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Huch, jetzt bin ich Rollstuhlfahrer und habe Fragen

Topic Status: beantwortet

 » Gesundheit, Hilfsmittel & Medikamente
Landesflagge: DE
Dreibein
Themenersteller
Beiträge: 3
Hallo zusammen, ich bin neu, und habe folgende Fragen:

seit ein paar Tagen bin ich (55, m.) Rollstuhlfahrer. Ich habe MS, und das linke Bein funktioniert nur noch sehr, sehr unbeholfen. Allerdings kann ich auch noch (mit ein bis zwei Gehstöcken) laufen, aber eine Strecke über von max. 200 Meter schaffe ich nicht mehr. Weil ich immer sehr sportlich gewesen bin, habe ich mich für einen Aktivrollstuhl entschieden, und bin mit dem gelieferten Teil (Kasse) auch ganz zufrieden.

Nun hatte ich gedacht, ich könnte direkt losrollern, aber ich hätte nicht vermutet, das das so anstrengend ist, obwohl sich die Kondition offensichtlich schnell steigert.

Ich wollte eigentlich einen Kurs zur Rollstuhlmobilität machen, aber ich habe in meiner Nähe soweit nichts gefunden und dann gibt es natürlich auch noch Youtube.

Jetzt geht es mir um Folgendes:

A) Jeder normale Bürgersteig neigt sich in Richtung Bordstein. Das führt bei mir dazu, dass ich regelmäßig praktisch nur mit einer Hand Gas geben kann, während die andere schon bremsen muss, um weiter geradeaus zu fahren, damit ich nicht in den Bordstein kullere. Was mache ich falsch?

B) Vom Sanitätshaus wurde für den Greifreifen ein Gummiüberzug geliefert. Wenn ich den verwende kann ich zwar besser greifen und komme gut voran, aber das Bremsen ist unschön, man kann nicht richtig schleifen lassen, und das Lenken auch. - Wenn ich jetzt das Gummiteil abnehme, ist der Greifring darunter aus eloxiertem Aluminium und so glatt, dass dies für das feste Greifen von Daumen und Zeigefinger auf Dauer anstrengender ist als das sich Vorwärtsdrücken. Also besser mit oder ohne Gummi? - Es gibt ja reichlich Angebot (mit zum Teil gruseligen Preisen)... Oder spezielle Handschuhe, ich habe nur meine alten vom Radfahren.)

Auf Eure Antworten freue ich mich,
Gruß Dreibein

Ärzte verschreiben Medikamente, von denen sie wenig wissen, für Krankheiten, von denen sie noch weniger wissen, für Menschen, von denen sie gar nichts wissen. - Voltaire
Verfasst am: 28. 11. 17 [14:31]
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Gelöschter Benutzer
Hallo Dreibein,

so wie du es beschreibst, ist unser Werdegang ähnlich, auch ich habe MS und unsere Verlaufsformen scheinen sich zu gleichen. Du hast aber Glück und direkt einen Aktiv Rolli bekommen, bei mir war es bis Mitte des Jahres, 8 Jahre lang ein Klinikrollstuhl weil mir das Sanitätshaus den als Non Plus Ultra besorgt hat. Erst als ich mich richtig selbst kümmerte hab ich gemerkt was möglich ist.

Mache auch gerade ein Mobilitätstrainig und staune über das, was ich alles nicht konnte, (immer noch nicht kann, denn man braucht viel Übung) aber lernen kann.

Da ich nicht weiß wo du herkommst, gebe ich dir mal die Adresse die man mir gegeben hat, als ich mich hier danach erkundigte.
Deutscher Rollstuhl-Sportverband e.V.
c/o BG Klinikum Hamburg - Bergedorferstr.10 - 21033 Hamburg
Tel: +49 40 7306 1991(vormittags) - Fax: +49 40 7306 1390 - Mail: [mailadresse]
www.rollstuhlsport.de - www.bgk-hamburg.de

Die junge Dame (Tatjana Sieck) hat mir auch weiter geholfen, hab sie einfach angerufen!

Zu deinem Punkt a) kann ich nur sagen, geht mir genauso! Habe es aber mittlerweile für mich so gelöst, das ich immer leicht dagegen halte. Das kommt mit der Zeit aber automatisch und das ist das kleinste Problem für Rollifahrer. Das hängt auch mit der Größe deiner beiden Lenkräder zusammen, da muß dein Sanitätshaus aber helfen. (Zu klein läuft jeder Spur und Rille nach, zu groß macht den Rolli träger und nimmt ihm viel von seinen Aktiv möglichkeiten) Da mußt du einen Kompromiss für dich finden, so hab ich es jedenfalls gelernt.
Zu b) bei meinem alten Rolli Rolli hab ich mir immer Handschuhe aus dem Fitnesscenter angezogen, mit denen hatte ich einen besseren Grip und bei meinem Aktiv Rolli, also meinem jetzigen habe ich mir "Surge LT" Greifreifen montieren lassen, auch die werden von der Kasse bezahlt, wenn das Sanitätshaus die Notwendigkeit begründen kann und das war in meinem Fall so. Was aber für dich das richtige ist, solltest du selbst im Sanitätshaus probieren oder dich beraten lassen. ich komme mit denen gut zurecht.

Hoffe ich konnte Dir etwas weiterhelfen, bin selbst noch am Anfang meiner Rolli Laufbahn. Den alten Rolli hab ich gemieden wie die Pest, da hab ich lieber 20 min für 50m gehen in Kauf genommen.

Mfg
Leser

meistens gibt es doch einen Weg .............
Verfasst am: 29. 11. 17 [12:33]
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Jule
Beiträge: 102
Hallo Dreibein,
auch ich bin noch sehr frisch im Rollstuhl (seit Mai diesen Jahres). Die Probleme, die du hast, kenne ich auch genau. Was die Greifreifen angeht, ich habe die Gummiüberzüge drauf und benutze auf der Straße Handschuhe. Mitlerweile Rollihandschuhe mit Cefla Beschichtung (von amazon). Das ist für mich die beste Kombination. Die schrägen Fußwege mag ich auch nicht und finde sie immer noch sehr anstrengend. Wenn es wenig befahrene Nebenstraßen sind, benutze ich oft die Fahrbahn ... ansonsten ist mein Motto “Übung macht den Meister“.
Das Training was beschrieben wurde, ist bestimmt super gut, aber leider nicht in jeder Stadt möglich. Mache dich da einfach über dein Sanitätshaus oder deine Krankenkasse schlau.
Wenn du noch Fragen hast oder dich austauschen möchtest, schreibe mir gerne...

Jule
Träume nicht dein Leben - lebe deinen Traum
Verfasst am: 29. 11. 17 [13:30]
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Makkal
Beiträge: 311
Hallo Zusammen,
ich bin seit über 20 Jahren Rollstuhlfahrer, und kann für jeden "Frischling" empfehlen, sich Rollstuhlhandschuhe zu holen, da es dann besser ist mit dem fahren in der Natur. Wenn die Greifringe nass sind ist das bremsen schwerer - man hat kein so guten Griff mit dem Greifreifen. Es gibt verschieden Greifringe, man kann sich im Sanitätshaus beraten lassen welcher am besten passt bzw. welchen man am besten zurecht kommt. Dann kann ich empfehlen einen Rollstuhlkurs zu machen. Um zu ein wenig zu lernen mit dem Rollstuhl umzugehen. Desto länger man Jahr für Jahr unterwegs ist, desto besser wird man mit dem Umgang mit dem Rollstuhl. Ein kleinen Tipp achte immer auf Schlaglöcher oder unebenheiten wie zB. Pflastersteine die raustehen, Steine die auf der Strassen leigen - es kann passieren das die Vorderäder (Lenkräder) hängenbleiben, diese sich verkannten man schiebt an und fällt auf der Nase... Sowie das Kippen mit dem Rollstuhl ist eine Distiplin die man zu jeder Situation beherschen sollte. Dir dann ein gutes gelingen und immer "gute fahrt"..

Grüsse


Alles hat einen Sinn, man weis nur nicht welcher
Verfasst am: 29. 11. 17 [13:41]
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Dreibein
Themenersteller
Beiträge: 3
Hallo Leser 24, Jule und Makkal,

herzlichen Dank für Eure ausführlichen Antworten, das sind genau die Informationen die ich gesucht habe.
Ich hatte zum Glück einen guten Berater (denke ich) der meine Bedüfnisse sehr genau abgefragt hat und mir dementsprechend den Rollstuhl zusammengestellt hat. Weil ich in der Nähe vom Wald wohne, sind die Rollen vorn nicht ganz so klein ausgefallen wie ich sie bei anderen schon esehen habe, so ca. 14 cm. Hinten habe ich Marathon Plus. Handschuhe habe ich mir inzwischen bestellt.

Ich werde erst mal die Kombinationen die mir zur Verfügung stehen (Alu Greifrad mit u. ohne Silikonüberzieher und mit u. ohne Handschuhe) ausgiebig testen, mal sehen womit ich am besten zurecht komme.) Auf den Hinterrädern balancieren kann ich für den Anfang auch schon ganz gut, 15 Sekunden ist meine Bestzeit, hinten aber gut mit Kissen gepolstert, falls ich kippe, was bis jetzt aber erst einmal passiert ist, da weiß ich schon mal in etwa wie sich das anfühlt.

Zuletzt bin ich 1 km Strecke gefahren, mehr oder weniger am Stück, jetzt habe ich Muskelkater und einen Cut am Daumen.
Auf jeden Fall verspreche ich mir von dem Rollstuhl eine riesige Erleichterung: für zu Haus reicht im Moment die Humpelfähigkeit noch aus, aber für Unternehmungen setzte ich in Zukunft auf den Rollstuhl.

Nächste Woche kümmere ich mich um ein Rollstuhltraining.

Nochmals danke und Gruß
Dreibein

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Verfasst am: 01. 12. 17 [18:28]
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doghasso
Beiträge: 30
Hallo,

leider gehöre ich seit Januar 2018 auch zum "fahrenden Volk" und mein Gefährt hört auf den wohlklingenden Namen "B + B S ECO 300" und kenne die Problematik mit den Bürgersteigen. Baurechtliche Vorschriften geben vor, dass Bürgersteige mit 2 - 3 Grad Seitenneigung gebaut werden, um zu Verhindern das sich dort Pfützen und Stauwasser sammeln können. Mein Rolli im Urzustand fuhr sich da wie ein Lieferwagen ohne Servolenkung und platten Reifen. Ich, ruhiges Gemüt mit 110 kg Kampfgewicht und sehr sportlicher Fahrweise im Rolli, habe dann einfach einen identischen Rollstuhl mithilfe meines Sanitätshauses besorgt mit dem netten Hinweis, das diese "fahrbare Gartenbank" zu einem Sportsitz umgebaut wird. Also hab ich mit meinem Kumpel den Rolli komplett zerlegt, neu lackiert in "Bonanza-Rot" und ein paar Originalteile des Rolli´s durch andere ersetzt. Endergebnis ist ein sehr robuster Rollstuhl der auch perfekt Gerade läuft und nicht einseitig weg zieht. Als gelernter Maschinenbau-Konstrukteur habe ich keine Schwierigkeiten gehabt, mir den Rollstuhl selber zu bauen und ihn auch gescheit einzustellen. Ich habe auch die Silikonüberzüge auf den Greifreifen, das kann ich zumindest richtig Späne machen und bremsen geht bei mir auch prima, selbst wenn ich mal eine Notbremsung machen muss, habe ich da meinen getunten Rolli bestens unter Kontrolle und damit mein Rolli nicht zum Schleudersitz wird, habe ich passend zur Optik und meiner Fahrweise Gurte bei Ebay gefunden, die perfekt an den Rolli passen und an Hosenträgergurte vom Autorennen erinnern. Einiges kannste über die Technik deines Rolli´s wettmachen und vor allem Übung macht den Meister, meinen ersten Rolli hats während der Probefahrt schon zerbröselt, entweder taugte der Stuhl nix oder ich war mit meinem Gewicht etwas zu sportlich für diesen Stuhl. Seitdem fahre ich wieder das Standardmodell, ist zwar etwas schwerer, aber robust wie ein Lanz.

Gruß Andy und Sitting Bull

Wenn dir Samstags im NETTO-Discounter ein Rollstuhlreifen platzt, dann erst haben die ein echten Samstagsknaller.......
Verfasst am: 04. 06. 18 [14:37]
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