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Soll ich meinem Arbeitgeber mitteilen, dass ich eine Erwachsenen-ADHS habe?

Topic Status: beantwortet

 » Ausbildung & Beruf
Landesflagge: DE
Stehaufmaennchen
Themenersteller
Beiträge: 2
Hallo,

ich bin in der Behörde für Inneres tätig, aber seit 15 Monaten krank.
Vor 15 Monaten hatte ich einen Zusammenbruch und bin seit dem in ärztlicher Behandlung.

Nachdem ich stabilisiert wurde, bin ich in eine Arbeitstherapie gegangen und war dort zehneinhalb Stunden wöchentlich. Seit 8 Woche bin ich in einer Arbeitserprobung mit 20 Stunden.
Parallel habe ich einen Antrag auf eine berufliche Reha gestellt und warte gerade auf die Entscheidung der Rentenversicherung nach meinem Widerspruch. Die Alternative ist eine Wiedereingliederung über eine gewisse Zeit.

Nach meiner beruflichen Reha oder zur Wiedereingliederung möchte ich wieder zur Behörde zurückkehren.
Am liebsten wäre es mir wenn ich die Behörde wechseln könnte.

Nun meine Frage zu meiner Situation.
Bei mir wurde Erwachsenen-ADHS diagnostiziert und ich soll laut meiner Ärztin mir einen passenden Arbeitsplatz suchen.
Einen Schwerbehindertenausweis mit einem Grad von 50 habe ich auch (Den habe ich wegen einer anderen Behinderung).

In meiner Selbsthilfegruppe für Erwachsenen-ADHS wurde mir mitgeteilt, dass ich nicht sagen soll, dass ich Erwachsenen-ADHS habe. Viele Arbeitgeber würden mit der Diagnose nichts anfangen können oder mich sogar in eine Abteilung abschieben, wo ich mich total unterfordert fühle.

Wie soll ich mich verhalten? Soll ich dem Personalamt mitteilen, dass ich eine Erwachsenen-ADHS oder eine Schlaferkrankung (Eine Schlafapnoe habe ich auch) habe, angeben?

Viele Grüße
Stehaufmaennchen

Verfasst am: 15. 10. 17 [10:36]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
Landesflagge: CH
tündi
Beiträge: 229
Hallo Stehaufmännchen,
wie so vieles hat das natürlich auch zwei Seiten, vielleicht Nachsicht und Rücksichtnahme auf der einen Seite, aber auch nicht Ernst genommen werden und zuviel Nachsicht auf der anderen Seite.
Die wenigstens Nichtbetroffenen wissen wirklich, was es bedeutet und haben ganz andere, oft sehr einseitige, Vorstellungen. Schliesslich haben wir auch eine Reihe sehr positiver Eigenschaften!
Und vor allem, als im Erwachsenenalter diagnostizierter ADHS-Betroffener (zu denen ich auch gehöre) haben wir ja einen guten Teil unseres Lebens auch mehr oder weniger erfolgreich bestreiten können. Das heisst, wir haben viele Strategien entwickelt, zu denen auch die gehört, Stehaufmännchen zu sein, nicht wahr? Meines Erachtens scheitern viele mit ADHS (oft undiagnostiziert) an dem zur ADHS gehörigen Symptom der Stressintoleranz (oh ja, wir vertragen viel Stress, immer noch ein wenig ... aber ... all of a sudden ... kippen wir ... das nennt sich dann burn out!!!) Wissen wir die Diagnose ... können wir Strategien entwickeln....
Also soll jemand mit ADHS keinen Stress haben ... würde vielleicht der Arbeitgeber dann denken ... aber das ist auch wieder falsch ... Langeweile verträgt man genau so wenig!!! Ein ADHSler am Fliessband ist fast ein No-Go.
Wenn ich von mir selbst ausgehe, ich habe noch nie einem Arbeitgeber gesagt, dass ich ADHS-betroffen bin. Auch als mir durch die die Diagnose meines Sohnes klar wurde. Ich wüsste auch keinen Grund - aber das liegt sicher auch daran welchen Subtyp und Ausprägung von ADHS/Komorbitäten man hat. Und es kommt sehr stark auf die Tätigkeit an.
Wenn ich Dich richtig verstehe, hast Du aber einen Arbeitgeber und es geht eher um die Art der Tätigkeit, die Du dann bekommst.
Kannst Du eigentlich nicht - auch ohne Diagnose zu nennen - einen Arbeitsplatz beschreiben, der Deiner Leistungsfähigkeit sowohl inhaltlich als auch vom Umfeld her am besten gerecht wird. Also ohne z.B. direkt zu sagen, also aufgrund meine ADHS, sollte ich in keinem Grossraumbüro arbeiten etc. Denn auch ohne ein Störungsbild, hat ja jeder von uns seine Stärken und Schwächen, die man einbringen kann.
Deine Schlafapnoe ist hoffentlich durch das Gerät gut eingestellt.
Alles Gute
Tündi
Verfasst am: 15. 10. 17 [12:48]
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