Barrierefreiheit im Grünen

Parkbanken in einem Park (Foto: Günter Havlena/pixelio.de)
Richtige Sitzhöhe und Beschaffenheit zeichnen behindertenfreundliche Möbilierung in Außenanlagen aus (Foto: Günter Havlena/pixelio.de)

Bei öffentlichen Anlagen, städtischen Parks und Grünzonen verhält es sich ähnlich wie bei vielen Gebäuden: Sie sind für Menschen mit einer Behinderung häufig nicht oder nur erschwert nutzbar. Als Grund werden auch hier oft zu hohe Kosten für hindernisfreies Bauen genannt – zu Unrecht.

Sommerzeit ist Ferienzeit, Millionen Menschen verschieben sich aus der eigentlich meist sonnigen und heißen Heimat in noch heißere Gefilde und frönen dort dem „dolce far niente“. Dieses Privileg haben jedoch nicht alle Menschen.

Gerade Personen mit einer Behinderung sind aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen oftmals nicht in der Lage, in die Fremde zu reisen. Und auch wenn der barrierefreie Tourismus stetig an Bedeutung gewinnt, sind sehr viele Tourismusdestinationen noch nicht darauf eingerichtet.

Alternativen zu Ferienreisen – aber bitte barrierefrei

Viele Menschen mit Behinderung haben also nicht die Möglichkeit, dem Alltag oder der Hitze des Alltags zu entgehen. Sie müssen sich für die heiße Sommerzeit Alternativen suchen. Was würde da näher liegen, als beispielsweise im Schatten großer Bäume in einem öffentlichen Stadtpark etwas Abkühlung zu suchen?

Eine gute Idee – allerdings an vielen Orten wegen der mangelnden Barrierefreiheit nur schwer zu realisieren. Mal stellen sich Treppen als unüberwindbares Hindernis heraus, mal fehlt die behindertengerechte WC-Anlage, an einem anderen Ort sind die passenden Sitzgelegenheiten nicht gegeben.

Hindernisfreies Bauen ist nicht zu teuer

Auch beim barrierefreien Bau von Außenanlagen wird von Städten und Gemeinden gerne das Argument der klammen Kassen und der angeblich hohen Kosten des hindernisfreien Bauens angeführt. Nun, der schlechten finanziellen Lage von Städten und Kommunen sind wenige überzeugende Argumente gegenüberzustellen. Hingegen ist durch Studien längst widerlegt, dass das hindernisfreie Bauen zu teuer ist.

Eine Schweizer Studie des Nationalfonds weist nach, dass hindernisfreies Bauen im Durchschnitt bei Umbauten 3,5, bei Neubauten sogar bloss 1,8 Prozent Mehrkosten verursacht. Weiter gilt es zu beachten, dass hindernisfreies Bauen und entsprechend bessere Zugänglichkeit auch Menschen ohne eine Behinderung zu Gute kommt, man denke dabei nur an Senioren oder an Familien mit Kinderwagen.

Schild, das Rollstuhlzugänglichkeit ausweist
Barrierefreiheit bei Besuch von städtischen Parks – es bleibt viel zu tun (Egon Häbich/pixelio.de)

Vom Parkplatz bis zur Sitzbank

Was gibt es also zu beachten? Eigentlich beginnt es bereits außerhalb des Parks - denn, wenn Parkplätze zur Verfügung stehen, müssen auch barrierefreie Parkmöglichkeiten angeboten werden. Sowohl der Zugang zum Parkeingang wie auch die Wege in den Außenanlagen sind idealerweise aus Pflasterbelag oder aus Plattenbelägen gefertigt.

Als Sicherheitsanforderungen sind eine gute Begeh- und Befahrbarkeit, Erschütterungsfreiheit, eine gute taktile Wahrnehmung, geringe Fugenabstände, ausreichende Farbkontraste, Rutschfestigkeit, Griffigkeit und ein guter Wasserablauf zu beachten. Blindenleitplatten oder –streifen erleichtern Menschen mit einer Sehbehinderung den Besuch.

Rampen ermöglichen Rollstuhlfahrern die Zufahrt zu Objekten, die sonst nur über eine Treppe erreichbar sind. Bei Treppen sollten die Stufen mit einer trittsicheren, dauerhaften Markierung markiert werden.

Von großer Bedeutung sind ebenso die Möblierungssysteme, schließlich will man in einem Park auch entspannt verweilen können. Maßgeblich für die Ergonomie der Sitzmöglichkeiten ist eine optimale Sitzhöhe, die nicht nur Menschen mit einer Behinderung, sondern auch älteren Menschen ein leichtes Hinsetzen und Aufstehen ermöglicht. Zudem ist eine nicht zu raue Sitzfläche zu wählen, die ein leichtes Überwechseln aus einem Rollstuhl auf die Parkbank und zurück ermöglicht. Sitzplatzmöglichkeiten sollten sich im Abstand von rund 100 m finden lassen.

DIN-Norm setzt die Standards

Das barrierefreie Bauen nimmt immer mehr an Gewicht zu und führte 1995 unter anderem zur DIN-Norm 18024-1. Sie gilt für Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrsanlagen und öffentliche Grünanlagen sowie deren Zugänge. Nutzer müssen in die Lage versetzt werden, von fremder Hilfe weitgehend unabhängig zu sein. Dies gilt für Rollstuhlbenutzer, blinde und sehbehinderte Menschen, für gehörlose und hörgeschädigte Menschen und für Menschen mit sonstigen Behinderungen, jedoch auch für ältere Menschen, Kinder sowie Klein- und Großwüchsige.

Die DIN 18024 und DIN 18025 sind in einigen Bundesländern Bestandteil der dort geltenden Landesbauordnungen. Die Anwendung wird in den Technischen Baubestimmungen geregelt. DIN-Normen bilden einen Maßstab für einwandfreies technisches Verhalten und sind im Rahmen der Rechtsordnung von Bedeutung.

DIN-Normen stehen jedermann zur Anwendung frei. Das heißt, man kann sie anwenden, muss es aber nicht. DIN-Normen werden erst verbindlich durch Bezugnahme, z. B. in einem Vertrag zwischen privaten Parteien oder in Gesetzen und Verordnungen.

Barrierefreiheit an der NRW-Landesgartenschau

Eine Außenanlage mit ganz eigenen Ausmaßen ist die 15. NRW-Landesgartenschau in Hemer, die sich bis zum 24. Oktober 2010 als ideales Ausflugsziel für Daheimgebliebene präsentiert. Über 420.000 Besucherinnen und Besucher haben der Landesgartenschau bereits ihren Besuch abgestattet, darunter auch viele Menschen mit einer Behinderung.

Dabei sahen sich die Veranstalter betreffend Barrierefreiheit wegen der einzigartigen Topografie vor große Herausforderungen gestellt. „Wir haben lange und intensiv überlegt, wie wir eine barrierefreie Landesgartenschau entwickeln. Wir mussten aber zu dem Schluss kommen, dass eine hundertprozentige Barrierefreiheit bei einer Landesgartenschau im Sauerland schlichtweg nicht realisierbar ist“, erklärt dazu Peter Friedrich, ehemaliger Geschäftsführer der Landesgartenschau in Hemer.

Dennoch wollte man sich der Besuchergruppe nicht verschließen. „Ganz im Gegenteil“, so Friedrich. Man habe Menschen mit individuellen Beeinträchtigungen von Beginn weg als eminent wichtige Zielgruppe betrachtet, die sich in der Landesgartenschau wohlfühlen soll: „Dafür haben wir alles getan.“ Und so präsentiert sich die Veranstaltung in Hemer nun so behindertenfreundlich, wie es geht.

Sie bietet neben einem individuellen Assistenzservice barrierefreie Eingänge, einen barrierefreien EC-Geldautomaten, behindertengerechte Zuwegungen zu Spielbereichen, spezielle Führungen, behindertengerechte WC-Anlagen, ausgewiesene Behindertenparkplätze und eine kostenlose Ausleihe von Hilfsmitteln.

Als Highlights ermöglicht die LGS eine behindertenfreundliche Zuwegung auf den Jüberg, der einen einzigartigen Ausblick auf das Sauerland bietet, die Nutzung des „Park der Sinne“, einen behindertengerechten Weg, eine Brücke und eine Plattform durch das Felsenmeer oder eine behindertengerechte Multifunktionshalle. An der LGS lässt sich also auch für Menschen mit einer Behinderung eine ganz spezielle „Außenanlage“ erleben und entdecken.


Text: PG – 07/2010

Fotos: pixelio.de, Egon Häbich

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