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Verliebt in einen Mann mit Beeinträchtigung

Topic Status: offen

 » Partnerschaft & Sexualität
Landesflagge: DE
Milly
Themenersteller
Beiträge: 3
Guten Morgen,
ich bin beim googeln auf dieses Forum gestossen und hoffe hier ..... tja was?....einen Rat zu bekommen?.....
Mal kurz zu mir:
ich bin Milly, komme aus Norddeutschland und bin Ende 40.
Vor 2 Jahren habe ich mich nach 13 Jahren von meinem Mann getrennt.....Scheidung läuft......
ist diesen oder nächsten Monat.
Lebe seit der Trennung alleine mit Hund und Katze.
Ich bin gelernte Erzieherin aber nicht berufstätig, bekomme wegen Depressionen volle Erwerbsminderungsrente.

Nun schreibe einfach mal, was mich seit Monaten beschäftigt.
Mein "Problem" ist meine Gefühlswelt.
Ich habe mich unerwarteterweise verliebt.
Was an sich ja schön ist.
Allerdings hat der Mann, um den es geht, eine geistige Beeinträchtigung.
Er hat eine Förderschule besucht - ohne Abschluss.
Lesen kann er recht gut.
Problematisch sind Rechtschreibung und Rechnen.
Er ist 44 Jahre alt und hat 20 Jahre in einer Metalk-Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet.
Er ist zur Zeit arbeitslos.
In der Werkstatt fühlte er sich nie "richtig" und auf dem ersten Arbeitsmarkt hat er kaum eine Chance.

Er wohnt selbständig in einer kleinen Wohnung im gleichen Mehrfamilienhaus wie
ich.
Ein gesetzlicher Betreuer kümmert sich allerdings um Briefkram, amtliche Angelegenheiten etc.

Seine Interessengebiete sind nicht übermäßig breit gefächert. Er unterhält sich am liebsten über seine Hobbys: Sport (er ist Läufer und geht ins Fitness-Studio), Musik (Heavy Metal Fan) und Filme.
Er hat ein wahnsinnig Gedächtnis was Daten und Namen angeht. Er kann bei hunderten von Filmen den Titel, den Regisseur, den Hauptdarsteller, die Laufzeit und die jeweilige Altersfreigabe nennen.
Auch besondere Daten vergisst er nicht.
Wo ich mich vielleicht gerade mal an das Jahr eines Ereignisses erinnere, weiß er noch Monat und Tag.
Erstaunlich.

Er hatte keinen guten Start ins Leben.
Seine Mutter hat eine geistige Beeinträchtigung - sein Vater vermutlich auch. Den hat er nie kennengelernt.
Er wurde von Haus aus nicht gefördert, sondern seelisch und körperlich misshandelt. Bis er in ein Kinder- und Jugendheim kam und dort einen richtig tollen Betreuer hatte, zu dem er heute noch freundschaftlichen Kontakt hat.
Wäre er liebevoller erzogen und gefördert worden, hätte er sicherlich mehr erlernen können.

Ich habe noch niemals in meinem Leben einen so warmherzigen, lieben und empathischen Menschen kennengelernt, wie ihn.
Sanfte Augen, ein hinreißendes Lächeln und eine sehr, sehr warme Seele.

Meine plötzlichen Gefühle für ihn haben mich überrannt.
Ähnliche Empfindungen hat er anscheinend mir gegenüber.
Er hat sich in meinem Herzen festgesetzt.

Wir haben schon viel gemeinsam unternommen.
Spazieren gegangen, viele Abende bei Kerzenschein und Musik, regelmäßiges Kaffeetrinken bei der Nachbarin, zusammen einen Laufkurs besucht etc.
Er kennt auch meine Familie - haben mal gemeinsam gegrillt.
Und körperliche Annäherungen gab es auch.

Aber im Großen und Ganzen bin ich mir nicht sicher, wie ich damit umgehen soll.
Immer wieder versuche ich daher den Kontakt nicht zu intensiv werden zu lassen.....und doch zieht mich stets etwas zu ihm hin.
Er ist ständig in meinen Gedanken.
Wenn ich ihn mal ein paar Tage nicht sehe, vermisse ich ihn.

Nun ist mir aber auch bewusst, dass eine solche Beziehung nicht unproblematisch sein wird/würde.
Besonders wohl in Bezug auf mein Umfeld, unsere gemeinsamen Nachbarn hier etc.
Und daher frage ich mich permanent: könnte eine solche Beziehung "normale" Frau und beeinträchtigter Mann überhaupt funktionieren?
Ich will ihn auch nicht verletzen.....

Liebe Grüße
Milly
Verfasst am: 10. 06. 20 [07:55]
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eva2019
Beiträge: 483
Milly hat geschrieben:

...
Ich bin gelernte Erzieherin aber nicht berufstätig, bekomme wegen Depressionen volle Erwerbsminderungsrente.
...
Und daher frage ich mich permanent: könnte eine solche Beziehung "normale" Frau und beeinträchtigter Mann überhaupt funktionieren?
Ich will ihn auch nicht verletzen.....
Liebe Grüße
Milly

Da fehlen mir die Worte. Ist er nicht normal oder bist du nicht beeinträchtigt ?
lg
Verfasst am: 10. 06. 20 [08:42]
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Milly
Themenersteller
Beiträge: 3
eva2019 hat geschrieben:

Milly hat geschrieben:

...
Ich bin gelernte Erzieherin aber nicht berufstätig, bekomme wegen Depressionen volle Erwerbsminderungsrente.
...
Und daher frage ich mich permanent: könnte eine solche Beziehung "normale" Frau und beeinträchtigter Mann überhaupt funktionieren?
Ich will ihn auch nicht verletzen.....
Liebe Grüße
Milly

Da fehlen mir die Worte. Ist er nicht normal oder bist du nicht beeinträchtigt ?
lg


Hallo Eva,
er hat eine gewisse geistige Beeinträchtigung ..... ich bin sozusagen "normal".
Verfasst am: 10. 06. 20 [13:15]
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jenner
Beiträge: 3100
OT
Hallo,

was heißt schon du wärest "sozusagen normal"? icon_redface.gif
Gewisse Beeiträchtigungen hast du doch auch, soweit ich gelesen habe.
Wer will beurteilen wer oder was als normal zu bezeichnen ist.

Viele Grüße und alles Gute

Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben. (Mark Aurel)



Verfasst am: 10. 06. 20 [15:31]
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eva2019
Beiträge: 483
Milly hat geschrieben:

Hallo Eva,
er hat eine gewisse geistige Beeinträchtigung ..... ich bin sozusagen "normal".

Ich musste das Wörterbuch zur Hand nehmen… das würde ja bedeuten, dass wenn dich Depression nicht beeinträchtigt, dann hast du die Rente zu Unrecht bekommen.

Und was heißt schon normal: ich bin gerne nicht normal – weil normal bedeutet den Durchschnitt (typisch, üblich…). Das will ich gar nicht sein ????
Verfasst am: 10. 06. 20 [16:03]
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jenner
Beiträge: 3100
OT
Sind wir nicht alle ein bisschen ga ga? icon_razz.gif

Viele Grüße und alles Gute

Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben. (Mark Aurel)



Verfasst am: 11. 06. 20 [11:06]
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Tonki
Beiträge: 25
Hallo Milly,

Dein Beitrag bewegt mich und es ist mir wichtig, Dir zu antworten.

Herausgelesen habe ich, dass Du vom Leben enttäuscht wurdest, eine Depression entwickelt hast und daher nicht mehr arbeiten kannst.

Verliebt hast Du Dich in einen Nachbarn, der eine kognitive Beeinträchtigung hat.

Aktuell stehst Du vor dem Problem, dass Du nicht weißt, ob Euch ein einander Näherkommen gut tun würde.

——-

Spontan möchte ich Dir raten, den Moment zu genießen und die Dinge, die passieren, passieren zu lassen, ohne Dir Gedanken zu machen über „hätte, könnte, würde“.

Rationaler betrachtet hast Du das Glück einen wunderbaren Menschen kennengelernt zu haben, der bislang im Leben nicht soviel Glück hatte, der aber mit Dir eine tolle Frau kennengelernt hat, die sich in ihn verliebt hat und der auch er näher kommen möchte.
Du schreibst, Du seiest 40 Jahre und hast eine gescheiterte Ehe hinter Dir. Worauf wartest Du?

Viel Glück für Euch beide
Tonki
Verfasst am: 11. 06. 20 [12:27]
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Milly
Themenersteller
Beiträge: 3
Tonki hat geschrieben:

Hallo Milly,

Dein Beitrag bewegt mich und es ist mir wichtig, Dir zu antworten.

Herausgelesen habe ich, dass Du vom Leben enttäuscht wurdest, eine Depression entwickelt hast und daher nicht mehr arbeiten kannst.

Verliebt hast Du Dich in einen Nachbarn, der eine kognitive Beeinträchtigung hat.

Aktuell stehst Du vor dem Problem, dass Du nicht weißt, ob Euch ein einander Näherkommen gut tun würde.

——-

Spontan möchte ich Dir raten, den Moment zu genießen und die Dinge, die passieren, passieren zu lassen, ohne Dir Gedanken zu machen über „hätte, könnte, würde“.

Rationaler betrachtet hast Du das Glück einen wunderbaren Menschen kennengelernt zu haben, der bislang im Leben nicht soviel Glück hatte, der aber mit Dir eine tolle Frau kennengelernt hat, die sich in ihn verliebt hat und der auch er näher kommen möchte.
Du schreibst, Du seiest 40 Jahre und hast eine gescheiterte Ehe hinter Dir. Worauf wartest Du?

Viel Glück für Euch beide
Tonki



Hallo Tonki,
Du hast meine Situation treffend beschrieben.
Und ich danke Dir für Deine lieben Worte.
Sie tun mir gerade sehr gut.
Sei lieb gegrüßt
Milly
Verfasst am: 11. 06. 20 [12:48]
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