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Wie kann ich meiner depressiven Ehefrau am besten helfen.

Topic Status: beantwortet

 » Psychische Erkrankungen & Therapien
Landesflagge: CH
Tlaru
Themenersteller
Beiträge: 2
Hallo zusammen
Meine Ehefrau leidet unter starken Depressionen. Sie ist nur noch unglücklich. Sie ist generell mit allem unzufrieden. Mal mache ich ihrer Ansicht nach zu wenig im Haushalt, dann kümmere ich mich zu wenig um unseren Sohn. Egal was ich versuche und wie sehr ich mich anstrenge, ich kann es ihr nicht Recht machen.
Dann zeige ich ihr auf, was ich alles erledigt habe und sie stellt es so da, als hätte ich sie Faul genannt. Sie wird bei Diskussionen schnell regelrecht aggressiv, schmeisst Gegenstände um, heult und wird ausfällig. Für logische Argumente ist sie nicht zugänglich und widerspricht sich oft in ihrer Diskussionsführung. Ihre Regeln und Ansprüche gelten nur für Sie und Sie sei durch ihre Krankheit von diesen ausgenommen. Läuft etwas nicht so wie sie will, sind in jedem Fall die anderen an der Misere Schuld und wehe ich widerspreche (Was ich leider oft tue).
Ich habe sie dazu gezwungen zu einer Psychologin zu gehen, jedoch verschiebt sie des öfteren die Termine, obwohl sie sich das nicht erlauben dürfte.
Leider machen die meisten Antidepressiva sie nur noch agressiver. Dann kann ein "na, wie geht es dir heute Schatz" einen aggresiven Schub auslösen. Das einzige Medikament was geholfen hatte, hatte extreme Müdigkeit und starkes Hautjucken verursacht. Aber jetzt will sie gar nicht mehr zur Psychologin gehen und keine weiteren Medikamente ausprobieren.
Wie soll ich mit der Situation umgehen? Wie muss, bzw. sollte ich mich verhalten? Inzwsichen rege ich mich nur noch auf und bin ungern daheim.
Verfasst am: 10. 04. 19 [01:13]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
Gelöschter Benutzer
Tlaru hat geschrieben:

1. Läuft etwas nicht so wie sie will, sind in jedem Fall die anderen an der Misere Schuld und wehe ich widerspreche (Was ich leider oft tue).
2. Ich habe sie dazu gezwungen zu einer Psychologin zu gehen, jedoch verschiebt sie des öfteren die Termine, obwohl sie sich das nicht erlauben dürfte.
3. Leider machen die meisten Antidepressiva sie nur noch agressiver. Dann kann ein "na, wie geht es dir heute Schatz" einen aggresiven Schub auslösen.
4. Das einzige Medikament was geholfen hatte, hatte extreme Müdigkeit und starkes Hautjucken verursacht.
5. Aber jetzt will sie gar nicht mehr zur Psychologin gehen und keine weiteren Medikamente ausprobieren.

Hallo Tlaru,
weil ich ganz eilig habe, habe nur das Wesentliche herausgespickt.

ad1) Dann hilf dir selbst und tue du nicht anderen an der Misere Schuld geben. Schuldzuweisungen sind hier fehl am Platz.

ad2) Du kannst und darfst Niemanden zu etwas zwingen. Wenn sie nicht freiwillig zum Psychologen geht, dann muss sie leiden.

ad3) Antidepressiva unterdrücken nur die Agressivität. Das bedeutet, dass sie sie verschieben in das Unterbewusstsein. Dort bröddelt und kocht und ja, dann explodiert noch schlimmer...
Klar, die Leute fragen meistens: "wie geht es dir", das ist zu einer leeren Floske geworden... wollen das aber gar nicht hören, meistens verschwinden sie schon um die Ecke... Irgendwann mag sie auf das gar nicht mehr antworten. - Und von der Nacht, wenn sie nichts geträumt hat, kann sie auch nicht Neues erzählen.

Ad4) wie oben: es hat im Grunde nicht geholfen. Sie muss sich mit Problemen auseinandersetzen, sie kognitiv verarbeiten und sie nicht zudecken.

Ad5) Man geht nicht zum Psychologen um Medikamente auszuprobieren. Psychopharmaka darf nur der Psychiater verschreiben, nicht ein Dipl. Psychologe.

Du solltest mit ihr sprechen und ihr zuhören, wann sie das will und nicht "davon laufen". Sonst hat sie noch ein Problem mehr...
Ich muss jetzt für paar Tage weg, kann gerne nächste Woche mehr darüber schrieben.
LG
Verfasst am: 10. 04. 19 [07:48]
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Claudia_Myhandicap
Beiträge: 224
Hallo Tiaru

Schön dass du uns gefunden hast und herzlich willkommen.

Es ist wichtig, dass Warnzeichen frühzeitig erkannt und in der Folge «ohne Scheu» ärztliche Unterstützung und Hilfe durch euren Hausarzt gesucht werden. Selbst schwere Depressionen sind heut gut behandelbar.

Eine weitere Möglichkeit wäre eine Selbsthilfegruppe, dort erleben Erkrankte und deren Angehörige, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Vielen fällt es leichter, in einer Gruppe von Betroffenen über die Erkrankung zu sprechen.
Du findest Informationshinweise CH-Adressen und Links von Selbsthilfegruppen, Fachgesellschaften sowie Krisensituation unter DEPRESSION.CH - http://www.depression.ch/de/informationsquellen#links

Evtl. könnte dir auch die SGAD Schweizerische Gesellschaft für Angst & Depression weiterhelfen
Siehe Link - https://www.sgad.ch/de/krankheitsbilder/depression

Depression: eine weit unterschätzte Krankheit – alles dazu bei MyHandicap
https://www.myhandicap.ch/gesundheit/psychische-behinderung/depression/

Dann habe ich dir noch 10 Sätze, die Du einem depressiven Menschen sagen kannst
https://mymonk.de/saetze-fuer-depressive/

Hoffe dir hiermit weitergeholfen zu haben und wünsche dir/euch Kraft und Zuversicht.

Beste Grüsse
Claudia
Verfasst am: 10. 04. 19 [10:18]
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idur65
Beiträge: 1738
Eine Trennung auf Zeit könnte das Problem aufdecken oder gar lösen!
Zwang ausüben geht mal gar nicht, das wieder zu kitten wird sehr schwer bis unmöglich sein.
@Ave
alles Gute komm bald wieder

Gruß idur

Wie man in den Wald ruft so schallt es zurück!
Verfasst am: 10. 04. 19 [10:18]
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Tlaru
Themenersteller
Beiträge: 2
Hallo zusammen

erst einmal Danke für die Antworten. Ich habe mir eure Bemerkungen durchgelesen und mir einige Gedanken gemacht. Sehr hilfreich fand ich die Linkhinweise (Danke Claudia).

@Ave64: sicherlich hast du recht, Zwang und Druck sind weniger hilfreich. Meine Schilderung sollte jedoch auch aufzeigen, dass ich mit der Situation gänzlich überfordert bin und ich wollte euch mein Fehlverhalten in diesem Zusammenhang nicht vorenthalten.

@Idur65: Eine Trennung auf Zeit wäre für mich erstmal keine Lösung. Das wäre die letzte Option.

Grüsse
Verfasst am: 12. 04. 19 [11:14]
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idur65
Beiträge: 1738
Wie wäre es denn wenn du deine Frau in die Entscheidung einbeziehen würdest? Um sie geht es doch und nicht um deinen Willen, oder?

Gruß idur

Wie man in den Wald ruft so schallt es zurück!
Verfasst am: 12. 04. 19 [12:01]
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Gelöschter Benutzer
Tlaru hat geschrieben:

.....
@Ave64: sicherlich hast du recht, Zwang und Druck sind weniger hilfreich. Meine Schilderung sollte jedoch auch aufzeigen, dass ich mit der Situation gänzlich überfordert bin und ich wollte euch mein Fehlverhalten in diesem Zusammenhang nicht vorenthalten.

[@Idur65:] Eine Trennung auf Zeit wäre für mich erstmal keine Lösung. Das wäre die letzte Option.
Grüsse
Ja, ich verstehe, - das eine schließt aber das andere nicht aus. Deshalb habe ich das ja auch geschrieben, sonst wird es noch mehr belastend, nicht nur für dich, sondern für beide. Ich sehe, du hast inzwischen paar gute Antworten bekommen.

Wenn du von zuHause weg gehst, weil du überfordert bist, ist ja auch so ähnlich wie eine Trennung auf Zeit. Inzwischen sammelst du dich wieder, machst Pause von belastenden Gefühlen, denkst darüber nach…Vielleicht nicht immer lösungsorientiert, dazu könnte z.B. eine Paartherapie helfen icon_confused.gif das wäre mein Vorschlag.
lg

idur65 hat geschrieben:

@Ave
alles Gute komm bald wieder
Danke, Idur. Ich bin wieder da. Es ging ganz schnell…
Das hätte ich mir auch sparen können... icon_rolleyes.gif
aber dann hätte ich den guten Linseneintopf verpasst icon_evil.gif
Verfasst am: 13. 04. 19 [20:46]
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