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Wie schafft Ihr es, die Grenze zwischen dem Wunsch nach Schmerzfreiheit und Angst vor Medikamentenabhängigkeit zu wahren und ein gesundes Mittelmaß zu finden?

Topic Status: beantwortet

 » Plauderecke
Gelöschter Benutzer
Ihr Lieben….,
tut mir leid, dass ich schon wieder nerve, aber etwas beschäftigt mich...

Ich hatte am Montag eine OP. Nach dem Aufwachen ging es mir richtig gut; ich war seit längerer Zeit (das zweite Schmerzjahrzent ist bereits angebrochen) völlig schmerzfrei. Dieser Zustand hielt auch noch am nächsten Tag an und ich habe es sehr genossen. So sehr, dass ich ständig losweinen musste. Inzwischen habe ich jedoch wieder das volle Programm: Muskelverspannungen, Nervenschmerzen, Spastik – und ich vermisse diesen schmerzfreien angenehmen Zustand. Es hat mir gezeigt, wie schön es sein kann, ohne Schmerzen zu sein. Ich glaube, ich hatte mich bereits an meine Schmerzen „gewöhnt“ und sie gar nicht mehr bewusst wahrgenommen?

Nun hab ich so „verrückte“ Ideen. Da ich an der deutsch-niederländischen Grenze lebe, wäre es für mich nicht sonderlich schwer, in einen sog. Coffee-Shop zu düsen und mir dort Haschkekse zu genehmigen. Das wäre sogar völlig legal (müssen allerdings an Ort und Stelle verzehrt werden, über die Grenze schmuggeln wäre verboten und es könnte Ärger geben).

nee, mal ernsthaft....
Ist mein Doc eigentlich verpflichtet, mir starke Schmerzmittel zu verordnen, wenn ich dies wünsche und für mich so entschieden habe? Wer bestimmt den „richtigen“ Zeitpunkt für eine starke Schmerzmittelverordnung? Ich meine, mein Doc kennt ja meine Schmerzen überhaupt nicht. Er kann das ganze Ausmaß doch gar nicht nachvollziehen. Ich kann mir vorstellen, dass er mich mit den Worten: „sie sind zu jung, dafür ist es noch zu früh, zu teuer, will sie nicht von Medikamenten abhängig machen ...oder sonstwas“ mit leeren Händen und den Schmerzen wieder nach Hause schickt. Natürlich muss das Für und Wider abgewogen werden, aber kann der Patient das nicht selbst am besten? Wie erkennt man selbst, ob die zumutbare Schmerzgrenze erreicht ist?
Wer möchte mir dazu etwas sagen?

fragende Grüße icon_rolleyes.gif

Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vor allem ein Schaf sein.
(Albert Einstein)

Wer die Rose liebt, erträgt auch ihren Dorn. (türkische Lebensweisheit)
Original: Gülü seven dikenine katlanir.
Verfasst am: 05. 02. 10 [10:50]
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Detlev
Beiträge: 361
Hallo Zornröschen, letzlich weißt nur Du selber wie Deine Schmerzen sind und wie Du Dich fühlst. Du brauchst den Arzt natürlich um Dir verschreibungspflichtige Medikamente
zu verordnen und zu erkennen, ob Sie für Dich geeignet sind. Du mußt sehr deutlich machen, daß Du massive Schmerzen hast und etwas dagegen haben willst. Du alleine entscheidest wie es weitergeht! Laß Dich nicht vertrösten mit irgendwelchen Floskeln.
Vielleicht sollte man hier mal einen Kurs anbieten unter dem Thema: Wie setze ich mich gegenüber meinem Behandler durch.
LG Detlev
Verfasst am: 05. 02. 10 [11:11]
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Gelöschter Benutzer
hallo,
ich will es mal so sagen die gedanken sind frei aber überlegen würde ich das schon öfter bevor ich zu solchen Mitteln Wie Hasch greifen würde.

Natürlich hat alles vor und Nachteile im Leben wie soll es auch anders sein.
Aber Du solltest auch wissen dein Körper hat sich an den Reiz der Schmerzen gewöhnt
das kann Dir Karin genauer erklären.
Aber so wird dein Körper auch signale aussenden(schmerzen) auch wenn Du vieleicht keine hast.
Nach einer OP ist es aber NORMAL schmerzen zu haben finde ich.
Das ist ja auch ein eingriff.
Und auch Medikamente dagegen zu nehmen.

Es ist immer eine Gradwanderung schmerz-frei oder weniger Schmerzen zu haben.
Ein weites Risiko ist das man durch die Schmerz-freiheit dem Körper was abverlangt das man sonst eher sein lassen würde weil es ja weh tut.

Dann kommt hin zu das jeder eine andere Schmerz grenze hat.
Der Körper gewöhnt sich auch wirklich an schmerzen da hast Du recht
und wenn man diese Hemmschwelle immer höher setzt ist das nicht gerade gut.
Ich Denke allerdinga das es nichts mit dem Alter zu tun hat.

Du solltest versuchen bei Deinem Arzt nochmal ein Gespräch zu führen und ihm nach möglichkeit genau beschreiben was Du für Schmerzen hast und wo sie sind und wann sie Auftretten.
Vieleicht vorher sogar aufschreiben.
Und auch fragen die Du dazu hast notieren.
So hab ich das gemacht.

Das sollte Dir die Sicherheit geben das daß was möglich ist auch getan wird.
Was du noch für möglichkeiten hast kann dir KarinM besser erklären weil das Feld einfach zu groß ist.
Gruß
Herbi

Verfasst am: 05. 02. 10 [11:51]
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Gelöschter Benutzer
Hallo Zornröschen,

der Arzt ist nicht verpflichtet dir die gewünschten Schmerzmittel zu verschreiben. Er wird sich nach einer medizinisch vertretbaren Sinnhaftigkeit richten. Dass man damit nicht in allen Fällen den Patienten gerecht werden kann, ist Nahe liegend.

Am besten ist es , das Gespräch mit dem Arzt zu suchen und ihm zu schildern, wie dein Leben mit dem Schmerz ist, was dir was geholfen hat, was nicht und mit ihm gemeinsam zu gucken, was die beste und medizinisch sinnvollste Lösung für dich.

Wenn das mit deinem Arzt nicht geht, solltest du vielleicht den Arzt wechseln.

Viele Grüße, Iris, Redaktion MyHandicap

Iris, MyHandicap-Redaktion

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Verfasst am: 05. 02. 10 [11:51]
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Cookie_monster
Beiträge: 201
Hallo Zornröschen,

also von Haschkeksen zur Schmerztherapie kann ich als Keksexpertin wirklich nur abraten- das Nebenwirkungsprofil ist im Vergleich zu den Opiathaltigen Medikamenten die in der Schmerztherapie verwendet werden nicht von schlechten Eltern.
Was ich dir an dieser Stelle sehr ans Herz legen möchte ist den Besuch einer speziellen Schmerzambulanz/ Schmerztherapeuten. Ich habe leider auch die Erfahrung machen müssen, dass sich viele Ärzte aus mir nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen vor der Verordnung von Opioidanalgetika scheuen, was bei geschulten Schmerztherapeuten ein weniger ausgeprägtes Phänomen ist. Vllt. magst du dich ja mal umsehen, wo es in deiner Nähe entsprechende Spezialisten gibt und dort mal vorstellig werden- wenn du mir (gerne PM) verrätst in welchem Umkreis du suchst kann ich dir gerne auch bei der Adressuche behilflich sein.

LG
Cookie

Vorsicht- nachgewiesener Dachschaden.
Wer Beiträge zu ernst nimmt ist selbst Schuld ;-P
Verfasst am: 05. 02. 10 [15:52]
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KarinM
Beiträge: 5622
Hallo Zornroeschen,

die Schmerztherapie ist mittlerweile zu einem eigenständigen Fachgebiet geworden. Überall in Deutschland gibt es Schmerzambulanzen in denen speziell ausgebildete Anästhesisten mit Schmerzpatienten aller Art arbeiten. Wenn die Ursache der Schmerzen nicht weg therapiert werden kann, ist es heute kein Thema mehr, einen chronisch schmerzkranken Menschen auf eine Dauermedikation mit Morphium oder ähnlichen Wirkstoffen ein zu stellen. Man weiß heute das es nur sehr, sehr selten zur Abhängigkeit kommt, wenn man solche Schmerzmittel bei starken Schmerzen einnimmt. Voraussetzung ist eine ganz regelmäßige uhrzeitgenaue Einnahme, jeden Tag, nicht nur bei Bedarf. Außerdem gibt es seit kurzen Mrophiumwirkstoffe, z.B. Hydromorphon, die gar nicht mehr süchtig machen, sondern nur noch eine leichte körperliche Abhängigkeit verursachen. Ich nehme seit meheren Jahren so ein Präparat. Vergesse ich es versehentlich 1x merke ich das nur an den Schmerzen. Auf Entzug bin ich dann nie.

Um in so eine Schmerztherapie zu kommen, mußt Du Dich an eine Schmerzambulanz (Anästhesieabteilung eines Krankenhauses) wenden und Dir dort einen Termin machen. Der Arzt wird mit Dir sehr ausführlich Art und Weise Deiner Schmerzen besprechen und Dich ein Schmerztagebuch führen lassen. Anhand Deines einzigartigen Schmerzprofils wird der Arzt Deine ganz persönliche Schmerztherapie fest legen. Es kann sein, daß Du zu Beginn mit morphiumtypischen Nebenwirkungen zu tun hast, aber meistens geht das vorbei. Ich war nach drei Monaten wieder die alte und heute geht es mir besser als je zuvor.

Gruß Karin

Poweruserin, Expertin für Medizin & Gesundheit


Das Leben ist schön, so wie es ist. (-:
Verfasst am: 05. 02. 10 [19:54]
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Bizi
Beiträge: 105

hallo,

also ich muß sagen mein Arzt geht sehr auf mich ein. sobald ich sage es geht mir schlechter wird mein medikament entweder erhöht oder wir wechseln, ich muß natürlich sagen mein arzt kennt mich seit über 20 jahren und er weiß ich würde nie medikamenten mißbrauch betreiben und ich versuche auch durch bewegung etc. meine beschwerden zu lindern. habe gestern von meinem psysiotherapeuten eine einladung bekommen. Darauf stand :Schmerzfrei in 30 Minuten !! Dauerhaft schmerzfrei durch Bewegung am roten Faden. Habt ihr davon schon gehört?Bewegungslehre nach Liebscher&Bracht.

liebe grüße

bizi
Verfasst am: 06. 02. 10 [11:35]
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KarinM
Beiträge: 5622
Hallo Bizi,

je nach dem woher der Schmerz kommt, ist Bewegung immmer besser als sich schonen. Ich mache das schon seit drei Jahrzehnten so. Dabei kann es schon mal vorkommen, daß ich erst ein Schmerzmittel brauche um überhaupt die Belastung des Sports aushalten zu können. Aber hinterher geht es mir so gut, daß ich sehr lange kaum ein zusätzliches Mediakment brauche. Ganz nach dem Sprichwort "Wer Rastet der rostet". icon_wink.gif Wenn Du dich bewegst, lockert sich die Muskulatur, du kommst weg von der Schonhaltung. Die betroffene Region wird stärker durchblutet, Schlackstoffe und Giftstoffe werden abtransportiert. Stärkere Muskulatur stützt das Skelettsysthem und entlastet Rücken und Gelenke.

Ich bewege mich mich wann immer das geht. Viele Wege lege ich mit dem Rolli oder Handbike zurück und so oft es geht besuche ich ein Schwimmbad. Je regelmäßiger ich aktiv bin, desto besser geht es mir. Rum sitzen ist gift, das macht mich steif und unbeweglich. Die Schmerzen sind dann bei jeder Bewegung da. Von daher ziehe ich es vor lieber hyperaktiv zu sein, als steif wie ein Brett. icon_wink.gif

Gruß Karin

Poweruserin, Expertin für Medizin & Gesundheit


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Verfasst am: 06. 02. 10 [17:01]
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Schmusi
Beiträge: 684
Hallo liebes Zornröschen, icon_wink.gif

ich habe seit Nov letzten Jahres mit Trigeminusschmerzen zu tun, und diese Woche habe ich mich in einer Schmerzambulanz einen Termin geben lassen.

Es ist einfach so, das ich das ganze und das ist tgl der Fall, nicht mehr aushalte.

Tu dir einen großen Gefallen, und nimm keine Haschkekese (wurde mir auch einmal empfohlen). Die Nebenwirkungen sind mir einfach zu groß gewesen, da ich ja schließlich auch noch andere Medis bzw Krankheiten habe........*zwinker*.

Ich möchte mich auch Karin und Herbie anschließen, schau doch einfach mal in deiner Wohngegend ins nächste Klinikum. Dort steht drin, ob eine Schmerzambulanz vorhanden ist.

Gute Besserung wünscht dir Marianne

Verfasst am: 06. 02. 10 [17:21]
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Tinker Bell
Beiträge: 5
Hallo Zornröschen

Schmerzen muss heut zu tage niemand mehr aushalten. Es ist aber wichtig, Fachleute ans Werk zu lassen. Wie schon mehrmals vorgeschlagen, ist eine Schmerzambulanz sicher auch in deiner Nähe zu finden. Ich musste auch lange suchen und habe dann mit meinen 40ig plus,Hilfe in einem Kinderspital in der Schweiz gefunden und mir geht es nun mit regelmässiger Medikation viel besser. Sicher findest du Hilfe in deiner Nähe.
Herzliche Grüsse
Tinker Bell
Verfasst am: 07. 02. 10 [12:43]
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