Wohnungsgrößen für Menschen mit Behinderung

Ausschnitt eines Wohnzimmers mit Couch und Stehlampe vor einem Fenster
Wie viele Quadratmeter Ihnen zustehen, hängt auch von Ihrer Behinderung ab. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

„Wie viele Quadratmeter stehen mir bei meiner Behinderung zu?“ Diese Frage taucht immer wieder auf – insbesondere von Menschen mit Handicap, die Sozialhilfe beziehen.

Bezieht man keine Sozialhilfe, steht einem der reguläre Wohnmarkt offen. Das heißt, Sie können sich eine Wohnung nehmen, die Ihnen gefällt und Ihr Geldbeutel erlaubt. Sobald Sie aber Arbeitslosengeld oder Grundsicherung beziehen, sieht es anders aus. Dann ist von „angemessenem Wohnraum“ die Rede.

Angemessener Wohnraum

Was jedoch ist angemessen? Und was speziell für Menschen mit Behinderung? Für nichtbehinderte Menschen ist die Sachlage jedenfalls klar. Je nachdem, wie viele Personen in einer Wohnung leben, werden folgende Wohnflächen nach dem SGB II als angemessen angesehen:

  • 1 Person: 47 m²
  • 2 Personen: 62 m²
  • 3 Personen: 77 m²
  • 4 Personen: 92 m²
  • für jede weitere Person zusätzlich 15 m²

Diese Angaben variieren je nach Kreis um wenige Quadratmeter. Diese Personenangaben schließen auch Pflegende ein, die einen zusätzlichen Schlafraum benötigen, um die Pflege sicherstellen zu können.

Forenbeiträge zum Thema:
Wie viele Quadratmeter bei einer behinderten Person?
Mehrbedarf bei GdB von 50
Blind und im Rollstuhl: Wohnung gesucht

Mehrbedarf für behinderte Menschen

Menschen mit Handicap haben einen Anspruch auf einen Mehrbedarf bei Wohnraum. Dies ist jedoch nicht grundsätzlich bei allen Behinderungsarten der Fall - auch wenn mancherorts zu lesen ist, dass bereits ein GdB von 30 für den Anspruch ausreicht. Ohne plausible Gründe dürfte hier der Mehrbedarf nur schwer durchzusetzen sein.

In der Regel haben Rollstuhlfahrer – das heißt, mit dem Merkzeichen aG – gute Karten, die zusätzlichen Quadratmeter bewilligt zu bekommen. Außergewöhnlich gehbehinderte Menschen sitzen zumeist im Rollstuhl oder nutzen Gehhilfen.

Dadurch haben sie in der Regel kaum Möglichkeiten, selbstständig höher beziehungsweise ungünstiger gelegene Stauräume zu nutzen, weshalb hierfür mehr Wohnfläche benötigt wird. Außerdem verlangt der Rollstuhl – insbesondere die breiteren elektrischen Varianten – naturgemäß mehr Raum bei Kurven und Wendemanövern.

Ein Sportrollstuhl in Nahaufnahme
Da der Rollstuhl naturgemäß mehr Platz beansprucht, haben seine Nutzer Mehrbedarf an Wohnfläche. (Bild: querschnitt/pixelio.de)

Mehrbedarf auch bei Sehbehinderung

Auch Inhabern des Schwerbehindertenausweises mit dem Merkzeichens Bl, also stark sehbehinderten Menschen wird Mehrbedarf an Wohnfläche zugesprochen – aus demselben ersten Grund wie bei Rollstuhlfahrern, da ihnen aufgrund der visuellen Einschränkung keine übliche Raumnutzung möglich ist.

Laut der DIN-Norm 18040-2 werden für jeden Bewohner mit einem der oben genannten Behinderungen extra 15 Quadratmeter zuerkannt. Dies würde für einen Haushalt mit zwei Rollstuhlfahrern einen Anspruch auf rund 90 m² bedeuten.