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Burn-Out und Depression meines besten Freundes und ich fühle mich mies :-(

Topic Status: offen

 » Psychische Erkrankungen & Therapien
Landesflagge: DE
Morrigu
Themenersteller
Beiträge: 1
Hallo,
mein bester Freund und ich, kennen uns seit fast 20 Jahren, sind beide 37 Jahre aber leben knapp 50km auseinander. Er kam meistens zu mir, da ich alleinerziehend bin und es ihm immer wichtig war, das meine Tochter gerade über Nacht in ihrem gewohnten Umfeld blieb was Wochenenden betraf! Er kam immer gerne her, fragte was ich koche und ob ich n Teller für ihn mitkochen würde, weil er nach der Arbeit direkt herkäme und ggf. auch über Nacht bliebe! Was für mich bis heute kein Problem war und ist!

Im Februar diesen Jahres hatte er einen Burn-Out und hat nun auch Depressionen! Eigentlich war er derjenige der mich immer wieder aufgebaut hat, all die Jahre und mir half wenn irgendwas war. Er war auch immer ein fröhlicher Mensch, der auf Menschen zuging, viel lachte und auch sehr sehr kinderlieb war. Meine Tochter (10 Jahre alt) mag ihn immer noch und sie freut sich immer riesig wenn der mittlerweile denn mal herkommt, und wenn es nur 1 Stunde ist.

Jedoch habe ich immer mehr das Gefühl, das er mir völlig entgleitet. Ich habe keinen Draht mehr zu ihm.... Natürlich hatten wir auch unsere Diskussionen in den letzten Monaten, da das ein oder andere von ihm gesagte mich verletzte und ich enttäuscht, verletzt und gleichzeitig wütend war. Wütend auf ihn, auf die Depressionen und letzten Endes auf mich selber, weil ich "ENDLICH" mal den Mund aufmachte, was er mir ja immer sagte. Ich muss lernen meinen Mund aufzumachen und meine Grenzen zeigen. Entweder die Leute akzeptieren mich so oder eben nicht. <---- waren seine Worte, immer und immer wieder!
Auch ist er kühl, zuweilen desinteressiert und kalt, explodiert unheimlich schnell und er weiß, dass ich aggressive Männer nicht mag und mich das triggert. Denn 1x (in den ganzen 20 Jahren) hat er sich ganz ganz böse im Ton mir gegenüber vertan und mich in einer Art und Weise angeschrien, dass ich es erste mal in meinem Leben vor ihm Angst hatte! Da ich ihn so überhaupt nicht kenne, überhaupt in den letzten 4 Monaten ist er wie ein fremder geworden. Ich hab versucht mit ihm zu reden, habe ihm auch gesagt das er jederzeit reden kann und das ich da bin. Egal über was er redet und wie lange, ich höre zu!

Ich krieg ihn immer weniger dazu zu mir zu kommen. Zu ihm kann ich im Moment nicht fahren, da ich einen Autounfall mit Totalschaden hatte und meine Tochter auch noch in Krankenhaus kam. Auch da, wirkte er, als würde ihn das total kalt lassen. Er fragte nach meiner Tochter aber bis heute (Pfingsten hatte ich den Unfall) hat er nicht 1x nach mir gefragt oder was mittlerweile rauskam durch den Gutachter etc....wenn ich ihm schreibe oder ihm eine Audio schicke, dauert es mittlerweile sehr lange bis ich überhaupt eine Antwort bekomme (aber normalerweise wirft er mit vor, dass ich so lange brauchen würde zum Antworten und er deshalb kein Bock mehr hätte icon_frown.gif ) oder ich soll mir jemand anderen suchen, der nicht krank im Kopf ist, der fiter ist als er, der mehr Zeit hat als er, der keine Last ist, usw.....

Vor 5 Jahren starb sein Vater, wo er bis heute nicht drüber sprach. Er ist niemand der über seine Gefühle redet aber zeigen konnte er sie immer, egal ob glücklich und fröhlich, stolz oder enttäuscht, wütend oder sonstiges....auch wenn er keine Lust hatte zum Fahren. Was ich ja verstehe, er ist LKW-Fahrer auf Baustellen und ich verlange nicht, das er nach Feierabend noch 50 km zu mir fährt unter der Woche oder morgens früher raus muss, wenn er hier schlafen würde.

Er nimmt Mirtazapin und ich hab das Gefühl, entweder lügt er mich an und er nimmt sie tatsächlich nicht mehr, weil er meint die helfen nicht oder aber ihm geht es trotz dieser Tabletten, nicht besser. Er schläft kaum oder gar nicht, es sei denn er ist mal hier und schläft hier, dann schläft er wie ein Baby sagt er, er isst unregelmäßig, Selbsthygiene war mal besser, er ist nur noch müde, kraftlos, er sagt er habe absolut kein Elan und er ist froh wenn er überhaupt morgens aus dem Bett kommt, zur Arbeit und wieder nach Hause. Alles andere ist ihm einfach zuviel...

Ich weiß nicht mehr weiter, egal was ich sage, tue oder nicht sage und nicht tue, es ist alles falsch oder kommt bei ihm falsch an. Denn entweder reagiert er gar nicht bzw mit Ignoranz oder er ist nur noch mit "Ja", "Nein", "Beschissen" oder "Nicht Wirklich" knapp angebunden als Antworten.

Ich habe schon nachgeschaut bei uns ob es hier irgendwie Selbsthilfegruppen gibt im Ort für Angehörige etc aber die gibt es erst 35 km weiter in der nächsten Stadt und das funktioniert nicht, da ich im Moment kein Auto habe und das kein Ort für ein Kind ist (meiner Meinung nach) und sie brauch auch gar nicht so genau wissen, was ihr "Grummelbär" icon_razz.gif genau hat. Da es für uns Erwachsene schon schwer ist, ist es für ein Kind um ein vielfaches schwieriger zu verstehen!

Habt ihr Tips, wie ich versuchen kann ihn aus dem Haus zu bekommen. Er weiß das ich ein neues Auto brauch und ich keine Ahnung von Autos habe, was gebrauchte Autos auf dem privaten Markt zum Beispiel, angeht. Er weiß auch, dass ich icon_cool.gif angeblich 2 linke Hände beim Tapezieren habe, und er kann das. Das hat er damals mit 18 gelernt, Maler und Tapezierer. Egal was ich versuche, sei es spazieren gehen, (er liebt QUads, er hat selber 2) hier war ein Quadrennen und hab ihn eingeladen, weil Emily, meine Tochter, mit ihm eine Runde Quad fahren wollte unbedingt, das war ihr Wunsch und er hat es ihr mal versprochen......ich hab ihn versucht anzulocken in dem ich ihn zum Essen einlade, sein Lieblingsessen koche, so vieles was ich versucht und gemacht habe.....aber alles irgendwie vergebens und ich merke wie ich selbst immer stiller werde und ihm teilweise schon aus dem Weg gehe, aus Angst ich sage wieder was, das ihn sauer macht bzw er denkt ich würde ihn bzw seine Krankheit als "och jo, is gleich wieder gut"-Ding abtun.

Ich fühl mich hilflos, machtlos, und eigentlich bin ich ein positiver und optimistischer Mensch. Aber das ist doch kein Zustand mehr....und trotzdem is in mir die leise Stimme, die mir sagt das ich nicht aufgeben soll! Aber was soll, kann und darf ich denn sagen, tun ohne das er es missversteht oder falsch deutet oder als Bleidigung etc auffassen könnte? Darf ich ihm z.B... sagen, dass ich enttäuscht bin, weil er wieder mal eine Verabredung mit mir platzen lies ohne abzusagen und sich tage lang daraufhin nicht gemeldet hat und mich ignorierte?

Tut mir leid und entschuldigt bitte, dass es doch so ein langer Text geworden ist. Dachte nicht, das es doch soviel zu schreiben gibt am Ende icon_frown.gif



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 26.06.2020 um 07:13.]
Verfasst am: 25. 06. 20 [18:34]
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Denis_MyHandicap
Beiträge: 378
Hallo,

hier wäre ein Besuch in deiner Gegend in einer Spezialklinik für Burnout und Depressionen sinnvoll
wo dein Freund eine Allround Behandlung bekommt.

Freundliche Grüße

Denis, MyHandicap
Verfasst am: 09. 07. 20 [14:56]
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