Mehrgenerationenhaus - alt werden im Kreise der Familie

Ein Mann sitzt vor dem Kamin und liest Zeitung. (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)
Das Wohnen im Alter ist für viele Senioren in einem Mehrgenerationenhaus noch angenehmer. (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Früher war es ganz normal, dass mehrere Generationen unter einem Dach lebten. Großeltern und Urgroßeltern kümmerten sich um die Kinder, während die Eltern arbeiteten. Diese wiederum sorgten dafür, dass es den älteren Familienmitgliedern auch im fortgeschrittenen Alter gut ging. Man kümmerte sich umeinander, plante den Tag und profitierte vom Wissen der Generationen. Was früher üblich war, geriet in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit. Mittlerweile erleben Wohnarrangements, mit unterschiedlichen Altersgruppen wieder eine Renaissance, da sie viele Vorteile haben.

 

Ein Grund, warum viele ein Haus oder eine Wohnung kaufen, in denen nicht nur der engste Familienkreis Platz hat, sondern auch genug Raum für weitere Menschen ist, ist die Suche nach einer familiären Bindung. Dabei muss es sich nicht zwingend um Blutsverwandschaft handeln, Mehrgenerationenhäuser verfolgen auch eine soziale Idee, mit dem Hintergrund, dass sich Menschen wieder umeinander kümmern und einander zuhören. Eine weitere Idee der Mehrgenerationenhäuser ist auch der Umstand, knappen Wohnraum zu teilen. Gerade ältere Menschen sind mit dem Umstand nicht glücklich alleine in einem großen Haus leben zu müssen. Für ein Seniorenheim fühlen sie sich noch zu jung, sie haben allerdings niemanden mit dem sie ihr Leben teilen können.

Gemeinsam statt einsam

Oft sind es lediglich die Besuche an den Feiertagen, an denen Großeltern ihre Kinder und Enkelkinder zu Gesicht bekommen. Bis auf sporadische Anrufe fehlt oft der Kontakt zwischen den Generationen in den Familien. Hier helfen ebenfalls Mehrgenerationenhäuser, denn gerade ältere Menschen, die Gefahr laufen zu vereinsamen haben aktiven Kontakt zu ihrer Familie. Ziel ist es allerdings nicht sich 24 Stunden am Tag zusammen zu sein, sondern gemeinsam den Tag beziehungsweise die Woche zu planen, wobei auch Raum für individuelle Aktivitäten ist. Mehrgenerationenhäuser haben allerdings den Vorteil, dass sich viele Aufgaben geteilt werden können. Dadurch sind sie einerseits schneller erledigt, andererseits können Familienmitglieder entlastet werden, wenn sie mit anderen Aufgaben wie dem Job sehr ausgelastet sind.

Aktiv im Leben

Wer alleine wohnt, der neigt schnell dazu nicht mehr so am Leben teilzunehmen, wie es ihm möglich wäre. Dies gilt nicht nur für die ältere Generation, auch jüngere Menschen sind von Vereinsamung betroffen. Wer mit unterschiedlichen Altersgruppen unter einem Dach wohnt, hat den Vorteil, dass es einfacher ist im Alltag mit anderen Menschen egal in welchem Alter einfacher umgehen kann. Die Erfahrung mit der eigenen Familie mit der das Haus geteilt wird, hilft auch im Kontakt und Umfang mit anderen Menschen. Mehrere Generationen motivieren sich gegenseitig aktiv zu bleiben und ein Teil im Leben anderer Menschen zu sein. Ältere Menschen motivieren Kinder nicht nur vor dem Computer oder dem Fernseher ihre Freizeit zu verbringen, sondern sich auch für andere Dinge im Leben zu interessieren. Die jüngere Generation bringt Leben ins Haus und motiviert die Großeltern sie auch auf Ausflüge oder bei anderen Aktivitäten zu begleiten.

Eine Wendeltreppe führt von einer Etage auf die nächste. (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)
In einem Mehrgenerationenhaus können Treppen auch durch die Hilfe der Mitbewohner überwunden werden. (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Voneinander Lernen

Einer der größten Vorteile eines Mehrgenerationenhauses ist, dass jeder von dem anderen lernen kann. Dabei wird Wissen nicht nur von der älteren zur jüngeren Generation weitergegeben, sondern ein Wissenstransfer auch umgekehrt passiert. Vor allem im Hinblick auf moderne Technologien wie Smartphones oder Computer profitieren ältere Menschen vom Wissen der Jungen. Die junge Generation kann vom reichen Erfahrungsschatz der Eltern und Großeltern profitieren, denn sie haben sich im Laufe ihres Lebens viele Fertigkeiten angeeignet, die heute nur noch selten in der Schule vermittelt werden. Dazu gehörten oft so augenscheinlich triviale Fertigkeiten, wie das Kochen oder auch einmal ein Loch in der Kleidung zu nähen, was heute kaum noch in Schulen vermittelt wird.

Ein Mehrgenerationenhaus aufbauen

Ein Mehrgenerationenhaus kann nicht von einem Tag auf den anderen etabliert werden. Einerseits ist eine Infrastruktur wichtig, die für alle Altersgruppen geeignet ist. Für die ältere Generation müssen beispielsweise Badezimmer adaptiert werden, damit sie barrierefrei sind. Es muss auch geplant werden, wer wo wohnt. Dabei ist es wichtig, dass auch genügend Raum zwischen Alt und Jung ist, damit sich jeder entfalten kann und man sich nicht gegenseitig stört. Es muss auch Raum geschaffen werden, wo es möglich ist, dass alle Generationen vereint sein können. Dies ist der zentrale Treffpunkt wo gemeinsam geplant, geredet und ein Teil der Freizeit verbracht werden kann.

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