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Warum werdem behinderte Menschen in der Gesellschaft diskriminiert?

Topic Status: in Lösung

 » Partnerschaft & Sexualität
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TimGlogner
Beiträge: 229
Hallihallo zusammen, von meiner Seite aus vielen Dank für die vielen tollen Beiträge zu diesem wichtigen Thema.

Mein Beitrag dazu: Ich kann nur jedem raten sich nicht als minderwertig und unterlegen anzusehen, egal was für eine "Behinderung" voliegen sollte und egal wie gewisse Reaktionen der Mitmenschen sein mögen (Natürlich auch nicht als überlegen oder besser als jemand anderes). Jeder Mensch ist schön und einzigartig so wie er ist, ja jede Handlung eines Menschen ist im ganzen Universum einzigartig, niemand kann diese so tun wie eben dieser Mensch. Natürlich tut es weh im sozialen Bereich Zurückweisung zu erfahren. Mir hat es immer geholfen, wenn ich Zurückweisung erfahren habe, wenn ich mich dann gefragt habe: Wer wird da jetzt eigentlich zurückgewiesen, dieser, mein Körper? Aber ich bin doch nicht der Körper, der irgendwann ja ohnehin vergehen wird, dass glaube ich nicht! Meine gesellschaftliche, berufliche oder familiäre Rolle? Das bin ich auch nicht wirklich, die wird sich auch verändern, es ist nur eine vorübergehende Funktion! Langsam bin ich darauf gekommen: Es gibt irgendetwas in mir, das kann nicht zurückgewiesen werden, es ist etwas sehr subtiles, was allen Lebenserfahrungen irgendwie zu Grunde liegt, man könnte es vieleicht "Seele" oder "Seinsnatur" nennen. Das bleibt mir auch für immer, das verbindet mich auch mit allen Menschen und allem Leben ganz natürlich, aber das ist nicht von sozialer Anerkennung oder Ablehnung abhängig.

viele Grüsse,





Tim, Diplompsychologe (Fachexperte MyHandicap)
Verfasst am: 29. 06. 09 [13:45]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
Gelöschter Benutzer
Mali schrieb:

Ich komme aus Hamburg und bin bei Fischkopf User und ich frage mich warum ich diskriminiert werde, sobald Leute meine Behinderung mitkriegen, dass ich Zuckungen habe beim sprechen oder auch gehen...?
Ich bin grad total traurig, weil jemand ein Mann an den ich mich gewöhnt hatte nicht mit mir spricht, in unserem letzten Telefonat hat ich Zuckungen und dafür werde ich jetzt gestraft. Manchmal denke ich nur behinderte Menschen untereinander können harmonische Beziehungen führen.....

Wie seht ihr das?

Ich freu mich sehr über Antwort!

Eure Mali


Es gibt Sachen, die findet man an einem Menschen schoen, manche Dinge kann man lernen, und mit gewissen Sachen kann man nicht so klarkommen. Das ist ganz allgemein so und geht allen so. Ich kann zum Beispiel bestimmte Gerueche nicht ausstehen (dazu gehoert die Mischung von Chanel No. 5 mit Koerperschweiss), das ist fuer mich ganz furchtbar. Und auch wenn ich eine Behinderung habe, ist es *trotzdem* so, dass das bei mir eine sehr grosse Rolle spielt. Da hat jeder seine Vorlieben, seine Empfindlichkeiten. Die Kunst besteht also ein bisschen darin, rauszubekommen, wem was nicht so viel ausmacht - und auch, wem was wichtig ist. Das ist auch nichts neues, betrifft alle.

Es gibt nun aber gerade in unserem Bereich - Behinderte und Nichtbehinderte - oft eben keine ehrlichen Antworten (wer gibt schon zu, auf eine Behinderung zu stehen; wer gibt schon zu, die Abhaengigkeit einer behinderten Person fuer sich ausnutzen zu wollen; wer gibt zu, sich als Behinderter im Alltag von der/m nichtbehinderten Partner/in helfen lassen zu wollen - der ganze Katalog der Abhaengigkeitsfragen ist eine riesenhafte Tabuzone; wer gibt als Nichtbehinderter zu dass Behinderung einfach auch sehr anstrengend zu ertragen sein kann dass man emotionell teilweise unglaublich ueberfordert ist). Fuer diejenige Person, die ihre undeklarierten tabuisierten Hoffnungen realisieren kann, hat sich dann das Schweigen gelohnt - fuer die Person, deren Hoffnungen nicht erfuellt werden, offenbar weniger. Das Tauziehen um die gegenseitige Ausnutzung in vollkommen totgeschwiegenen Themenbereichen, das hat nach meiner Wahrnehmung einen sehr hohen Stellenwert in der Beziehung von Behinderten und Nichtbehinderten.

Da es also eine wirklich ganz signifikante Tabuzone gibt, in der kaum je ehrlich geredet wird - wenn man es nicht wirklich drauf anlegt - kann eine Beziehung, in der sehr viele auch mit Scham und Angst belegte Themen gar nicht besprochen werden, sehr schwierig sein. Alles das - totschweigen, ertragen, manoevrieren, verarbeiten - ist fuer sich genommen ev. ganz extrem anstrengend.

Behinderungen sind daher insgesamt fuer viele andere Leute anstrengend, stressig, schwer auszuhalten oder belastend. Das ist m.E. einer der wichtigsten Gruende fuer die Ausgrenzung. Aber auch Leute, die irgendeine Art Abenteuer oder Begegnung mit jemand Behindertem suchen, sind nicht einfach schon deswegen 'cool' - ob selbst behindert oder nicht, ist egal.

Das wichtigste ist daher - und auch das ist immer und ueberall so -, die Person kennenlernen zu koennen. Wie sieht die Behinderung denn aus, falls vorhanden? Was ist der Umfang der Einschraenkung, was alles geht gar nicht, was ist kein Problem, wo brauchts Unterstuetzung. Was ist schlimm und tragisch, wo sind Empfindlichkeiten, und wo driftet etwas ins absurde oder komische ab (z.B. wenn ich versuche, mit einer Hand einen Socken anzuziehen, dann das Gleichgewicht verliere und herumzuhuepfen beginne, das droht dann etwas Richtung Slapstick zu gehen). Was tut weh, was macht Spass. Wo gehts lang.
Verfasst am: 30. 06. 09 [10:12]
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Gelöschter Benutzer
Hallo zusammen,
ich hab gerade das gefühl ihr rennt alle in eine Richtung
und zwar in die falsche.
Ein Beispiel
Ich hab ne Freundin und die ist nicht behindert
und hat seit 8 Jahren keinen Freund.
Das ist wirklich ne ganz nette und trotzdem klappt das bei ihr leider nicht.
Warum weis keiner.
Jeder will mit ihr befreundet sein aber eine Beziehung wird daraus nicht.
Nun frag ich euch die müsste doch Männer haben an jeder Hand 10 und hat es trotzdem nicht. An was soll das dann liegen?
Jeder der eine beziehung eingehen will muß bereit sein stück für stück etwas von sich preis zu geben und wenn ich dem anderen schon vermittel das ich auf Grund meiner Behinderung
schon verunsichert bin wie soll der andere dann im Umgang mit mir sicher sein.
Die unsicherheit des gegenüber kann also auch aus dem entstehen was ich dem anderen
vermittel ohne das ich es selber vieleicht merke.
Ich finde es ist zu einfach zu sagen das liegt an der Behinderung.
Wenn der andere sich nicht traut dann sollte man vieleicht ihn selber mal bei gelegenheit darauf ansprechen.
Ich hab oft gehört das mir dann gsagt wurde wenn Du nichts gasagt hättest ich hätt dich nicht gefragt.
Ich bin der Meinung das wir viele Dinge hinnehmen ohne der sache auf den Grund zu gehen aus Angst und dabei vergessen das es auch andere Gründe haben kann.
Da zieh ich es vor lieber zu fragen und die wahrheit zu kennen als mich immer zu fragen warum.Denn dann kann ich darüber reden und nicht die sache totschweigen.
Ich denke alle Menschen sind nicht pefekt und jeder hat etwas mit das er unzufrieden ist.
Sollten wir nicht besser dahin schauen was uns ausmacht als immer zu sehn was wir nicht haben oder könnnen.

Guß
Herbi
Verfasst am: 30. 06. 09 [16:13]
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Gelöschter Benutzer
Herbi 53 schrieb:

Jeder der eine beziehung eingehen will muß bereit sein stück für stück etwas von sich preis zu geben und wenn ich dem anderen schon vermittel das ich auf Grund meiner Behinderung
schon verunsichert bin wie soll der andere dann im Umgang mit mir sicher sein.
Die unsicherheit des gegenüber kann also auch aus dem entstehen was ich dem anderen
vermittel ohne das ich es selber vieleicht merke.
Ich finde es ist zu einfach zu sagen das liegt an der Behinderung.


Klar, und wahre und schoene Worte. Nur macht die Behinderung einen selbst eben zutiefst unsicher, und das geht von selbst nicht einfach weg. Am Ende sind dann alle irgendwie unsicher, und das ist genau die Realitaet, mit der so viele zu tun haben. Das kommt ja nicht von irgendwoher, das ist ja auch kein Zufall.
Verfasst am: 01. 07. 09 [10:13]
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Handschuh
Beiträge: 1502
ich denke auch, das mit einer behinderung, gerade in der heutigen *auf schönheit gepolten welt* eine innere unsicherheit einher geht. nicht immer, aber es kommt vor.
und das, intensiver als bei einem menschen, ohne behinderung.

auch dieser aspekt, "liebst du dich selbst, dann wirst du geliebt...." hat für mich grosse bedeutung.
ich kann es drehen und wenden, durch meine behinderung habe ich zuerst schon probleme, mich so anzunehmen und zu lieben, wie ich bin. am anfang mochte ich es mir im spiegel nicht ansehen geschweige denn pflegen......ich schämte mich regelrecht.
und wenn ich mich vor mir selber schäme, wie ist es erst einem anderen gegenüber.?

mit den jahren, der erfahrung, entwicklung und ein gutes umfeld änderte es sich. peu a peu. auch der austausch mit anderen behinderten hat mir sehr geholfen, mich wohl zu fühlen und weiter nach vorne zu schauen.mir geht es meist spitze und ich finde mich doch *lichttauglich* icon_smile.gif im ernst, ich mag mich mittlerweile, wie ich bin (ausser die 2 kilo am bauch)

wenn jemand keine beziehung hat, sind viele gründe denkbar. und eine nicht angenommene behinderung kann einer dafür sein.

liebe grüsse
christiane


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Verfasst am: 01. 07. 09 [16:13]
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KarinM
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Hallo Leute,

mich macht meine Behinderung nicht unsicher. Das war schon immer so. Ich kenne das auch von anderen. Das ist eine Charaktersache. Deshalb solltet ihr das nicht verallgemeinern. Wer mit einem gesunden Selbstbewußtsein durchs Leben geht, der ist auch nicht verunsichert, wenn er eine sichtbare Behinderung hat. Ganz besonders kann man das bei Krebskranken sehen. Ich habe auf einer Krebsstaion gearbeitet und es war von Mensch zu Mensch total verschieden. Ob sie die Glatze oder das amputierte Bein unsicher machte oder nicht nicht, war total unterschiedlich. Viele Betroffene veränderten sich nicht. Ihnen machte es nichts aus, sich wie gewohnt zu zeigen.

Mir macht es auch nichts aus, mich zu zeigen. Mein Rollstuhl ist nicht peinlich, er ist klasse. Er verleiht mir die Mobilität, die ich ohne ihn nicht hätte. Wenn jemand ein Auto oder ein Fahrrad nimmt, um seine Mobilität zu verbessern, ist das doch auch nicht peinlich.

Gruß Karin

Poweruserin, Expertin für Medizin & Gesundheit


Das Leben ist schön, so wie es ist. (-:
Verfasst am: 01. 07. 09 [19:37]
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Handschuh
Beiträge: 1502
du hast recht karin, in dem punkt das es auch eine charaktersache ist. natürlich. nicht jeder denkt fühlt lebt gleich.

ich sprach in meinem beitrag von mir und meiner entwicklung, welche ich ebenfalls bei anderen bemerkte, die auch verunfallten oder durch krankheit behindert wurden.

und es gibt sicher viele, die keine primären probleme mit der behinderung haben, aber genauso viele gibt es, die sich anfangs unsicher fühlen oder gar schämen.

das eine sowie das andere ist nicht allgemeingültig, stimmt. aber möglich und für mich sichtbar.

lg christiane

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Verfasst am: 01. 07. 09 [19:58]
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Gelöschter Benutzer
Hallo zusammen,
Karin und ich haben ja auch einen Rolli der einem Porsche gleicht ich in Meiner Stadt kann damit richtig aufsehen erregen im gegensatz zu vielen Treckern die durch Deutschland rollen.icon_smile.gif)
Es gibt in meiner Stadt gerade mal 2 Rollis ausser meinem die Straßen tauglich sind.
Damit würde ich mich auch fühlen wie eine Maus.
Das war ein Beispiel das auch dazu beitragen kann die welt anders zu sehen als sie eigendlich ist.
Und so gibt es viele kleinigkeiten die dafür sorgen das wir viele Dinge nicht so aufnehmen wie sie vieleicht gemeint sind.
Ein gespräch kann aber viel in gang setzen und bewirken.
Und manchmal kann es sehr wichtig sein Dinge zu hinter fragen bevor man sich ein Urteil bildet.
Ich denke sonst laufen wir gefahr alle Menschen vorschnell zu verurteilen.
So unter dem Motto Schublade auf und rein ich hab´s ja eh gewußt.
Wär das nicht auch gemein und unfair.

Gruß
Herbi
Verfasst am: 01. 07. 09 [23:25]
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Gelöschter Benutzer
Herbi 53 schrieb:


Und manchmal kann es sehr wichtig sein Dinge zu hinter fragen bevor man sich ein Urteil bildet.
Ich denke sonst laufen wir gefahr alle Menschen vorschnell zu verurteilen.
So unter dem Motto Schublade auf und rein ich hab´s ja eh gewußt.
Wär das nicht auch gemein und unfair.



Wieso denn, Schubladen waren schon immer auch ganz gut.

Wie man liest stellt Dein Selbstwert auch etwas auf dem High-Tech-Rollstuhl ab oder dann auf den "richtigen" Gespraechen. Wie auch immer fehlt es bei mir da sicher noch an allen Enden, und wenns dann die Schublade gibt von Leuten, die mit einer neuen Behinderung erstmal noch etwas gestresst sind, also in dieser Schublade, in der sitz ich auch drin. Ich komm da auch raus, ich weiss dass das irgendwann sein wird, und ich kuemmer mich auch um die passende Art Gespraeche, Selbstwert und High Tech und so - aber bis dahin is noch ein Weilchen und das gilts jetzt auszuhalten und in den Griff zu kriegen.
Verfasst am: 02. 07. 09 [16:40]
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Handschuh
Beiträge: 1502
bei mir hat das sehr lange gedauert und ich weiss, es gibt immer wieder situationen in meinem leben, da wird es mich wieder voll erwischen. diese werden immer weniger, ja. aber wenn es dann doch wieder passiert (das hadern, die trauer, der ärger, die wut.....) dann ist das noch immer heftig. es hat nichts mit minderwert zu tun. es ist eine mischung aus ungeduld schmerz und ärgern. schwer zu beschreiben icon_smile.gif

ich habe des öfteren mit menschen zu tun, denen es auf ihr leben bezogen ähnlich geht.besonders mit leuten, die es später erfahren haben, mit einer behinderung zu leben.
aber auch menschen, die mit einer behinderung geboren sind, verhalten sich nicht immer gleich. ich kenne contergangeschädigte die voll d'accord sind mit ihrem leben und auch welche, die damit seelisch probleme haben. hier kommen gesundheitliche aspekte zum tragen sowie das angestarrt werden (zum beispiel).

ich freue mich für jede, jeden, die/der es anderes erlebt! die mit sich quasi im reinen sind. icon_wink.gif
und das nicht alles in eine schublade x reingeht sondern immer wieder ein neulagern icon_wink.gif das ist das interessante am leben. immer wieder neu.



lg
christiane

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Verfasst am: 02. 07. 09 [17:24]
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