Wohnen im Alter: Neue Lösungen gesucht

Eine Pflegeperson bindet einer Seniorin das rechte Bein ein (Foto: BARMER GEK)
Pflegebedürftigkeit schließt selbständige oder gemeinschaftliche Wohnformen nicht aus. (Foto: BARMER GEK)

Demographisch bedingt nimmt der Anteil der betagten und hoch betagten Menschen in unserer Gesellschaft zu. Für sie alle muss gesorgt sein und sie müssen den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend untergebracht sein, wenn sich ihre Bewegungsfreiheit durch Behinderung oder Krankheit einschränkt. Was steht dabei im Vordergrund?

Die Menschen werden immer älter, sie sind länger aktiv und selbständig. Doch irgendwann kommt auch für Senioren der Zeitpunkt, an dem Krankheiten, Gebrechen und Behinderungen auftreten, die die Bewegungsfreiheit einschränken. Dabei spielte das Thema Wohnen eine zentrale Rolle. Eine große Mehrheit dieser Menschen möchte weiter zuhause, in vertrauter Umgebung selbstbestimmt leben und versorgt werden.

Nach Angaben der Pflegestatistik 2011 wurden in Deutschland 70 Prozent der Menschen, die regelmäßig auf Hilfe angewiesen sind, zu Hause versorgt. Bei rund zwei Drittel übernahmen die Angehörigen diese Aufgaben, beim Rest sind es ganz oder teilweise ambulante Pflege- und Besuchsdienste.

Wohnen im Alter: Liegenschaft muss barrierefrei sein

Diese Zahlen zeigen, dass es für Senioren trotz hohen Alters, gesundheitlicher Probleme und altersbedingten Einschränkungen und Behinderungen bei entsprechender Unterstützung oft noch lange möglich ist, in den eigenen vier Wänden zu wohnen.

Weil ältere Menschen häufig sehr lange in ihren Wohnungen leben, bewohnen sie vielfach auch ältere Liegenschaften. Viele dieser Gebäude sind aufgrund ihrer Bauweise nicht altersgerecht. Die Barrierefreiheit ist jedoch eine Bedingung für ein möglichst selbständiges Leben im Alter. Anpassungen sind vielfach notwendig.

Zu den baulichen Minimalanforderungen gehören:

  • Treppen: Sanieren und Vorderkanten hervorheben oder alternativ dazu einen Treppenlift einbauen.
  • Türschwellen: Niveauunterschiede in der Wohnung sollten entfernt werden. Türbreite sollte mindestens 80 cm betragen.
  • Boden: Rutschfesten Belag verlegen lassen, sämtliche Stolperfallen (ev. Teppich oder Kabel) entfernen.
  • Küche: Ordnung schaffen und ausziehbare und übersichtliche Elemente einbauen.
  • Badezimmer/WC: Zusätzliche Haltegriffe neben der Toilette und in der Dusche oder bei der Badewanne. Genügend Manövrierraum schaffen. Leicht bedienbare Armaturen.
  • Licht: Helle, aber nicht blendende Leuchten verbessern die Sicht. Schalter-Positionierung beachten.
  • Türe: Elektrischen Türöffner und Gegensprechanlage einrichten.

Es geht jedoch nicht nur um bauliche Anpassungen. Zu einer altersgerechten Wohnform gehören auch die barrierefreie Gestaltung des Wohnumfeldes, die Infrastruktur in der Wohngegend, die Möglichkeiten zu sozialen Kontakten und das Angebot, im Bedarfsfall auf Unterstützungsangebote zurückgreifen zu können.

Neben den Angehörigen stehen dabei Pflege- und Besuchsdienste im Vordergrund, aber auch Reinigungsunternehmen, Gartenbauunternehmen, die sich um den Garten kümmern oder die Tochter der Nachbarn, die mit dem Hund Gassi geht.

Eine Auswahl verschiedener Bodenbeläge wie Parkett, Teppich und Fliessen (Martin Schemm/pixelio.de)
Rutschfeste Bodenbeläge gehören zu den baulichen Minimalanforderungen an eine altersgerechte Wohnung. (Martin Schemm/pixelio.de)

Alternative Wohnangebote im Alter

Wenn auf Grund gesundheitlicher Einschränkungen das selbständige Wohnen für Senioren nicht mehr möglich - oder möglicherweise auch einfach nicht mehr gewünscht - ist, gibt es Alternativen, die über das Angebot von Alters- und Pflegeheimen hinausgehen. In Anbetracht des demographischen Wandels wurden in den letzten Jahren verschiedene alternative Wohnformen entwickelt, die mit umfassenden Unterstützungsleistungen verknüpft sind und Angebote zur sozialen Einbindung enthalten.

Zimmer oder Hausteil vermieten

Wenn die eigene Liegenschaft genügend Platz bietet, kann ein Zimmer an eine Drittperson vermietet werden. Dabei kann es sich zum Beispiel um Studenten handeln, die den Einkauf und die Reinigung der Wohnung übernehmen oder Fahrdienste anbieten, und dafür vergünstigt wohnen können.

Alters-Wohngemeinschaft

Die "WG": Was für Jugendliche und Studenten eine mögliche Wohnform ist, kann auch für einen Teil der Senioren eine sein. Jeder hat in seinem Zimmer seine Privatsphäre, sucht er aber Gemeinschaft, so findet er sie in den gemeinsam genutzten Räumen. Die Inanspruchnahme verschiedener Dienstleistungen in den Bereichen Pflege, Reinigung oder Verpflegung ermöglicht ein sicheres und selbständiges, gleichzeitig aber auch gemeinschaftliches Altern.

Gemeinschaftliche Formen des Wohnens

Wenn man die Gemeinschaft weiter fasst, kann sie nicht nur in einer Wohnung, sondern auch in einem Mehrfamilienhaus funktionieren. Das Prinzip der gemeinschaftlichen Wohnformen ist, dass die Nachbarn - die auch Freunde oder Familie sein können - in verschiedenen Lebenslagen füreinander da sind.

Kompakte Überbauungen

Die Raum- und Sozialplanung hat in Anbetracht der demographischen Entwicklung zur Entwicklung von Siedlungen geführt, die den Wunsch nach Selbständigkeit mit einer gleichzeitigen Rundum-Versorgung kombinieren. Pflegedienste und eine Fülle verschiedenster Dienstleistungen ermöglichen den Bewohnern eine optimale und individuelle Lebensgestaltung in einer eigenen Wohnung. Gleichzeitig stehen allen Bewohnern öffentlich zugängliche Angebote wie Restaurants, Reisen, Arztpraxen oder Physiotherapie zur Verfügung.

Diese Wohnformen werden nie für alle Gruppen älterer Menschen in Frage kommen. Die Individualität der Ansprüche ist denn auch eine der großen Herausforderungen. Auf jeden Fall wächst der Bedarf an Wohnformen unterschiedlicher Ausprägungen und unterschiedlicher Preisklassen, die selbständiges Wohnen mit sozialen Begegnungsmöglichkeiten, höheren Sicherheitsansprüchen und Pflege- und weiteren Dienstleistungen auf ideale Weise kombinieren können.

 

Text: Patrick Gunti - 03/2013

Fotos: BARMER GEK, pixelio.de

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