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vorteil oder nachteil..

Topic Status: in Lösung

 » Ausbildung & Beruf
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susiqu
Themenersteller
Beiträge: 36
hallo, ich würde gern mal wissen ob sich einer auskennt oder auch erfahrungen hat im beruf ,als behinderter benachteilig worden zu sein , oder ob es wirklich so ist, das man dann als behinderter einem gesunden menschen ,mit dem selben wissenstand um die selbe stelle bevorteiligt wird .

so wurde es uns kürzlich gesagt, das meine tochter immer vorteilig behandelt werden würde (wie gesagt es geht natürlich nur wenn der bildungrad gleich und das selbe stellenausschreibenist. ist das so ??

lg susi .
Verfasst am: 29. 01. 13 [18:06]
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KatrinHH
Beiträge: 1043
Hallo Susi!

Dazu gibt es sicher viele Meinungen, es kommt wohl auch auf die Art der Behinderung an. Menschen wie deine Tochter, die ihr Handicap unter der Hose verstecken können und keine speziellen Einrichtungen am Arbeitsplatz brauchen, werden sichewr eher genommen als ein Rollifahrer, der evtl. Umbauten braucht, die noch nicht vorhanden sind o.ä.

Menschen mit geistiger Behinderung wirst du kaum irgendwo an der Kasse oder im Büro finden, außerhalb von WfBM eher in Hilfsjobs im Garten oder Küchenbereich (Teller und Besteck sortieren etc.)

Leider ist in vielen Köpfen auch noch drin, dass man Menschen mit Handicap am Arbeitsplatz nur wieder kündigen kann, wenn sie im übertragenen Sinne goldene Löffel geklaut haben und das Integrationsamt zustimmt. Das ist der Schutz, der wohl gemeint wurde in deinem Gespräch.

Auch Menschen mit künstlicher Hüfte oder Herz-OP und daraus resultierender Behinderung werden meist eher genommen, als jemand mit sichtbarer Spastik trotz identischer Qualifizierung. Der "Ruf" der Firma könnte ja geschädigt werden, wenn Kunden von einem "Spasti" begrüßt werden. Achtung Sarkasmus!

Ich selber bezeichne mich scherzhaft mal als Spasti, wenn mal was nicht gleich klappt, wenn aber Jugendliche dieses Wort als Schimpfwort nutzen, nicht wissen, was sie da eigentlich sagen, finde ich es ganz schlimm.

Im Arbeitsleben können Firmen auch eine Abgabe zahlen, die etwa bei 200 bis 300 Euro liegt, um sich freikaufen zu können, keine Menschen mit Handicap einzustellen. Diese Abgabe müßte meiner Meinung nach beim einmaligen oder doppelten Monatsgehalt liegen, dann denkt man evtl. mal drüber nach.

Aus diesen Gründen arbeite ich im Öffentlichen Dienst, die stellen eher Menschen mit Handicap ein, es ist ein gewisser Schutzraum. Momentan drohen aber betriebsbedingte Kündigungen, wo ein GdB auch nicht unbedingt immer Schutz bietet.

Hat deine Tochter einen Ausweis, wenn ja, wieviel Prozent und welche evtl. Merkzeichen?

Ich hoffe, ich habe dich nicht entmutigt.

Gruß, Katrin

Nachtrag: Es kommt natürlich auch auf den Berufswunsch an. Ich denke, z.B. als Bademeisterin hätte deine Tochter auch Probleme, eingestellt zu werden, weil die Badegäste ja nicht "erschrecken" sollen, wenn jemand mit Beinprothese da steht und Schwimmunterricht gibt oder ins Wasser springt, um Leben zu retten.

Das ist die Barriere in den Köpfen der Menschheit. Natürlich geht das und ich würde keinen Moment am Können einer solchen Person zweifeln, die Mehrheit tut es aber und hat Angst vor der direkten Konfrontation.

Gruß, Katrin

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.01.2013 um 18:39.]

Bin Handicap-Mutter (leichte Tetraspastik ohne Hilfsmittel und eine gut eingestellte Epilepsie) eines Handicap-Kindes (fortschreitende seltene Erbkrankheit väterlicherseits (HSP=Hereditäre spastische Spinalparalyse=Vererbte spastische Nervenlähmung(im Spinalkanal))). Wer Fragen hat, immer her damit ;-) www.gehn-mit-hsp.de (ist auch im Profil verankert unter "www") Näheres siehe im Profil.
Verfasst am: 29. 01. 13 [18:28]
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susiqu
Themenersteller
Beiträge: 36
nein, das hast du nicht katrin,

aber das ein geistig behinderter nicht , ( mal übertrieben gesagt ) in einer bank am schalter beschäftigt wird ist ja wohl klar . )
natürlich muss der behinderungsgrad zur arbeitsstelle passen ! ich kann mich wohl kaum als z.b. querschnittgelähmter als rettungsschwimmer bewerben icon_smile.gif)) oder eben so.
es ging ganz einfach ganz einfach , ich geh jetzt mal von meiner tochter aus, die gerne mal krankeschwester oder in die richtung gehn würde, mit ihrer bein prothese immer bevorzugt behandelt werden (WÜRDE ....) ?

und das rollifahrer nicht genommen werden , wegen evtl umbauten kann ...hmmm ...zugegeben, ich habe auch noch keine verkäuferin im rolli gesehn in einem modegeschäft, aber ob er jetz daran liegt das es keine rollifahrer gibt die sich dafär interesieren oder ob sie für sowas nicht genommen werden weiß ich nicht
icon_redface.gif .

deshalb bitte schreibt mal so eure erfahrungen icon_razz.gif icon_wink.gif .

lg susi
Verfasst am: 29. 01. 13 [18:45]
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KatrinHH
Beiträge: 1043
Hallo Susi!

Krankenschwester könnte gehen. Auf entsprechenden Stationen könnte sie ein positives Vorbild für andere Patienten sein. Andererseits muß sie in Notfällen auch schnell reagieren und rennen können, wenn es um Leben und Tod geht. So fit sollte sie sein und schon jetzt mit der Prothese entsprechend üben, denke ich. Bettenschieben kann auch Schwer(st)arbeit sein.

Rollifahrer im Verkauf habe ich auch noch nicht gesehen, aber oft machen entsprechend Betroffene eine Ausbildung im Bürobereich.

Gruß, Katrin

Bin Handicap-Mutter (leichte Tetraspastik ohne Hilfsmittel und eine gut eingestellte Epilepsie) eines Handicap-Kindes (fortschreitende seltene Erbkrankheit väterlicherseits (HSP=Hereditäre spastische Spinalparalyse=Vererbte spastische Nervenlähmung(im Spinalkanal))). Wer Fragen hat, immer her damit ;-) www.gehn-mit-hsp.de (ist auch im Profil verankert unter "www") Näheres siehe im Profil.
Verfasst am: 29. 01. 13 [18:55]
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einbein
Beiträge: 715
Grundsätzlich kannst du davon aus gehen, dass praktisch jeder Chef den Rückzieher gegenüber einem Behinderten macht, wenn er auch einen gleichqualifizierten Nichtbehinderten bekommt. Und zwar nicht wegen den Erfahrungen mit Behinderten, sondern den schleten Erfahrungen mit "Leichtbehinderten", die sich die Prozente anjammern und dann hinter ihrem Behindertenschein verstecken.
Krankenschwester ist kein geeigneter Beruf für eine Beinamputierte. Bedenke, dass sie diesen Beruf bis 65 ausüben können muss.
Ein geeignter Beruf ist eine Täigkeit, bei der sie nicht zu 100% auf die Prothese angewiesen ist. Eine kleine Scheuerstelle am Stumpf würde sofort eine Krankmeldung bedeuten. Es muss also was sein, bei dem man auch notfalls auf Krücken gehen kann.
Sie muss bei der Bewerbung ihre Behinderung nicht angeben, sofern die Behinderung keinen Einfluss auf die Tätigkeit hat. Der zukünftige Chef wäre blöde, danach zu fragen, weil er bei einer Ablehnung nicht beweisen kann, dass das nicht wegen der Behinderung war und sich angreifbar gegen eine Schadenersatzklage macht. Ebenso kann er nicht ausschreiben, dass Behinderte bevorzugt genommen werden. Da macht er sich angreifbar gegenüber einem abgelehnten Nichtbehinderten.
Es sollte also ein Beruf sein, der nicht schweres Tragen und überwiegendes Stehen oder schnelles weites Gehen und Arbeiten in Zwangslagen erfordert.





Was du heute nicht erlebst, kannst du morgen nicht nachholen ohne etwas anderes zu verpassen.
Verfasst am: 30. 01. 13 [09:56]
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susiqu
Themenersteller
Beiträge: 36
also diese aussagen entäuscht mich jetzt etwas @einbein icon_rolleyes.gif ,was machst du beruflich wenn ich mal fragen darf ? also ich kenne jetzt 2 mit bein prothese einen persönlich und eine andere ist aber eine kolegin von meiner mutter ... der eine arbeitet als prothesenbauer und ist somit auch den ganzen tag auf den beinen und die andere ist erzieherin ...

naja, wir werden uns wohl einfach überraschen lassen .

lg susi
Verfasst am: 30. 01. 13 [10:55]
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monalisa72
Beiträge: 270
Hallo susiqu,

generell: Darf der Chef den Text mit der Bevorzugung von Behinderten schreiben.
Konsequenz bei großen Firmen: die Schwerbehndertenvertretung sitzt bei jedem (auch von den Nichtbehinderten) Bewerbungsgespräch dabei, um zu überprüfen, dass diese "Regel" eingehalten wird.
Tatsache ist: es gibt IMMER Gründe, warum der Behinderte abgelehnt wird, ohne dass man nachweisen könnte, dass er diskriminiert (letztendlich will ich auch nicht bei einem Chef arbeiten, der meine Behinderung nicht will).
Dementsprechend gebe ich meine Behinderung immer an, da ich auf die zusätzlichen Urlaubstage nicht verzichten will. Außerdem (das weiß ich aber nicht genau) sieht man es doch auf der Lohnsteuerkarte, der Freibetrag... oder?)

geistig Behinderte und Bank, Kasse, Reception: Da gibt es immer wieder Beispiele, wo auch Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten z.B. Stadthotel in HH, ich habe einen Beitrag im Fernseh gesehen, wo über entsprechende Supermärkte berichtet wurde.

Was du hier an den Aussagen merkst, kann ein Prothesenträger den ganzen Tag stehen oder nicht ... individuell unterschiedlich, bei dem einen gehts, beim anderen nicht ...
Hinzu kommt, dass heutzutge keiner mehr in seinem Erstberuf alt wird. Der Trend /die Notwendigkeit ist gegeben, dass heutzutage noch eine zweite Ausbildung folgt, oder aber auf die erste aufebaut wird (Meister, Studium, etc.) so dass das Stehen dann auch nicht mehr so aktuell ist.

@ EInbein, ich stimme dir mit den "Leichtbehinderten" zu, die finde ich auch soooo ätzend...

Firmen bezahlen die €´s lieber als Behinderte einzustellen, u.a. wegen dem Vorurteil: Behinderte sind ständig krank, das mit der Kündigung, KattrinHH, stimmt und die Sache mit der Abgabe ... dei können sie bei ihrer Jahresabrechnung auch als "Belastung" angeben, so dass es weniger Geld ist...


Grundsätzliches: Ich arbeite mit nichtbehinderten und behinderten Jugendlichen zum Thema berufliche Orientierung. Tatsache ist: die nichtbehinderten SchülerInnen mit schwachen Leistungen haben keine Ahnung, was sie berufliche machen wollen. Wenn doch, dann sind das Ideen, die mit ihrem Niveau nicht zusammen passen (schlechter Hauptschüler, Ziel: Abitur). Im Gegensatz dazu sind die Jugendlichen mit Handicap realistisch.
Ich glaube, dass sich noch nie ein Rollstuhlfahrer bei H & M, Mc Doof oder sonstwo beworben hat.

Also, Töchterlein von susiqu, schau genau, welche Berufe sind interessant, passen zu deinen Noten, dann ein freiwilliges Praktikum machen (macht sich auch gut im Lebenslauf) um herauszufinden, ob es mit Prothese klappt ->dann Entscheidung treffen.

Lieben Gruß
Mona

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Verfasst am: 30. 01. 13 [14:09]
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surfer
Beiträge: 1173
Hallo manalisa,

Das ist schwer zu sagen, aber ich selber habe es erlebt, daß die Behinderung bei der Bewerbung ausschlagebend war.
Ich habe mich bei einer Bank um eine Lehrstelle beworben und dort auch schon mein FOS Praktikum voll zufriedenstellend gemacht.
Bei der Bewerbung wurde ich dann, inzwischen mit FOS -Abschluß nicht genommen, aber meine nichtbehinderte Cousine mit mittlerer Reife und obwohl sie den Aufnahmetest vergeigt hat, den sie mir erst gar nicht angeboten hatten.
Mein Vater (Kreditsachbearbeiter) und mein Onkel(Filialleiter) waren bei der selben Bank.
Sicher vielleicht waren es auch die Posititionen unserer Väter, aber sicher nicht nur, sondern, auch die Behinderung, zumal es das Anti- Diskriminierungsgesetz noch nicht gab.

LG

Surfer

Ich schließe mich der Trauer um unser Mitglied Guido an.
Verfasst am: 30. 01. 13 [17:46]
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einbein
Beiträge: 715
Hallo Suri,

die Aussagen sind halt realistisch. Wenn du nur die Sonnenseiten sehen willst, kann deine Tochter auch Krankenschwester lernen. Die Ausbildung wird sie locker packen. Es macht auch Sinn, wenn sie auf den Bereich Pflegeleitung oder eine Sekundärtätigkeit, bei der die Ausbildung von Vorteil ist, anstrebt. Aber 45 Jahre lang im Trab durch die Station rennen und wenn es dann doch nicht geht, mit 45 Umschulen auf Frührentner?

Ich habe einen Job, den ich problemlos mit und zur Not auch ohne Prothese machen kann. In so fern habe ich Glück. Ich kann auch mal eine Woche auf einer Messe rum stehen und die Gänge ablaufen. Dauernd möchte ich aber nicht in einem Laden stehen müssen. Es gibt genug andere, die dann eben dauernd krank sind oder in jungen Jahren umschulen müssen. Bisher hatte ich auch Glück, dass ich noch nicht ohne Prothese in den Außendienst musste. Ich kann mir aber auch mal selbst helfen, wenn was klemmt.


Was du heute nicht erlebst, kannst du morgen nicht nachholen ohne etwas anderes zu verpassen.
Verfasst am: 30. 01. 13 [17:52]
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