Wasserbetten als Therapiehilfe für behinderte Menschen

Ein Wasserbett in Schlafzimmer (Bild: wikimedia)
Wasserbetten können individuell eingestellt werden und bietet viele weitere Vorteile (Bild: wikimedia)

Nicht zuletzt durch das allgemeine Älterwerden der deutschen Gesellschaft wird die Pflege und Förderung von beeinträchtigten Menschen mehr und mehr zu einem zentralen Thema auf Regierungsebene.

Dies zeigt nicht zuletzt der erhebliche Anteil an behinderten Menschen in Deutschland. Neben der sozialen Integration spielt die Verbesserung der gesundheitlichen Lebensumstände eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund setzen sich Mediziner und Wissenschaftler für neue Therapieformen ein. Eine neuere Variante, die erst im geringen Maß Umsetzung erfährt, ist die physiotherapeutische Arbeit mit Wasserbetten.

Das Wasserbett aus therapeutischer Sicht

Eine relativ neuartige Therapieform stellt die Arbeit mit dem Wasserbett dar. Hierbei lässt sich nicht nur eine einzige Art und Weise der Umsetzung finden, sondern verschiedene auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Methoden. Das Wasserbett besitzt aufgrund unterschiedlicher Eigenschaften zahlreiche therapeutische Vorteile, so dass eine Therapie mit Hilfe eines Wasserbettes unterschiedliche Ziele verfolgen kann, wie beispielsweise Muskelaufbau oder Entspannung. Im Folgenden soll das Wasserbett und seine Unterschiede zu herkömmlichen Bettensystemen erläutert und die Vorteile aus therapeutischer Sicht näher betrachtet werden.

Unterschiede zu anderen Bettsystemen

Grundsätzlich stellt das Wasserbett an sich im Gegensatz zu anderen herkömmlichen Betten ein komplett anderes System mit Blick auf den Aufbau und die Funktionsweise dar. Der wohl zentralste Unterschied liegt im Vorhandensein eines Wasserkerns, der sich in einem Schaumstoffrahmen befindet. Allgemein bestehen andere Bettsysteme, sei es das Boxspringbett, das Rahmenbett oder Hochbett, größtenteils aus einem Bettrahmen, einem Lattenrost und einer oder mehreren Matratzen. Weitere allgemeine Unterschiede werden folglich übersichtlich zusammengefasst:

Wasserbettsystem Herkömmliche Bettensysteme
Komfort regulierbar über Matratzenarten, Wasserfüllmenge, Temperatur Komfort regulierbar über verwendetes Lattenrost oder Matratzenart
Wärmeregulierung des Wasserkerns Keine Wärmeregulierung möglich
Härtegrad flexibel und abhängig von der Wasserfüllmenge Härtegrad unflexibel, abhängig von verwendeter Matratze
Meist teurer in der Anschaffung Erhältlich in sämtlichen Preiskategorien
Notwendigkeit eines Profis zur Befüllung und Wartung des Wasserbettes Keinerlei Wartungsarbeiten notwendig
Pflege im kleinen Umfang notwendig Pflegeaspekt vernachlässigbar
Gilt im allgemeinen als sehr langlebiges System bei optimaler Pflege Langlebigkeit stark von Qualität abhängig

Vorteilbringende Faktoren für die Gesundheit

Die allgemeinen Unterschiede zwischen Wasser- und herkömmlichen Betten lassen bereits erahnen, welche therapeutischen Vorteile sich aus dem Wasserbettensystem ergeben können. Im Vorfeld ist allerdings zu betrachten, welche Ziele bei unterschiedlichen Physiotherapien allgemein verfolgt werden. Zu den wichtigsten Therapiezielen in der modernen Physiotherapie zählen:

  • Schmerzlinderung
  • Entspannung
  • Muskelaufbau
  • Beweglichkeit
  • ggf. Ausdauer
  • Motorische Verbesserung der Beweglichkeit
  • Ganzheitliche Steigerung des Wohlbefindens

Um diese therapeutischen Ziele bei behinderten Menschen erreichen zu können, sind Therapeuten nicht zuletzt auf Hilfsmittel angewiesen, die die Zielerreichung erleichtern oder gar erst möglich machen. Das Wasserbett eignet sich vor allem durch seine Vielfältigkeit in der Anwendung. Dies beruht wiederum auf unterschiedlichen Vorteilen, die das Bettsystem grundlegend mit sich bringt.

Wärmeregulierung

Das Wasserbett verfügt über ein Heizsystem, welches es ermöglicht, den Wasserkern auf unterschiedliche Temperaturen zu bringen. Grundsätzlich wird für den privaten Gebrauch zwischen Uno- und Dualsystem unterschieden. Beim Uno-System besteht das gesamte Wasserbett aus einem Wasserkern, hingegen beim Dual-System sind es zwei Wasserkerne. Das Dual-System ermöglicht, beispielsweise bei einem Ehebett, die Einstellung unterschiedlicher Temperaturen sowie unterschiedlicher Härtegrade, was einen individuelleren und auf die persönlichen Vorlieben ausgerichteten Schlaf bedingen kann.
Aus therapeutischer Sicht lassen sich so wärmere Temperaturen einstellen, die helfen, unterschiedliche Schmerzbeschwerden zu lindern. Wärme fördert bekanntermaßen die Gefäßerweiterung, wodurch die Durchblutung angeregt wird, was wiederum bestimmte chronische Schmerzen lindern kann. Zudem wird durch eine erhöhte Temperatur der Stoffwechsel sowie das Immunsystem angeregt.

Beruhigungsstufen

Unter Beruhigungsstufen werden im Grunde die unterschiedlichen Nachschwingzeiten der Matratze bis zum Stillstand verstanden. Die Stärke der Beruhigung bemisst sich demnach danach, wie viele Sekunden ein Wasserbettnutzer die Wasserbewegungen in der Matratze spürt. Von ultra beruhigt bis hin zu unberuhigt unterscheiden sich die Beruhigungsstufen in mehreren Varianten. Weitere Informationen hierzu lassen sich bei vorhandenen Anbietern sowie Herstellern finden, die nicht selten verschiedene Möglichkeiten für den Privatgebrauch anbieten.

Auch wenn die verschiedenen Beruhigungsstufen grundsätzlich keine besonderen gesundheitlichen Vorteile mit sich bringen, gewährleisten sie im therapeutischen Arbeiten eine Verbesserung des Wohlbefindens der Patienten. Zudem wird im Besonderen bei Rückenleiden eine Beruhigungsstufe mit wenig Wellengang empfohlen. Ein wichtiges Therapieziel ist nicht zuletzt die Entspannung, die ohne optimales Equipment nicht möglich ist.

Füllmengenregulierung

Bei einem Wasserbett besteht die Möglichkeit, den Wasserkern mit unterschiedlicher Menge an Wasser zu befüllen. Daraus resultiert im Grunde der entsprechende Härtegrad der Matratze. Umso mehr Wasser im Wasserkern vorhanden ist, desto härter fühlt sich die Matratze an. Grundsätzlich sollte die Füllmenge so gewählt werden, dass der gesamte Körper auf dem Wasserbett eine gerade Linie ergibt. Zudem sollten keinerlei Druckstellen beim Liegen vorhanden sein.

Der jeweilige Therapeut findet dank der Füllmengenregulierung beim Wasserbett ein flexibleres System vor, was ihm erlaubt, noch gezielter auf die Bedürfnisse des Patienten einzugehen; nicht zuletzt, weil unterschiedliche Gewichtsklassen der Patienten beim individuellen Therapiekonzept mit einbezogen werden müssen. Damit wird nicht nur das Wohlbefinden gesteigert, sondern die Erreichung der therapeutischen Ziele optimiert.

Matratzenarten

Wie bereits erwähnt, kann grundsätzlich zwischen einer Uno- und einer Dualmatratze unterschieden werden, die entweder einen oder zwei Wasserkerne besitzt. Zusätzlich können weitere Materialien innerhalb oder auch zusätzlich den Komfort des jeweiligen Wasserbettes steigern. So gibt es unterschiedliche Folien, die in der Innenseite der Matratze zu finden sind und eine zusätzliche Stabilisierung fördern. Des Weiteren existieren auch Matratzen, die keinerlei Dämpfung innehaben. Diese sogenannten Free-Flow-Matratzen besitzen dementsprechend lange Nachschwingzeiten.

Diese grundsätzliche Flexibilität, in Form von stützenden bis welligen Matratzenarten, ermöglicht vielseitige Maßnahmen mit unterschiedlichen Methoden. So kann die Wellenentstehung zum Aufbau der Muskulatur verwandt werden. Eine sehr stützende Matratze ermöglicht einen optimalen Untergrund für die Durchführung von Massagen oder Sportübungen.

Therapieformen mit dem Wasserbett

Aus den Vorteilen der Eigenschaften handelsüblicher Wasserbetten lässt sich bereits erkennen, dass die Nutzung von solchen Systemen in der therapeutischen Arbeit mit behinderten Menschen durchaus berechtigt ist. Dennoch ist anzumerken, dass hier kaum handelsübliche Wasserbetten Verwendung finden. Im gesundheitsfördernden Bereich werden zum größten Teil optimierte Wasserbetten genutzt. Teilweise handelt es sich hierbei um eigens dafür entwickelte High-Tech-Produkte, die beispielsweise per Knopfdruck einen starken Wellengang erzeugen können. Auch die Temperatur lässt sich großzügiger regulieren, was Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius möglich macht. Im Folgenden sollen drei unterschiedliche Therapiearten mit dem Wasserbett näher erläutert werden, die zudem unterschiedliche Therapieziele verfolgen.

Wärmetherapie

Bei der allgemeinen Wärmetherapie wird auch von der physikalischen Therapie gesprochen. Hierbei werden durch Reizsetzungen am Körper natürliche Reaktionen ausgelöst, die vor allem Schmerzlinderung zum Ziel haben. Im Besonderen körperlich beeinträchtigte Menschen leiden nicht selten an chronischen Schmerzen, sei es Rheuma oder gar Phantomschmerzen nach einer Amputation. Wie bereits erläutert, erweitert Wärme die Gefäße im Körper, wodurch Reize und eine stärkere Durchblutung angeregt werden. Durch die Möglichkeit der Temperaturregulierung, kann diese Therapieform optimal mit Hilfe eines Wasserbettes durchgeführt werden. Allerdings liegt ein Nachteil darin, dass eine Wärmetherapie mit einem Wasserbett nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung unterstützt wird. Daher kommt der Patient selbst für die Kosten auf.

Funktionsweise

Im Grunde verfügt das Wasserbett über die Funktionsmöglichkeit, unterschiedliche Temperaturen annehmen zu können. Der Patient legt sich mit dem Rücken auf das Bett, wobei dieser eine entspannte Haltung einnimmt. Das beheizte Wasserbett wärmt den Körper und regt gleichzeitig die Durchblutung an. Dieser Effekt wird besonders im Wellness-Bereich beispielsweise mit zusätzlichen Fangopackungen verstärkt, um den Körper rundum zu erhitzen. Wie bereits angedeutet, eignet sich diese Form der Therapie besonders für körperlich beeinträchtigte Menschen, die zusätzlich mit chronischen Schmerzen zu kämpfen haben. So eignet es sich besonders für ältere Menschen, aber auch für jene, die durch einen Unfall beeinträchtigt sind.

Therapieziel

Folgende Ziele können mit der Therapie verfolgt werden:

  • Schmerzlinderung
  • Muskelentspannung
  • Anregung von Stoffwechsel und Immunsystem
  • Förderung der Durchblutung
  • Allgemeine Entspannung
  • Förderung des Wohlbefindens
Wasserbettmassagegerät (Bild: Bjoertvedt / wikimedia)
Wasserbettmassagegerät (Bild: Bjoertvedt / wikimedia)

Wasserbettmassage / Wasserbettstrahlmassage

Diese Therapieform wird in der Praxis in unterschiedlicher Art und Weise angewendet und ist abhängig vom vorliegenden Wasserbettsystem. So gibt es im Grunde zwei verschiedene Möglichkeiten: Zum einen die Nutzung eines Wasserbettes mit Massage durch einen Therapeuten oder aber die Verwendung eines speziellen Wasserbettensystems, welches beide Aspekte vereint. Ähnlich, wie auch bei der Wärmetherapie, eignet sich diese Therapieform wieder für Menschen mit körperlicher Behinderung, die durch erhebliche Bewegungseinschränkung eher zu chronischen Schmerzen und Verspannungen tendieren.

Funktionsweise

  1. Kombination Wärme- und Massagetherapie: Hier werden die Wirkungseigenschaften von Temperatur und Muskelstimulation bzw. -relaxion miteinander kombiniert. Der Patient liegt auf dem beheizten Bett und erhält gleichzeitig eine Massage durch einen Therapeuten.

  2. Druckstrahl-Massage: Hierfür gibt es mittlerweile spezielle Wasserbettsysteme, die neben einer Heizfunktion auch über Düsen verfügen, die eine Wasserstrahlmassage ermöglichen. Die Geräte verfügen zudem über verschiedene Programme, so dass individuelle Problemzonen behandelt werden können. Diese Methode findet mehr und mehr Anklang im Therapiebereich.

Therapieziel

Folgende Ziele können mit der Therapie verfolgt werden:

  • Schmerzlinderung
  • Muskelentspannung
  • Vorbeugung von Rückenleiden
  • Förderung der Durchblutung
  • Allgemeine Entspannung
  • Förderung des Wohlbefindens
  • Entstauung der Blutgefäße

Whaleness als Sporttherapie

Whaleness ist ein von Physiotherapeuten entwickeltes Trainingsprogramm, was mit Hilfe von speziellen Bettensystemen durchgeführt wird. Diese Betten verfügen über die Möglichkeit, starke Wellen zu erzeugen, die den Körper in starke Bewegungen versetzt. Auf diesem Bett können dann verschiedene Übungen unter Aufsicht von Experten umgesetzt werden. Das Wasserbett gibt dem Patienten ein schwereloses Gefühl, was zudem auch die Durchführung der Übungen erheblich erleichtert. Diese Therapieform ist schließlich auf für Kinder oder auch geistig beeinträchtigte Menschen geeignet, da eine spielerische Umsetzung möglich ist.

Funktionsweise

Im Grunde können unterschiedlichste Körperpartien mit dem Fitnessprogramm trainiert und entspannt werden. So können Spannungsübungen getätigt werden, indem einzelne Körperteile nach und nach unter Anspannung versetzt werden. Auch zum Muskelaufbau unterschiedlicher Körperbereiche können unterschiedliche Übungen angewandt werden, wie beispielsweise Situps mit mehreren Wiederholungen. Schließlich können auch Dehnungsübungen durchgeführt werden ohne, dass unangenehme Druckpunkte entstehen.

Therapieziel

Folgende Ziele können mit der Therapie verfolgt werden:

  • Muskelaufbau
  • Vorbeugung von Rückenleiden
  • Förderung der Durchblutung
  • Allgemeine Entspannung
  • Förderung des Wohlbefindens
  • Beweglichkeit
  • Verbesserung der motorischen Fähigkeiten
  • Verbesserung der Haltung
  • Verbesserung Koordinationsfähigkeit

Überblick: Welche Wasserbett-Therapie eignet sich für welche Beschwerden?

Insgesamt lassen sich zahlreiche positive Aspekte in Bezug zur Therapie mit Hilfe eines Wasserbettes für behinderte Menschen finden. Abzuwarten bleibt, inwieweit diese Form der gesundheitlichen Förderung Einzug im Gesundheitssystem sowie der Behindertenförderung finden wird. Sicher ist, dass die unterschiedlichen Arten der Wasserbett-Therapien vor allem Reizwirkungen im Körper auslösen, die neben Entspannung vor allem das Wohlbefinden der Patienten steigern.

Welche Wasserbett-Therapie sich letztlich für welche Beschwerden am besten eignet, ist individuell mit einem Physiotherapeuten zu klären. Alle Therapieformen zielen auf Entspannung, Wohlbefinden und auf eine verbesserte Durchblutung ab. Allgemein lassen sich trotzdem folgende Empfehlungen aussprechen:

Leiden Therapie
Rheuma / Arthrose Wärmetherapie
Eingeschränkte Bewegungsfreiheit Wärmetherapie, Whaleness
Chronische Schmerzen Wärmetherapie, Whaleness, Massagetherapie
Verspannungen Wärmetherapie, Massagetherapie

 

Bilder: wikimedia

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