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Angststörung: Angst vor neuem Job

Topic Status: in Lösung

 » Psychische Erkrankungen & Therapien
Landesflagge: CH
Ursula78
Themenersteller
Beiträge: 1
icon_eek.gif Ich bin zur Zeit auf Jobsuche. Ich bin gelernte Dentalassistentin EFZ und habe vor kurzem in einer Zahnarztpraxis gearbeitet, welche jedoch geschlossen wurde.

Meinen Beruf mag ich sehr und ich liebe es ihn auszuführen. Was mein Problem ist, wenn der Arzt also mein Chef nicht kommunizieren kann. Wenn er Klassenunterschiede zwischen sich und sein Personal macht, indem er militärische Anweisungen macht und ein Lob selten oder gar nicht ausgesprochen wird. Wenn zwischenmenschliche Kälte mit dem Chef herrscht, mit dem man als D.A. sozusagen Hand in Hand arbeiten muss. icon_rolleyes.gif Wenn ich alles versuche mit Scharm und Gefühl die Kälte zu brechen und ich nur einen starren Blick ernte. Dann könnte ich heulend und erschrocken die Arztpraxis verlassen und nie wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehren.
So erging es mir bei meiner letzten Stelle im Jahr 2015. Der Aushilfsarzt (mein damaliger netter Chef wurde krank) war wortkarg und mürrisch. Und das ist noch untertrieben. Ich bekam schlimme Depressionen und vor jedem Arbeitstag graute es mich enorm. Ich war heilfroh als die Praxis geschlossen wurde. Hinzukam noch das ich offensichtlich von einer Kollegin extrem gemobbt wurde, was mir in all den Jahren noch nie passiert ist, da ich eine liebe und vertrauenswürdige Person bin. Ich habe über ein halbes Jahr gebraucht um mich davon psychisch zu erholen.

Leider war dies nicht die einzige Arbeitsstelle mit der ich zu kämpfen hatte. Als ich vor über 10 Jahren ins Ausland ging, hatte ich eine Stelle als Sekretärin. Mein Chef war ein Choleriker. Er brüllte nicht nur mich sondern auch meine Kollegen an. Ich ging 6 Jahre barfuss durch die Hölle in diesen Job, bis ich etwas anderes gefunden habe. Oft musste ich bereits Sonntag Nachmittag Benzodiazepine (Xanax, Psychofarm. vom Arzt verschrieben) einnehmen um mich vor der grauenvollen Arbeitswoche zu beruhigen. Das allerletzte war dann das mein damaliger Chef mir zuletzt noch ein Angebot gemacht hatte, sein Betthase zu sein. Ich bäumte mich entschieden auf und lies unmissverständlich verstehen das ich das unmöglich fand. Daraufhin wurde er noch wütender. Es war die Hölle für mich.

Leider hatte ich bereits nach meiner Lehre selten Glück mit den Arbeitsplatz bzw. Chef. Nach meiner Lehre als D.A. vor 20 Jahren arbeitete ich in einer Zahnarztpraxis bei einer Frau. Anstatt einen höflichen Umgangston zu pflegen, zog es Frau Doktor vor mich ständig vor dem Patienten zu beleidigen. Schimpfworte wie: "Bist Du blöd." "Mach das Fenster auf, oder brauchst du einen Pelzmantel, das du immer so frierst?" waren an der Tagesordnung. Magenkrämpfe und Depressionen folgten bei mir und der tägliche Arbeitsweg wurde zur Qual. Das ist jetzt eine Ewigkeit her, aber ich erinnere mich noch sehr genau an diese Pein. icon_cry.gif

Das schlimme ist, das wenn ich mich bewerbe habe ich immer panische Angst, das ich wieder in ein Arbeitsverhältniss komme, wo ich unterdrückt und vom Chef unmenschlich behandelt werde. banghead.gif
Stellenanzeigen mit den Worten: hohe Belastbarkeit, starke Fleixibilität oder: Ich suche jemanden der mit Kritik umgehen kann. All das löst bei mir schon Panik aus icon_eek.gif

Zur Zeit arbeite ich als Haushaltshilfe bei Kranken und Berufstätigen Menschen und bin mein eigener Chef. Sie sind sehr zufrieden mit mir. Jedoch suche ich eine Fixanstellung in Teilzeit als D.A. oder Sekretärin, da ich als Haushaltshilfe weniger verdiene, keinen bezahlten Urlaub habe und die spätere Rente somit auch recht niedrig ausfällt.
Da ist aber immer meine panische Angst vor solchen Jobs. Nicht die Arbeit an sich, nein ganz und gar nicht, sondern die Angst vor Vorgesetzten. Meine schlechten Erfahrungen im Berufsleben mit Chefs verschlimmern meine Ängste.

Vor Jahren habe ich eine Therapie gemacht. Es wurde bei mir eine Angststörung festgestellt. Leider in akuten schlimmen Lebenssituationen kann ich das Erlente aus der Therapie kaum anwenden. In solchen Momenten zittere ich und alles um mich herum schaltet sich aus...ich kann dann nicht mehr klar denken.

Was ratet ihr mir? Ich würde so gern wieder in meinen Beruf als Dentalassistentin oder Sekretärin arbeiten. 1. Bedingung ist aber: Lieber und freundlicher Chef und gutes Arbeitsklima mit den Kollegen.


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 19.01.2016 um 15:06.]
Verfasst am: 19. 01. 16 [15:04]
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Justin
Beiträge: 6606
Hallo Ursula78,

zunächst einmal herzlich willkommen in der Community! Schön, dass Du MyHandicap gefunden hast icon_smile.gif

Deine Sorge kann ich sehr gut nachvollziehen. Es gibt ja bei jedem Arbeitsverhältnis eine Probezeit. Insofern wäre mein Rat, es einfach mal bei ein paar Stellenangeboten zu probieren, die Dir ein gutes Gefühl geben. Grundsätzlich musst Du ja nichts machen, was dir Unbehagen bereitet.

Wenn Du weiterhin das Gefühl hast, dass Du mehr Unterstützung benötigst, solltest Du ruhig auch offen sein und dir erneut therapeutische Unterstützung holen.

Meine Antwort war hoffentlich ein klein wenig hilfreich für Dich. Bei weiteren Fragen wende Dich gern jederzeit wieder an die Community, meine Kollegen oder mich. Wir alle hier freuen uns, wenn wir helfen dürfen icon_smile.gif

Gern kannst Du an dieser Stelle auch berichten, wie es weiter geht.

Beste Grüße, Justin
MyHandicap
Wenn diese Antwort für Dich hilfreich war, bewerte bitte oberhalb des Beitrags, wie weit Deine Frage beantwortet wurde.
Sollte Dein Anliegen noch nicht gelöst sein, zögere bitte nicht, noch einmal nachzufragen! ******
Verfasst am: 20. 01. 16 [11:51]
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ananim
Beiträge: 1090
Hallo,

ich würde das ähnlich sehen wie Justin. Wenn Dir schon die Stellenanzeige nicht behagt, dann halt nicht dort bewerben. Ansonsten kannst Du ja bei einem eventuellen Vorstellungsgespräch auch mal nachfragen, wie sie das Betriebsklima beschreiben würden, was ihnen im kollegialen Umgang wichtig ist etc. - und dann einfach Deinem Gefühl folgen.



Wenn Du eine Frau als Chefin hast, solltest das zumindest das Risiko sexuelle Belästigung verringern.

Du kannst aber sicherilch davon ausgehen, dass es nur sehr wenige Arbeitsplätze gibt, wo es nie KOnflikte gibt oder alle immer nur freundlich zueinander sind - dazu treffen halt in der Arbeitswelt zuviele unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Arbeitsstilen etc. aufeinander. Insofern schadet es sicherlich auch nichst, wenn DU weiter an Deinen Fähigkeiten in diesem Zusammenhang arbeitest und vielleicht lernst, Dich in Situationen, die Dir nicht gefallen, mal zu wehren. Ich finde, man kann auch druchaus mal freundlichen seinem Chef sagen, wie man oder frau nicht behandelt werden will.

Besten Gruß, ananim

Verfasst am: 20. 01. 16 [18:48]
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