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Spastik

Topic Status: beantwortet

 » Gesundheit, Hilfsmittel & Medikamente
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bianca78
Themenersteller
Beiträge: 231
Hallo,

bei meinem Neffen ist in der Linken Hand bzw. linken Körperhälfte eine Spastik festgestellt worden.

Bin ein wenig verunsichert, was das jetzt bedeutet. Kann mir jemand Informationen geben?

Lg
bianca
Verfasst am: 01. 05. 11 [08:28]
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KarinM
Beiträge: 5627
Liebe Bianca,

eine halbseitige spastische Lähmung kommt bei Kindern recht häufig vor. Der Grund sind meist Frühgeburtskomplikationen oder Komplikationen wärend der Geburt, bei denen es zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn kam. Der Grund, warum diese Lähmung einseitig auf tritt, liegt daran das der durch den Sauerstoffmangel entstandene Hirndefekt nur auf einer Seite des Gehirns gewesen ist.

Kinder mit einer spastischen Hemiparese können sich fast völlig normal entwickeln. Wichtig hierfür ist aber, daß die Eltern das Kind ständig animieren, die betroffene Körperseite genauso viel zu benutzen, wie die gesunde Körperseite. Betroffene Kinder neigen gerne dazu nur eine Hand zum Spielen und Greifen zu bnutzen. Die spastische Seite wäre dann total untrainert.

Ich hatte viele Jahre eine Hausärtzin die seit ihrer Geburt eine halbseitige Lähmungt. Weil sie von klein auf ihre betroffene Körperseite gut trainiert hat, vor allem das Greifen, kann sie heute fast uneingeschränkt als Ärtin arbeiten und bei der Basketballgruppe in der ich seit kurzem trainiere, ist auch ein junger Mann mit halbseitiger spastischer Lähmung. Den Ball mit beiden Händen fangen und werfen kann er trotzdem. icon_wink.gif

Lieben Gruß
Karin

Poweruserin, Expertin für Medizin & Gesundheit


Das Leben ist schön, so wie es ist. (-:
Verfasst am: 01. 05. 11 [10:03]
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surfer
Beiträge: 1173
Hallo Bianca,

Ich bin auch von Geburt an "Spasti" und wie Karin schon gesagt hat entsteht das meistens durch Sauerstoffmangel bei der Geburt.
Wie ausgeprägt die Spastik ist hängt davon ab, welche und wieviele Gehirnzellen durch den Sauerstoffmangel abgestorben sind.
Vereinzelt gibt es Spasti mit Ventil im Kopf weil Gehirnwasser abgesaugt werden muß.

Es gibt Spatiker, die dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen sind, solche wie mich dauerhaft mit 2 Unterarmstützen und teilweise Rolli und Gleichgewichtsstörungen, aber auch solche die fast ganz normal ohne Hilfsmittel laufen. Auch bei den Einschränkungen in den Händen ist es total unterschiedlich, da gibt es solche die ihre Hände gar nicht nutzen können, welche bei denen eine Hand stärker eingeschränkt ist, solche wie mich die beide Hände mit leichten bis mittleren Einschränkungen nutzen können und solche die keine Einschränkungen an Armem und händen haben.
Auch beim Sprechen können Unterschiede sein, da gibt es vereinzelt solche die gar nicht sprechen können, einige die mehr oder weniger nicht deutlich sprechen können und solche die wie ich flüssig sprechen und schreiben.

Beim späteren schulischen und beruflichen Erfolg ist es auch sehr unterschiedlich, manche erreichen nur einen Sonderschulabschluß und haben zusätzlich Lernbehinderung und sind später in der Behindertenwerkstatt, wieder andere haben beim Lernen eine Teilleistungsstörung wie Lese - und Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche (ca.20%, Überschneidungen möglich) oder SLI, eine Sprachschwäche die vorwiegend Grammatik und Schriftsprache betrifft (ca.5%)
Allerdings gibt es auch Spasti, wie mich mit Studium (Soz.Päd.) und abgebrochenes Studium Sonderpäd. M.A. und/oder Berufsausbildung.

SEHR WICHTIG:

Unbedingt sofort mit Frühförderung beginnen!!!!!!!!!!!!!

Das menchliche Gehirn ist platisch, d.h. teilweise übernehmen meist benachbarte Gehirnzellen teilweise die Aufgaben der beschädigten Gehirnregionen.
Am besten funktioniert diese Kompensation des Organismus im jungen Alter.
Auch bei Sprachfehlern können sich die Fehlermuster nicht so stark im Gehirn manifestieren, wenn rechtzeitig durch Sprachtherapie gegengesteuert wird.
Für das Körperliche gibt es krankengymnasische Bewegungstherapien wie Bobat und Voijta, die heute zum Teil sogar OPs unnötig machen können.
Später gibt es im schulischen Bereich Möglichkeiten zur Therapie von LRS und auch Rechenstörung und bei den Leistungen gibt es Förderung und Zeitverlängerungen.

Adressen:

Integrationzentrum für Cerebralparesen (ICP)- München. Es ist ganz auf Spastik spezialisiert und berät auch wenn man nicht aus Bayern ist.
Auch der frühere Name Spastiker - Zentrum München e.V ist noch zu finden.

ICP- München Integrationszentrum für Cerebralparesen
Garmischerstr. 241
81377 München
www.icp-muenchen.de

Stiftung - Pfennigparade München
Rehabilitationszentrum für Körperbehinderte (alle Körperbehinderungen)
Barlachstr. 26-38
80804 München
www.stiftung- pfennigparade.de

Bayerische Landesschule für Körperbehinderte München e.V (alle Körperbehinderungen)
Kurzstr. 2
81541 München
www.bayerische landesschule für körperbehinderte.de

Sicher kann auch das Sonderpädagogische Institut der Universität in der Heimatregion Deines Neffen weiterhelfen.

Und frag doch per Mail auch mal die Redaktion und die Fachexperten im Forum. Sicher haben die Adressen in der Heimatregion.
Im Internet gibt es auch ein Therapeutenverzeichnis.

LG

Surfer




[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 01.05.2011 um 16:14.]

Ich schließe mich der Trauer um unser Mitglied Guido an.
Verfasst am: 01. 05. 11 [16:12]
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Nobby
Beiträge: 526
Hallo Bianca

auch ich bin Spastiker von Geburt an. Bei einer halbseitigen Lähmung spricht man auch von einer Hemiparese. Unser Bewegungszentrum im Gehirn besteht aus 2 Hälften. Ist die rechte Hälfte geschädgt, ist die linke Körperhäfte gelähmt und umgekehrt. Die Schädigung im Gehirn entsteht durch Sauerstoffmangel vor, während und nach der Geburt. Bei Erwachsenen entsteht Sauerstoffmangel durch eine Gehirnblutung oder durch eine Aterien/Venenverstopfung. Man spricht dann von einem Schlaganfall. Die Auswirkungen sind fast identisch und selbst Ärzte müssen häufig beim Patienten entsprechend nachfragen. Die Stärke der Bewegungseinschränkungen hängt maßgeblich von der Schädigung des Bewegungszrntrums ab. Wichtig ist eine lebenslange Physiotherapie, um die gelähmte Seite beweglich zu erhalten. Da die Diagnose recht eindeutig ist, kann jeder Arzt die Physiotherape als Ausnahme vom Regelfall verordnenm. Hier ist noch ein Link, der infantile Cerebralparese auch für Laien ganz verständlich beschreibt.

http://www.sonderpaed-online.de/

LG Nobby
Verfasst am: 01. 05. 11 [19:37]
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bianca78
Themenersteller
Beiträge: 231
Hallo,

meine Neffen sind in der 24 Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen. Der älteste hatte Hirnblutungen 4 Grades. Daher die Spastik.

Beide bekommt Frühförderung und sind in einem Kindergarten der Heilpädagogischen Hilfe.

Lg
Bianca
Verfasst am: 01. 05. 11 [20:54]
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KarinM
Beiträge: 5627
Liebe Bianca,

24. Schwangerschaftswoche? Das ist ganz schön früh! Da hatten Deine Neffen sehr viel Glück und eine sehr gute Frühgeborenenbetreuung. So junge Frühchen sind sehr unreif und reagieren auf ihre Umwelt sehr empfindlich. Hirnblutungen sind auf einer Frühchenstation fast schon an der Tagesordnung. Leider! Trotzdem wirkt sich so etwas selten so schlimm aus, wie bei älteren Kindern oder bei Erwachsenen. Durch die noch offene Fontanelle ist es möglich, den durch eine Blutung entstanden Hirndruck zu kontrollieren. Deshalb besteht die Chance, daß dieser eine Neffe nicht mehr davon getragen hat als diese spastische Halbseitenlähmung. Er wird lernen mit dieser Behinderung zurecht zu kommen und lernen, das was seine kranke Seite nicht kann, mit der gesunden Seite zu kompensieren.

Wie meine Vorredner schon schrieben, die anscheinend eine viel schwerere spastische Behinderung als Dein Neffe haben, eine geisitige Beeinträchtigung oder Lernbehinderung muß nicht sein und was die körperliche und psychosoziale Entwicklung an geht, hilft eine frühstmögliche und konsequente Frühförderung und Therapie sich fast normal zu entwickeln. Ihr habt ja einen ständigen Vergleich durch den gesunden Bruder und könnt gut beobachten, wie gut dieser Junge mit seinem Bruder mithalten kann. Ich bin auch ein Zwilling und war ein sehr kleines Frühchen. Ich habe eine gesunde Zwillingschwester. Für mich war es immer sehr motivierend sie neben mir zu haben. Ich wollte nicht das schwächere Mädchen sein und habe stets danach gestrebt, mit ihr mit halten zu können. Ich denke, daß ist mir auch ganz gut gelungen. icon_wink.gif

So kleine Frühchen wie Deine Neffen, benötigen sehr lange eine Frühförderung. Auch dann, wenn sie keine Behinderung davon getragen haben. Bis die durch die frühzeitige Geburt entstandene Entwicklungsverzögerung aufgeholt ist, vergehen viele Jahre. Erst wenn sie im Schulalter sind, kann man wirklich einschätzen wie groß oder gering die Folgen der Frühgeburt sind. Aber selbst wenn, daß kindliche Gehirn wächst und entwickelt sich noch bis weit in das Schulkindalter hinein. Die Behinderung des einen Bruders wird bleiben, aber beide haben noch sehr viel Zeit all ihre Defizite hinter sich zu bringen und der Bruder mit der spastischen Lähmung wird ganz bestimmt sehr viel Geschicklichkeit entwickeln, trotz seiner Behinderung zu Laufen, zu Rennen und das Klettern und Fußballspielen zu lernen.

Lieben Gruß
Karin

Poweruserin, Expertin für Medizin & Gesundheit


Das Leben ist schön, so wie es ist. (-:
Verfasst am: 02. 05. 11 [03:18]
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bianca78
Themenersteller
Beiträge: 231
Hi,

ja er hat sich schon sehr viel von seinem Bruder abgeschaut (auch das negative icon_lol.gif ).

Leider sind noch andere Handicap´s dazugekommen. Er hat nur noch 20 Zentimeter Dünndarm und hatte deshalb schon 9 OP´s. Dadurch wurde er immer über eine Sonde durch die Nase ernährt (und wegen Zeitmangel) und hat das essen nicht gelernt. Der Brechreiz war soweit nach vorne gewandert, dass teilweise nicht mal was an den Mund durfte ohne zu würgen.

Er hat eine Magensonde und einen Prowiak. Er fängt, dank Logopädin, aber schon an kleine Sachen zu essen. Er hat ein gerinsel im Gehirn wo er Aconcen (oder so ähnlich) hat.

Er sitzt im Rollstuhl, hat aber kräfte in den Beinen und daher kommt er in den Stehtrainer.

Jetzt steht erstmal eine Mutter-Kind-Kur an.

Im Gespräch sind noch: Kiel wegen dem Darm (Magensonde - Prowiak)

Bielefeld: wegen dem Gerinsel im Gehirn. Wird erst mit Medikamenten versucht.

Köln: wegen dem Laufen. Wobei das schon ganz gut läuft

Darmstadt oder so: wegen dem Essen.

Lg
Bianca
Verfasst am: 02. 05. 11 [08:44]
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KarinM
Beiträge: 5627
Liebe Bianca,

bei so unreif geborenen Frühchen ist der Darm noch gar nicht bereit, Muttermilch oder Frühchenmilch zu verdauen. Obwohl die Muttermilch von Müttern mit Frühchen anders zusammengesetzt ist und eigentlich dadurch besser verdaulich für einen unreifen Darm sein sollte, entwickeln vor allem sehr früh geborene Frühchen schnell eine Darmentzündung die bis zur Zerstörung des Darmgewebes führt. Das Kind wäre gestorben, hätte man den zerstörten Darmabschnitt nicht entfernen. Wenn Dein Neffe nur noch so weing Darm hat,wie Du sagst, hatte er dieses Problem warscheinlich mehrmals.

Ich glaube übrigens nicht, daß Dein Neffe die Magen Sonde und den Broviak Katheter wegen des Zeitmangels beim Füttern hat. Es ist vielmehr so, daß das Essen bzw. Trinken für so schwache Babys oft zu anstrendend ist, als das sie sich so ausreichend ernähren können. Sie dürfen immer so viel Trinken oder Essen wie sie schaffen, doch wenn sie zum guten Gedeien mehr brauchen als sie selber schaffen, wird die übrig gebliebene Nahrung über eine Sonde gegeben.

Dein Neffe hat bestimmt eine sehr kräftezehrende Zeit hinter sich, die ihn immer wieder zurück warf. Er brauchte die Sonde zum überleben, hat aber dadurch nie gelernt selber zu essen. Es ist für Mutter und Kind harte Arbeit das Essen zu so einem späten Zeitpunkt zu erlernen. Es kann sein, daß er erst mit fünf oder sechs Jahren lernt ganz ohne Magen Sonde aus zu kommen. Wenn Dein Neffe so weit ist, daß seine Gesundheit ihn nicht mehr zurück wirft, wird er ganz bestimmt in so einer Therapie die Freude am selbständigen Essen und Trinken schnell erlernen.

Das Dein Neffe einen Browiak Katheter trägt, ist ein Zeichen dafür, daß er immer noch regelmäßig schwere Darmperationen vor sich hat. Dieser venöse Dauerzugang erleichtert ihm und den Ärzten, ihn für die Zeit der Genesung nach der OP mit Medikamenten zu versorgen und künstlich zu ernähren. Die peripheren Venen von so kleinen Patienten sind zu klein und zu empfindlich um eine künstliche Ernährung vertragen zu können. Erst wenn alle Operationen ausgestanden sind, werden die Ärtze den Browiak Katheter entfernen.

Absencen sind für einige Sekunden anhaltende Bewußtseinstörungen und eine Form der Epilepsie. Warscheinlich wird er deswegen nach Bethel kommen, was in der Nähe von Bielefeld ist. Bethel ist auf Hirnverletzungen und Epilepsie spezialisiert.

Ich denke, erst wenn Dein Neffe gesundheitlich nicht mehr zurück geworfen wird, wird er unbeschwert seinen Entwicklungsrückstand aufholen können. Aber Kinder sind in sowas unheimlich gut. Sie machen dann oft statt Entwicklungsschritte, regelrechte Entwicklungsprünge. Die Mutter-Kind Kur und all die Maßnahmen die diese Familie ergreifen will, sind bestimmt gut und werden ihre Wirkung zeigen. Trotzdem, gib diesen Jungens Zeit. Sie hatten einen sehr frühen und schweren Start ins Leben. Es ist völlig normal, daß es mehere Jahre und viele Therapiestunden braucht, bis sie ihren Rückstand aufgeholt haben und das eine Behinderung zurück bleibt, kann man nicht immer verhindern.

Lieben Gruß
Karin

Poweruserin, Expertin für Medizin & Gesundheit


Das Leben ist schön, so wie es ist. (-:
Verfasst am: 02. 05. 11 [11:39]
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Haagen
Beiträge: 109
Hi Karin

Du weisst ja echt alles! icon_eek.gif
Unser wandelndes Lecikon KarinM! icon_lol.gif icon_lol.gif
Bist du Krankenschwester?

Gruss
Verfasst am: 02. 05. 11 [12:14]
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Tom_MyHandicap
Beiträge: 1465
Liebe bianca78,

ich habe unseren Fachexperten gebeten, ergänzend zu den vielen hilfreichen Antworten bisher noch seine Einschätzung abzugeben. Demnächst wird er hier antworten.

Lieben Gruß,

Tom
MyHandicap

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Verfasst am: 02. 05. 11 [13:55]
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