Umziehen mit Behinderung: Wo Sie dafür Geld bekommen

Ein Mann trägt einen Umzugskarton und bekommt noch zwei Ordner oben drauf geladen. (Cornelia Menichelli / pixelio.de)
Die Förderung durch Umzugsbeihilfe kann den Umzug versüßen. (Cornelia Menichelli / pixelio.de)

Warum auch immer die alten vier Wände verlassen werden müssen: Der Umzug in ein neues Zuhause ist für einen mobilitätseingeschränkten Menschen eine Herausforderung - in körperlicher, aber mitunter auch in finanzieller Hinsicht. Dabei gibt es Unterstützungsmöglichkeiten.

Menschen mit Behinderung vollziehen einen Umzug in eine andere Wohnung oftmals, weil die bisherige nicht oder nur unzureichend barrierefrei ist. Nicht selten wird das aufgrund einer fortschreitenden Erkrankung oder einer plötzlich auftretenden Behinderung notwendig, etwa einer Querschnittlähmung oder einer Amputation durch einen Unfall. Auch das Altern führt Hindernisse herbei, die vorher gar keine waren.

Der fehlende Aufzug im Altbau etwa würde den beinamputierten Frischbetroffenen am Betreten seiner eigenen Wohnung hindern. Der Einstieg in die gewöhnliche Badewanne wäre für eine teilweise gelähmte Frau mit Sturzgefahren verbunden. Und eine zu knapp geschnittene Wohnung hieße unzureichende Bewegungsfreiheit für einen Rollstuhlnutzer.

Umzugsgrund: Unzulänglichkeiten in der alten Wohnung

Können diese Barrieren nicht aufgrund von Hilfsmitteln oder Umbaumaßnahmen überwunden werden, kommt ein Umzug in Frage. Auch eine bessere und insbesondere barrierefreiere Infrastruktur und somit eine einfachere Erreichbarkeit von (pflegenden) Angehörigen, der Arbeitsstelle oder anderen Einrichtungen des täglichen Lebens bewegt so manchen, in ein neues Zuhause einzuziehen. Im Gegensatz zu Nichtbehinderten sind Menschen mit einer Körperbehinderung nur eingeschränkt oder gar nicht in der Lage, den Umzug selbst (mit)anzupacken beziehungsweise die alte Wohnung zu renovieren.

Ist ein Umzug nötig, um die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, so sieht der Staat Umzugsbeihilfen nach § 33 Absatz 8 Nummer 6 des Neunten Sozialgesetzbuches vor, die sich nach dem Status sowie dem Einkommen der Betroffenen richten.

Ein Leiterwägelchen ist mit einem Stuhl, einer Tasche und einem Regenschirm bepackt. (Uli Carthäuser  / pixelio.de)
Der Umzug für Menschen mit Behinderung will gut organisiert sein. (Uli Carthäuser / pixelio.de)

Finanzieller Zuschuss von der Pflegekasse

Dieser Zuschuss zielt vor allem auf Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen im neuen Zuhause - etwa eine Rampe oder ein Treppenlift - und zwar bis zu einer Höhe von 4.000 Euro. Umzugswillige, die in einer Pflegestufe sind, können bei der Pflegeversicherung aber auch einen Antrag auf einen Zuschuss zu den Umzugskosten stellen, wenn den Besonderheiten des Einzelfalles durch einen Umzug in eine den Anforderungen des Pflegebedürftigen entsprechende Wohnung Rechnung getragen werden kann.

Liegt keine Pflegestufe vor und wird der Umzug sonst von keinem anderen Rehabilitationsträger wie etwa der Unfallversicherung bezuschusst, kommt zum Schluss die Umzugsbeihilfe vom überörtlichen Sozialhilfeträger in Frage. Dies wäre etwa das Grundsicherungs- beziehungsweise das Sozialamt oder die ARGE. Beantragen Sie die Umzugsbeihilfe beim Grundsicherungs- oder Sozialamt, müssen Sie Nachweise über sämtliche Einkünfte, Vermögen und alle regelmäßig anfallenden Kosten vorlegen.

Je nachdem, unter welchem Rahmen die Umzugsbeihilfe gewährt wird, erhält der behinderte Antragssteller diese als Darlehen oder als finanziellen Zuschuss. Die "Hilfe zum Lebensunterhalt" wird nur als Darlehen gewährt, die "Eingliederungshilfe für behinderte Menschen" kann sowohl als Darlehen als auch als Beihilfe bewilligt werden. Erkundigen Sie sich bezüglich den Anspruchsvoraussetzungen, welcher Rahmen für Sie in Frage kommt.

Umzugsbeihilfe auch für Berufstätige

Selbst wenn bereits ein festes Arbeitsverhältnis vorliegt, kann ein behinderter Berufstätiger in eine behindertengerechte oder (zur Arbeitsstelle hin) erheblich verkehrsgünstiger gelegene Wohnung einziehen und dabei Umzugsbeihilfe vom Integrationsamt - als sogenannte "begleitende Hilfe im Arbeitsleben" - erhalten. Ziel dabei ist, dass dadurch der Job gesichert wird. Bei der Finanzierung, die übrigens aus dem Topf der Ausgleichsabgabe gewährt wird, gibt es jedoch einen Unterschied:

Wenn ein Betroffener durch den finanzierten Umzug endlich eine Wohnung beziehen kann, die seiner Behinderung gerecht wird, werden die Kosten einkommensunabhängig in voller Höhe übernommen. Erfolgt der Wohnungswechsel jedoch vielmehr aufgrund der verkürzten Fahrzeit zum Arbeitsplatz, wird ein Teil des Einkommens angerechnet.

Antrag rechtzeitig vor dem Wohnungswechsel beantragen

Die Umzugsbeihilfe muss jedoch, unabhängig davon, von welchem Träger sie  finanziert wird, vor dem Umzug beantragt werden. Weitaus schwieriger dürfte es aber für umzugswillige Menschen mit Behinderung sein, eine geeignete sowie bezahlbare Wohnung in der gewünschten Lage zu finden. Dazu helfen Ihnen eventuell unsere Tipps zur Wohnungssuche weiter.

 

Text: Thomas Mitterhuber - 03/2012
Fotos: pixelio.de

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