Barrierefreier Tourismus mit großem Potenzial

Eine Frau im Rollstuhl auf einem Ausflugssteg am Meer. (Dickimatz/pixelio.de)
Für jeden Menschen ein Bedürfnis: Reisen, Erholung, Abschalten. Dies muss auch für alle Menschen mit Behinderung möglich sein. (Dickimatz/pixelio.de)

"Wenn einer eine Reise tut..." - dann sucht er Erholung, fremde Kulturen, Abenteuer oder Abwechslung zum Alltag. Das Reisefieber steigt Jahr für Jahr an, auch bei Menschen mit einer Behinderung. Die Zielgruppe mobilitätseingeschränkter Reisender wächst und gewinnt weltweit an Bedeutung.

Die Deutschen gelten nach wie vor als Reisevolk. Ob in der alle Jahre gebuchten Ferienwohnung an einem heimischen See, auf einer Kreuzfahrt durch die Ozeane oder, ganz spontan und individuell, mit dem Rucksack quer durch die Landstriche - der Deutsche urlaubt gern.

Dazu gehörten auch für Menschen mit Behinderung, die trotz ihrer Mobilitätseinschränkungen ihre Reiseträume verwirklichen konnten. Sie setzten ein berechtigtes Anliegen um: Behinderte oder mobilitätseingeschränkte Menschen wollen so eine Reise machen können, wie es alle anderen auch tun. Sie wollen nicht zu Hause bleiben. Nichtsdestotrotz ist es immer noch Millionen Menschen mit einer Behinderung nicht möglich zu verreisen.

Mangelnde Barrierefreiheit

Fehlende finanzielle Mittel sind dabei nur ein Grund, vielfach sind es aber schlicht unzureichende Einrichtungen und mangelnde Barrierefreiheit, die Menschen mit Behinderung das Reisen verunmöglichen. Dabei muss sich die Tourismus-Branche ja bewusst sein, dass sich die Touristenströme nicht nur in die Länder bewegen, die bedeutende Attraktionen, sondern auch Dienstleistungen und Infrastrukturen zu bieten haben, die die Touristen zufrieden stellen.

Barrierefreie Reisen sind kein Nischenmarkt

Und bei den mobilitätseingeschränkten Menschen handelt es sich für die Tourismus-Industrie keineswegs um einen Nischenmarkt. Allein in Europa gibt es 80 Millionen behinderte Menschen.

"Weltweit wird die Zahl von Menschen mit Behinderung auf zwischen 600 Millionen und 900 Millionen Menschen geschätzt", erklärte Lilian Müller, Präsidentin des European Network for Accessible Tourism (ENAT), anlässlich der Präsentation des ITB World Travel Trends Report. Dieser wurde im Auftrag der ITB Berlin, der führenden Messe der weltweiten Reiseindustrie, von IPK International erstellt.

Menschen mit Behinderung auf Reisen: Ein Milliardengeschäft

Bei einer derzeitigen Weltbevölkerung von rund sieben Milliarden Menschen, benötigen bereits heute rund zehn Prozent "barrierefreie" oder "leicht zugängliche" Einrichtungen. Auch folgende Zahlen verdeutlichen das enorme Potenzial: Es wird geschätzt, dass in Deutschland Menschen mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität jährlich 2,5 Milliarden Euro auf Reisen ausgeben. In den USA beläuft sich die Zahl auf 13,6 Milliarden Dollar.

Und die Nachfrage wird steigen, denn angesichts der demografischen Entwicklung in vielen Ländern und durch die zunehmende Reisefreudigkeit der Senioren wird sich das Potenzial für die Reisebranche noch beträchtlich erhöhen. Barrierefreiheit gesamtheitlich betrachtet muss für die Tourismusbranche also bedeuten, Menschen mit Behinderung, immer mehr Senioren, aber auch Familien und Kindern einen angenehmen und stressfreien Urlaub garantieren zu können.