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Kann Autofahren mit Unterschenkelamputation, manueller Schaltung und Kupplung noch Spaß machen?

Topic Status: beantwortet

 » Reisen & Mobilität
Landesflagge: DE
julian93
Themenersteller
Beiträge: 9
Hallo,
da ich mich noch nicht vorgestellt habe, möchte ich das mit meinem ersten Beitrag kurz tun:
Ich heiße julian, bin 25 Jahre alt und vom Beruf gelernter Informatiker. Ich bin leidenschaftlicher Motorradfahrer, und so geschah es dann auch, als mir Jemand die Vorfahrt nahm. Der Linke Unterschenkel wurde amputiert.

Nun meine erste Frage:
Ich habe es geliebt, manuelle Schaltung im Auto zu fahren. Wird das noch möglich sein, dass es mir auch Spaß macht? Oder wäre es eher nur zweckmäßig, eine Quälerei.

Wie lange dauert es, bis man nach der Amputation so weit ist die Kupplung zu bedienen?

Gibt es Jemanden hier mit linker Unterschenkelamputation, der auch "Benzin im Blut" hat und vielleicht auch Motorrad fährt? Mit welchen Umbauten?

Ich freue mich auf eure Antworten.

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 23.11.2018 um 19:02.]
Verfasst am: 23. 11. 18 [18:57]
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einbein
Beiträge: 684
Prinzipiell kann man mit US-Prothese links Schaltwagen und Motorrad mit Fussschaltung fahren.
Ob du das können wirst, hängt von dir, den Stumpfverhältnissen und der Prothese ab.
Ich kann (und darf) mit Oberschenkelprothese links Schaltwagen fahren. Ein Bekannter bedient damit such die Fussschaltung Motorrad.

Praktisch ist es aber nicht, darauf angewiesen zu sein. Wenn auch selten, kommt der Tag, an dem du keine Prothese tragen kannst. Da wäre ein Auto recht praktisch. Ich nutze die Option Schsktwagen nur auf Reisen für einen Leihwagen. Im Normalfall fahre ich Automatik.

Zum Motorrad wäre ein Umbau auf Fussschaltung rechts oder Tiptronik wohl am einfachsten. Oder du wartest, bis du mit der Prothese fit genug bist. Bis April wirst du das hin kriegen, wenn es keine Komplikationen gibt.

Fürs Auto würde ich dir zu einem Automatik raten.

Bei fragen auch gerne per PN

Was du heute nicht erlebst, kannst du morgen nicht nachholen ohne etwas anderes zu verpassen.
Verfasst am: 23. 11. 18 [22:15]
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Ralf Rumpf
Beiträge: 317
Hallo

Wie lange es dauert bist du die Kupplung bedienen kannst liegt an dir und deinen Fortschritten was Heilung und Prothese betrifft.
Aber....bedenke eines ...bei einem Unfall kann es gut sein das die Versicherung sagt " Zahlen wir nicht".
Das solltest du vorher genau abklären.
Hinzu kommt das es immer wieder zu unwillkürlichen Verhaltensweisen nach Amputationen kommen kann.
Auch das musst du beachten.Es kann sein das der Stumpf plötzlich krampft,zuckt oder extrem schmerzt.Alles schon erlebt.
Kommt in einem Auto nicht ganz so gut.

Aber es gibt Umbauten die dir erlauben trotzdem mit Spaß "Gas zu geben"

Gruß

Ralf

Ralf Rumpf
Die von mir im Rahmen meines ehrenamtlichen Mitwirkens bei MyHandicap in meinen Beiträgen gegebenen Informationen sind keine Rechtsauskunft/Rechtsbehelf. Eine rechtliche Prüfung von konkreten Einzelfällen kann nicht erfolgen. Bitte suchen Sie hierzu professionelle Rechtshilfe auf."Medizinische Auskünfte beruhen auf eigener Erfahrung und ersetzten in keinem Fall das Fachliche Wissen von Ärzten.Darüber hinaus lehne ich jede Verantwortung für Schäden ab die aufgrund des nicht beachten der hier gegebenen Hinweise entstehen.
Verfasst am: 23. 11. 18 [22:21]
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julian93
Themenersteller
Beiträge: 9
Hi, vielen Dank für eure Antworten! icon_smile.gif


Ich sehe ein, dass als Alltagsfahrzeug ein Automatik-Wagen sinnvoller ist.
Das wäre für mich okay, da die Schaltung ja eh nur "Spaßsache" ist.
Ich würde mir dann einfach meinen Sportwagen als Zweitwagen im Sommer anmelden.

Ich habe gestern mal versucht, in meinem Schalter die Kupplung zu bedienen, folgendes Problem:
Da der Fuß nicht gestreckt werden kann und im rechten Winkel verbleibt, stößt die Hacke gegen den Boden,
in Richtung Fußzehen ist aber kein Platz, um den Fuß weiter nach oben zu schieben. Gibt es für solche fälle kürzere Fußprothesen, oder wie ist das?

Einbein, wie fährt dein Bekannter Motorrad? Ich verbaue nur sehr ungern den Originalzustand des Motorrades, lieber wäre mir es, wenn eine Prothese das Bedienen der Schaltung irgendwie ermöglichen würde.

Bezüglich der rechtlichen Seite, wie könnte ich mir z.B. bescheinigen lassen dass ich weiter Schaltfahrzeuge fahren darf?

Viele Grüße,
Julian
Verfasst am: 24. 11. 18 [13:16]
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swisswuff1
Beiträge: 648
aus sicht unterarmamputation hatte ich viel zu schnell "festgestellt" dass rennvelo fahren nicht mehr richtig geht und mein schoenes rennvelo darauf verkauft. 10 jahre spaeter weiss ich alles darueber wie man so ein ding kostenneutral umbaut, und das mit der prothese ist auch feineingestellt und perfekt.

beim autofahren - das steht woanders hier wie das da bei mir alles lief - dachte ich auch muss man so machen wie es das strassenverkehrsamt sich das zu anfang so vorstellte. aber ich habe dann hart verhandelt, mich fuer das was ich wollte auch eingesetzt, und am ende eine prima kontrollfahrt bestanden und so gehts bei mir ohne umbau, lenkradknopf, ..

wenn es etwas gibt dann dass man erst mit der zeit raus kriegt was gut ist fuer einen, was spass macht, wo etwas klemmt, was man dann in den griff kriegt und was unpraktisch bleibt. also eins nach dem anderen.

was ich derzeit mache ist, wenn wo was nicht passt (also form technisch nicht passt) dann bau ich das fehlende teil selber. in 3d software entwurf, 3d-drucken, schauen obs passt und wenn nicht dann so lange verbessern bis es das tut. sowas kann man auch fuer auf ein pedal drauf machen, was aufs kupplungspedal drauf machen - oder an die prothese unten hin - um es im sinne des besseren formschlusses hin zu bekommen. vielleicht gibts solche sachen auch schon.

Ich habe mir das Buch 'Do it yourself' gekauft. Auf deutsch ungefähr: 'Selbst ist der Mann'! Aber es muß heute ja englisch sein. (DONALD DUCK, aus Selbst ist der Mann)
Verfasst am: 24. 11. 18 [16:21]
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julian93
Themenersteller
Beiträge: 9
So, ich möchte nun nochmal kurz Rückmeldung geben, falls Jemand das später noch liest.

Das Fahren eines Schaltwagens mit Prothese ist sehr gut möglich mittlerweile, nach ein ganz bisschen Übung klappte es wunderbar. Das Problem mit der Hacke, welche gegen den Fußboden stößt, habe ich durch ein verstellbares Fußgelenk lösen lassen, dieses ist für Schuhe bis 3,2cm Absatz, das ist noch etwas wenig, aber es gibt gelenke mit höherer Verstellung bis z.B. 5 cm. Also, was immer man für eine Behinderung hat, bloß nicht aufgeben!

Rechtlich ist es laut Fahrlehrer so, dass das Fahren grundsätzlich nicht verboten ist, sondern in eigener Ermessenssache liegt, solange nichts anderes angeordnet wird. Ich habe mich auch bereits zwei mal beim Straßenverkehrsamt vorgestellt und erkundigt, leider konnte man mir nicht so gut helfen (dazu gleich mehr).

Da bis jetzt jedenfalls nichts angeordnet wurde, gehe ich davon aus, dass das Fahren nicht verboten ist.
Dennoch ist es empfehlenswert, eine Fahrprobe mit Prothese machen zu lassen, um bescheinigt zu bekommen, dass man voll fahrtüchtig ist. Im Fall eines Unfalles ist so eine Bescheinigung sehr wichtig.

So, nochmal zum Straßenverkehrsamt, mir wurde gesagt ich soll alle Arztberichte dorthin senden und dann entscheide man, ob eine Fahrprobe gemacht wird oder nicht. Was für Berichte von welchen Ärzten konnte man mir nicht sagen.

Ich habe lediglich den Bericht einer Reha, welche auch noch abgebrochen werden musste.
Ich werde mich hier nochmals melden, wenn es etwas neues gibt.
Verfasst am: 18. 02. 19 [08:56]
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