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Warum ich - warum du?

Topic Status: beantwortet

 » Plauderecke
Landesflagge: DE
Feierabend
Themenersteller
Beiträge: 74
'Nabend in die Runde - Lust zu plaudern?

Ich würde gerne mal wissen, ob ihr euch auch irgendwann mal gefragt habt, warum euch dieses Schicksal ereilte. Und ob ihr eine für euch befriedigende Antwort darauf geben konntet, vielleicht um besser damit klar zu kommen - irgendwie.

Ich habe mich das früher sehr oft gefragt. Mit fast 18 durch einen Schlaganfall plötzlich den Rest des Lebens eingeschränkt zu sein, lässt solche Gedankengänge wohl automatisch aufkommen.

Was mir als Antwort dazu in den Sinn kam ist, dass ich entweder in dem Leben davor ein sooo schlechter Mensch war, dass ich heute quasi dafür büßen muss, oder – wenn dies mein erstes Leben sein sollte – dann ist das (m)eine Challange, welche bestmöglich zu bewältigen gilt um nach dem Tod wenigstens besser dazustehen als andere, denen bsp.weise alles nur so zufliegt. icon_smile.gif

Mit solchen Erklärungen lebt es sich irgendwie etwas leichter, finde ich.

Zu mir hat mal jemand gemeint, das Leben auf der Erde sei die Hölle und der Tod (also die Seele vereint mit dem Universum) sei das Paradies. Sicherlich ist alles eine Glaubensfrage. Aber mit ersterem liegt er gar nicht so falsch, wenn man sich mal vor Augen hält, womit man sich hier Tag um Tag so rumschlagen muss.

Was glaubt ihr so, wenn ich fragen darf?

Beste Grüße

Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiß, daß er das schlimmste aller Übel sei.
Sokrates
Verfasst am: 17. 08. 18 [21:33]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
Gelöschter Benutzer
Guten Abend Feierabend,
eigentlich habe ich mich das weniger gefragt. Ja, wenn vieles schief geht (was zum Glück nicht so oft vorkommt) dann frage ich mich " was habe ich schlimmes verbrochen daß es mir so geht"?
Aber sonst denke ich oft, ach lass mal, es geht dir doch noch ganz gut, es gibt viele die viel schlimmer dran sind als du.
Das hilft mir dann schon etwas.
Schönen Abend
Rudi
Verfasst am: 17. 08. 18 [22:53]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
Gelöschter Benutzer
Hi Feierabend,

wow, was für eine Frage, da kommt man nie auf einen gemeinsamen Nenner und tritt sich schnell auf die Füße. Ich versuche es trotzdem mal und sage gleich: Ist meine Sicht und Interpretation der Dinge.

Klar, hab ich mich das auch schon gefragt, warum ich (gelähmt, chronisch krank, vieles, vieles wie sprechen und natürlich bewegen neu lernen müssen...)

Zu dem Leben davor und dem jetzt, da gibt es so unendlich viele Spekulationen. Schlechtes Karma, für andere Karma abtragen, in diesem Leben Lektionen lernen/Erfahrungen sammeln. Ich würde hierzu sagen nix genaues weiß man nicht, denn niemand konnte eindeutig beweisen, dass es wahr oder falsch ist.

An dieses Challence Ding glaube ich persönlich nicht. Das ist für mich noch ein Kirchenlehreüberbleibsel, dass die ihre Macht ausüben können und die Leute sich anstrengen. Was hat den Gott davon, wenn wir uns anstrengen, hm? Nix! Ich wüsste zumindest nicht was. Diesen ganzen wer ist besser und wer ist schlechter Quatsch haben wir uns Menschen ausgedacht. Und was ist falsch daran, wenn einem das Gute nur so zufliegt (übrigens auch da habe ich die Theorie gehört, dass die Leute, die es jetzt so leicht haben, in ihrem letzten oder mehreren Leben ziemlich gelitten haben)? Jeder Mensch verdient das Gute!

Die Hölle und der Himmel ist, was du in deinem Leben und aus diesem machst. Negativität ist die Hölle. Positivität der Himmel. Aus allem kannst du etwas machen. Wo hieß es, ihr werdet erst glücklich, wenn ihr sterbt? Nein, aber das Himmelreich ist in euch. Den Spruch gibt es. Den kannst du dir selber in dein Leben im Jetzt und hier erschaffen, trotz aller Umstände. Die Seele ist immer vereint mit dem Universum, egal ob am Leben oder tot, in der Hölle oder dem Paradis bist.

So ein großer Bibelverfechter bin ich eigentlich gar nicht. Aber manches stimmt und das Meiste wird, so finde ich, fürchterlich falsch interpretiert.

Du musst nicht auf den Tod warten, um glücklich zu werden, lass dir das ja nie einreden!

Lg Joy
Verfasst am: 17. 08. 18 [23:25]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
Gelöschter Benutzer
Hallo Feierabend,

das ist wirklich mal ne gute Frage und ich denke die richtige Antwort darauf gibt es nicht, weil jeder Mensch individuell anders ist und auch damit umgeht.

Habe meine Krankheit (MS) seit 28 Jahren und bin am Anfang auch irgendwie in ein Loch gefallen. Als mir meine Frau dann nach einem halben Jahr sagte, das sie mein Selbstmitleid nicht ertragen könne, fing ich endlich an etwas konstruktiver zu denken, ich wollte schließlich nicht als Jammerlappen da stehen und auch nicht meine Ehe gefärden.

Es hat bestimmt ein Jahr gedauert, aber dann hatte ich meinen Weg gefunden! Ich versuchte so normal wie möglich zu leben und der Krankheit so wenig wie möglich Platz in meinen Gedanken/Leben einzuräumen. Da meine Verlaufsform nicht Schubförmig ist, sondern es sich kontinuierlich verschlechert, war das nicht jeden Tag möglich, aber meistens hat es geklappt. Ich hatte ja auch genug damit zu tun mir Alternativen oder Hilfsmittel zu suchen um möglichst normal zu Leben, zu Arbeiten, usw.

Das Arbeiten im Labor ging dann irgendwann nicht mehr, also habe ich einen Rentenantrag gestellt der auch direkt durchging und ich hatte eine neue Aufgabe, nämlich mein Leben auch als Rentner ausgefüllt zu gestalten. Das Eheleben verändert sich, die neue Freizeit habe ich mit Ehrenamtlichen Aufgaben im Verein gefüllt und ab und zu mal einen Nebenjob angenommen den ich machen konnte, nicht wegen dem Geld, sondern um etwas zu tun zu haben.

Tragisch war für mich, als ich dann vor neun Jahren hier umgekippt bin und meine Frau mich wieder beleben mußte. Das einzige was ich davon noch weiss ist, das ich im Krankenhaus aufwachte und 3 Bypässe hatte. Ist also alles gut ausgegangen, tragisch daran für mich war nur, das mir da bewust wurde das ich auch sterblich bin und ich hörte auf jedes Wehwechen meines Körpers. Hat einige Zeit gedauert bis ich das wieder aus meinem Kopf hatte.

Aber irgend jemand oder etwas dafür Verantwortlich zu machen bringt nichts und sich damit zu beschäftigen ist nur vertane Zeit die man nicht wieder bekommt. Es gibt soviele Schiksale allein hier im Forum und alle müssen damit Leben und ob man gutes oder schlechtes getan hat, hat bestimmt nichts damit zu tun. Denn schau dich in der Welt um, jeden Tag gibt es irgendwelche Enthüllungen über Verbrechen und den Tätern geht es eigentlich meist gut.

Als Kopf hoch. lebe dein Leben, gib ihm einen Sinn und versuche es zu geniessen so gut es geht, dann passt das schon.

Gruß Leser

meistens gibt es doch einen Weg .............
Verfasst am: 18. 08. 18 [11:58]
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wessi
Beiträge: 348
Hallo Feierabend,

das ist mal sehr spannend. Gutes Thema.

Mein Senf dazu kommt noch. Nur nicht heute.

gruß wessi

Ich Kämpfe für die Menschen die wirklich Hilfe brauchen. ( Gerechtigkeit ) ;)
Verfasst am: 19. 08. 18 [21:04]
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Feierabend
Themenersteller
Beiträge: 74
Moin Folks,

vielen Dank für euer Feedback und eure Gedanken. Wirklich sehr interessant!


ZITAT:
"Die Seele ist immer vereint mit dem Universum, egal ob am Leben oder tot, in der Hölle oder dem Paradis bist."

Eine wirklich erhellende Aussage. Danke, Joy.

ZITAT:
"Du musst nicht auf den Tod warten, um glücklich zu werden (...)"

Doch, das denke ich persönlich schon. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich hinter den nächsten Zug springen würde.

@Leser:

Großen Respekt für dein Umdenken und deine Kraft! Gerade bei einer Krankheit wie MS frage ich mich immer, wie erträgt es ein Mensch, sich und seinen Körper immer wieder neu "programmieren" zu müssen, wenn ein Schub dazwischen grätscht und wie ist es oder was macht es mit einem, wenn der Körper kontinuierlich schwächer wird?

ZITAT:
"(...) und den Tätern geht es eigentlich meist gut."

Ja Moment, zu Lebzeiten vielleicht.... icon_wink.gif


Einen guten Start in die Woche für euch!

Beste Grüße

PS:
@wessi,

wir laufen, rollen, hinken oder humpeln nicht weg...



Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiß, daß er das schlimmste aller Übel sei.
Sokrates
Verfasst am: 20. 08. 18 [06:00]
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Feierabend
Themenersteller
Beiträge: 74
Rudi65 hat geschrieben:

Aber sonst denke ich oft, ach lass mal, es geht dir doch noch ganz gut, es gibt viele die viel schlimmer dran sind als du.
Das hilft mir dann schon etwas.


Diese Gedanke brachte mich auch gut durch Zeiten, die etwas dunkler waren. Aber irgendwann verlor er seine "aufbauende" Kraft irgendwie für mich.

Entschuldigt das Doppelpost! icon_redface.gif

Beste Grüße



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 20.08.2018 um 06:10.]

Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiß, daß er das schlimmste aller Übel sei.
Sokrates
Verfasst am: 20. 08. 18 [06:07]
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Gelöschter Benutzer
Aus meiner Sicht bringt es absolut gar nichts, sich zu sagen nicht zu jammern, weil andere schlimmer dran sind. Man übergeht und verletzt sich damit nur selbst. Was nützt es mir, mich mit Menschen zu vergleichen, denen es schlechter geht? Dadurch gehen meine eigenen Probleme noch lang nicht weg. Außerdem so wie es immer Leute gibt, die schlimmer dran sind, gibt es auch immer Leute die besser dran sind. Es ist so, wie es ist, fertig.

@Feierabend,

hinter den nächsten Zug springen bringt ja auch nix, dass muss schon davor sein. icon_biggrin.gif Hast du dich in deinem Leben noch niemals gefreut oder warst wenigstens für kurze Zeit glücklich? Aha siehste, es geht doch!

Lg Joy
Verfasst am: 20. 08. 18 [12:57]
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Helmut60
Beiträge: 340
Warum ich - warum du?

weil sich im laufe der Entwickelung unserer Gattung gezeigt hat, das jeder am besten mit seinem eigenen Leben / Schicksal klar kommt, und längst nicht sicher ist, das er mit einem anderen, wenn auich scheinbar besseren, besser zuerecht kiommt. Andere Leben = andere Probleme, wobei ja nicht sicher ist das man die beeser lösen kann als deine eigenen.

icon_smile.gif Helmut

Betroffen ist .....meine Tochter Sonja. Sie hatte im Alter von 2 Wochen eine schwere Meningitis, und ist heute mit 33 J. auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ... sowie meine Frau. Sie hat eine schw. Psychose.
Verfasst am: 20. 08. 18 [15:29]
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OpenQuestions
Beiträge: 5
Hallo!

Das ist eine interessante Frage. Die stellen sich ja offenbar nicht nur die Betroffenen, sondern die ganze Menschheit findet hier (oft die für den Einzelnen bequemste) Antwort.

Vor allem dieser Stempel, dass man im vorigen Leben in diesem oder wo auch immer etwas Böses getan hätte, oder dass jemand für etwas "zu büßen hätte" finde ich eine ziemliche Anmaßung und darüber hinaus gemein und menschenverachtend. Auch dem "Lieben Gott" wird das hier meines Erachtens zu unrecht angehängt. In der Bibel steht "Weder dieser, noch seine Eltern haben gesündigt. Sondern es soll an ihm die Größe des Herren offenbar werden." Sinngemäß, nicht wörtlich.

Doch die Gesellschaft versucht hier mit allen Mitteln etwas abzuwälzen, das sie selbst mitzuverantworten hat. Egal welche Einschränkung: MEINER MEINUNG NACH ist sie menschengemacht und kein "Zu-Fall" (Tabletten, Kosmetik, Strahlung und wer weiß was sonst bei gebärfähigen Männern und Frauen / Technik, der wir in Wahrheit nicht gewachsen sind / Sportarten, die eine hohe Wahrscheinlichkeit von bleibenden Verletzungen birgt / Umweltgifte etc. etc. etc.).

Warum Gott dies zulässt, diese Frage zu erörtern, das haben schon viele versucht. Schaut man in die Nachrichten, es ist oft das blanke Elend, Unfälle, Katastrophen und betrifft auch schon die Unschuldigsten; Babies, Kinder, Hungerleidende. Irgendjemand hat mir mal erzählt, das sei so, weil Gott ja versprochen hätte, die Menschen ihr Ding machen zu lassen (und es graust ihn und er sieht uns weinend dabei zu) - damit am Ende der Zeiten alle froh sind, wenn sie im Himmel seiner guten und gerechten Ordnung folgen dürfen.

Dass das Leben sein könnte wie ein Computerspiel, bei dem man entweder im Warmduscherlevel easy überall durchkommt ohne jeden Anspruch oder Herausforderung, oder eben mit Hürden und Einschränkungen im Superfortgeschrittenenlevel kämpft um ans Ziel zu kommen und man sich dafür dann am Ende eine bessere Spielerposition verdient - diesen Gedanken finde ich durchaus positiv, das würde für etwas Ausgleich sorgen, wenngleich diese Variante wohl zu schön wäre um wahr zu sein. Nebenbei ist es so, dass sicher nicht jeder dieses schwere Level so mit links stemmt, also müsste dann ja ein Versagen auch möglich sein, was wenig hilfreich wäre.

Ein anderes Mal habe ich gelesen, dass es ein bestimmtes, fixes Maß an Bösem auf der Welt gibt, und dass es auserwählte Seelen gibt, die sich bereit erklärt haben, einen größeren Teil davon auf sich zu laden, damit der Rest der Menschheit möglichst gemächlich vor sich hinleben kann. Wahrscheinlich auch mit dem Gedanken, dass diese auserwählte Seelen dafür im Jenseits belohnt werden. Auch das ist nicht sehr wahrscheinlich. Aber es zeigt, dass es Menschen gibt, die es sich nicht so einfach machen, die ohnehin schon benachteiligten Menschen durch eine gemutmaßte Gottesstrafe, oder auch nicht netter "schlechtes, minderwertiges Genmaterial" noch weiter zu entwürdigen.

Oft hört man von Leuten, die dem Thema etwas positives abgewinnen wollen, den Vergleich mit den Edelmetallen - auch die sind frisch aus dem Berg kaum spektakulär und müssen erst einmal geläutert werden. Nicht in jedem wird man fündig. Und oft findet man so eine Goldader, von der der Besitzer selbst nichts ahnte...

Gute Nacht!




Verfasst am: 21. 08. 18 [00:05]
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