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Erfahrungen mit beruflichem Training o.ä. bei psychischer Krankheit?

Topic Status: offen

 » Psychische Erkrankungen & Therapien
Landesflagge: DE
PsychischKrank
Themenersteller
Beiträge: 4
Hallo,

mein Bruder ist psychisch krank (Psychose). Er ist medikamentös sehr gut eingestellt und man merkt es ihm im Alltag kaum an, aber die Krankheit hat natürlich trotzdem einen Einfluss. Er ist eigentlicht nicht blöd, aber krankheitsbedingt hat er Probleme mit komplexen Denkaufgaben. Also so etwas wie Folgenabschätzung, Planung, Arbeitseinteilung, "Mitdenken", all solche Sachen. Dazu kommt eine Zwangsstörung, so dass er immer furchtbare Angst hat, etwas vergessen oder nicht richtig gemacht zu haben, weshalb er dann alles 10x kontrollieren oder nachfragen will, ob er auch wirklich nichts falschgemacht hat. Er hat ursprünglich Heilerziehungspfleger gelernt, also die Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Ein Beispiel, was schieflief: Er hatte die Verantwortung für einen Menschen mit Behinderung und ihm ist nicht aufgefallen, dass dieser mehrere Tage hintereinander dieselbe Kleidung anhatte. Seine Stelle ist befristet und wird logischerweise nicht verlängert werden. Aktuell ist er krankgeschrieben.
Ich bin mir aber sicher, dass er eine Stelle ohne solche Verantwortung und mit ganz klaren Arbeitsanweisungen sehr gut ausfüllen könnte. Also als simples Beispiel: Briefträger. Klarer Arbeitsauftrag, man muss nicht nachdenken. Nachteil natürlich bei solchen Jobs die schlechte Bezahlung und die starke körperliche Belastung. Dennoch denke ich, dass es ihm gesundheitlich sehr zuträglich wäre, einen Job zu haben mit Tagesstruktur und netten Kollegen, wo er ein Erfolgserlebnis hat und wo er nicht aus Mitleid angestellt ist. Weiteres Problem ist, dass er durch die Medikamente Probleme hat, früh aufzustehen, aber ich denke, das könnte man in den Griff bekommen, wenn er nicht gerade um 7 Uhr auf der Arbeit sein muss.

Die Arbeitsagentur und sein Psychiater haben vorgeschlagen, er könnte beim Berufsförderungswerk eine Arbeitserprobung über 6 Wochen machen, woran sich ein berufliches Training anschließen würde. Man würde dann gucken, was für eine Art von Beruf ihm liegen würde, er könnte dann eine Umschulung machen o.ä. Hauptargument des Arbeitsamts-Mitarbeiters war, dass man so eine "höherwertige" Tätigkeit ausüben könnte, als eben einfach nur ungelernte Tätigkeiten wie Briefträger. Schließlich ist mein Bruder ja nicht "blöd", nur krank. Die Ausbildung hat er ja auch geschafft.
Er hat über einen Gleichstellungsantrag einen Grad der Behinderung von 40% bekommen, evtl. könnte man den auch hochsetzen lassen?

Teilweise hört man nun aber, dass diese Berufsförderungswerke und das "berufliche Training" eher die Kategorie "Abstellgleis" seien. Die Leute bekämen gezeigt, wie man einen Computer bedient (kann er), sich bewirbt (kann er) und man übt Bewerbungsgespräche (können wir selbst machen). Man würde dann in Praktika vermittelt (kann man sich das nicht selbst organisieren?) und die wenigsten würden übernommen werden. Dann hat man das "berufliche Training" auf dem Lebenslauf und kann sich abschminken, je noch mal einen normalen Job zu bekommen. Ist das so?

Ansonsten gibt es wohl auch eine "Reha für psychisch Kranke" (RPK), aber da wäre es schwieriger reinzukommen und de facto wäre das wohl mehr oder weniger das gleiche.

Was würdet Ihr empfehlen? Habt Ihr Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation?
Mir tut es leid für meinen Bruder, weil er trotz Krankheit das Fachabitur und die Ausbildung geschafft hat, er nicht blöd ist und man im Alltag so fast nichts von der Krankheit merkt. Nur auf der Arbeit gibt es natürlich Probleme, weil er es nicht schafft, mitzudenken und einfach ganz klare Anweisungen braucht, Schema F wie ein Roboter...
Verfasst am: 11. 07. 20 [13:30]
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Helmut60
Beiträge: 650
Hallo,

welche "Kathegorie" so eine Trainingsmaßnahmen beim Bildungswerk hat, zeigt sich am Leistungsvermögen des Betroffenen. Stellt sich da heraus, das es nicht groß genug ist, geht es anders weiter, als wenn er die Anforderungen erfüllt. Da hilft nur : ausprobieren, mitmachen, und dann sehen wie es weiter geht.... die richtigen Schlüsse ziehen.

icon_smile.gif Helmut

Betroffen ist .....meine Tochter Sonja. Sie hatte im Alter von 2 Wochen eine schwere Meningitis, und ist heute mit 36 J. auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ... sowie meine Frau, Sie hat eine schw. Psychose... und zu guter letzt ich selbst....100 % schwerbehindert.
Verfasst am: 11. 07. 20 [19:09]
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PsychischKrank
Themenersteller
Beiträge: 4
Ja, das Prinzip ist schon klar. Aber ich wollte gern mal Erfahrungen hören.
Es geht meinem Bruder ja erheblich besser als den meisten anderen mit einer Psychose. Meine Sorge ist eben, dass er dort unterfordert ist und anschließend keine Jobs auf dem 1. Arbeitsmarkt mehr findet, weil das berufliche Training auf dem Lebenslauf steht.
Verfasst am: 11. 07. 20 [19:45]
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Helmut60
Beiträge: 650
Die eine Seite ... da man nur in den Lebenslauf schreibt, von dem man meint, was gut fürs weiterkommen ist..... da kommts auf 3 Monate mehr oder weniger arbeitslos nicht an.... kann man eine Trainingsmaßnahme rein schreiben, wenn sie mit Empfehlung für den 1. Arbeitsmarkt ausgegangen ist.... wenn nicht... nicht.

Die andere Seite : Mitunter kennen Arbeitsber den Ablauf, wenn jemand nach, oder mit einer Psychose wieder arbeiten will. Dann kann es eher ermutigen, einen Versuch zu wagen, wenn so eine Trainingsmaßnahmen im Lebenslauf steht,...als wenn da keine Beschäftigungsversuch nach der Krankheitsphase steht.

Erfahrungen gibt es viele... gut u. schlechte...aber letztendlich kommt es auf den Einzelfall an... und nicht darauf, wie andere es gefunden haben.

icon_smile.gif Helmut

Betroffen ist .....meine Tochter Sonja. Sie hatte im Alter von 2 Wochen eine schwere Meningitis, und ist heute mit 36 J. auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ... sowie meine Frau, Sie hat eine schw. Psychose... und zu guter letzt ich selbst....100 % schwerbehindert.
Verfasst am: 11. 07. 20 [20:10]
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PsychischKrank
Themenersteller
Beiträge: 4
Die Erkrankung selbst liegt schon einige Jahre zurück bei meinem Bruder. Das sind jetzt eher die „Spätfolgen“.

Gibt es denn sonst Alternativen, was man sonst noch machen könnte als so ein berufliches Training?

Wie ist der Unterschied zur RPK?
Verfasst am: 11. 07. 20 [20:27]
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Helmut60
Beiträge: 650
Machen kann man da einiges. Beim Integrationsfachdienst.... oder einer anderen Beratungstelle fragen ( komm gerad nich auf den Namen ), Werkstätten für Behinderten könnten auch helfen. Oder er bewirbt sich einfach mit entsprechender schriftlicher Vorstellung, auf Stellenangebote die ihm zusagen.

( Ich hab selbst einen sehr ausgfallenen Lebenslauf, und eine sehr einschränkende Familiensituation. Daher hab ich mich bei Bewerbungen sehr ausführlich schriftlich vorgestellt, und bei Bedarf auch ausgefallene Arbeitsversuche gemacht. Es gab zwar Arbeitgeber die blöd rum gemault haben... wie kann man sich denn mit so einer Situation bewerben ? , der überwiegende Teil fand die Art aber gut... konnte aber auch nicht helfen. Wenn man als Handwerker erst um 8 aus dem Haus kann, und um 15.00 wieder da sein sollte, geht kaum was.)

Ich würde deinem Bruder raten, einen richtigen Arbeitsversuch beim Bildungswerk...oder einer WfB... in verschiedenen Bereichen zu machen, und dann sehen was am besten gefällt und paßt.

Ich weis nicht was du mit RPK meinst.

icon_smile.gif Helmut



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Verfasst am: 11. 07. 20 [21:54]
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PsychischKrank
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Beiträge: 4
Danke. RPK ist Reha für psychisch Kranke.
Verfasst am: 11. 07. 20 [22:17]
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