Work and Travel mit Behinderung

Work and Travel. Foto pixabay.com
Work and Travel. Foto pixabay.com

Ein Work and Travel-Aufenthalt im Ausland ist so schon sehr aufregend, besonders im Vorfeld mit vielen Ängsten verbunden und bedeutet einen enormen Organisationsaufwand. Für Menschen mit Behinderung vervielfachen sich all diese Aspekte nochmal und lassen es zunächst ziemlich unmöglich erscheinen, alleine für längere Zeit ins Ausland zu gehen und dort zu jobben und zu reisen.

Mit der entsprechenden Vorbereitung ist  aber auch das kein Problem und auch mit Behinderung kann ein Work and Travel-Aufenthalt umgesetzt werden. 

Ein entscheidender Faktor dabei ist natürlich die Art und die Schwere der Behinderung. Pauschale Aussagen darüber zu treffen, für wen es unter welchen Umständen passt ist nur schwer möglich, denn jeder muss für sich entscheiden, ob es auf Basis der vorliegenden Behinderung machbar ist, einen Auslandsaufenthalt umzusetzen. Für Menschen mit einer Gehbehinderung liegt zum Beispiel der Fall anders als für Menschen, die ab dem Hals abwärts gelähmt sind. Auch bei geistigen Behinderungen ist es ein individuelles Abwägen, was möglich und was nötig ist.

Für den Fall dass eine Person mit ihrer Behinderung gut umgehen kann und auch im Alltag zu Hause gut alleine klar kommt, ist ein Work and Travel-Aufenthalt im Alltag  grundsätzlich eine Option. Wieso sollte man nicht die Möglichkeit haben die Welt zu sehen und unvergessliche Erfahrungen zu sammeln, nur weil man körperlich eingeschränkt ist?

Das A und O bei einem Work and Travel-Aufenthalt mit Behinderung ist die richtige Vorbereitung. So ist es möglich alles an eine Agentur zu übergeben, die sich dann um alle Belange kümmert, dies ist aber teurer, als den Aufenthalt selber zu organisieren. Folgende Faktoren müssen Behinderte bei der Planung ihres Work and Travel-Aufenthaltes bedenken und müssen sich darüber im Klaren sein, dass für sie alles etwas aufwändiger ist als für Menschen ohne Behinderung:

1. Visum und Auslandskrankenversicherung

Das Visum zu erhalten ist für Menschen mit Behinderung mit dem gleichen Aufwand verbunden wie für Menschen ohne Behinderung. Die Auslandskrankenversicherung hingegen ist deutlich teurer, da die Anfälligkeit für Arztbesuche oder benötigte medizinische Versorgung höher ist als bei Menschen ohne Behinderung. Dennoch ist es kein Problem eine Versicherung abzuschließen und für einen Auslandsaufenthalt ist das in jedem Fall unerlässlich.

2. Die Jobs

Bei einem Work and Travel-Aufenthalt geht es neben dem Reisen auch um das Arbeiten im Ausland. Menschen mit Behinderung sind bei der Auswahl ihrer Tätigkeit eingeschränkt und können nicht all die Jobs annehmen, die Menschen ohne Behinderung ausüben. Für körperlich eingeschränkte Personen fallen daher meist Jobs wie Obst pflücken auf einer Farm oder Kellnern weg. Dennoch gibt es immer noch genügend Jobs, die ausgeübt werden können wie zum Beispiel Tätigkeiten, bei denen man überwiegend sitzt. Bürotätigkeiten oder  Rezeptionsjobs in Hotels sind daher während eines Work and Travel-Aufenthalts gut geeignet und sollten bevorzugt gesucht werden. Wichtig sind barrierefreie Zugänge und die Möglichkeit, sich trotz der körperlichen Behinderung am Arbeitsort gut und eigenständig bewegen zu können.

3. Die Unterkünfte

Oben im Etagenbett im Hostel-Schlafsaal zu schlafen ist zum Beispiel mit einem Rollstuhl nicht (oder nur sehr schwer) möglich. Barrierefreie Zugänge sind ebenso wichtig wie Platz für das ganze Equipment, weshalb ein rechtzeitiges Informieren und Reservieren von Unterkünften sinnvoll sein kann.

4. Das Reisen

Je nach Behinderung kann das Herumreisen mit dem Auto oder mit dem Bus angenehmer sein. Entscheidend ist auch hier sich rechtzeitig zu informieren wie man von A nach B kommt und dann die bestmögliche Option auszuwählen. Da das Reisen für Menschen mit Behinderung in der Regel anstrengender ist als für Menschen ohne Behinderung, empfiehlt sich ein langsames Reisen mit weniger Ortswechseln. Auf diese Weise lernt man einen Ort zudem viel intensiver kennen und hat die Möglichkeit, sich intensiv mit Land und Leuten auseinanderzusetzen.

Fazit:

Work and Travel mit Behinderung ist herausfordernd, aber möglich. Höhere Kosten für die Krankenversicherung, vielleicht auch für die Unterkünfte (Einzelzimmer bevorzugt) und auch für den Transport können auf den Work and Traveller zukommen, sollten aber kein Abschreckungsgrund sein. Wer es sich nicht zutraut alleine ins Ausland zu gehen, kann sich von einer Person begleiten lassen. Dies kann entweder ein Freund sein, die Eltern oder ein Pfleger, der mit Rat und Tat zur Seite steht. In vielen Ländern geht man mit einer Behinderung sehr offen um und hat weniger Berührungsängste als in Deutschland. Die Hilfsbereitschaft der Menschen sollte nicht unterschätzt werden und wer schon mal darüber nachgedacht hat ins Ausland zu gehen, sollte sich von den anfänglichen  Hürden nicht abschrecken lassen.

Auch ein Auslandsstudium ist als Mensch mit Behinderung möglich. Finanzierungsmöglichkeiten gibt es über Stipendien, die sowohl im Ausland als auch in Deutschland eingesetzt werden können. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel das Stipendienprogramm „Paradiesvogel gesucht“, bei dem ein Student eine Förderung über ein Jahr gewinnen kann, wenn er durch ein besonders ungewöhnliches Studienverhalten oder Leben auffällt. 2014 hat die Studentin Kathrin Lemler gewonnen, die mit ihrer körperlichen Behinderung studiert und regelmäßig mit dem Gleitschirm fliegt.

 

Gastbeitrag von Heike Lorenzo (mehr unter: http://www.work-and-travel.co/)