Barrierefreies Wohnen durch Umbaumaßnahmen

Der Bauplan einer Wohnung berücksichtigt nicht die Barrierefreiheit (pixabay.com)
Wird die Barrierefreiheit nicht im Bauplan berücksichtigt, sind Umbaumaßnahmen erforderlich (pixabay.com)

Für Menschen mit einer körperlichen Behinderung oder älteren Menschen, denen das Gehen schwerfällt, sollte eine Wohnung barrierefrei sein. Nur dann kann gewährleistet werden, dass die Wohnung auch wirklich alltagstauglich ist. Mit den passenden Umbaumaßnahmen kann eine bereits vorhandene Wohnung an die Anforderungen der Barrierefreiheit angepasst werden.

Die Umwelt eines Menschen mit Behinderung ist laut dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) nach § 4 nur dann barrierefrei, wenn sie „in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar […] [ist]. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig“. Den Behindertengleichstellungsgesetzen der einzelnen Bundes- länder liegt im Übrigen dieselbe Definition von Barrierefreiheit zugrunde.

Dennoch bedeutet diese rechtliche Definition der Barrierefreiheit noch nicht, dass eine Person (z.B. ein Vermieter) die Barrierefreiheit auch gewährleisten muss. In diesem Fall sind die DIN-Normen zum barrierefreien Bauen (DIN 18040) von großer Bedeutung. Demnach müssen „in Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen […] die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein“. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass grundlegend zwischen „barrierefrei nutzbaren“ und „barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren“ Wohnungen unterschieden werden muss. Entsprechende Kennzeichnungen sollten in den Wohnungsbeschreibungen zu finden sein.

Barrieren in einer Wohnung erschweren den Alltag

Für gebrechliche Personen können schon die scheinbar kleinsten Hindernisse in einer Wohnung zu einer großen Herausforderung oder gar einer Gefahr im Alltag werden. So zählen zu den offensichtlichen Stolperfallen Türschwellen oder Stufen. Aber auch nicht ausreichend ausgeleuchtete Räume oder zu geringe Bewegungsflächen können zu einem Hindernis für ältere Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags werden.

Überdies muss eine Wohnung für körperlich behinderte Menschen zusätzlichen Anforderungen gerecht werden. So spielen u.a. breite Türdurchgänge, Treppenlifte oder Rampen eine entscheidende Rolle bei der Alltagstauglichkeit einer Wohnung für Menschen mit Handicap. Demnach ist eine Wohnung nur dann barrierefrei, wenn die gesamte Einrichtung an die besonderen Bedürfnisse der Bewohnerin bzw. des Bewohners angepasst wurde. Eine barrierefreie Wohnung soll schließlich dafür sorgen, den Alltag zu erleichtern. 

Ein Badezimmer mit einer barrierefreien Toilette und einem Waschbecken (pixabay.com)
Ein barrierefreies Badezimmer kann den Alltag erleichtern (pixabay.com)

Planung von Umbaumaßnahmen und Wohnraumanpassungen

Erfüllt eine Wohnung nicht die Kriterien der Barrierefreiheit und wird ein Umzug in eine andere, barrierefreie Wohnung aus bestimmten Gründen nicht in Betracht gezogen, können Umbaumaßnahmen oder Wohnraumanpassungen notwendig sein. Häufig handelt es sich hierbei um Umbauten in den eigenen vier Wänden, die die Mobilität erleichtern sollen. Folglich kann das barrierefreie Wohnen mit einem Treppenlift körperlich beeinträchtigten Menschen das Treppensteigen ersparen oder das Anpassen der Sanitäreinrichtungen das Duschen oder Baden vereinfachen.

Für Umbau- oder Anpassungsmaßnahmen sind diverse Einzelheiten zu berücksichtigen. Gemeint sind damit einzuhaltende Bauvorschriften, Kostenkalkulationen, Anträge für Zuschüsse und Fördermittel sowie die Rücksprache mit der Vermieterin oder dem Vermieter, falls es sich nicht um eine Eigentumswohnung handeln sollte. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. führt online eine Liste mit örtlichen Wohnungsberatungsstellen auf, bei denen sich eine Auskunft eingeholt werden kann. Außerdem stellt der Barrierefrei Leben e.V. ein Online-Beratungsangebot für die Wohnungsanpassung zur Verfügung.

Während bei Neubauten mittlerweile häufiger die DIN-Normen zum barrierefreien Raum berücksichtigt werden, stellt sich dies gerade bei Altbauten häufig als Schwachstelle heraus. Aufgrund von bau- strukturellen Defiziten kann eine vollständige Barrierefreiheit auch durch Umbaumaßnahmen nicht immer gewährleistet werden. Die Wohnberatungsstellen bieten in diesen Fällen ebenfalls allgemeine Informationen an. Weitere Details sollten mit dem Haus- oder Wohnungseigentümer geklärt werden, sofern es sich um ein gemietetes Wohnobjekt handelt.

Barrierefreier Wohnraum nur begrenzt verfügbar

Noch immer gibt es in Deutschland nicht genügend altersgerechte Wohnungen. So hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit in Untersuchungen festgestellt, dass „nur zwei Prozent des gesamten Wohnungsbestandes in Deutschland altersgerecht“ sind. Hinzu kommt, dass bis zum Jahr 2035 ein Anstieg der über 65-Jährigen auf 29,8 Prozent erwartet wird. Das könnte zu einer drastischen Verschärfung des Angebots an barrierefreiem Wohnraum führen. Deshalb ist es ratsam, sich frühzeitig über die Möglichkeiten des altersgerechten Wohnens zu informieren. Um sich aber gar nicht erst um die teils aufwendigen Umbaumaßnahmen kümmern zu müssen, eignet sich der direkte Einzug in eine Wohnung, die bereits barrierefrei ist. Um eine solche Wohnung zu finden, eignen sich unsere Suchtipps und die Suchmaske, mit der Sie einfach online nach einer geeigneten Wohnung suchen können.

Text: Valentin Wyremba 06/2017

Bilder: pixabay.com