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Nekrose/Komplikation nach Oberschenkelamputation

Topic Status: beantwortet

 » Gesundheit, Hilfsmittel & Medikamente
Landesflagge: DE
miri229
Themenersteller
Beiträge: 2
Hallo zusammen,

ich suche hier im Forum nach Tipps, da wir sehr verzweifelt sind. Es geht um meine Oma, fast 89. Alles hat angefangen mit einer Knie-TEP im Juli, diese hat sich so stark infizierst dass sie 2 Monate später entfernt werden musste. Daraufhin hat man ihr eine Oberschenkelamputation empfohlen, da weitere Rekonstruktions-OPs sehr langwierig gewesen wären. In Anbetracht ihre Alters und der bereits 5 (!!!) OPs wegen Wundheilungsstörungen innerhalb von 6 Wochen, meinte der Arzt sei es gesundheitlich ein sehr großes Risiko so viele weitere schwere OPs durchzuführen. Auch der weitere, lange KH-Aufenthalt wäre eine zu große Belastung für den eh schon geschwächten Körper gewesen. Somit hat sich meine Oma für die OS-Amputation entschieden. Das ist nun knapp 4 Wochen her. Anfangs sah alles gut aus, sie wurde sogar bereits aus dem KH entlassen vor genau einer Woche. Bei der Nachkontrolle, 3 Tage nach der Entlassung in einem räumlich näheren Klinikum, also ein anderer Arzt, stellte man fest dass der Stumpf nicht gut aussieht und die Nekrose operativ entfernt werden muss. Da fehlen einem echt die Worte. Sie hätte eigentlich gar nicht entlassen werden dürfen so.
Nun stehen wir vor der schwierigen Entscheidung: Stumpf weiter kürzen mit dem Risiko dass die Wunde auch nicht gut heilt (Durchblutungsstörungen durch das hohe Alter) oder Lappentransplantation und VAC-Therapie. Letzteres birgt die Gefahr, dass ihr weitere Narkosen weiter zusetzen. Ihr Körper ist jetzt schon sehr geschwächt durch das Liegen seit 3 Monaten und die mittlerweile 8 oder 9 OPS in 3 Monaten. Nachamputieren würde aber gleichzeitig auch bedeuten, dass sie evtl. nicht mehr richtig sitzen kann. Was für sie fatal wäre. Vor der Knie-TEP war sie, bis auf das kaputte Knie, noch kerngesund (dem Alter entsprechend) und 100% mental fit. Leider haben die vielen Narkosen auch kognitiv ihre Spuren hinterlassen. Es ist alles sehr tragisch...
Vielleicht hat uns jemand Tipps. Wir sollen am besten heute noch eine Entscheidung treffen. Es ist unglaublich.

Ich danke euch vielmals jetzt schon für eure Antworten!

Viele Grüße
Miri
Verfasst am: 28. 10. 19 [11:19]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
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einbein
Beiträge: 735
Das von hier aus zu beurteilen, ist nicht möglich. Einem 89-järigen eine Knie-TEP zu machen und dann muss kurz danch amputiert werden, ist schon blöd. Die Wahrscheinlichkeit mit 89 mit Prothese mobil zu werden, zumal nach monatelanger Liegezeit, ist eher eine Traumvorstellung. Daher sollt eman die Option wählen, die am schnellsten Lebensqualität gibt. Zumal wenn die Lebenszeit begrenzt ist.
Bei einer Lappentransplantation gibt es ja dann an anderer Stelle noch ein Loch, das heilen muss.
Viele amputierte sind schlecht bis garnicht mobilisierbar, weil viel zu spät amputiert wird. Dadurch kommt der Patient in eine Sackgasse.
Die weitere Frage ist: wie ist die weitere Prognose und Aussicht auf Lebensqualität? Ist die Dame noch geistig fit und kann am Leben teilhaben oder liegt sie nur da und wartet aufs Sterben?

Was du heute nicht erlebst, kannst du morgen nicht nachholen ohne etwas anderes zu verpassen.
Verfasst am: 28. 10. 19 [12:08]
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miri229
Themenersteller
Beiträge: 2
Die TEP war nicht das Problem, die ersten Tage nach dem Einsetzen der Prothese konnte sie sogar schon damit laufen. Die weitere Behandlung der Wunde wurde vermutlich nicht ganz optimal durchgeführt. Mehrere OPs mit Lappenplastik etc sollten die Wunde verschließen. Leider wurde die Infektion der Prothese erst zu spät erkannt, als bereits großflächig Weichteile betroffen waren. Somit musste bei der Revisions-OP auch einiges an Weichteilen drum herum entfernt werden.
Erst im Anschluss an die Revisions OP wurde ihr zur Amputation geraten. chronische pAvK erschwert die Wundheilung enorm, jedoch wurde vermutlich auch nicht genug getan um angemessen parallel zu therapierieren durch Mobilisierung etc., damit auch der Stoffwechsel und die Durchblutung insgesamt wieder in Schwung kommen. Heute wurde nun nochmals eine Angiografie gemacht

Mental ist sie relativ fit, leicht verwirrt manchmal, leichtes Delir. Sie hat sich aber von jeder OP den Umständen entsprechend gut erholt.

Ich dachte ich habe evtl. Glück und es gibt hier jemanden der eine ähnliche Erfahrung gemacht hat. Wenn die Nekrose nur oberflächlich sein sollte, wäre die Lappenplastik möglich. Und vielleicht würde sie das alles weiterhin gut überstehen sodass der Stumpf nicht gekürzt werden müsste. Aber im Konjunktiv zu sprechen ist immer einfach. Man weiß es einfach nicht. Andererseits ist es mental auch eine wahnsinnige Belastung für einen Patienten so unverhofft plötzlich sein Bein zu verlieren um dann nochmals zu erfahren, dass nachamputiert werden muss wobei man schon in Kurzzeitpflege entlassen wurde und sich auf zuhause gefreut hatte.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 28.10.2019 um 15:09.]
Verfasst am: 28. 10. 19 [15:08]
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swisswuff1
Beiträge: 667
Ich kann es nur aus meiner Erfahrung sagen.

Mir hat der Arzt vor der Amputation gesagt, dass es völlig normal ist, wenn der Stumpf vorne nur zögerlich oder schwierig heilt, da das Gewebe dort umstandsgemäss nicht allzu gut durchblutet ist. Ich habe sonst keine Durchblutungsstörung oder Gefässerkrankung aber mit fehlender venöser Rückflussbeschleunigung (da die Muskelpumpe der Extremität nicht mehr so funktioniert) staut es am Stumpf immer (auch > 10 Jahre nachher tut es das jetzt noch), so dass gerade am Anfang und eben wegen der Wundheilung Kompression sehr wichtig ist. Das tat mir dann gerade zu Anfang doch sehr weh - und so war ich zwischen Kompression anziehen (aua) oder nicht anziehen und langwierige Wundheilung so aussitzen (auch aua) gefangen. Da beides weh tat oder unangenehm war, entschied ich mich für weniger stark komprimieren und aussitzen ; ) Damit statt Schmerzlevel 8-9 über 3 Wochen vielleicht Schmerzlevel 5-6 über 6 Wochen gehabt - meine Entscheidung.

Und so heilte es sehr langsam ab. Ich ging alle paar Tage zum Arzt, der die Wunde reinigte, abgestorbenes Gewebe und komisch aussehende Auflagerungen weg machte, und irgendwann war gut. Es brauchte Vertrauen in den Arzt der sagte, dass das schon wird, und man gar nichts machen muss, als abzuwarten. Wunden heilen auch dann, wenn sie mal langsamer (und nicht sofort) heilen.

Und das ist bis heute so: wenn ich am Armstumpf eine Verletzung habe - und mit etwas aktivem Lebensstil hat man das recht häufig - Verbrennungen wenn man in der Küche nicht aufpasst, tiefe Schnittwunden, Riss- oder Quetschwunden von so allerlei Tätigkeiten - dann heilen auch die je nach dem nur sehr langsam. Also Pflaster drauf und weiter leben ; )

Mir hatten die jeweils zuständigen Aerzte immer gesagt, nichts tun, abwarten, und wenns zu komisch aussieht nur das absolute Minimum machen an Reinigen der Wunde etc. Und es hat auch was (un)praktisches: mit dem Armstumpf, wenn er weh tut und verletzt ist oder als er zu Anfang nicht so heilen wollte schnell, macht man eh keine grossen Sprünge. Und das ist so, es ist eigentlich objektiv gesehen wurst, ob man mit oder ohne Verband vorne drauf rekonvaleszent ist.

Problem ist bei Euch eher das mit "ein anderer Arzt". Beurteilen sollte die Wunde der Operateur. Er weiss auch welche Gefässe er wo unterbunden hat, und was für Gewebeuntergänge er da so erwarten würde, oder, wie tief / gross die aus seiner Sicht sind. Dass andere Aerzte da gerne rasch was operieren ist eine Alltagserfahrung ... ob das so immer das richtige ist, weiss man nicht. Mein Armstumpf ist keine schoene Sache was Wundheilung angeht - aber wenn da einer kommt und was "Wundrevision" oder nur schon "reinschneiden" wollen würde, nein, lasse ich da nicht dran. Vorher mache ich 8 Wochen lang Calendula Wundsalbe drauf, und gehe zum Doktor meines Vertraunes zur vorsichtig schonenenden Wundpflege, und halte den Ball da ganz ganz tief.

Wie gesagt ich kann dazu bei Euch gar nichts sagen - aber das ist meine Erfahrung mit ein bisschen Nekrose oder wenn die Wunde heilt nicht so schnell wie sonst. Mit PAVK fragt sich eh, ob eine Nachamputation so viel schneller heilen würde, oder ob es nicht besser ist, einen Spezialisten für chronische Wunden aufzusuchen und erst mal dort zu schauen.

Alles sonst auch, was meine Amputation angeht, Hautprobleme mit Prothese, egal was sonst, dauert mindestens 2-5x so lange als alles sonst was ich so kannte, und ich habe kein Diabetes, keine Gefässerkrankung, etc - und erst als ich das realisierte, war mir klar, dass vieles wieder gut wurde, ohne grossen Aerger, Stress oder Aufwand, wenn man es nur sehr ruhig angehen liess und nicht meinte, es müsse sofort alles gut sein. Lösungen suchen und finden, z.B. für Prothesenteile - auch das dauerte lang, und erst als man es sehr umfassend und umsichtig anging wurden die Teile, die wir bauten oder revidierten, so richtig gut. Mein Fahrrad so umbauen dass es richtig toll ist zu fahren , ich brauchte auch dafür Jahre bis ich diese Drehs alle raus hatte, Jahre. Wenn man arbeitet und andere Dinge tut auch sonst, ist das nicht das einzige im Leben - dann verzögert sich alles noch mehr. Und inzwischen weiss ich, dass langwierig oder zeitlich protrahiert nicht "gar nicht möglich" oder "schlecht" heissen muss. Aber wenn man ungeduldig ist, denke ich verzweifelt man vielleicht schnell mit sowas.

So oder so: gute Besserung : ) !!!!

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 02.11.2019 um 11:24.]

Ich habe mir das Buch 'Do it yourself' gekauft. Auf deutsch ungefähr: 'Selbst ist der Mann'! Aber es muß heute ja englisch sein. (DONALD DUCK, aus Selbst ist der Mann)
Verfasst am: 02. 11. 19 [11:20]
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