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IST das ein Trauma???

Topic Status: beantwortet

 » Psychische Erkrankungen & Therapien
Landesflagge: DE
Fuchsfan
Themenersteller
Beiträge: 13
ich bin nun schon ewig auf der Suche, und ich werde nicht locker lassen, bis ich auf diese Frage eine Antwort kriege, und wenn ich alles tun muß, um den Durchbruch mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft zu schaffen und mit aller Gewalt! (im übertragenen Sinne)

Ich möchte UNBEDINGT wissen, ob das, was ich hier schildere, als Trauma zählt, oder ob es nur für mich schlimm war. BITTE NICHT individualisieren! Ich will UNBEDINGT eine genaue Antwort:

Ich bin vor ca. 25 Jahren, so lange ist das schon her und NIEMAND gibt mir Antwort, von der Sehbehindertenschule in ein normales Gymnasium gewechselt. Das war ein Pilotprojekt. Dort bin ich sehr gequält worden. Ich wurde zu Fall gebracht durch Beinstellen, oder man hat sich vor mir auf den Boden geworfen. Mir wurden Dinge runtergeworfen, ich wurde mit Ekel, Krätze, Müllsack beschimpft. NIemand wollte neben mir sitzen, keiner wolltemit mir gesehen werden, weil man sich wegen meiner “komischen Augen” schämte. Die sind mir überall hin nachgelaufen, bis auf die Straße, wenn ich wo hinwollte. Wenn ich in Ruhe lesen wollte, ist man mir bis in jeden Winkel hinterher gelaufen. Wenn ich auf der Toilette war, haben die Mitschüler über den Kabinenrand geguckt. Ich konnte teilweise nicht auf Toilette, weil jemand von innen abgesperrt hat und dann drüber geklettert ist, und da ich nicht klettern kann wegn meiner Behinderung, stand ich hilflos da. Dies ing über mehrere Jahre vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. In der KLasse war es nicht anders: Ich wurde getreten, beschimpft, ignoriert, in der Pause war ich alleine, man hat mir Zettel überall hingeklebt mit “Ich habe die Krätze” oder andere Dinge. Mir wurden diskret irgendwelche Schulranzenprospekte auf den Tisch gelegt, weil meienr so häßlich sei, ich hatte Sachen vollgeschmiert bekommen. Der Höhepunkt war, als man mich aus jux zur Klassensprecherin gewählt hat und hinterher dan sagte,, das sei nur ein SCherz gewesen, man würde sich lieber erschießen, als mich zur Klassensprecheirn zu haben. Im Internat lautete die Parole: “Wir haben nix gegen Blinde, aber warum grade bei uns?” Oder es hieß lieber ein Brett als die im Bett. Mir wurden laufend Beschimpfungen hinterhergerufen. Sämtliche Nachteilsausgleiche, die ich aufgrund meiner Behinderung erhielt wie Zeitverlängerung bei Schulaufgaben wurden kritisiert und als ungerecht empfunden, ich wurde angerempelt usw. usf.

Das Schlimmste war aber, daß niemand mir, wenn ich mich beklagte, sagte, daß so etwas schlimm ist, sondern man gab mir die Schuld oder meinte, ich würde mir alles einbilden. Das ging so lange, bis ich mit dem Kopf gegen die Wand rannte und dann noch Eßstörungen bekam. In einer “Therapie” wurden nur Rollenspiele gemacht, ich wurde nicht getröstet, das sei “Zeitverschwendung”, und die Rollenspiele klappten in der Realität dann gar nicht. Wenn ich ihr erklärte, daß das im Sprechzimmer klappt, aber daß ich in der Realität ganz andere Gefühle habe und daher blockiert bin, hat sie das nicht verstanden. Ich hätte zwar meine wut rauslassen dürfen, hätte aber nicht erklären dürfen, warum mich das wütend macht. Ich habe gebettelt und gebittelt, daß Sie mir sagt, daß meine Wut und Traurigkeit verständlich und nachvollziehbar sind.

FOLGE: Noch HEUTE habe ich allergrößte Schwierigkeiten, zu unterscheiden, ob etwas, was ich erlebe, wirklich schlimm ist oder ich mir das nur einbilde, oder ob ich nur empfindlich bin. Ich habe heute noch Probleme, solche Sachen einzuschätzen.

Ich möchte nun UNBEDINGT wissen: IST so etwas ein Trauma, oder ist das nur für mich so schlimm gewesen, weil ich überempfindlich bin, oder wäre das auch für normale Menschen schlimm? Ich hatte durch den aufenthalt in der Blindenschule viele Macken und habe auch aufgrund eines VERMUTETEN Asperger-Syndromes viele Auffälligkeiten. Daher denke ich nun, daß ich selbst schuld war. Das wurde mir auch so gesagt. DARF ich trotzdem darüber wütend sein, was mir passiert ist? Ist das Ganze nur daher schlimm für mich gewesen, weil ich vorher schon eine Macke hatte, oder wäre das für andere Menschen auch schlimm? Ich konnte ja nicht raus. Ein anderes Mädchen vor mir wurde von ihren Eltern rausgenommen, aber meine Eltern sagten, ich solle mich halt besser wehren, ich sei bloß empfindlich und würde mir das einbilden.

Ich werde das nicht los, weil mir bisher noch NIEMAND je sagte, daß so etwas schlimm ist. Bisher war nIE jemand geschockt, erschüttert , entsetzt oder betroffen. Ich kann und will und werde es erst dann überwinden, wenn ich sicher sein kann, daß mit mir das jemand durchlebt und auch mitfühlt! Vorher werde ich das nicht loslassen, notfalls bis zum Ende all meiner Tage und allem, was dann noch kommt! Ich werde diesen lmagischen Punkt knacken! Koste es, was es wolle!

Ich kann erst dann Frieden finden und abschließen! BITTE BITTE BITTE BITTE HELFT MIR UND SAGT MIR, OB so was schlimm ist.

ES nützt mir nichts, wenn mir nur wieder jemand sagt: “Wenn das für Dich schlimm ist, dann ist es für Dich eben so.” Ich möchte, daß das nicht nur für mich schlimm ist sondern auch für andere so wäre, und daß ich nicht bloß einfach das schlimm empfinde, weil ich eben komisch bin, sondern, daß auch normale Menschen so etwas schlimm fänden, wenn sie in dieser Lage wären. Ich möchte entlastet werden, daß ich nicht SCHULD bin, daß das für mich so schlimm war, sondern , daß das ein echtes Trauma ist, das für jeden so wäre!

Wenn ich eine Therapie mache, gibt es Therapeuten, die das offiziell anerkennen, oder wird man nur wieder auf sich selbst zurückgeworfen, daß man nur selbst beurteilen soll, ob das für einen SELBST schlimm war, oder sagt einem auch mal jemand anerkennend, daß das ein Trauma war? Auch wenn es sich wenig anhört, es dauerte aber über Jahre und von ffrüh bis spät.

ALSO, darf ich das offizell ein Trauma nennen” DAS, UND NUR DAS ist meine Frage!

DANKE!!! D A N K E !!!!!!!

Ich bin Tierschützerin, mir tun die Kröten doch auch Leid, die ich schlucken muß!
Verfasst am: 02. 07. 12 [23:55]
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Xandria73
Beiträge: 282
Hallo Fuchsfan,


Das was du durchmachen musstest ist schlimm, sehr schlimm sogar.

Ich war mit meiner leichten aber doch sichtbaren Behinderung auch in der Regelschule. Es war nicht einfach, obwohl meine Mitschüler eigentlich sehr tolerant waren und die Lehrer auch das ihrige taten um das ganze so normal und verständnisvoll wie möglich über die Bühne zu bringen.

Auch ich hatte noch einige Erlebnisse aufzuarbeiten und ich habe nicht die Dinge erlebt, die du erlebt hast.

Die Schulzeit ist eine ziemlich harte Zeit - gerade wenn man sich mit einer sichtbaren Behinderung in einer Regelschule befindet.

Obwohl ich heute nicht anders machen würde und jedem anderen den Besuch einer Regelschule empfehlen würde. Weil es eben auch Realität ist, dass man negative Erfahrungen macht. Und wenn Eltern, Lehrer und auch nur einige Mitschüler sensibel auf so etwas reagieren, kann mal als Mensch mit Behinderung gut lernen mit so schwierigen Situation fertig zu werden.

Leider war in deiner Geschichte nichts von solchen Menschen zu lesen. Dein Umfeld Eltern, Lehrer usw. haben definitiv falsch reagiert (meiner Meinung nach zumindest) wahrscheinlich weil sie es nicht besser wussten.

Ich habe gerade mal nachgelesen, was das Wort Trauma bedeutet: seelische Verletzung, durch eine psychische Erschütterung, welche durch ein Erlebnis hervorgerufen wird.

Laienhaft gedeutet würde ich sagen, ja du hast ein Trauma.

Die Frage ist, was wirst du jetzt tun?

LG Xandria

In Trauer um Guido. Wir werden dich nie vergessen.
Verfasst am: 03. 07. 12 [00:10]
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sie135
Beiträge: 247
Hallo Fuchsfan,
ich stimme Xandria auch zu und würde dir sagen: ja du hast durch deine schlimmen Erlebnisse in der Schule schon Traumatisches erleben müssen. Ich bin auch erstaunt, dass dir weder Eltern noch Lehrer beigestanden sind,
vielleicht niemand davon wusste?
Ich glaube, dir würde eine Psychotherapie helfen, dein Leben mit besseren Gefühlen leben zu können.
Nach über 25 Jahren müssten diese Erlebnisse ver- und bearbeitet werden können und ich wäre da guter Dinge.
Ich wünsche dir Kraft und Mut, das in Angriff zu nehmen.

Ich wünsche dir nicht: "Bleib wie du bist!", denn der Mensch verändert sich, solange er lebt -
wenn er tot ist erst recht ;-)
Frau muss die Schuld auch mal bei anderen suchen ;-)
Am Ende wird alles gut! und wenns nicht gut wird ist es nicht das Ende.

Verfasst am: 03. 07. 12 [08:58]
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Fuchsfan
Themenersteller
Beiträge: 13
Hallo Xandria und auch dem zweiten Antworter, dessen Namen ich jetzt nicht finde,
Danke für Eure Antworten. Ja, das hat mich schon etwas weiter gebracht, daß ich nicht bloß übertreibe.

Ich werde mir eine Therapie suchen und hoffe, daß man das dort auch anerkennt.

Wenn die Schüler gut drauf vorbereitet sind, und zwar beide Seiten, dann denke ich, daß gegen die Beschulung in einer Regelschule nichts spricht. Das wollte ich auch nicht sagen, ich sprach einfach von mir und meinen Erlebnissen. Bernhard Saling hat einen Film gedreht, wo andere Blinde und Sehbehinderte über solche Dinge erzählen, und er hat das aufgenommen, das waren teilweise ebensolche Dinge, wie ich sie geschildert habe. Aber ich komme nicht an den guten Mann ran, um ihn näher zu befragen, ob das ähnliche Sachen waren.

Ich bin aber eine leidenschaftliche Verfechterin des WAHLRECHTES. Ich wollte damals in ein Blindengymnasium wechseln. Die hätten mich auch genommen. Aber dann hat unser Direktor offensichtlich Angst gekriegt, daß er sich blamiert, wenn eine Behinderte es bei ihm so schrecklich findet, daß sie wechseln will. Er hat mich zu sich zitiert und mir erklärt, daß meine Eltern die Blindenschule selbst zahlen müßten, da das ein privates internat gewesen wäre. UND: ich würde bei ihm selbständig, während ich in dem Blindeninternat im "goldenen Käfig" leben würde, bei IHM hätte ich die Freiheit, ich solle wählen zwischen Käfig und goldener Freiheit. Der Bezirk hat dann auch die Schule trotz Anruf meiner Therapeutin nicht bezahlen wollen, mit der Begründung, daß ich hier in einer günstigen Einrichtung bin und da bleiben solle. Meine Eltern hätten in Revision gehen können, damit der Bezirk zahlen muß, aber sie haben das a) nicht gewußt und b) sich auch nicht getraut. Ich selbst wußte es auch nicht, daß man Widerspruch einlegen kann, ich war erst 16 und ja außerdem in Not, da konnte ich solche Dinge nicht alleine überblicken. Klar wußten die es nicht besser und haben daher so gehandelt, aber dennoch war es halt für mich aus meiner Perspektive trotzdem schlimm, denn es hilft mir ja nicht, daß die anderen es nicht besser wußten. Mir ist klar, daß sie nicht aus reiner Bosheit gehandelt haben. Meine Mutter sagte mir später mal: "Wir konnten halt nichts machen, DU mußtest dort bleiben." Dennoch wäre es sinnvoll gewesen, wenigstens zu mir zu halten, mich zu trösten und aufzufangen und nicht zu sagen: "Wenn wir Dir bestätigen, daß es schlilmm war, wird es nur noch schlimmer." Das hat dan bewirkt, daß ich doppelt so einsam war, daß die Situation sich zwar nicht geändert hat, ich aber zusätzlich auch noch alleine war mit allem, die anderen hatten ihre Ruhe und konnten sich mit leichten Reden aus ihrer Hilflosigkeit herausziehen, mir war damit aber nicht geholfen. Ich war doppelt verletzt, durch die Behandlung selbst und durch das Leugnen und Bagatellisieren, was mir heute noch schadet. Außerdem hätte man sich Hilfe holen können, und ich habe ja geschrieben, daß die Therapeutin auch wenig hilfreich war und wenig Trost gespendet hat, und DIE hätte es wissen können!

ZUR FREIHEIT in einem Regelinternat möchte ich aber DRINGEND noch anmerken: Das Internat war so mit Regeln durchstrukturiert und so streng, und bei uns Sehbehinderten waren sie sogar noch strenger, da sie Angst hatten, daß uns was passiert, und daher wurden wir noch mehr beaufsichtigt. In dem Blindeninternat, wo ich hinwollte, gab es Außenwohngruppen, wo die Blinden ganz gezielt auf ihre Selbständigkeit hin trainiert wurden, da Fachleute wissen, was man Blinden zumuten kann und zumuten muß, damit sie später bestehen können. So war ich mit 21, da ich zwei Jahre später aufs Gymnasium kam als normal, noch total eingesperrt, durfte Besuch nur in öffentlichen Räumen empfangen, konnte abends nur mit Abnelden und Schlüssel Beantragen raus und nur bis 0 Uhr, obwohl ich erwachsen war usw. Es bestand hier viel mehr Kontrolle als in den selbständigen Wohngruppen der Blindenschule. Damit war mein Kontakt zu anderen Sehenden, die ich außen hätte treffen können, total eingeschränkt. Ich war dann viel in der Esperantogruppe aktiv, konnte aber eben niemanden so flexibel treffen oder einladen, wie ich in dem Alter gewollt und es gebraucht hätte.

Das Argument, man sollte ein behindertes Kind ruhig auf die normale Schule tun, denn da lernt es dann rechtzeitig die Härten und lernt, auch mit Negativem umzugehen, ist dieses Argument, daß Menschen "gestählt" werden müssen. Das sieht man, was mir das gebracht hat. Heute haben die Behinderten aber auch Schulbegleiter, es werden Behinderte unterschiedlicher Art in normale Klassen einbezogen, die darauf vorbereitet sind. WIR wurden einfach ins kalte Wasser geworfen, erst mühsam in Blindeneinrichtungen ausgesondert und dann ohne Vorbereitung einfach unter Sehende gesteckt, das war ein Kulturschock, der nicht hilft, mit Negativem umzugehen. Das wurde nicht konstruktiv bearbeitet. Außerdem ist heute ja die INKLUSION, wo man die Umwelt mehr an die Behinderten anpassen sollte. Bei uns hieß es noch: "DU mußt DICH integrieren, wenn Du in die Gemeinschaft aufgenommen werden willst. Die anderen können ihre Behinderung besser 'wegmachen'," d.h., daß man nur mit seinen Anteilen akzeptiert wird, die in die Gesellschaft passen, während die "behinderten" Anteile bitte draußen bleiben sollen. Das kann ich aber nicht, da ich nunmal meine Behinderung nicht wie einen Rucksack abstreifen und wo abstellen kann, sondern wer mich annimmt, muß mich wohl oder übel MIT Behinderung annehmen, ich muß es ja auch! Somit war das eine sehr harte Zeit. Freilich, Schulzeit ist immer hart, aber das ist eine Binsenweisheit. Ich rede hier nicht von den normalen entwicklungsbedingten Härten, wo jeder sich orientiert. Ich war auch in dieser Phase, aber ich bin in dieser Zeit empfindlich dabei gestört worden, wo man sich sowieso finden und seine Person entwicklen muß.

Solche Erlebnisse werden einen nicht stählen oder härter machen, damit man dann lernt, besser mit den negativen Dingen umzugehen und mit den Härten des allgemeinen Lebens fertig zu werden. Solche Erlebnisse machen einen eher kaputt. Zwischen totaler überbehütung in einer Behinderteneinrichtung und solchen Härten, wie ich sie dort erlebt habe, ohne Unterstützung, dürfte ja noch einiges dazwischen liegen. Es ist gut gemeint, einen fürs Leben vorzubereiten, aber das ist keine Vorbereitung auf negative Erfahrungen, das ist Abschreckung! Das ist schwarze Pädagogik! Ein bißchen Schonraum muß und darf doch auch sein, und jeder sollte den Schutzraum kriegen, den er (noch) braucht, damit er sich gesund entwickeln kann, mit Schonung oder Abschirmung von notwendigen negativen Erfahrungen hat das nichts zu tun. Und wer sagt, daßü man nicht auch in einer Behindertenschule seine negativen Erfahrungen machen und draus lernen kann.

Mir ging es auch nicht drum, für oder gegen inklusive Beschulung zu sprechen, ich wollte einfach Hilfe bei meiner Situation, die ich bis heute nicht bewältigen konnte, weil ich bis heute noch keinen Raum dafür gefunden habe, wo jemand mit Empathie und Geduld mit mir diese Emotionen anschaut.
Ich werde versuchen, eine Therapie zu kriegen, mehr kann ich da nicht tun.

Vielen Dank und viele Grüße!

Ich bin Tierschützerin, mir tun die Kröten doch auch Leid, die ich schlucken muß!
Verfasst am: 03. 07. 12 [13:02]
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Gelöschter Benutzer
Hallo Fuchsfan

Ich habe deine Frage an unsere Fachexpertin weitergeleitet. Sicher gibt sie dir bald eine Antwort.

Liebe Grüsse

Maggie
MyHandicap

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Wenn diese Antwort für Dich hilfreich war, bewerte bitte mit Hilfe des Zahlenstrahls oberhalb des Beitrags, wie weit Deine Frage beantwortet wurde. Sollte Dein Anliegen noch nicht gelöst sein, zögere bitte nicht, noch einmal nachzufragen!
Verfasst am: 03. 07. 12 [15:11]
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Fuchsfan
Themenersteller
Beiträge: 13
Vielen Dank an an Dich , Maggi!

Ich bin Tierschützerin, mir tun die Kröten doch auch Leid, die ich schlucken muß!
Verfasst am: 03. 07. 12 [17:37]
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Xandria73
Beiträge: 282
Hallo Fuchsfan,

ich kenne das Gefühl mit seinen Ängsten und Nöten nicht gesehen und gehört zu werden. Alles wird beschwichtig und man selbst geht durch die Hölle. Das ist echt Ätzend! Vor allem fängt man irgendwan an seinen eigenen Empfindungen nicht mehr zu trauen und diese in Frage zu stellen. So wie ich es bei dir herauslesen konnte. Auch das kenne ich und es hat lange Zeit gedauert, bis ich wieder anfing meinen eigenen Gefühlen wieder zu vertrauen. DAS ist wahrscheinlich auch das was man dir immer vermitteln wollte, als man dir sagte: WENN DU ES ALS SCHLIMM EMPFINDEST, DANN IST ES AUCH SCHLIMM. Dafür braucht man dann, wenn man gelernt hat seinen eigenen Empfindungen zu vertrauen, keine Bestätigung von außen mehr.

Ich bin mit meinen - vom Umfeld unverstandenen - Ängsten durch die Hölle gegangen, als Anfang der 90iger hier zum ersten Mal wieder die REchtstadikalen hoch kamen. Ich hab Todesängste ausgestanden, weil ich immer an einer Gruppe von Skinheads vorbei musste, wenn ich von der Schule kam. Zuhause hieß es dann nur: "Geh halt nicht zu denen hin und provozier die nicht - dann wird schon nix passieren." Das ich beschimpft und nachgeäfft usw. wurde, hat scheinbar niemanden interessiert. Ich fühlte mich von allen im Stich gelassen.

In dieser Zeit fanden auch meine heutigen Ängste ihren Anfang, die ich NOCH HEUTE bekämpfe. Mit bereits mehreren Therapien. Herzlichen Glückwunsch zu deinem Entschluss ebenfalls eine Therapie zu machen. Dafür wünsch ich dir alles Gute. Achte darauf, dass du einen Therapeuten findest, mit dem du dich verstehst. Den für dich richtigen Therapeuten zu finden, kann etwas länger dauern. Die Zeit solltest du dir selbst geben, denn du bist es wert.

Noch etwas dazu, dass solche Geschichten wie Du und im kleineren RAhmen auch ich durchgemacht haben, einen auch stark machen können. DAS funktioniert meiner Meinung nach nur, wenn man eben auch Menschen in seinem Umfeld hat, die einen Auffangen, trösten, den Rücken stärken und mit einem gemeinsam an einer Lösung der Probleme arbeiten oder auch mal für einen eintreten oder verteidigen, wenn man das nicht selbst machen kann.

Wenn du solche Menschen nicht in den schwierigen Situationen bei dir hast - und deinem Posting nach hattest du das nie - kommt ein solches Trauma dabei raus.

LG Xandria

In Trauer um Guido. Wir werden dich nie vergessen.
Verfasst am: 03. 07. 12 [22:38]
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EvaMariaGroh
Beiträge: 22
Liebe Fuchsfan,

zunächst muss ich Dir bestätigen, dass für psychische Diagnosen der subjektive Leidensdruck des Patienten eine entscheidende Größe ist.
Das bedeutet, die Aussage "... wenn es für Dich schlimm war, dann war es das..." hat schon seinen Sinn.
Damit soll verhindert werden, dass sich jemand die alleinige Definitionsmacht darüber nimmt, was denn nun ein Trauma oder eine Depression oder eine Angststörung ist.
Und auch, dass Menschen zu Patienten gemacht werden, die gar keine sind/sein wollen.

Für das, was Du beschrieben hast, würde ich zunächst mal den Begriff Mobbing gebrauchen.
Mobbing an sich muss noch kein Trauma sein.
Um zu klären, ob es sich nach unseren aktuellen Definitionskriterien (die sicher nicht perfekt sind und deswegen ja auch einer ständigen Überprüfung und Weiterentwicklung unterliegen und im ICD-11 bzw. DSM-V dann wohl auch ein wenig anders lauten werden) dann um ein Trauma gehandelt hat, müsste man klären, ob Du zum Beispiel auch heute noch Flashbacks oder Alpträume davon hast, ob Du versuchst, alles, was Dich auch nur im Ansatz an damals erinnern könnte, zu vermeiden.
Eine solide Diagnose, die dann in Deinem Fall auf PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) lauten könnte, kann Dir ein Psychologischer Psychotherapeut oder Psychiater stellen.
Deswegen halte bitte unbedingt an Deinem Plan mit der Therapie fest, denn dann kannst Du mehr Klarheit bekommen.

Zu guter Letzt noch eine Bemerkung zu Deiner damaligen Umwelt.
Wir Fachleute sprechen in solchen Fällen, wenn Rückhalt, Verständnis, Empathie für eine Person von der sozialen Umwelt stark fehlt und die Umwelt der Person dann auch noch das Gefühl gibt, "falsch" zu sein, von einer sogenannten "invalidierenden Umwelt". Besonders wenn man als Kind eine stark invalidierenden Umwelt erlebt, kann das deutliche negative Folgen haben, bis hin in das hohe Erwachsenenalter hinein.
Dass Du daran auch heute noch zu knabbern hast, das erscheint logisch.
Auch hier gilt jedoch, dass Du Dir in einer Therapie sicher Wege suchen kannst, damit anders/besser umgehen zu lernen und Dinge auszugleichen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Eva-Maria Groh
Verfasst am: 05. 07. 12 [09:39]
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Fuchsfan
Themenersteller
Beiträge: 13
Hallo Eva-Maria, ich duze Sie nun auch, daß Sie ja das Du verwenden und gehe mal davon aus, daß das so in Ordnung ist, da ich mit 44 Jahren alle zurück duzen kann, die mich duzen. Da ich Probleme damit habe zu wissen, was in Ordnung ist und was nicht, frage ich mal, ob das so richtig ist, ansonsten bitte gleich sagen.

"zunächst muss ich Dir bestätigen, dass für psychische Diagnosen der subjektive Leidensdruck des Patienten eine entscheidende Größe ist.
Das bedeutet, die Aussage "... wenn es für Dich schlimm war, dann war es das..." hat schon seinen Sinn."

Würde ich von einer Vergewaltigung sprechen, würde niemand das subjektivieren. Da wäre es jedem klar, unabhängig davon, wie derjenige es empfindet. Daß das hier von meinem Leidensdruck abhängt, zeigt, daß das eben nicht klar ist, ob so eine Situation traumatisierend ist. Wenn es auf den individuellen Leidensdruck ankommt, bedeutet das, daß es auf meine Frustrationstoleranzschwelle ankommt, d.h., dann liegt es an mir, ob es für mich traumatisch ist. Somit wird der schwarze Peter auf mich geschoben. Ich wollte entlastet werden und wissen, ob so etwas objektiv traumatisch ist oder zum Trauma führt. Es gibt sicher Dinge, wo es individuelles Empfinden ist, ob man das traumatisch findet, aber ab einem gewissen Grad dürfte es eigentlich klar sein. Aber ob dieser Grad bei mir schon erreicht ist, ist immer noch offen. Denn sonst wird der Traumabegriff inflationiert, d.h., wenn einer seinen Kanarienvogel verloren hat, und dies als Trauma empfindet, was ich als Tierhalterin durchaus nachempfinden kann, dann zählt das genauso als Trauma. Somit wird alles relativiert und gleichgesetzt und nur vom Empfinden des Einzelnen abhängig gemacht.

"Damit soll verhindert werden, dass sich jemand die alleinige Definitionsmacht darüber nimmt, was denn nun ein Trauma oder eine Depression oder eine Angststörung ist."

Weiter unten gibst Du ja ganz klare Kriterien an, die festlegen, wann jemand traumatisiert ist. Daher könnte es durchaus auch Kriterien dafür geben, was alles ein Trauma hervorrufen kann, welche Ereignisse traumaerzeugend sind, und welche Ereignisse nur bei besonders empfindsamen Menschen traumatisch sind. Seelische Gewalt oder emotionaler Mißbrauch wird sicher bei jedem ein Trauma erzeugen, egal, ob er vorher schon vorgeschädigt war, vorausgesetzt, seelische Grausamkeit ist definiert. Bei mir ist ja zum Beispiel noch die LÄNGE und DAUER über Jahre hinweg ein Kriterium sowie die Tatsache, daß ich nicht raus konnte, also das Moment der Ohnmacht in der Situation und die Tatsache, es nicht selbst beeinflussen zu können, da ich ja nicht mal eine Rückzugsmöglichkeit hatte. Daher ist Mobbing auch ein dehnbarer Begriff, und es gibt sicher einen Moment, ab wann auch simples Mobbing objektiv zum Trauma führt.

"Und auch, dass Menschen zu Patienten gemacht werden, die gar keine sind/sein wollen."

Daß die Gefahr besteht, daß jemand unnötig pathologisiert wird, ist klar. ABer vielleicht hat jemand ein objektiv schweres Trauma erlebt, entscheidet aber selbst, wann es Zeit ist, es zu bearbeiten, oder es ist tief vergraben, war aber dennoch ein traumatisierendes Ereignis, oder der jenige hatte viele Ressourcen: Freunde, Familie usw, die das mit ihm durchgearbeitet haben. Aber ob das Ereignis per se traumaerzeugend war, ist dennoch objektiv zu bestimmen.

"Für das, was Du beschrieben hast, würde ich zunächst mal den Begriff Mobbing gebrauchen.
Mobbing an sich muss noch kein Trauma sein."

Siehe weiter oben, Mobbing ist dehnbar, und zwar bis in unendliche Qualen. Ich habe ja beschrieben, was geschehen ist und mit mir gemacht wurde. Und es kommt auf die Ressourcen an, die einer zur Hand hat, oder nicht?

"Um zu klären, ob es sich nach unseren aktuellen Definitionskriterien (die sicher nicht perfekt sind und deswegen ja auch einer ständigen Überprüfung und Weiterentwicklung unterliegen und im ICD-11 bzw. DSM-V dann wohl auch ein wenig anders lauten werden) dann um ein Trauma gehandelt hat, müsste man klären, ob Du zum Beispiel auch heute noch Flashbacks oder Alpträume davon hast, ob Du versuchst, alles, was Dich auch nur im Ansatz an damals erinnern könnte, zu vermeiden."

Meine Frage war ja auch nicht, ob ich traumatisiert BIN, sondern, ob diese Dinge verständlicherweise zu einem Trauma führen, ob das Dinge sind, die traumatisch sind, und zwar per se, unabhängig von der Person, die diese Behandlung erfährt. Ich habe keinerlei Flashbacks, vermeide auch keine solchen Situationen, habe allerdings großen "Respekt" vor eine Horde jugendlicher oder so. Aber ich trage es in mir wie eine offene schwelende Wunde und suche jemanden, wo ich das abladen und vernarben und verheilen lassen kann, weil mir heute noch viele Dinge fehlen, zum Beispiel eben eine sichere Beurteilung, ob Dinge angemessen sind, Reaktionen adäquat sind oder Empfindungen realistisch sind. Und da hilft mir kein "wenn es für Dich so ist", da hilft nur ein objektiver Gradmesser, ein Spiegel, der mir zunächst sagt, ob solche Dinge von damals schlimm sind, und mir dann hilft zu unterscheiden, ob aktuelle Dinge, die ich jetzt erlebe, mich zurecht wütend, traurig etc. machen, weil ich da eben wenig Beurteilungsvermögen habe aufgrund der Verleugnung und Bagatellisierung schwerer Dinge, die "nur für mich" schwer waren, weil ich so komisch bin. DA würde mir eine Objektivierung von außen schon helfen, mehr Sicherheit zu kriegen. NUR das ist ja auch die Basis, sich wehren zu dürfen, denn wenn es gar nicht sdchlimm ist, braucht man und sollte man sich ja auch nicht wezren. Das würde mir Mut machen un mich bestärken.

"Deswegen halte bitte unbedingt an Deinem Plan mit der Therapie fest, denn dann kannst Du mehr Klarheit bekommen."

Genau, daher brauche ich da einen objektiven Spiegel, da meine eigene Urteilsfähigkeit durch die vielen Reaktionen oder Beschwichtigungen ungenau und unsicher ist.

"Zu guter Letzt noch eine Bemerkung zu Deiner damaligen Umwelt.
Wir Fachleute sprechen in solchen Fällen, wenn Rückhalt, Verständnis, Empathie für eine Person von der sozialen Umwelt stark fehlt und die Umwelt der Person dann auch noch das Gefühl gibt, "falsch" zu sein, von einer sogenannten "invalidierenden Umwelt". Besonders wenn man als Kind eine stark invalidierenden Umwelt erlebt, kann das deutliche negative Folgen haben, bis hin in das hohe Erwachsenenalter hinein.
Dass Du daran auch heute noch zu knabbern hast, das erscheint logisch."

DAS ist etwas, wo ich mich entlastet fühle und verstanden. Das ist was Wissenschaftliches wo ich beruhigt sein kann, daß es anderen in einer solchen Situation wie der meinigen auch so gehen würde, daß es also nicht nur "für mich" schlimm war, daß das mit anderen vergleichbar ist, daß es dafür einen NAMEN und sogar eine Beschreibung gibt, und ich nicht wieder die einzige bin, die auf sowas so reagiert. Das gibt mir das Gefühl, daß nicht alles nur subjektiv war und nur von meinem Leidensdruck und somit von meiner individuellen Frustrationstoleranzschwelle abhängt. Mit dem Begriff kann ich was anfangen und meine Situation hier wiederfinden und kurz und bündig formulieren.

"Auch hier gilt jedoch, dass Du Dir in einer Therapie sicher Wege suchen kannst, damit anders/besser umgehen zu lernen und Dinge auszugleichen."

Zunächst geht es ja wohl erst mal drum, die Zusammenhänge verstehen zu lernen und verstehen zu lernen, was da genau abgelaufen ist, denn in unserer Familie gab es auch viele schwierige Dinge und ein schwieriges Umfeld, das aber nicht objektivierbar ist, da keine offene Gewalt stattfand. Daher sollte es in einer Therapie erst mal um das Verstehen und Nachvollziehen gehen.

Ich will ja erst mal gar nicht anders damit umgehen lernen, ich will erst mal einfach nur abladen, das Ganze erzählen dürfen und Mitgefühl ud Nachnährung empfangen und bestärkt werden. Ich komme mir immer vor wie eine, die verprügelt wurde, dann zu einem Arzt geht, und dann sagt man mir sofort: "Jetzt lerne mal richtig zu laufen ohne zu humpeln." Statt erst mal die Wunden zu versorgen. Da wurde immer der dritte vor dem zweiten Schritt gemacht und diese Phase übersprungen, was ja zu dem hier sichtbaren Ergebnis führt. Alle haben Angst, wenn wir die jetzt mal so richtig abladen und erzählen lassen und mitfühlen, dann kommt die da nie mehr raus undbleibt ewig auf dieser Stufe stehen und läßt sich ewig nur bedauern. WER will denn wissen und woher, daß ich nicht ganz alleine, wenn ich genug gepampert wurde, dann sage, jetzt hab ich genu gekriegt, es langt, jetzt möchte ich den zweiten und dann den dritten Schritt gehen? Ich möchte eine Therapie, wo ich erst mal versorgt werde und meine Verletzungen angesehen werden. Den "Ausgleich", von dem Du sprichst, brauche erst mal ICH von außen, den kann ich mir nicht selbst geben, da muß von außen mal ein Umfeld her in einer Therapie in einem geschützten Rahmen, wo ich ausgleichende Erfahrungen machen darf. Ein Ausgehungerter wird ja auch nicht gleich wieder mit guten Tips, wie er besser gehen kann, weiter geschickt sondern kriegt erst mal was zu Essen und lernt DANN erst, wie er sich selbst versorgen kann. Ich möchte, auch wenn ich selbst mitschuld war, daß erst mal mein Opferstatus gewürdigt und anerkannt wird, daß erst mal meine Perspektive gesehen wird, wie es mir damit gegangen ist, und nicht gleich wieder auf die Wunden draufgehauen wird, daß ich ja auch Täterin war. Erst dann, wenn ich das alles anerkannt gekriegt habe und auch durcharbeiten durfte, dann werde ich mit Sicherheit auch GERNE anfangen, über meine Mit-Täterschaft an der Sache nachzudenken.

Und das wäre mir wichtig, so bin ich nunmal gestrickt, und ich denke, viele andere auch. Auch wenn das infantil ist, aber das ist mein Empfinden und sicher nicht nur meines. So sehe ich eine Therapie, damit ich nachholen und nachfüttern und nachsorgen kann, gekräftigt und gestärkt werde, und dann auch anfangen kann, mir bessere Strategien auszudenken mit Hilfe, um das nächste Mal besser drauf reagieren zu können.

Viele Grüße!

Ich bin Tierschützerin, mir tun die Kröten doch auch Leid, die ich schlucken muß!
Verfasst am: 05. 07. 12 [13:50]
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Fuchsfan
Themenersteller
Beiträge: 13
Hallo Xandria:

"und es hat lange Zeit gedauert, bis ich wieder anfing meinen eigenen Gefühlen wieder zu vertrauen. "

Leider schreibst Du nicht, WIE das dann gekommen ist, daß Du Deinen Empfindungen wieder vertrauen konntest, ob Dir andere da halfen, ob es von selbst kam, oder ob Du alleine für Dich das erarbeitet hast, etc.

"DAS ist wahrscheinlich auch das was man dir immer vermitteln wollte, als man dir sagte: WENN DU ES ALS SCHLIMM EMPFINDEST, DANN IST ES AUCH SCHLIMM. Dafür braucht man dann, wenn man gelernt hat seinen eigenen Empfindungen zu vertrauen, keine Bestätigung von außen mehr. "

Keine MEHR, die Betonung liegt auf, bestätigung von außen MEHR, aber wenn DU immer nur hörst, daß das alles nicht schlimm ist, dann kannst Du Deinen Gefühlen nicht mehr trauen. DA beißt sich jetzt die Katze in den Schwanz! Einerseits sagst DU ja, daß es wichtig ist, daß man nicht nur von anderen hört, daß alles nicht so schlimm sei, dann sagst Du aber wieder, daß man das von außen nicht bestätigt zu kriegen braucht. Genau das hat mich ja krank gemacht, daß man mir alles nur ausgeredet hat, und ich eine Bestätigung von außen gebraucht hätte. Und nun bräuchte ich angeblich von außen keine Bestätigung mehr? Wie soll ich aber SELBST, von MIR aus, sagen, daß es für mich schlimm war und daher eben auch schlimm ist, wenn ich von außen immer nur hörte, daß es ja eh nicht so schlimm ist?

Es war für mich

1. schädigend, daß das alles passiert ist.
2. schädigend, daß mir keiner bestätigt hat, daß das schlimm war.
3. es ist jetzt schädigend, daß keiner versteht, daß ich diese Bestätigung gebraucht hätte und noch brauche, somit bin ich schon in einer Spirale der Dreifachschädigung drin.

Es ist ja grade mein Problem, daß andere sagen, es sei "nur" für mich schlimm gewesen, und daß keiner versteht, daß es mir nicht guttut, wenn ich dann wieder nur auf meine Empfindungen zurückgeworfen werde, DENEN ich ja nicht trauen kann. DARUM FRAGE ich ja nach, ob es schlimm war, und höre dann wieder, ich solle nur auf mich selbst hören! Genau das kann ich ja aber nicht, so dreht sich die Katze im Kreis.

Früher verstand keiner, daß diese Dinge schlimm waren, heute verstezt keiner, daß ich mir wünschen würde, daß das jemand mal nachvollzieht von außen und mir das auch mal sagt. Und somit stehe ich WIEDER aleine da! Wenn das alles ist, daß wir eben alle alleine damit dastehen, dann ist das mehr als traurig, und damit kann ich nicht leben.

Vor der Antwort der Expertin sagtest Du mir noch, daß das schon ein schlimmes Erlebnis gewesen war. Nun sagte die Expertin, daß es nur auf mein eigenes Empfinden ankäme, und der Satz "wenn es für DICH so war", Sinn macht. Und nun sagst Du dasselbe.

"Ich bin mit meinen - vom Umfeld unverstandenen - Ängsten durch die Hölle gegangen, als Anfang der 90iger hier zum ersten Mal wieder die REchtstadikalen hoch kamen. Ich hab Todesängste ausgestanden, weil ich immer an einer Gruppe von Skinheads vorbei musste, wenn ich von der Schule kam. Zuhause hieß es dann nur: "Geh halt nicht zu denen hin und provozier die nicht - dann wird schon nix passieren." Das ich beschimpft und nachgeäfft usw. wurde, hat scheinbar niemanden interessiert. Ich fühlte mich von allen im Stich gelassen."

Siehst DU, ich FINDe das schlimm, und Du wolltest damals auch, daß Deine Eltern Dir sagen, daß das Verhalten der Skins nicht OK ist, und daß sie es nicht einfach runterspielen. Genau das wollte und will ich eben auch. Es hätte Dir sicher nicht geholfen, wenn man Dir gesagt hätte, "Naja, wenn DU es schlimm findest, dann ist das für DICH halt so." Damit hätte man Dir gesagt, daß Du eben besonders empfindlich bist, und für ANDERE das nicht so schlimm wäre sondern NUR für DICH. Und DU sagst selbst, daß Du nicht alleine dastehen wolltest.

"In dieser Zeit fanden auch meine heutigen Ängste ihren Anfang, die ich NOCH HEUTE bekämpfe. Mit bereits mehreren Therapien. Herzlichen Glückwunsch zu deinem Entschluss ebenfalls eine Therapie zu machen. Dafür wünsch ich dir alles Gute. Achte darauf, dass du einen Therapeuten findest, mit dem du dich verstehst. Den für dich richtigen Therapeuten zu finden, kann etwas länger dauern. Die Zeit solltest du dir selbst geben, denn du bist es wert."

Aber ich gehe nur zu einem, der meine Bedürfnisse versteht, daß ich hier nicht ausschließlich auf mich selbstzurückgeworfen werden will, sonst werde ich verrückt, das bringt mir nichts. Und ich bin hier auch kein Exot, der da Sonderwünsche hat, ich bin sicher, daß andere das auch brauchen. Ich habe mal gehört, daß es wichtig ist, bei einem Trauma, daß man demjenigen sagt, daß er nicht einfach nur spint und nur schon vorher eine Macke hatte, sondern, daß es wichtig ist, ihm zu sagen, daß das auch objektiv was war, was jedem anderen auch schlimm vorkommen würde.

"Noch etwas dazu, dass solche Geschichten wie Du und im kleineren RAhmen auch ich durchgemacht haben, einen auch stark machen können. DAS funktioniert meiner Meinung nach nur, wenn man eben auch Menschen in seinem Umfeld hat, die einen Auffangen, trösten, den Rücken stärken und mit einem gemeinsam an einer Lösung der Probleme arbeiten oder auch mal für einen eintreten oder verteidigen, wenn man das nicht selbst machen kann."

GENAU das meine ich doch! GENAU das will ich doch, da kann ich mich doch nicht alleine trösten!

"Wenn du solche Menschen nicht in den schwierigen Situationen bei dir hast - und deinem Posting nach hattest du das nie - kommt ein solches Trauma dabei raus."


Zumindest in dieser Zeit nicht, und wenn jemand mal eingriff, bekam ich es dann hinterher doppelt zu spüren, weil dann nur mit Strafen oder Moralpredigten und erhobenem Zeigefinger gearbeitet wurde, und dann wurden die erst recht aggressiv gegen mich. Und hätte ich eine Lobby gehabt, dann hätten die sich nicht getraut, so mit mir umzugehen, da sie gewußt hätten, daß sie damit nicht durchkommen, aber ich hatte eben keine. Und wenn das andere auch so schlimm gefunden hätten wie ich, hätte man mich keinen Tag länger dort gelassen und dem ausgesetzt. DAHER ist es eben schon wichtig, daß andere es auch schlimm finden.

Ich will nicht, daß das Ganze jetzt zu einer Diskussion darüber ausartet, ob man sich selbst vertrauen soll, und ob es nur davon abhängt, was man selbst denkt, und ob man Bestätigung von außen braucht, um nicht verrückt zu werden. ICh finde, daß das einfach zu beantworten ist und eigentlich auf der Hand liegt. Aber ich mußte immer schon für ganz banale DInge diskutieren, die eigentlich auf der Hand liegen. Psychologen diskutierten mit mir, ob es wichtig ist, Anerkennung zu bekommen, und sie redeten mir aus, daß das wichtig sei. Ich habe lang gekämpft, bis ich einen fand, der mir sagte, daß jeder Mensch Anerkennung braucht. Vorher sagte man mir auch immer, daß man sich nicht von der ANerklennung anderer abhängig machen solle, dabei tun das die meisten, und Anerkennung ist ein Grundbedürfis. So habe ich mir jedes einzelne Grundbedürfnis hart erarbeitet und bei jedem dieser Bedürfnisse so lange gefragt, bis ich endlich einen fand, der mir sagte, daßü man das braucht. Vielleicht finde ich auch mal jemanden, der mir sagt, daß man das braucht, daß einem in einer schlimmen Situation jemand sagt, daß sie schlimm ist, und daß es schädlich ist, immer damit auf sich selbst angewiesen zu sein.

Genauso hat man mir nie bestätigt, daß mein Wunsch nach Kontakt normal ist, sondern man hat mir eingeredet, ich sei nur besonders fordernd, nur weil ich wollte, daß man jemand mit mir spricht. Daß man dann irgendwann auch mal die Bestätigung von außen braucht, daß diese Wünsche normal sind, und daß man an sich selbst zweifelt, wen man das nicht bekommt, das kann wiederum keiner verstehen, also auch hier stehe ich weider aleine da, genauso wie mit meinem Wunsch an sich.
Ich stehe mit dieser Ansicht sicher alleine da, aber ich bin es gewohnt zu kämfpen.

Schade, da muß ich jetzt aussteigen, auch wenn es "gut gemeint" war, aber es ist schädlich für mich! Ich kämpfe weiter!
Viele Grüße

Ich bin Tierschützerin, mir tun die Kröten doch auch Leid, die ich schlucken muß!
Verfasst am: 05. 07. 12 [14:33]
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