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Freundschaft zerbrochen wegen Behinderung?

Topic Status: beantwortet

 » Partnerschaft & Sexualität
Landesflagge: DE
Räubertochter
Themenersteller
Beiträge: 46
Seit meinem Unfall vor vielen Jahren habe ich viele Freunde verloren. Die paar wenige, die ich habe, sagen, um die anderen ist es nicht schade. Ich frage mich, ob es am meiner Behinderung liegt, oder ob ich so doof geworden bin. Habt ihr erfahrungen damit? würde mich über austausch freuen.
Verfasst am: 19. 06. 09 [10:41]
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User1000
Beiträge: 6
Liebe Räubertochter,

auch mir ist es nach meinem Schlaganfall so ergangen wie Dir. Auch mir sind nur ganz wenige "echte" Freunde geblieben. Ich muß Deinen Freunden recht geben. Wenn sich Freunde in dem Moment von Dir abwenden, wenn Du sie am nötigsten brauchst, dann waren das keine Freunde. Mir geht es so wie Dir. Am meisten macht mir inzwischen weniger die Erkrankung zu schaffen, als vielmehr die Vereinsamung und das man ungewollt immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrückt wird. Umso wichtiger sind mir Foren wie dieser, wo man sich mit Betroffenen austauschen kann. Vielen Außenstehenden fehlt das Gespür, was uns bewegt. Das ist wirklich schade. Umso mehr, liebe Räubertochter, sei dankbar für die Freunde, die Dir geblieben sind, denn das sind Freunde fürs Leben. Kannst Dich gerne jederzeit an mich wenden.

Ich wünsche Dir trotz allem ein schönes, erholsames Wochenende und sende Dir liebe Grüße.
Verfasst am: 19. 06. 09 [10:59]
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Beiträge: 1502
hallo zusammen,

durch eine eintretende behinderung verändert sich unsere umwelt sowie wir selber auch. das ist ein für mich, ganz natürlicher prozess.
viele kommen nicht damit klar, zu sehen, wie es jetzt ist und der gedanke: *das kann mir auch passieren*
ist nicht für jeden verarbeitbar.
es entstehen missverständnisse (auf beiden seiten) sprachlosigkeit und dann kann es zum ende einer freundschaft führen.
wenn das passiert, ist es sehr schade und auch schmerzhaft. ich glaube aber in das gute im menschen und denke nicht, das diese *freunde* die wegbleiben, schlecht sind. eher glaube ich, das sie unsicher sind und nicht mit der situation umgehen können. angst haben, was falsch zu machen....usw. usw.
und dann gibt es immer noch diese begegnungen, die bleiben und wo man sich gegenseitig unterstützt.
das leben ist und bleibt auf jeden fall interessant. icon_wink.gif

liebe grüsse
christiane

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Mit Respekt.
Verfasst am: 20. 06. 09 [09:35]
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Gelöschter Benutzer
Ich mache auch die Feststellung, dass doch einige Leute, von denen ich dachte, es seien Kollegen, keine aktive Kontaktaufnahme mehr unternehmen, und bei Rückfrage durch mich wird ausweichend geantwortet, man findet Ausreden und geht z.B. nicht mehr gemeinsam Mittagessen (aber die fünf Jahre vorher war das alles kein Thema). Eine Kollegin lud mich ein, lud mich aber wieder aus und meldete sich nicht mehr; ein anderer Kollege verkroch sich direkt, antwortete auf nichts mehr - und das war bisher sonst nie vorgekommen.

Schaut man in alte Kalender, kann man es direkt vergleichen. Erzählt wird dann allerlei, aber was wirklich stattfindet, das ist was anderes: der Alltag ist eben schon so, dass man ganz massiv ausgegrenzt wird.

Zum Verständnis der anderen Leute hat mir das hier recht viel geholfen: http://bidok.uibk.ac.at/library/cloerkes-einstellung.html

Ich stelle aber auch fest, dass ich seither fast ausschliesslich an positiven und konstruktiven Kontakten interessiert bin, und wenn das nicht zustandekommt, dann mache ich was anderes mit meiner Zeit. Ja, es könnte jedem anderen auch passieren - so einfach ist das.
Verfasst am: 20. 06. 09 [19:04]
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Gelöschter Benutzer
Hallo zusammen,
es lieg nicht an uns wir sind schon die gleichen aber die vorstellung daß das leben auch anders weiter gehen kann ist nicht vorhanden.
Wenn Du im Rolli sitzt kommen schon so sachen
wie:-wir würden dich ja mitnehmen aber du kommst da ja nicht
rein.
-ich könnte damit nicht leben du tust doch was dagegen oder nicht.
-wie willst du denn vom Rolli aus deinen Haushalt machen?
-immer zu dir kommen zum Kaffe will ich auch nicht(der Sprit ist zu teuer) kannst du
nicht den Rolli stehen lassen und die 3 Etagen zu mir hoch kommen.

und das sind noch die netten die es Dir sagen.
Aber am schlimsten sind eigentlich die mit denen man jahre verbrach hat und denen man es nicht zu getraut hätte.
Du kannst dich ja mal wieder melden wenn Du gesund bist.

Das es Sie selber treffen könnte in ihrem wohl organisierten und behüteten leben daran will keiner denken.Das passiert eben nur anderen.
Ganz schlim fand ich mal als eine Mutter zu ihrem Kind sagte da kommst Du auch rein wenn du nicht artig bist der liebe Gott sieht alles.
Der kleine war 7 jahr alt. Da konnt ich meinen Mund nicht halten.
Sowas sagt man Kindern nicht.
Die Menschen müssen eben noch viel lernen.
Gruß
Herbi

Verfasst am: 20. 06. 09 [21:42]
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Handschuh
Beiträge: 1502
oh ja, menschen müssen wirklich noch ganz viel lernen.

ich habe auch erfahren müssen, das manche es schlicht
nicht wahrhaben wollten, das ich nun behindert war.
da fragte mich eine freundin, wieviel prozent ich schwer-
behindert bin und der andere dann ganz empört sagte, aber wieso,
sie ist doch keine schwerbehinderte. aber dieser freund war einfach
nur überfordert und nach und nach *normalisierte* es sich.
ich persönlich kann mich im freundeskreis nicht erinnern, das
einer wegblieb. wohl aber im kollegenkreis. da bemerkte ich schon,
das ich nicht gefragt wurde wenn gekegelt wurde, gepaddelt, weil: du kannst das ja nicht mehr. icon_frown.gif

was meint ihr, wie können wir damit umgehen? weil, ich denke die anderen können wir nicht ändern aber wie wir selbst damit umgehen, das können wir ändern.

am 01.juli ist am abend ein allgemeiner chat. evtl. könnten wir das live dort auch diskutieren? was denkt ihr?

was dir passierte herbi, mit dem kind, das ist schon ne super
harte sache. das verunglimpft jede menschlichkeit. so einer mutter
sollte man wirklich einen kinderführerschein aufdrücken.

schönen sonntag
christiane

Poweruserin / Chatmoderatorin

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Verfasst am: 21. 06. 09 [08:21]
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Räubertochter
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Beiträge: 46
hallo,
es hilft mir, was ihr dazi geschrieben habt. es scheint also öfter aufzutreten. ich verstehe das oft nicht. aber menschen sdind scheinbar so. das tut halt ganz schön weh...

eure räubertochter
Verfasst am: 22. 06. 09 [14:49]
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Handschuh
Beiträge: 1502
ja räubertochter, das tut immer weh, wenn man sich getäuscht sieht. icon_frown.gif
traurig aber oft nicht zu ändern.

aus meiner erfahrung kann ich aber sagen, das es auf die ankommt, die geblieben sind und die, die man neu kennen lernt. icon_wink.gif

und mir tun die, die gegangen sind, mittlerweile fast leid. weil sie einen wichtigen schritt im leben nicht mitgehen konnten wollten oder was auch immer.

gibt eine positive grundeinstellung nicht auf und sei neugierig auf die menschen, die dir begegnen.

glg
christiane


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Verfasst am: 22. 06. 09 [16:32]
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Elly32
Beiträge: 113
Hallo
Einerseits denke ich es für Sie auch ein Schock und man muss sich an diese Veränderungen gewöhnen aber danach .... wahre Freunde halten zueinander...
und ich habe auch viele **Freunde** die keine wahren waren verloren weil ich eben nicht überall hin kam oder nicht so flexibel waren ..
Aber ehrlich wer so denkt ...der hat meine Freundschaft und Loyalität nicht verdient.
Ich gebe aber auch zu; es tut verdammt weh ..

Dennoch nicht alle sind so und so versuche ich diese als **schlechte Erfahrung** abzutuen.

Viele liebe Grüße
Marion
Verfasst am: 22. 06. 09 [19:03]
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KarinM
Beiträge: 5622
Hallo Zusammen!

Bei mir war es genau so. Es fing an, als ich körperlich nicht mehr so gut mithalten konnte. Als ich vor sieben Jahren berentet wurde, verdünnisierte sich die Hälte derer, die noch übrig blieben. Als ich vor fünf Jahren einen Rolli brauchte und dadurch eigentlich wieder überall dabei sein konnte, blieb mir nur noch eine Freundin. Sie war seit 25 Jahren meine beste Freundin und wir waren immer für einander da. Wir sind durch viele Hochs und Tiefs gegangen. Auf beiden Seiten. Mehr ich für sie, als sie für mich. Doch als ich im Winter 2007/2008 ganz tief unten war und meine beste Freundin am dringensten brauchte, ließ sie mich im stich....Seit dem habe ich von ihr nichts mehr gehört und gesehen.

Seit Jahren versuche ich einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Aber es ist verdammt schwer. In meinem Alter haben die meisten einen stabilen Freundeskreis, ihre Familie und ihre Hobbies. Da ist es fast unmöglich, als Single im Rolli und ohne Auto mit wenig Geld rein zu kommen. Dabei engagiere ich mich sehr vielfältig. Lerne ständig neue Leute kennen. Aber halt nur oberflächlich. Mehr ist nicht drin. Dabei mangelt es mir nicht an Kreativität. Ich habe immer wieder das Gefühlt, es ist der Rollstuhl der stört. Die Leute haben Angst sich auf mich ein zu lassen, weil sie befürchten, daß ich zur Belastung oder lästig werden könnte. Es fällt den Menschen schwer, mich als Mensch und nicht den Rolli zu sehen. Schade, denn ich bin ein kontaktfreudiger, fröhlicher Mensch.

Ich kämpfe weiter in der Hoffnung, irgend wann wieder das zu haben, daß ich mein Leben lang hatte. Liebe Freunde, die es nicht stört, daß es mich gibt.

Gruß Karin

Poweruserin, Expertin für Medizin & Gesundheit


Das Leben ist schön, so wie es ist. (-:
Verfasst am: 22. 06. 09 [21:14]
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