Tipps & Ratschläge für Reisen mit Rollstuhl

Urlaub im Rollstuhl – Quelle: pixabay.com – Nutzer: LonelyTaws

Reisen und die Welt erkunden, das gehört zu den liebsten Hobbys vieler Menschen. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, sollte bereits bei der Planung einige Tipps berücksichtigen. 

Rollstuhlfahrer und andere Personen mit Mobilitätseinschränkungen können dank eines besseren Verständnisses der Gesellschaft und dem zuletzt 2002 aktualisierten Behindertengleichstellungsgesetz inzwischen deutlich einfacher an alltäglichen Aktivitäten teilnehmen. Besonders die Reiseplanung stellt viele Betroffene und ihre Angehörigen allerdings noch immer vor Probleme, weil die Anreisebedingungen, die Unterbringen am Zielort sowie die dort vorhandenen Verkehrsmittel und weitere Faktoren berücksichtigt werden müssen. Wir haben deshalb die wichtigsten Tipps und Ratschläge für die Urlaubsplanung mit Rollstuhl zusammengestellt.

1. Vorüberlegungen: Reiseart, Reiseziel und Budget

Bevor die eigentliche Reiseplanung beginnen kann, muss entschieden werden, welche Art von Urlaub gewünscht ist. Dabei sind auch Rollstuhlfahrer nicht mehr auf den klassischen Strandurlauben und Städtetrips beschränkt, weil auf barrierefreies Reisen spezialisierte Unternehmen inzwischen auch passende Wander- und sogar Bergtouren anbieten.

Neben den individuellen Wünschen sollte hierbei natürlich stets das Budget im Auge behalten werden. Leider sind Reisen mit Rollstuhl in der Regel noch deutlich teurer, was daran liegt Vergünstigungen für Behinderte im Ausland oft nicht angeboten werden und weil die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern wie zum Beispiel aus größerer Mietwagen vor Ort die Kosten in die Höhe treiben können. Nach der Aufstellung der persönlichen Wunschkriterien kann dann mit der Suche der Unterkunft und der Anreisemöglichkeit begonnen werden.

2. Unterbringung: Hotel, Ferienhaus oder Ferienwohnung?

Das Angebot an rollstuhlgerechten Unterkünften im In- und Ausland ist zwar in den letzten Jahren deutlich gewachsen, die Suche nach einer passenden Unterbringung ist aber trotzdem nicht einfach. Das liegt vor allen daran, dass Vergleichsportale wie trivage.de und booking.com zwar inzwischen über entsprechende Filter verfügen, detaillierte Informationen wie die Türbreite und die Toilettenhöhe aber oft nicht angezeigt werden. Die beste Option zur Auswahl einer passenden Unterkunft ist deshalb das Adressverzeichnis von MyHandicap.de, in dem Hotels, Ferienhäuser und Ferienwohnungen mit Rollstuhleignung aufgeführt werden.

Sollte eine passende Unterkunft so nicht gefunden werden können, hilft oft nur der persönliche Kontakt zu möglicherweise passenden Anbietern. Einen ersten Eindruck zur Barrierefreiheit ermöglicht oft auch Google Streetview sowie Wheelmap.org, eine Karte speziell für Rollstuhlfahrer.

3. Anreise: Auto, Bahn oder Flugzeug?

Reiseziele, die nicht in weiter Ferne liegen, lassen sich am einfachsten per Auto erreichen, wenn ein ausreichend großer Wagen vorhanden ist. Weil langes Autofahrer von vielen Personen als stressig empfunden wird, ist eine Anreise per Bahn oder Flugzeug aber oft die bessere Option.

Grundsätzlich ist die Reise mit Rollstuhl bei nahezu allen Fluggesellschaften möglich. Aufgrund des höheren Platzbedarfs und der knappen Kontingente ist dafür aber zwingend eine rechtzeitige Voranmeldung nötig. Mobilitätseingeschränkte Reisende erhalten zur Vermeidung langer Wartezeiten oft einen Priority-Check-in und eine schnellere Behandlung bei der Sicherheitskontrolle. Wenn die Anreise zum Flughafen mit dem eigenen Auto erfolgt, bieten einige Flughäfen spezielle Parkplätze für Personen mit eingeschränkter Mobilität. Ansonsten ist es besonders für Rollstuhlfahrer wichtig einen Parkplatz zu reservieren. Empfehlenswert ist zum Beispiel der Anbieter Parken Flughafen Hamburg. Am schnellsten findet man laut dem Santa Fe Institute übrigens eine freie Parkbucht in der Parkplatzmitte.

Auch die Anreise mit der Bahn braucht in der Regel eine Voranmeldung, bei der auch Sitzplätze für den Rollstuhlfahrer und eventuelle Begleiter reserviert werden. Außerdem helfen Bahnangestellte bei Bedarf mit einem Einstiegs-, Gepäck- oder Begleitservice. Dies ist besonders bei IC-, EC- und ICE-Verbindungen wichtig, weil die große Stufte meistens nur mit einem externen Hublifter überwunden werden kann.

4. Shuttleservice und Mobilität am Urlaubsort

Ein weiterer Punkt, der bei Rollstuhlfahren am Urlaubsort oft für Probleme sorgt, ist der dortige Transfer zum Hotel und die Mobilität vor Ort. Die meisten Hotels bieten zwar grundsätzlich einen Shuttleservice an, dass dabei eingesetzt Fahrzeug ist aber nicht immer rollstuhlgerecht. Es sollte deshalb bereits im Vorfeld geklärt werden, ob die Bestellung eines entsprechenden Taxis für die Fahrt vom Bahnhof oder Flughafen zur Unterbringung notwendig ist.

Leider ist auch die Mobilität am Urlaubsort für alleinreisende Rollstuhlfahrer oft eingeschränkt, weil entsprechend umgebaute Mietwagen praktisch nicht existieren. Rollstuhlfahrer, die über eine Begleitung verfügen, sollte sicherstellen, dass ein ausreichend großer Mietwagen bereits einige Wochen vor der Reise reserviert wird. An den meisten Urlaubsorten stehen ansonsten fast ausschließlich Kleinwagen zur Verfügung, in denen sich auch ein manueller, klappbarer Rollstuhl nur schwer unterbringen lässt.

5. Reisecheckliste für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen

 

Unabhängig von den obigen Punkten sollten bei einer Reise mit Rollstuhl außerdem folgende Punkte beachtet werden:

  • Personalausweis und gegebenenfalls Reisepasse auf Gültigkeit checken, falls nötig Visum frühzeitig beantragen
  • Auslandskrankenschein bei der Krankenkasse anfordern, Auslandskrankenversicherung abschließen
  • Bei exotischen Reisezielen nötige Impfungen erledigen, Informationen findet man beim Auswärtige Amt
  • Diagnosen zusammenstellen und in die Landessprache übersetzen lassen
  • Therapiezentren vor Ort suchen, falls dauerhafte Behandlungen nötig sind
  • Rollstuhl und andere Hilfsmittel überprüfen und gegebenenfalls auf Vollgummireifen umbauen
  • Reiseapotheke und weitere benötige Medikamente zusammenstellen, Betäubungsmittel aber nur mit ärztlicher Bescheinigung mitführen
  • FAA-Konformitätserklärung für Medizintechnik bei Flugreisen einholen
  • Flugtauglichkeitsbescheinigung (MEDIF) vom Arzt ausstellen lassen
  • Rollstuhlvermietung vor Ort recherchieren für möglicherweise benötigten Ersatz

6. Fazit

Reisen sind mit Rollstuhl wurden in den letzten Jahren zwar einfacher, benötigen aber noch immer eine sorgfältige Vorbereitung. Eine ausführliche Recherche ist daher unabdingbar, um ansonsten vor Ort kaum lösbare Probleme im Vorfeld zu vermeiden und den Urlaub so für alle Beteiligten zur verdienten „Oase der Entspannung“ zu machen.

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