Folge: mein rechtes Kniegelenk ist komplett kaputt und sehr schmerzhaft. Mein Orthopäde hat mir eine Knieorthese verschrieben.

Man hatte 1988 in einer Klinik noch anderes festgestellt. Verdacht auf MS wurde damals zum ersten Mal in meinem Leben geäußert, aber nie verifiziert. Dieser Verdacht steht jetzt natürlich auch in allen meinen Gutachten.
Man stellte auch fest, dass ich seit dem Unfall eine Tetraplegie (teilweise Querschnittlähmung und viele andere Probleme) habe. Die Folgen davon spüre ich seit Anfang 1987.

Hierzu habe ich eine Frage:
Was ist für mich gegen die BG noch möglich und kann es sein, dass auch der Verdacht einer MS mit den Schäden im Nervenkanal oder wegen der Tetraplegie zusammenhängen könnte?

Auf Veranlassung der BG wurden voriges Jahr neue Gutachten gemacht, weil die BG mir alles ablehnt, auch einen Rollstuhl, und ich immer wieder gegen die Ablehnungen Einsprüche erhebe. Laut BG ist meine Skoliose für alles verantwortlich, aber nicht der Unfall.
Neurologisches Gutachten 2009: Der Arzt sagte dabei, diese MS-Geschichte sei ein riesengroßer Käse, er selber kann keine MS feststellen. Das hätte damals erneut untersucht werden müssen, heute sei es zu spät.

2009 wurde auch noch wegen eines weiteren unfallchirurgischen Gutachtens wieder ein Kernspin gemacht. Es wurde die HWS, BWS und LWS gescannt. Der Arzt sagte mir auf meine Frage hinterher, die Skoliose ist für die Beschwerden nicht verantwortlich, davon sei nur der Rücken krumm.
Jetzt muss ich vor einem Sozialgericht gegen die BG vorgehen oder alles vergessen.

Viele Grüße
Verfasst am: 08. 02. 10 [17:53]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
Gelöschter Benutzer
Hallo erstmal.
Schön das wir dich hier haben und was Du schilderst ist nicht gerade Berauschent
aber ich Denke du wirst hier einiges finden was Dir weiter hilft.
Nicht Nur was Deine Frage betrifft.

Manchmal ist es besser vor Gericht zu ziehen als nichts zu tun.
Bist Du eigendlich immer bei dem selben Arzt gewesen der Dich Untersucht hat?

Schau dich doch mal im Forum um ob Du da einiges schon finden kannst.

Ich wünsch Dir noch viel Spass hier.
Gruß
Herbi
Verfasst am: 08. 02. 10 [19:13]
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Gelöschter Benutzer
Hallo,
wir leiten deine Anfrage an einen Fachexperten weiter. Bitte um etwas Geduld.

Viele Grüße, Iris, Redaktion MyHandicap

Iris, MyHandicap-Redaktion

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Sollte Dein Anliegen noch nicht gelöst sein, zögere bitte nicht, noch
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Verfasst am: 09. 02. 10 [10:21]
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RechtsanwälteJanssen&Maluga
Beiträge: 116
Sehr geehrtes Mitglied,
vielen Dank für ihren Forumsbeitrag. Grundsätzlich stellen anerkannte Berufskrankheiten Versicherungsfälle im Sinne des Unfallversicherungsrechts dar. Sie werden also ebenso wie Arbeitsunfälle entschädigt. Rechtsgrundlagen sind das siebte Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII) und die Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) vom 31. Oktober 1997

Wenn sie mit der Entscheidung der BG, als ihr zuständiger Versicherungsträger, nicht einverstanden sind, besteht grundsätzlich die Möglichkeit innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung Einspruch zu erheben. Laut ihres Beitrages haben sie dies bereits erfolglos getan. Aus diesem Grunde besteht nur noch die Möglichkeit eine Entscheidung vor dem Sozialgericht zu erwirken.

Auf Grund der komplexen Materie ist eine anwaltliche Vertretung anzuraten. Insoweit regen wir an, dass Sie sich an einen Fachanwalt für Sozialrecht vor Ort wenden. Wir weisen höflich drauf hin, dass hier Fristen zu beachten sind, so das wohl kurzfristig Handlungsbedarf besteht.

Die einschlägigen Richtlinien sind streng. Im Jahr 2004 beispielsweise haben die Berufsgenossenschaften von etwa 62.000 Berufskrankheitsverfahren nur rund 23.500 bestätigt. Damit liegt die Anerkennungsquote bei 38 Prozent. Im Jahr 2005 wurden in Deutschland 62.569 potenzielle Berufskrankheitsfälle angezeigt Im selben Jahr wurden 15.701 Erkrankungen jedoch nur als Berufskrankheiten anerkannt und entschädigt. Die Anerkennungsquote betrug in diesem Jahr also nur 26 Prozent. Die meisten Verfahren sind in der Regel innerhalb eines Jahres abgeschlossen. Verzögerungen gibt es nur, wenn etwa die zuständige Berufsgenossenschaft auf ärztliche Gutachten oder die Stellungnahme des staatlichen Gewerbearztes warten muss.

Wie sie erwähnten, hat ihr Arzt ihnen nach der Kernspinuntersuchung im Jahre 2009 bestätigt, dass ihre Skoliose nicht verantwortlich ist für die von ihnen beschriebenen Schäden. Sie sollten sich diese Aussage begutachten lassen.

Bezüglich ihrer Frage, ob die Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen dem Verdacht der Multiple Sklerose und der Schäden im Nervenkanal bzw. der Tetraplegie besteht, kann ich ihnen mitteilen, dass nach unserem Kenntnisstand eine eindeutige Ursache trotz intensiver medizinischer Forschung bisher nicht beantwortet werden kann. Es wird wohl angenommen, dass eine Vielzahl verschiedener Komponenten zusammenkommen müssen, damit Multiple Sklerose entstehen kann. Nach unterschiedlichen Ansätzen können wohl auch Unfälle durchaus ein Auslösungsfaktor der Multiplen Sklerose sein. Eine konkrete Beantwortung kann jedoch von uns nicht erfolgen. Letztlich handelt es sich um eine Frage, die ein medizinisches Gutachten bzw. ein Arzt klären muss.

Florian Teßmer, Rechtsanwalt
Verfasst am: 23. 02. 10 [09:21]
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Landesflagge: DE
Humpler
Themenersteller
Beiträge: 12
Woher kommt meine Tetraplegie?
Mein Orthopäde, der eigentlich recht hilfreich ist, hat mich jetzt etwas schockiert.
Ich habe, da mein Anwalt (fürs Sozialgericht) mir dies geraten hat, an die BG einen Antrag gestellt, damit meine von meinem Arzt dokumentierte Tetraplegie als Unfallfolge festgestellt wird.

Von diesem Antrag berichtete ich meinem Arzt. Ich fragte ihn, ob es stimmt, dass die Tetraplegie von meiner komplett falsch geheilten Fraktur (BWK 12) und vom Eindringen der Bandscheibe zwischen BW 11 und 12 (ca. 30 bis 40%) in den Nervenkanal die Ursache sei.

Er sagte mir, er glaubt nicht daran, dass die Fraktur, die durch den Unfall zustande kam, verantwortlich ist für die Tetraplegie und wenn die BG auch meinen neuen Antrag ablehnt, soll ich die Tetraplegie noch einmal von einem Neurologen dokumentieren lassen, damit festgestellt wird, woher sie eigentlich kommt.

Über die Tetraplegie steht im Internet genug. Es steht dort aber sehr oft, dass die Tetraplegie immer mit einem Bruch der Hals-WS zu tun hat. Ansonsten heißt das wohl Paraplegie, wenn am Hals keine Fraktur ist. Dann ist es aber auch eine Fraktur an der Wirbelsäule. Egal, Tetra- oder Paraplegie, immer ist, so habe ich es gelesen, eine Fraktur an der Wirbelsäule beteiligt. Warum bezweifelt dies mein Arzt?
Das heißt für mich, schon wieder ein Gutachten, ich habe eigentlich keine Lust mehr dazu. Ob man das nicht aus dem vorhandenen neurologischen Gutachten von der BG von 2009 herauslesen kann?

Ich wurde auch 1968 nach meinem Unfall in einer deutschlandweit sehr bekannten neurologischen Klinik am Ort gründlich untersucht. Gründlich schon, aber nicht supergründlich, weil die Sache mit dem Verdacht einer MS nie nochmal verifiziert worden ist. Bis heute weiß man das nicht ganz genau, habe ich eine MS oder nicht. Mein Orthopäde meint, er glaubt nicht an diese MS.

Von der BG wurde in einer hiesigen Klinik 2009 auch ein unfallchirurgisches Gutachten erstellt, in dem vieles steht, was in meinem Skelett seit dem Unfall entzwei ist und auch die Folgen davon. In meinem ersten Schreiben „Meine Fraktur wurde viel zu spät erkannt“ steht über meine Probleme einiges geschrieben.

Nochmal zum Anwalt:
Die KKH genehmigt mir jetzt den dort beantragten Elektrorollstuhl. Genehmigung aber nur ohne die beantragten Zusatzeinrichtungen, weil der MDK auch dieses abgelehnt hatte. Wegen der Ablehnung werde ich auch noch Widerspruch einlegen. Also wird auch diese Sache hoffentlich irgendwann vom Sozialgericht in meinem Sinn geregelt.

Vielleicht kann mir jemand wegen der Herkunft dieser Tetraplegie eine Antwort geben? Es geht darum, ob die BG meinen Antrag anerkennt oder nicht und ob ich dann zum Sozialgericht gehen muss oder nicht.


Verfasst am: 04. 03. 10 [16:25]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
Gelöschter Benutzer
Hallo Humpler,

woher diese Tetraplegie kommt, können wir dir auf diesem Weg nicht sagen. Um wirklich seriöse Auskünfte zu erhalten, könntest du dich weiter untersuchen lassen. Das ist wirklich die einzige Möglichkeit, um eine Erklärung zu bekommen.

Viele Grüße, Iris, Redaktion MyHandicap

Iris, MyHandicap-Redaktion

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Verfasst am: 10. 03. 10 [12:19]
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