Wohnungsgrößen: 15 m² für jeden behinderten Mitbewohner

Ausschnitt aus einem Wohngeldantrag, mit ein paar Euroscheinen am Bildrand
Beim Wohngeldantrag wird eine Schwerbehinderung ab einem GdB von 80 berücksichtigt. (Bild: Thorben Wengert/pixelio.de)

Menschen mit Behinderung haben Anspruch auf größere Wohnungen. Dabei ist streng genommen nicht die Wohnfläche, sondern der Quadratmetermietpreis entscheidend.

Was viele nicht wissen: Zur Berechnung des angemessenen Wohnraums ist streng genommen nicht die Anzahl der Quadratmeter entscheidend, sondern der ortsübliche Mietpreis. Dass man mehr Quadratmeter zugestanden bekommt, je höher die bewilligte Gesamtmiete ist, ist allerdings eine logische Folge.

Weil eben die Mietpreise von Ort zu Ort, ja sogar zwischen benachbarten Stadtvierteln unterschiedlich sind, lässt sich kaum eine pauschale Aussage treffen, wie viel Kaltmiete das Sozialamt einem behinderten Menschen zugesteht.

Zur Veranschaulichung ein Vergleich der nach dem SGB II als angemessen geltenden Kaltmietobergrenzen für eine Zweipersonenwohnung mit rund 60 Quadratmetern: 562,59 Euro in der Millionenstadt München zu 365,00 Euro im sächsischen Chemnitz.

Ortsübliche Vergleichsmiete erkundigen

Zur Berechnung der Kaltmiete ist der Grundmietpreis pro Quadratmeter – die so genannte ortsübliche Vergleichsmiete – entscheidend. Diese ist wiederum abhängig von Baujahr, Wohnungsgröße und Wohnkomfort der jeweiligen Mietwohnung.

Eine 45 Quadratmeter große Mannheimer Wohnung, Baujahr 1990, schlägt aktuell beispielsweise mit 6,44 Euro / m² netto zu Buche. Für die gesamte Wohnung würde das dann einen Kaltmietpreis von 289,80 Euro bedeuten.

Wie hoch der aktuelle Mietpreis pro Quadratmeter konkret ist, erfahren Sie bei der jeweiligen Stadt- beziehungsweise bei der Gemeindeverwaltung. Auch im Internet finden Sie Miettabellen. Suchen Sie etwa nach „Mietspiegel“ und dem Namen der gesuchten Ortschaft.

Freibetrag wird bei Wohngeld berücksichtigt

Menschen mit Handicap, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, können übrigens Wohngeld beantragen. Hier sieht das Wohngeldgesetz für jedes schwerbehinderte Haushaltsmitglied einen Freibetrag von jährlich 1.500 Euro vor. Voraussetzung ist ein GdB von 100 beziehungsweise 80 bei Pflegebedürftigkeit. Bei einem GdB von weniger als 80 und vorliegender Pflegebedürftigkeit sind 1.200 Euro jährlich zu berücksichtigen.

Dadurch können behinderte Menschen mit einem eigenen Einkommen, die aufgrund ihrer Behinderung jedoch auf mehr Wohnfläche angewiesen sind, finanziell entlastet werden. Dabei ist die Wohnfläche nicht entscheidend, aber es dürfen bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Das Wohngeldgesetz ist zwar bundesweit gültig, regionale Mietpreisunterschiede werden jedoch durch insgesamt sechs verschiedene Mietstufen berücksichtigt.

Den Antrag auf Wohngeld können Sie in der Regel beim Sozialamt stellen. Mehr Infos rund um das Wohngeld finden Sie auf www.wohngeldantrag.de – inklusive einer Liste der zuständigen Ämter sowie einem vereinfachten Wohngeldrechner.

 

Text: Thomas Mitterhuber – 03/2012

Fotos: pixelio.de

Quelle: nullbarriere.de

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