Barrierefrei Wohnen - Tipps zum Hausverkauf / Vermietung

Neubetroffene Menschen mit Behinderung in einem Wartezimmer (PublicDomainPictures / pixabay.com)
Neubetroffene müssen mit der neuen Situation lernen umzugehen (PublicDomainPictures / pixabay.com)

Leider passieren sie immer wieder: Diese Schicksalsschläge, die einer Person oder einer ganzen Familie von einem Tag auf den anderen ein komplett anderes Leben bescheren und Einschränkungen erfordern.

Einmal im Straßenverkehr nicht aufgepasst, schon ist ein schlimmer Unfall passiert und der Betroffene sitzt im Rollstuhl. Oder eine Krankheit entwickelt sich so dermaßen negativ, dass Treppensteigen nicht mehr möglich ist. Natürlich kann auch das fortschreitende Alter daran schuld sein, dass der Aufstieg in die im oberen Geschoss liegende Wohnung zur Qual wird. Es gibt viele Gründe und viele Erkrankungen, die das Leben vollkommen umkrempeln. Es gibt aber auch Wege und Lösungen, um mit diesen neuen Einschränkungen zurecht zu kommen.

Jeder, der sich relativ plötzlich in einer solchen Situation wiedergefunden hat, hat natürlich in erster Linie psychisch damit zu kämpfen. Glücklicherweise gibt es aber eine Menge Betroffene, die sich deshalb längst nicht die Lebensfreude nehmen lassen, sondern das Bestmögliche aus ihrer neuen Situation herausholen. Das geht so weit, das manche Betroffenen sich gar nicht als "behindert" einstufen möchten, sondern ebenso ein Leben mit Sport, Kultur und Unterhaltung führen wie andere Menschen es auch tun. Fakt ist aber dennoch, dass sie ein paar Einschränkungen und Hürden überwinden müssen, gerade was das eigene Zuhause betrifft.

Wohnliche Probleme

Wer sich zum Beispiel vor einiger Zeit noch auf seinen Beinen fortbewegen, rennen und Treppen steigen konnte, nun aber plötzlich im Rollstuhl sitzt und diese Dinge, die vorher selbstverständlich waren, nicht mehr tun kann, sieht sich den unterschiedlichsten Problemen ausgesetzt, die ihm vorher gar nicht in den Sinn gekommen wären:

  • Treppen
    Die Wohnung liegt nicht im Parterre, sondern es müssen mehrere Stufen zur Eingangstür genommen werden, das Haus verfügt aber über keinen Fahrstuhl. Oder das eigene Haus ist mehrstöckig und die oberen Etagen sind nicht mehr zu erreichen.
  • Eingangsstufen
    Selbst wenn die Wohnung aber im Parterre liegt oder das Eigenheim ebenerdig ist, so gibt es doch oftmals ein paar Eingangsstufen zu bewältigen, die nun allein nicht mehr machbar sind.
  • Hängeschränke
    Oben im Schrank sind Töpfe, Pfannen oder Gläser und Teller. Alltagsgegenstände, die plötzlich unerreichbar sind.
  • Enge Türen
    Zwar sind die meisten Türen heutzutage mittlerweile auch breit genug für Rollstühle, dem ist aber nicht immer so, gerade bei alten Mietshäusern sind die Umstände oftmals eher schwierig. Wenn der Rollstuhl nicht durch die Schlafzimmertür passt, ist dieser Raum plötzlich nicht mehr nutzbar.
  • Verwinkelte Räume
    Auch die Raumaufteilung kann zum Problem werden, wenn der Flur zu eng ist oder Einbauschränke so schlecht platziert sind, dass ein Durchkommen mit dem Rollstuhl nicht möglich ist.
  • Badezimmer
    Toilette nicht mehr erreichbar, duschen unmöglich - dies kann vor allem in kleinen Badezimmern passieren.

Diese Probleme und noch ein paar andere mehr kennen viele sicherlich selbst. Hier bleibt den Betroffenen dann nur der Umzug aus der Mietwohnung oder aber der Umbau des Eigenheims. Allerdings muss dann auch erst mal ein passendes neues Haus oder eine passende neue Wohnung gefunden werden.

Tipps für Vermieter und Verkäufer

Wer sein bestehendes Eigenheim verkaufen möchte, wird es sicherlich nicht zunächst behindertengerecht umbauen. Wer allerdings ein Haus bauen möchte, um dieses später wieder zu verkaufen oder zu vermieten, der kann und sollte gerne auch an barrierefreies Wohnen denken, zumal eine entsprechend ruhige und vielleicht auch etwas ältere Mietergemeinschaft zweifellos auch ihre Vorteile hat. Natürlich können auch bestehende Häuser barrierefrei umgebaut werden, um mehr Lebensqualität für Personen mit Handicap zu schaffen. Angeboten werden können solche Wohnungen selbstverständlich auf dem ganz normalen Immobilienmarkt, sei es bei Anbietern wie Immobilien Scout oder aber mithilfe eines fachlich versierten Maklers. Auch in Zusammenarbeit mit Wohnheimen oder anderen Einrichtungen lässt sich die Vermietung arrangieren, sodass genau diejenigen die Räume nutzen können, die sie auch wirklich brauchen.

  • Treppen vermeiden
    Ein ebenerdiges Haus ohne weiteres Stockwerk sieht nicht schön aus und bietet zu wenig Platz? Das muss nicht so sein, tatsächlich zeigt sich das Leben in einem solchen Bungalow-Haus sogar äußerst komfortabel. Es gibt viele Möglichkeiten, auch ohne Treppen und Eingangsstufen ein schick aussehendes Haus zu gestalten. Selbst eine kleine Stufe kann dabei für Menschen mit Gehbehinderung zu einem großen Problem werden. Auch wenn ein Eingangsbereich mit Treppe noch so schön aussieht, sollte dieser lieber vermieden werden.
  • Rampen bauen
    Sind Eingangsstufen nicht zu vermeiden bzw. bereits vorhanden, so kann es dennoch für Menschen mit Behinderung möglich sein, dort in eine Erdgeschoss-Wohnung einzuziehen. Der Vermieter oder Verkäufer müsste lediglich eine Rampe bauen, sodass mit einem Rollstuhl die Stufen umfahren werden können.
  • Auf Teppiche verzichten
    So schick ein nagelneuer Teppich auch sein mag, so störend kann dieser aber für Rollstuhlfahrer oder an Krücken gehenden Menschen sein. Teppiche stellen nämlich schnell eine kleine Barriere und vor allem eine Stolperfalle dar, genauso wie lose Kabel und Brücken. Rutschfrei sollte der Fußbodenbelag aber unbedingt sein.
  • Gute Beleuchtung
    In einem barrierefreien Haus sollten ausreichend Lichtquellen vorhanden sein, damit mögliche Hürden und Stolperfallen sofort gesehen werden können.

  • Breite Türen
    Die Türen sollten mindestens 90 Zentimeter breit sein, damit ein Rollstuhl durch eben diese hindurchpassen kann.
Ein barrierefreies Badezimmer (Lanz-Andy / pixabay.com)
Ein behindertengerechtes Badezimmer ist Pflicht! (Lanz-Andy / pixabay.com)
  • Behindertengerechtes Badezimmer
    Ein ebenerdiger Duscheinstieg ist in einer barrierefreien Wohnung Pflicht! Auch sollte es sich dabei nicht um eine Glaskabine handeln. Der Waschtisch sollte mit 80 Zentimetern etwas niedriger hängen als in anderen Wohnungen, die Toilette mit 48 Zentimetern allerdings etwas höher. Haltegriffe neben der Toilette und in der Dusche sind ebenfalls eine gute Entscheidung.
  • Hängeschränke vermeiden
    In der Küche und im Bad sollte auf Schränke verzichtet werden, die von einem Rollstuhl aus nicht erreichbar sind. Sinnvoller ist es da, in Bodennähe Stauraum zu schaffen.

Des Weiteren ist es sinnvoll, sich über Zuschüsse und Förderprogramme zu informieren, da es diesbezüglich einige interessante Angebote gibt, die einen Neubau oder einen Umbau zu einem barrierefreien Wohnen unterstützen. Sinnvoll ist der Um- oder Neubau aber allemal, denn viele Menschen sind auf die speziell eingerichteten Wohnungen angewiesen, die auf dem Markt jedoch noch vergleichsweise rar sind. Laut dem ZDF-Magazin WISO sind beispielsweise von den elf Millionen Seniorenhaushalten gerade einmal rund fünf Prozent barrierefrei.

Nicht zu vernachlässigen sind in dieser Hinsicht allerdings auch die Pflichten, die ein Vermieter seinem Mieter gegenüber womöglich hat. Vielfach wird sich beispielsweise - immer häufiger auch vor Gericht - die Frage gestellt, ob der Vermieter verpflichtet ist, behindertengerechte Anbauten vornehmen zu lassen, sollte ein Mieter plötzlichen einen schweren Unfall erleiden und möchte aber dennoch in seiner Wohnung bleiben. Tatsächlich ist die Rechtsprechung diesbezüglich nicht immer ganz eindeutig - Fakt ist aber, dass vor allem Problematiken wie beispielsweise Taubheit, Blindheit, Lähmung, Kleinwüchsigkeit oder Demenz nahezu IMMER Umbaumaßnahmen erfordern. Auch die Urteile der Gerichte sind in jüngster Vergangenheit sehr deutlich:

Ein sitzender Hund (PublicDomainPictures / pixabay.com)
Ein Blindenhund muss vom Vermieter geduldet werden (PublicDomainPictures / pixabay.com)
  1. Ein Mieter hat das Recht, seinen Rollstuhl im Treppenhaus abzustellen, auch wenn der Zugang dadurch reduziert wird.

  2. Ein behinderter Mieter oder Wohnungseigentümer kann - sofern es die baulichen Gegebenheiten ermöglichen - verlangen, dass ein Rollstuhlweg aus der Wohnung über die Terrasse und Gemeinschaftsflächen bis hin zur Straße angelegt wird.

  3. Die Haustierhaltung darf bei Menschen mit Behinderung nicht verboten werden, sofern die Tiere zur Reduzierung der seelischen oder körperlichen Behinderung beitragen. Ein Blindenhund muss also beispielsweise immer geduldet werden.


Bilder: PublicDomainPictures, Lanz-Andy / pixabay.com

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