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Wie kann es einem nach einer Hand Amputation gehen.?

Topic Status: beantwortet

 » Gesundheit, Hilfsmittel & Medikamente
Landesflagge: DE
kroenchen09
Themenersteller
Beiträge: 7
Hallo zusammen
In Kürze steht bei mir die Amputation an..
Das heißt genau gesagt heute in 2 Wochen.
Jetzt plagen mich natürlich auch Fragen über Fragen.

Was kommt auf mich zu ?
Wie wird das nach der Amputation sein?
Es wird die rechte Hand amputiert
Ich hab mich schon viel informiert etc aber jetzt wo der Termin für steht ist es doch etwas anderes.

Ich hoffe auf Hilfe oder Erfahrungen

LG Jacqueline

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 21.04.2017 um 03:48.]
Verfasst am: 21. 04. 17 [03:41]
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MyHandicap Engagementsiegel
colores
Beiträge: 2073
Gehen wird vermutlich gar nichts...Ich nehme an Du gehst schon jetzt nicht auf Händen, und die Zähne putzen musst Du vermutlich mit der linken Hand .
Du musst nicht meinen das ich deine Frage nicht ernst nehme ich möchte Dir nur ein wenig die Angst nehmen. Klar ist eine Amputation im wahrsten Sinne des Wortes ein Einschnitt ins Leben, aber auch den wirst Du meistern .
Das Spital in dem Du operiert wirst wird Dir sicher die notwendigen Informationen vermitteln.
Ich wünsche dem OPTeam und Dir ein gutes Gelingen .
Verfasst am: 21. 04. 17 [07:20]
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swisswuff1
Beiträge: 645
Ich fand dass es weh tut vor allem die ersten Wochen und Monate, dass es eher blöd aussieht und dass es unpraktisch ist.

Nach einer Weile gewöhnt man sich daran dass es langfristig weh tut, man findet dann dafür andere Leute die finden dass es blöd aussieht blöd, und irgendwann ist es nicht mehr so extrem unpraktisch. Das geht so von selber da muss man nicht mal arg viel dazu tun.

Man kann schauen ob man eine Prothese will; eine kosmetische / passive Prothese geht nicht so oft kaputt, sieht nicht sehr blöd aus, kann aber nicht arg viel. Die ich am meisten anhabe ist eine mit Kabelzug und besonderem Greifer, der sehr stark greifen kann (TRS Prehensor) und die auch gut lange hält; sieht auf seine Art blöd aus. Von einer teureren elektrischen Prothese hat man meist nicht so viel wenn man damit wirklich hart arbeiten will oder dabei viel schwitzt, die modernen Handprothesen greifen weder besonders gut noch halten sie besonders lange, sie sind massiv teuer und sehen natürlich auch irgendwie blöd aus.

Man muss aber erstmal nichts machen, kaufen, installieren, usw. Man findet dann schon raus wo man Probleme hat. Die kann man ja dann hier hinschreiben und dann weiter schauen. Die meisten Sachen kann man sonst wie einklemmen oder festhalten; oder man fragt jemand anders um Hilfe.

Häufige Fragen:
- Fahrrad fahren - ja, da gibts für Prothesen so Sachen zum dran machen
- Schuhe binden - Uebungsfrage; ich trage Lock Laces (Schieberegler für Schuhbändel)
- Büchsen öffnen - geht auch so man muss es nur tun ; )
- Wäsche aufhängen bügeln zusammenlegen - kein Problem, nur vielleicht etwas anstrengend
- Putzen, Boden sauber machen .- kein Problem, nur ev etwas anstrengend
- Brot streichen - wenn die Butter beinhart ist in Mikrowelle, oder nicht in Kühlschrank stellen
- Marmeladenglas oder Konservenglas mit Vakuum Deckel geht nicht auf - mit Dremel, Akkuschrauber oder Ahle Loch in Deckel machen : ) : ) geht super
- Fingernägel schneiden - ich dusche oder bade erst, dann sind die Fingernägel nass und weich, dann feile ich sie mit einer normalen grossen Baumarktmetallfeile, geht extrem schnell und kommt perfekt raus
- Anziehen - je nachdem vorher Verschluss zumachen / zulassen und so rein schlüpfen; bei meinen Hemden mache ich ausser die oberen 2 keine Knöpfe mehr auf sondern lass die zu, spart viel Zeit
- Reissverschlüsse - sind eh doof, wirst Du schon raus kriegen das braucht halt Zeit
- Fleisch oder Essen sonst schneiden - Gabel auf Fleisch dass es runter drückt, mit kaputtem Arm gabel fixieren und hop
- Bettdecke überziehen - "Duvet burrito method" Googlen : ) funktioniert super; sonst Baumarktklemmen, ist billig und geht gut
- Zahnseide - einfach 70 cm mehr nehmen und um den kaputten Arm wickeln, das geht gut
- Liegestützen - vielleicht 2-3 Jahre warten , vorsichtig anfangen, dann gehts auch mal auf Holzboden



Ich habe mir das Buch 'Do it yourself' gekauft. Auf deutsch ungefähr: 'Selbst ist der Mann'! Aber es muß heute ja englisch sein. (DONALD DUCK, aus Selbst ist der Mann)
Verfasst am: 21. 04. 17 [10:39]
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kroenchen09
Themenersteller
Beiträge: 7
Vielen Dank für die Antwort

Ab wann kann man an Prothesen denken?
Wie wird die finanziert?
Komplett selbst oder auch Kasse?
Wie ist es nach der Amputation mit schmerzen bzw sind die wirklich so heftig?

Ich hoffe komm klar damit
Meine Kinder brauchen mich.
Ich lebe sehr lange jetzt mit offener wunde und sehr starken Schmerzen
LG
Verfasst am: 21. 04. 17 [13:52]
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swisswuff1
Beiträge: 645
Naja der Knochen ist erstmal an zwei Stellen durchgesägt vorn offen, Muskeln / Sehnen kaputt, die Haut zieht über die scharfen Knochenkanten, also doch, ich fand die ersten Wochen sehr sehr heftig, und hatte vorher auch schon sehr starke Schmerzen gehabt. Ich hatte die erste Woche eine Morphiumpumpe mit der ich selbst dosieren konnte und war damit immer am oberen Anschlag - dann allerdings gings gut. Erst nachdem die weg war und die Wunde am Stumpf heilte nicht gut, das dauerte dann gefühlt ewig, vielleicht 5-6 Wochen, das tat dann auch nachher noch sehr weh und war nicht so eine gute Zeit. Irgendwann war dann das Ding zugeheilt. Erst nach ein paar Monaten war es etwas weniger empfindlich, aber richtig belastbar war es erst 2-3 Jahre später. Mit aktivem abhärten, also, etwas gemein zu sich sein, bin ich sicher, man kann das beschleunigen ; ) aber dazu hatte ich nicht so die Motivation.

Der Stumpf schrumpft dann erstmal , bei mir vielleicht so am meisten über die ersten 2 Jahre, während der Zeit passt keine Prothese besonders satt und gut, muss man sich nichts vormachen. Es ist normal dass sie zwar erst zu einem Zeitpunkt passt, dann wenn es angepasst wird, und ein zwei Monate später schon wieder etwas am Arm lottert, das ist kein Fehler sondern Tatsache dass man schrumpft, da kann auch der Prothesentechniker nichts dafür. Daher tut man sich was das angeht sicher einen Gefallen wenn man nicht sofort losrennt um sich was bauen zu lassen. Hier bezahlte die IV (Invalidenversicherung) meine Prothese oder jedenfalls das, was davon zur Arbeit nötig ist. Sachen die ich sonst so brauche, auch Zeug zum Ausprobieren, da schaue ich selbst danach.

Was sicher bis heute am meisten brachte, fürs Lebensgefühl insgesamt, waren Kompressionsstrümpfe oder -socken oder Bandagen. Der Stumpf bei mir ist immer gestaut, da das Blut nicht richtig abfliesst, und wenn er deswegen kalt wird, was auch im Sommer passiert besonders wenn er längere Zeit herunter hängt, und so graublau wird, eiskalt dann, dann drehen die eh schon unangenehmen Phantomschmerzen richtig auf und es brennt dann andauernd, sehr sehr unangenehm. Dann bringt Wärme für sich bei mir nichts, das brennt dann nur noch mehr, warmes Wasser z.B.; was super funktioniert ist, den Stumpf mit was passendem leicht (nicht zu stark) zu komprimieren, dann geht das gestaute Wasser raus und die Durchblutung wird besser, und die Schmerzen gehen wieder ein bisschen zurück. Die Prothese ist bei mir so eng, dass sie auch ein bisschen den Stumpf zusammendrückt und damit ist es ganz angenehm, die anzuziehen.

Der Stumpf und die Haut dort kriegt bei jedem bisschen mechanische Belastung einen Ausschlag, sog. "friction rash". Das ist völlig normal. Sieht etwa aus wie Windelausschlag, brennt auch etwa so, und man kann auch Baby-Po-Salbe mit Zink nehmen um es zu behandeln. Es brennt so oder so dann immer ein bisschen. Das kriegt man üblicherweise wenn man (ohne Prothese) viel Zeug macht, wie, Keller aufräumen, Sachen hantieren; man kriegt es jedenfalls auch mit einer Prothese, ausser man sitzt tagelang bocksteif da, da ein Schaft ja am Stumpf so befestigt ist dass es stets ein ganz wenig auf der Haut bewegt. Ich habe jetzt schon einige Jahre das Zeugs hier optimiert, ich trage einen dünnen Schlauch-Gaze-Strumpf unter einem Alphaliner (der passt sehr gut und ist sehr weich) an dem die Prothese befestigt ist, das war ein Tip meines Prothesentechnikers der immer noch Gold wert ist. Wenn man keine Prothese anhat und schauen will dass man keinen Ausschlag kriegt kann man einen normalen Socken am Arm anziehen. Ausserdem gehen diese Reibungs-Ausschläge alle wieder weg, auch wenn man nichts dagegen tut. Der Rest der Probleme, die man am kaputten Arm dann so einfängt -Erfrierungen, Schnittwunden, Verbrennungen, Pfählungen und Risse, etc. - ist nicht anders als wie man das sonst schon so kennt, wenn man was anstellt oder Pech hat. Je aktiver man so ist umso eher gibts halt auch mal was.

Für nur sehr wenige Sachen ist die Prothese geradezu unabdingbar. Das allermeiste kriegt man so hin, und alles lebenwichtige denke ich geht sogar allerbestens ohne. Für manches braucht man einfache Hilfsmittel; Schraubstöcke habe ich zwei oder drei an verschiedenen Orten befestigt, auch Federklemmen helfen oft. Zur Montage einer Variostütze mit Federzug an meinem Fahrrad habe ich als Stützengegenlager dann mal einen Korkzapfen verwendet; das Problem war auch nicht mit Prothese lösbar. Es gibt Dinge die gehen nicht mit Prothese, egal wie mans anstellt; zB richtig schweres Zeug tragen, oder, wenn man andere Menschen hebt / transportiert / umlagert beispielsweise, da ist man ohne Prothese kräftiger, spürt besser, und verletzt diese Leute nicht. Wir haben uns mal ein Schrank eingebaut mit insgesamt 550 kg Teile-Gewicht, die einzelnen Verpackungen waren bis 50 kg schwer - sowas trägt man niemals mit so einer Prothese - die ist da nur im Weg und stört, geht selbst kaputt und / oder beschädigt die Ware. Erst mittelfristig und so nach 5 - 10 Jahren ist es dann wirklich wichtig, sich etwas um Ausgleich zu kümmern, da Ueberlastung am anderen Arm dann ein echtes Thema ist. Daher ist mir auch immer wichtig gewesen eine Prothese zu haben die gerade im schweren Belastungsbereich gut funktioniert, mit der ich eine Gartenmaschine halten kann, die auch beim Schrubben wenn sie nass ist und ich schwitze nicht aufgibt. Dazu habe ich auch im Haushalt so Bereiche wo ich mich sogar dazu zwinge, mit der Prothese (und nicht mit der linken Hand) das Zeug zu erledigen - dazu gehört Wäsche aufhängen und Geschirrspülmaschine ausräumen. Tut man das ein paar Jahre lang wird man automatisch gut darin, man muss da nicht extra zu Ergotherapie oder sonstwas, das was zu Hause und bei der Arbeit sowieso ansteht, ist mehr als genug Uebung und Training.

Was schwierig ist, ist, wenn man z.B. beim Aufräumen viele Sachen herumtragen muss. Dazu sind Einkaufskörbe, Schachteln, Tablette und auch Taschen oder Tüten ganz praktisch. Ein Prothese hilft beim Aufräumen weniger als man denkt, aber zwei oder drei Körbe sind da ein echter Vorteil.

Aber, man muss nicht wirklich viel nachdenken. Einfach los und einfach machen, und dem Hirn erlauben dass es selbst einen Weg findet. Das tut es von selbst.

Ich habe mir das Buch 'Do it yourself' gekauft. Auf deutsch ungefähr: 'Selbst ist der Mann'! Aber es muß heute ja englisch sein. (DONALD DUCK, aus Selbst ist der Mann)
Verfasst am: 21. 04. 17 [15:59]
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Gelöschter Benutzer
Hallo,
schön, dass du ins Forum gefunden hast und dich direkt noch vor der Amputation mit der Thematik auseinandersetzt. Was die anderen bisher so geschrieben haben, ist alles realistisch. Am wichtigsten ist sich auf dem ganzen Weg der Genesung nicht unter Druck zu setzen und sich über jeden kleinen Fortschritt zu freuen. Denn Ungeduld macht hier leider nur unglücklich.
Gegen die Schmerzen wirst du Medikamente bekommen. Ich empfehle Dir auch frühzeitig eine Spiegeltherapie bei einem dafür ausgebildeten Ergotherapeuten (bspw. in BG Kliniken) zu machen. Diese hilft enorm bei Phantomschmerzen, sodass sie dauerhaft wegbleiben. Bei geplanten OPs können die Nervenenden sauber vernäht und verödet werden, auch das hilft später sehr zu schmerzvorbeugung.

Was ich Dir auch empfehle die Situation frühzeitig emotional zu akzeptieren. Gehe offen damit um und zeige dich auch ohne Prothese in der Öffentlichkeit. Auch das wird dir helfen gut mit der Situation umzugehen. Dass du jetzt schon ins Forum gefunden hast, zeigt dass du es auf jeden Fall schaffen kannst auch weiterhin ein glückliches Leben zu führen, weil du dich mit den Dingen auseinandersetzt.

Bleib stark und alles Gute

Falls du noch weitere ganz konkrete Fragen hast kann du diese gerne im Forum stellen.
Verfasst am: 21. 04. 17 [16:50]
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swisswuff1
Beiträge: 645
Spiegeltherapie machte ich auch mal, das machte alles nachhaltig schlimmer. Bis ich in einer St. Galler Studie den Hinweis fand, dass wenn man seine Phantomhand nicht gut "bewegen" kann, man mit der Spiegeltherapie ev. besser aufpasst oder es sein lässt. Meine Phantomhand ist völlig "unbeweglich".

Ich habe mir das Buch 'Do it yourself' gekauft. Auf deutsch ungefähr: 'Selbst ist der Mann'! Aber es muß heute ja englisch sein. (DONALD DUCK, aus Selbst ist der Mann)
Verfasst am: 21. 04. 17 [22:41]
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kroenchen09
Themenersteller
Beiträge: 7
Wie lange wart ihr stationär?
Mir hat man gesagt 3 bis 5 Tage je nachdem wie op und es danach ist.
Viele Fragen habt ihr mir schon beantwortet

Wir erging es euch nach der op
Darfich fragen wie alt ihr seid
Verfasst am: 22. 04. 17 [00:26]
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swisswuff1
Beiträge: 645
Fragen
1: 4 Tage
2: es tat wochenlang sehr weh und heilte schlecht; sonst aber ging es mir nicht schlecht
3: bald 50

Ich habe mir das Buch 'Do it yourself' gekauft. Auf deutsch ungefähr: 'Selbst ist der Mann'! Aber es muß heute ja englisch sein. (DONALD DUCK, aus Selbst ist der Mann)
Verfasst am: 23. 04. 17 [09:57]
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kroenchen09
Themenersteller
Beiträge: 7
Vielen Dank für die Antwort.

Wie hat man bei euch den Stumpf versorgt nach der Entlassung?

War die Amputation geplant?
Darf man einen behinderten Ausweis beantragen?
Gibt es es zb auch Rente auf Zeit oder so was?

Bei mir soll die Hand etwas oberhalb vom Gelenk amputiert werden.
Damit ein langer Stumpf entsteht.
Für eine evtl. Prothese mit Akkus
( sollen angeblich 10 bis 12 cm sein).

Ich hab am 4.5 Op Vorbereitung etc den Tag drauf dann die Op.

Wie lange geht die Op ?

Mit Schmerzmittel wird man gut versorgt?
Was hast du an Medis bekommen?
Konntest du nach der Amputation normal duschen mit Vorsicht wegen Verband oder am Anfang waschen?
Wie ging man mit euch um nach der Op kommt man nach dem Aufwachraum direkt auf Station?
Sorry für die vielen Fragen

LG Jacqueline




[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 23.04.2017 um 23:35.]
Verfasst am: 23. 04. 17 [10:18]
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