Was nicht passt wird passend gemacht: Barrierefrei durch die Haushaltswelt

Barrierefreiheit: Rollstuhlfahrer in Kueche (Bild: © Jenny Sturm – fotolia.com (#74289742))
Die Küchengeräte sind aus einer sitzenden Position heraus bedienbar und der Boden ist „rollstuhlgeeignet“, dies verspricht unter anderem Barrierefreiheit im Eigenheim. (Bild: © Jenny Sturm – fotolia.com (#74289742))

Freiheit und Entspannung: Das sollen die eigenen vier Wände bieten. Sich von links nach rechts und die Treppe rauf und runter bewegen zu können, sollte auch für Menschen, die in ihrer Mobilität durch körperliche Beschwerden eingeschränkt sind, keine Schwierigkeit darstellen. Um ein gutes Gefühl im Eigenheim zu haben, müssen jedoch zunächst „Stolpersteine“, wie ein rutschiger Boden oder Türschwellen, beseitigt werden. Doch wie funktioniert barrierefreies Wohnen und mit welchen Hilfsmitteln kann der Haushalt, ohne das Gefühl zu haben eingeschränkt zu sein, Barrierefreiheit bieten?

Zum Begriff Barrierefreiheit

Barrieren im Haushalt aus dem Weg schaffen, was ist damit eigentlich gemeint? Ein Stuhl oder ein Karton, die den Weg versperren? Dinge, die die Nutzung von etwas einschränken, können im Leben unterschiedliche Bereiche betreffen und auch unterschiedlicher Natur sein.

Was bedeutet barrierefrei?

Definition und umfassende Lebensbereiche

Barrierefreiheit betrifft alle Lebensbereiche, die von Menschen in irgendeiner Art und Weise gestaltet werden. Das heißt Bereiche, auf die der Mensch selber Einfluss nimmt. So zum Beispiel Gebäude, die errichtet werden oder technische Entwicklungen wie Unterhaltungs- (z.B. Internet und Smartphone), Bau- (z.B. Eingänge) oder Haustechnik (z.B. Türsprechanlage). Kurz: Alles, was den Menschen im öffentlichen und privaten Sektor umgibt, muss für diesen – egal, ob ein körperliches Handicap vorhanden ist oder nicht – gleichermaßen und möglichst eigenständig aufzufinden, zugänglich und benutzbar sein, dann ist die Umgebung barrierefrei. Ausgenommen ist davon zum Teil der natürliche Raum (Natur, Wald), auf den der Mensch oft keinen gestalterischen Einfluss nehmen darf. Erst wenn versucht wird, diesen Raum mit Pfaden zugänglich zu machen, spielt auch das Thema Barrierefreiheit eine Rolle, welches für verschiedenste Zielgruppen von Interesse sein kann:

Welche Barrieren gibt es eigentlich im Alltag?

Barrieren können im Alltag diverse Züge annehmen, dabei stellen diese besonders für Menschen mit einem körperlichen, geistigen oder sprachlichen Handicap eine große Herausforderung dar. Zu den alltäglichen Barrieren können unter anderem Vorurteile gegenüber anderen Kulturen oder sprachliche Barrieren zählen. Die Hauptbarrieren sind jedoch meist technischer Art oder solche, die die Nutzung von Gebäuden sowie die eigene Mobilität in und außerhalb derselben betreffen. Mit technischen Barrieren haben oft ältere Menschen zu kämpfen, dann wird schnell einmal wild auf dem Laptop herumgetippt oder den Enkel gefragt: „Wie kann ich eigentlich googeln?“ Barrierefreiheit schaffen bereits spezielle Computerkurse für ältere Semester.

Neben den technischen Barrieren, stehen älteren Menschen, die in ihrer Motorik eingeschränkt sind, sowie Menschen mit einem Handicap oft auch bauliche Barrieren wie zu enge Türzugänge, steile Treppen oder schwer zu erreichende Lichtschalter im Weg und schränken die Selbstständigkeit ein.

Barrierefrei Wohnen

Rollstuhlfahrer beim Einkauf (Bild: © Jenny Sturm – fotolia.com (#47195186))
Eine wohnungsnahe und gut ausgebaute Infrastruktur mit Supermarkt und Ärzten begünstigt ein barrierefreies Umfeld. (Bild: © Jenny Sturm – fotolia.com (#47195186))

Das Wohnumfeld

Abgesenkte Bordsteinkanten, gepflasterte Wege anstelle von kiesbedeckten Bürgersteigen, Aufzüge, die bis vor die Wohnungstür fahren, sowie Bäckerei, Supermarkt und Arztpraxis, die sich in unmittelbarer Nähe zum Wohnhaus befinden – all das kann für ein barrierefreies Wohnumfeld sorgen. Gerade für ältere Menschen oder solche, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, können kurze und vor allem gut begeh- und befahrbare Strecken für ein barrierefreies und somit selbstständig nutzbares Einzugsgebiet sorgen.

Die eigenen vier Wände

Innerhalb der Wohnung sorgt dann neben baulichen Voraussetzungen: Gut erreichbare Schalter und Türgriffe, fehlende Türschwellen, ausreichend breite Türzugänge oder flache Treppen, speziell angepasstes Mobiliar für Barrierefreiheit. Die Möbel sollten keine scharfen Kanten haben, dafür aber Halterungen aufweisen, die für Sicherheit sorgen (Griffe an Toilette oder Badewanne) und Schubladen sowie das Bett müssen auch vom Rollstuhl aus erreichbar sein. Auch das technische Mobiliar – Haushaltsgeräte, Fernseher oder Computer – kann mittlerweile mit einer barrierefreien Bedienung – beispielsweise durch eine intelligente zentrale Steuerung – nutzbar gemacht werden. Beim Haushalten in der Küche ermöglichen unter anderem Waage, Messbecher und Co. durch akustische Signale (Piepsen oder Sprache) eine barrierefreie Zubereitung.

Barrierefreiheit im Haushalt: Neubau, Nachrüstung und Umgestaltung der Mietwohnung

Um den eigenen Haushalt zunächst einmal auf baulicher Ebene barrierefrei zu gestalten, bedarf es einer genauen Vorabplanung. Falls die Maßnahmen nicht direkt beim Neubau mit eingeplant wurden, kann durchaus mit barrierefreien Türsystemen oder speziellen Bodenbelägen nachgerüstet werden – und zwar auch im Altbau.

Planung eines barrierefreien Haushalts

Eigentum: DIN-Vorgaben, Erstellung des Grundrisses und Finanzierungsmöglichkeiten

Grundriss mit darauf liegenden Zeichenwerkzeugen und einer Tastatur (Bild: © Gina Sanders – fotolia.com (#107500807))
Als Orientierung für die Planung eines „barrierefreien“ Grundrisses dienen die Vorgaben der DIN-Norm 18040 für barrierefreies Bauen. (Bild: © Gina Sanders – fotolia.com (#107500807))

Die Planung eines barrierefreien Haushalts kann sich für viele Bauherren künftig lohnen, denn nicht zuletzt der demographische Wandel, welcher mit den kommenden Jahren bekanntermaßen einen Zuwachs der über 65-Jährigen in der Alterspyramide mit sich bringt, bedeutet, dass das Wohnen zunehmend altersgerecht und somit auch barrierefrei ausgerichtet wird. Wer sich für einen barrierefreien Bau entscheidet, sollte die Flächen bei der Erstellung des Grundrisses großzügig einplanen. Als Maß kann dabei beispielsweise der Wendekreis eines Rollstuhls dienen. So sollte vor den Möbeln 1,20 Meter sowie vor und hinter jeder Tür etwa ein Abstand von 1,50 Metern und eine Türbreite von ca. 90 Zentimetern einberechnet werden. Zum möglichst barrierefreien Blick durchs Fenster und zur problemlosen Versorgung mit Frischluft, sollten sich die Fensterbänke nicht höher als 60 Zentimeter über dem Fußboden befinden. Lichtschalter, Heizregler oder Armaturen sind dagegen neben den Türen und an den Wohnwänden noch höher anzusetzen – und zwar in einer Höhe von 85 Zentimetern und mit 50 Zentimetern Entfernung von den Ecken.

Zudem lassen es offene Wohnkonzepte, leichte Trennwände sowie Treppensysteme, die die Nachrüstung mit einem Treppenlift erlauben, schneller zu, auch in Zukunft bauliche Veränderungen zu realisieren. Als weitere Orientierungshilfe für die barrierefreie Gestaltung des Eigenheims dient die DIN-Norm 18040, welche die Planungsgrundlage für barrierefreies Bauen/Einrichten im Privatbereich (bzw. innerhalb der Wohnung) darstellt. Da die Umgestaltung neben Barrierefreiheit natürlich auch Kosten mit sich bringt, kann sich bei den hier aufgeführten Kostenträgern über einen Zuschuss informiert werden.

Mietwohnung: Sind barrierefreie Umbauten überhaupt erlaubt?

Foto eines Mietvertrages mit darauf liegenden Schlüsseln. (Bild: © WavebreakMediaMicro – fotolia.com (#103394239))
Plant der Mieter eine barrierefreie Renovierung, muss der Vermieter diese in der Regel erlauben. (Bild: © WavebreakMediaMicro – fotolia.com (#103394239))

Menschen, die zur Miete wohnen und bei denen die bauliche Ausrichtung des Haushaltes dem Vermieter obliegt, müssen sich für größere Umbaumaßnahmen zunächst das Einverständnis des Vermieters einholen. Nach dem Deutschen Mieterbund muss dieser Renovierungen in der Regel zustimmen, die ein behinderten- sowie barrierefreies Wohnen ermöglichen – wie der Einbau eines Treppenliftes, die nachträgliche Verbreiterung der Türdurchgänge oder die Anpassung der sanitären Anlagen. Die Kosten für die Arbeiten trägt der Mieter, welcher damit rechnen muss, dass der Vermieter beim Auszug die Rückgängigmachung der Modernisierungen verlangt, denn dieser hat – je nach Vertragsvereinbarungen – das Recht, die Wohnung im vermieteten Zustand zurückzuverlangen. Oft haben die Vermieter aber selbst ein Interesse daran ihre Wohnung barrierefrei auszurichten und haben im Vorfeld der Baumaßnahmen meist auch ein gestalterisches Mitspracherecht. Berechtigten Widerspruch gegen die Renovierungen kann der Vermieter einlegen, wenn er Bedenken hat, dass die baulichen Abänderungen den Wert des Hauses beeinträchtigen oder den Sicherheitsbestimmungen zuwiderlaufen.

Über-, Auf- und Zugänge gestalten

Türsysteme und Türschwellenlösungen

Je nach Öffnungsart sollte vor und hinter den Türen jeweils eine Bewegungsfläche von 1,50 Metern eingeplant werden. Zudem sollte die lichte Höhe der Türen 2,10 Meter betragen und die Breite einzelner Türflügel sollte maximal bei circa einem Meter liegen. Mit diesen Maßen sind auch Raumspartüren auszurichten, die als besonders barrierefreie Türsysteme gelten.

Vor allem, wenn die Bewohner auf einen Rollstuhl, einen Rollator oder andere Gehhilfen angewiesen sind, ist für den Einbau der Türen zusätzlich auf Erhöhungen oder Vorsprünge im Türschwellenbereich zu verzichten. Ersetzt werden können die Türschwellen durch magnetische Dichtungen, die ebene Durchgänge ermöglichen.

Treppen sicher gestalten – Mögliche Erweiterung mit einem Treppenlift

Falls Treppen in Haus oder Wohnung vorhanden sind, können diese auch mithilfe eines Treppenlifts bewältigt werden, mit dem selbst nach fertiger Hausplanung noch nachträglich nachgerüstet werden kann. Geachtet werden muss bei der Planung neben der Treppenbreite auf die Form der Treppe.

Spezielle Bodenbeläge für bessere Bodenhaftung

Nicht nur Stufen oder Türschwellen können bei der Durchfahrt der Wohnung zu Einschränkungen führen, sondern zudem die Bodenbeläge. Bodenbeläge, die sich für das Befahren mit dem Rollstuhl eignen, sind meist mit dem Adjektiv „stuhlrollengeeignet“ gekennzeichnet. Bei Teppichböden sollte zudem darauf geachtet werden, dass diese festverklebend sind, einen niedrigen Floranteil besitzen und Material sowie Kleber antistatisch sind.

Folgende Punkte sind bei jedem Bodenbelag zu beachten – vor allem, wenn dieser mit dem Rollstuhl befahren wird:

Hinweis: Oft kann im Fachgeschäft ein „Testboden“ befahren werden, so können Rollstuhlfahrer das Fahrverhalten auf dem Boden leichter einschätzen.

Helfer im häuslichen Alltag – Technische und nichttechnische Gerätschaften

Neben der Begehbar- und Zugänglichkeitsmachung einzelner Räumlichkeiten, können die technische sowie die Ausstattung des hauseigenen Inventars barrierefrei gestaltet werden. Die zentrale Steuerung der Haushaltstechnik und die Nutzung von „intelligenten“ Küchenhelfern, kann beim Haushalten durchaus Erleichterung verschaffen.

Intelligente Haustechnik

Ambient Assisted Living – Moderne Technik für barrierefreies Wohnen

Die sogenannte Mensch-Technik-Interaktion gehört immer mehr zum Alltag dazu. So sorgt diese auch im eigenen Wohnumfeld für Erleichterung und unterstützt die Barrierefreiheit im Haushalt. Das barrierefreie Wohnen gehört zum Konzept Ambient Assited Living (AAL), worunter technische Assistenzsysteme fallen, die ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen und dieses unterstützen. Die Systeme zählen zum intelligenten Zuhause – Smart Home –, passen sich den Bedürfnissen des Benutzers situationsbedingt an und können so vor allem älteren Menschen und Menschen mit einem körperlichen Handicap im Alltag behilflich sein und für Sicherheit sorgen. Zu den intelligenten Systemen, die eine barrierefreie Nutzung der Haustechnik ermöglichen, gehören unter anderem Herdwächter, die den Herd automatisch abschalten, wenn dieser vergessen wurde selbstständig abzuschalten, eine Zugangskontrolle, die Menschen mit einem schlechten Gehör über ein optisches Signal Bescheid gibt, wenn die Klingel gedrückt wurde oder ein Schalter mit abtastbaren Symbolen. Welche weiteren Systeme sich zur Installation für einen barrierefreien Haushalt anbieten, beschreibt dieser Ratgeber, der genauer auf die Funktionsweise und die Möglichkeiten intelligenter Elektroinstallationen eingeht. Die Techniken des AAL erlauben dem Nutzer zudem eine zentrale Steuerung der Haushaltsgeräte über einen Touchscreen oder eine Fernbedienung, dies ist auf verschiedene Arten – z.B. über eine Funktechnik –realisierbar, die sowohl beim Neubau als auch bei der Renovierung des Altbaus angewendet werden können.

Integrierte und mobile Notrufsysteme

Auch technische Hausnotrufsysteme können im Haushalt installiert werden. Diese bestehen aus einer Basisstation, welche mit dem Telefon verbunden wird, und einem Funksender (z.B. ein Funkarmband). In die Basisstation wird die Notrufnummer eingegeben und im Falle einer Notsituation, z.B. bei einem Sturz, kann der Nutzer den Notruf mit einem Fingerdruck auf das Armband auslösen und es wird eine Sprachverbindung hergestellt. Die Kosten für das System variieren je nach Anbieter – meist sind eine einmalige Anschlussgebühr (zwischen 10 bis 30 Euro) sowie ein monatlicher Festbetrag (zwischen 20 bis 40 Euro) zu entrichten. Die Krankenkasse beteiligt sich häufig, wenn eine Pflegestufe besteht oder durch das Notrufsystem zum Beispiel der Aufenthalt in einem Krankenhaus oder Pflegeheim nicht notwendig ist. Zudem sind die Kosten nach diesem Urteil sogar teilweise steuerlich absetzbar.

Erleichterte Computerbedienung

Senioren an einem Tablet (Bild: 6: © Jenny Sturm – fotolia.com (#43098731))
Zur besseren Lesbarkeit können bei Tablet und Co. unter anderem Farbdarstellung, Schriftart und Schriftgröße eingestellt werden. (Bild: 6: © Jenny Sturm – fotolia.com (#43098731))

Der Computer, der mittlerweile nicht mehr nur als wenig mobiles Computersystem – bestehend aus Tower und Bildschirm – daherkommt, sondern auch in kompakter Laptop- oder Tablet-Form, gehört im Berufs-, aber auch im privaten Alltag dazu. Die Bedienbarkeit und die Nutzung des Computers sind durch einige technische Entwicklungen barrierefrei geworden. So können die Schriftgröße sowie die Farbwiedergabe auf dem Bildschirm verändert werden und für eine bessere Lesbarkeit sorgen. Aber auch eine intelligente Sprachsteuerung und Sprachwiedergabe ermöglichen es Menschen mit einer Sehschwäche, sich Texte „vom Computer“ vorlesen zu lassen. Weiterhin können spezielle E-Ink Bildschirme das Lesen angenehmer gestalten, denn die Darstellung gleicht der auf einem Blatt Papier. Neben der „barrierefreien“ Wiedergabe von Computerdateien und Internetseiten, wird auch die Steuerung der Computersysteme durch spezielle Bedienfunktionen barrierefrei und somit leichter nutzbar gemacht. Diverse Bedienvariationen gibt vor allem der Touchscreen: Bei der Auswahl eines bestimmten Menüpunkts, wird diese unter anderem durch Signale, wie Vibration oder Tastentöne, bestätigt und zur Vergrößerung der Bildschirmdarstellung müssen nicht unbedingt die Finger auseinandergezogen werden, sondern es reicht ein Drücker auf eine Taste oder den Bildschirm.

Barrierefrei Kochen und Grillen

Küchenhelfer zur Entlastung

Aber nicht nur die Haushalts- oder Informationselektronik, sondern auch die Ausstattung der Haushaltsgeräte, kann für eine barrierefreie Nutzung sorgen. So gibt es sprechende Küchenwaagen und Messbecher, die bei einer bestimmten Befüllung Rückmeldung geben. Aber auch Füllstandanzeiger, die an Tasse oder Glas befestigt werden können, senden bei voller Befüllung Vibrationen oder ein akustisches Signal, so dass Kaffee oder Cola nicht überlaufen. Die Füllhöhe kann individuell festgelegt werden.

Unkompliziertes und ungefährliches Grillvergnügen

Auch das Kochen und Zubereiten der Speisen, was besonders in der schöneren Jahreszeit ins Freie und auf den Grill verlegt wird, kann barrierefrei ablaufen. Um sich nicht zu verbrennen, sollte auf Grillbesteck gesetzt werden, das es mit langen Stielen und ergonomisch geformten Griffen gibt. Weiterhin eignen sich Grills, die flexibel umfahren werden könne – wie freistehende Grillsysteme. Zudem sind Grills, die dem Rollstuhlfahrer bis zum Knie reichen zu empfehlen, denn dabei ist im Gegensatz zum Tischgrill die Gefahr nicht allzu groß, dass unangenehme Funken oder Fett mit der Haut in Kontakt kommen.

Hauseinrichtung: Vom Kleiderschrank bis hin zur Dusche

Wieder im Haus angekommen, kann barrierefreies Mobiliar für Erleichterung sorgen. Besonders im Badezimmer besteht Rutschgefahr und deshalb sollten die sanitären Anlagen einen barrierefreien Zugang ermöglichen.

Das barrierefreie Schlafzimmer

Im Schlafzimmer sollte darauf geachtet werden, dass der Boden rutschfest ist und der Belag „stuhlrollengeeignet“ ist. Weitere Stolperfallen können Läufer oder Stufen darstellen, die beispielsweise durch Rampen ersetzt bzw. mit diesen bedeckt werden können. Zudem sollten die Lichtverhältnisse immer ausreichend und möglichst hell gestaltet sein und sich der Lichtschalter und ein benötigtes Notrufsystem in der Nähe des Bettes befinden.

Erleichterte Bedienung des Kleiderschranks:

  • Begehbare/Befahrbare Kleiderschränke,die ausreichend Bewegungsfreiheit lassen.
  • Anpassung der Stangenhöhe.
  • Nachrüstung mit ausklappbarenKleiderstangen.
  • Als Hilfsmittel kann eine spezielleGreifzange dienen, mit der auch die Kleidung auf den oberen Stangenerreichbar ist.

Den nächtlichen Einstieg in das Bett erleichtern nicht nur gute Sichtverhältnisse, sondern auch Bettsysteme, die sich in ihrer Höhe verstellen lassen und durch seitliche Vorrichtungen ein Herausrutschen vermeiden. Um bequem zu liegen, sollte der Härtegrad der Matratze auf die Körpergröße und das Körpergewicht angepasst werden. Auf der passenden Matratze bildet die Wirbelsäule in der Seitenlage eine Waagerechte und in Rückenlage darf diese kein Hohlkreuz bilden. Zudem können sogenannte Encasings („Bezugshüllen“), die es für Matratze, Decken- und Kopfkissenbezüge gibt, bei Allergikern für einen ruhigeren Schlaf sorgen.

Das barrierefreie Bad

Rasur Rollstuhlfahrer (Bild: © beermedia.de – fotolia.com (#53055501))
Für eine entspannte Morgentoilette, sollte der Waschtisch unterfahrbar, Armaturen leicht erreichbar und an Toilette und Dusche Halterungen vorhanden sein. (Bild: © beermedia.de – fotolia.com (#53055501))

Ebenerdige XXL-Dusche, unterfahrbare Waschtische oder eine Badewanne mit einer „Tür“ für den barrierefreien Einstieg: Auch im Badezimmer gibt es Möglichkeiten, Armaturen und Inventar barrierefrei zu gestalten. Bodenfliesen sollten kleinformatig sein und einen relativ hohen Fugenanteil besitzen, dadurch wird die Rutschgefahr gering gehalten. Zur besseren Orientierung sollten sich die Fliesen auf dem Boden farblich – z.B durch eine Kontrastfarbe – von den Wandfliesen abheben – dies kann vor allem hilfreich sein, wenn der Badbesitzer eine Sehschwäche besitzt. Zusätzlich können auf dem Boden und besonders in der Nähe von Dusche oder Badewanne rutschfeste Matten aus Gummi ausgelegt werden. Wichtig sind im Bad nach diesem Artikel auch verschiedene Haltegriffe, die für zusätzliche Sicherheit sorgen und eine barrierefreie sowie selbstständige Nutzung der sanitären Anlagen gewährleisten.

Menschliche und tierische Fürsorger

Neben der vielen Möglichkeiten, die der Einrichtungs- und Technikmarkt bereits bietet, sind zwei helfende Hände oder vier flinke Beine und eine gute Spürnase nicht zu unterschätzen. Denn Menschen mit Handicap können bei Erledigungen, die nur schwer alleine zu realisieren sind oder für Unsicherheit sorgen, in ihrem Haushalt auch auf die Unterstützung von zwei- und Vierbeinern setzen.

Persönliche Wegbegleiter im Haushalt

Zusammenarbeit zwischen gehandicapter Person und persönlichem Unterstützer

Ob der Gang zur Toilette oder das Zubereiten der täglichen Mahlzeiten. Dabei können Menschen, je nach Schweregrad und Art einer Behinderung, an ihre Grenzen stoßen. Unterstützung geben persönliche Assistenten, um deren Suche sich die gehandicapte Person zunächst einmal eigenständig kümmern muss. Der Einsatz und die Planung der Aufgaben, bei denen der Helfer unterstützen soll, sind eigenständig zu planen genau wie die Finanzierung. Eine persönliche Assistenz ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben mit Integration in die Gesellschaft und jegliche Mittel, die für die persönliche Assistenz verbraucht werden, werden als Arbeitnehmerkosten eingesetzt (z.B. als Lohn oder an Sozialträger gezahlt).

Ausbildung und Finanzierung der Assistenz

Menschen mit einem Handicap haben seit 2008 im Rahmen des „trägerübergreifenden Persönlichen Budgets“ die Möglichkeit, Assistenten, die sie bei täglichen Aufgaben – Einkäufe oder Haushaltsführung – unterstützen oder sogar pflegen, finanzieren zu lassen. Das persönliche Budget, welches zur Finanzierung einer notwendigen Assistenzführung genutzt werden kann, muss zunächst beantragt werden. Dies kann unter anderem bei nachfolgenden Stellen erfolgen:

  • Kranken- und Pflegekasse
  • Rentenversicherung
  • Sozialhilfeträger
  • Bundesagentur für Arbeit

Der Antrag kann von jedem Menschen mit einer Behinderung gestellt werden sowie von Elternteilen behinderter Kinder, die das Geld zum Beispiel zur Finanzierung einer Schul- oder Ferienbetreuung benötigen. Weitere Informationen zur Beantragung, zu den finanzierbaren Leistungen und für wen sich das Budget lohnt sind in diesem PDF-Dokument nachzulesen, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales zusammengestellt wurde. Mit den zuständigen Finanzierungsstellen steht der Beantragende in regelmäßigem Kontakt und neben der selbstständigen Finanzierungsregelung, obliegt auch die Anleitung der Assistenz dem Antragssteller.

Unterstützer auf vier Beinen

Mobilitätsassistenzhunde und ihre hilfreichen Kollegen

Assistenzhunde sind zunächst einmal nicht mit Therapiehunden zu verwechseln, die unter anderem bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen und von medizinischem Personal eingesetzt werden. Assistierende Vierbeiner sind jeweils für einen einzigen Menschen zuständig, der aufgrund einer Behinderung Unterstützung benötigt. Assistenzhunde sind auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Erkrankungen spezialisiert: Es gibt Schlaganfall- oder Diabetikerwarnhunde, Allergieanzeigehunde, Demenz-Assistenzhunde sowie Mobilitätsassistenzhunde. Letztere helfen dem Menschen mit einer Gehbehinderung zum Beispiel beim Laufen im Alltag. Die Hunde tragen ein Mobilitätsgeschirr, an dem sich der Mensch festhalten und stützen kann.

Ausbildung und Finanzierung des Hundes

Die Ausbildung des treuen Assistenten auf vier Beinen dauert in der Regel circa zwei Jahre. Die Schulung des Hundes kann entweder selbst unter fachmännischer Anleitung oder ausschließlich durch externe Anleiter stattfinden, so dass der Halter erst am Ende der Ausbildung im Umgang mit dem Hund geschult wird. Möchte der Hundehalter von vorne herein Anteil nehmen, passiert das Training in Einzelkursen und allgemeinen Therapiekursen.

Fazit

Barrierefreiheit im Haushalt ist mittlerweile durch verschiedene Hilfsmittel und Wohnkonzepte im Neubau, aber auch im Rahmen einer Sanierung realisierbar. Neben kleinen Küchenhelfer, großzügiger Raumgestaltung und speziellen Bodenbelägen, können eine intelligente Haussteuerung sowie menschliche und tierische Unterstützer für Barrierefreiheit sorgen.

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!