Eine für alle: Miss Handicap-Kandidatinnen 2011

Portraitbild von Aline Schwarzer und Anémone Sunier
Aline Schwarzer und Anémone Sunier möchten Miss Handicap 2011 werden! (Marco Samuel/MHC)

Im Herbst wird in Luzern wieder eine Miss Handicap gekürt. Zehn junge Frauen mit Behinderung wünschen sich, die Nachfolgerin von Jasmin Rechsteiner und Botschafterin für Menschen mit Behinderungen zu werden.

Gegen 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die Wahl der Miss Handicap 2010 im Kursaal in Bern, als Jasmin Rechsteiner zur Siegerin gekürt wurde.

Die zehn diesjährigen Kandidatinnen sind allesamt schön, stark und setzen sich für Menschen mit Behinderungen ein. Einige von Geburt, andere durch Krankheit oder Unfall, kennen sie alle das Leben mit einer Behinderung in einer Gesellschaft, die zu oft wegschaut. Aber bei diesen zehn jungen Frauen sieht man gerne hin!

Für mehr Integration und Lebensgefühl

So zum Beispiel die hübsche Blondine Aline Schwarzer, die vor vier Jahren bei einem Reitunfall am Rückenmark verletzt wurde. Seither ist ihr linkes Bein gelähmt. Mit einer Beinschiene kann sie gehen und auch wieder reiten.

Die 26-Jährige lebt ganz nach dem Motto: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker!“. Das merkt man ihr auch an. Die heutige Vollzugsbeamtin will in den Parareitsport einsteigen und als Miss Handicap möchte sie sich für mehr Integration von behinderten Menschen im Alltagsleben einsetzen.

Mehr Integration ist auch Anémone Suniers erklärtes Ziel, wenn sie die Wahl gewinnen würde. „Und dass man auch mit einer Behinderung glücklich sein und sich in seiner Haut wohl fühlen kann“, wie sie sagt.

Die 21-Jährige aus La Chaux-de-Fonds muss es wissen, denn Anémone lebt schon seit Geburt mit einer Tetraparese, die durch einen Atmungsstillstand bei der Geburt entstanden ist. Dadurch hat sie Mühe mit dem Gleichgewicht und ihre Beine kann sie nicht ganz durchstrecken. Doch dank verschiedenen Spitalaufenthalten könne sie noch immer gehen und brauche ihren Rollstuhl nur für sehr lange Strecken, sagt die angehende Caritas-Handelsangestellte.

Portraitfoto von Martina Gschwend und Chantal Lüthi
Martina Gschwend und Chantal Lüthi treten bei der Wahl gegeneinander an (Marco Samuel/MHC)

Auch Chantal Lüthi kennt das Leben nur mit ihrer Behinderung. Die 23-Jährige ist von Geburt an gehörlos. Gerade deswegen ist für die Gebärdensprachbenützerin die Kommunikation so wichtig. Die Köchin möchte eine Plattform für den Austausch schaffen. „Damit die Gesellschaft mehr von uns als Menschen erfährt und lernt.“

Auch Mamis unter den Kandidatinnen

Von Martina Gschwend kann man sehr viel lernen. Sie hat viel starken Willen bewiesen und kann sich inzwischen ohne Rollstuhl fortbewegen, obwohl die Ärzte davon ausgingen, dass das der jungen Mutter nie wieder möglich sein würde.

Während ihrer Schwangerschaft mit ihrer Tochter erlitt die 32-Jährige eine Hirnblutung, durch die sie halbseitig gelähmt wurde. „Ich habe immer gekämpft, weil ich wollte, dass meine Tochter eine fröhliche, vollwertige Mama hat.“ Als zukünftige Miss Handicap würde sich die Alleinerziehende dafür einsetzen, dass man gegenseitig mehr Toleranz aufbringt. „Und ich will allen zeigen, dass man mit einem Handicap fähig ist, selbständig ein Kind gross zu ziehen.“

Mehr Akzeptanz 

Als Krankenschwester auf der Kinderstation im Aargau kennt die zweite Martina unter den Kandidatinnen, Martina Hunziker, das Spital von beiden Seiten. Bei der 24-Jährigen wachsen verschiedene Gefässtumore. Die grösste Wucherung ist an der Schulter und drückt gleichzeitig auf den Brustkasten und auf die Lunge.

Für sie ist Selbstvertrauen wichtig. „Ich möchte erreichen, dass jeder so akzeptiert wird, wie er oder sie ist“, sagt die Kandidatin.

Portraitfoto von Stefanie Dettling und Tamara Roth
Stefanie Dettling und Tamara Roth möchten Botschafterin für Menschen mit Behinderungen werden (Marco Samuel/MHC)

Für Yverdonnerin Nilou Coron-Waldis war ihre Behinderung nie eine unüberwindbare Hürde: „Ich mache die Sachen, die ich will“. Zurzeit sind das ihre einjährige Tochter grossziehen und sich als Kosmetikerin selbständig machen.

Die 27-jährige gebürtige Inderin wünscht sich besser zugängliche öffentliche Orte. „Gerade Geldautomaten oder Toiletten in Restaurants bereiten vielen Rollstuhlfahrern Schwierigkeiten“ Als junges Mädchen hat sich Nilou einen Virus aufgelesen, der zu einer muskulären Krankheit (Polio) führte; ihre Muskeln konnten sich seitdem nicht richtig entwickeln.

„Wir sind alle aufeinander angewiesen“

Auch bei Stefanie Dettling kam die Behinderung früh. Als sechs Monate altes Baby erlitt sie durch eine Quecksilbervergiftung einen Impfschaden. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl und kann ihre Arme nur beschränkt bewegen. Es habe eine Zeit gegeben, in der sie traurig gewesen sei, „aber heute bin ich glücklich, dass ich noch lebe“.

Momentan schliesst die Zürcherin ihre kaufmännische Lehre bei einer Bank ab. „Als Miss Handicap möchte sie zeigen, dass man auch mit Einschränkungen glücklich sein und das Leben geniessen kann.“

Tamara Roth war 14 Jahre alt, als sie mit dem Fahrrad verunfallte und Tetraplegikerin wurde. Einen Arm kann die leidenschaftliche Sängerin aber noch ein wenig bewegen.

Wegschauen hält sie für falsch, weshalb sich die heute 24-Jährige als Miss Handicap für die Sensibilisierung der Gesellschaft für Behinderungen einsetzen würde. „Wir sind alle aufeinander angewiesen; die Menschen sollten mehr miteinander arbeiten.“

Portraitfoto von Veronica Conceicao und Tülün Erdem
Veronica Conceicao und Tülün Erdem freuen sich auf die Wahlnacht! (Marco Samuel/MHC)

„Ich mache alles, was ich will“

Tülün Erdem hatte mit zwei Jahren eine Hirnhautentzündung und hört seitdem nichts mehr. Sie hat ein Hörimplantat und geht regelmässig in die Logopädie, um ihr Gehör zu trainieren. Als Fünfjährige kam sie mit der Familie aus Kurdistan in die Schweiz.

Sie ist alleinerziehende Mutter von zwei Buben, Elijah und Ramiz, und wohnt in Bern. Da beide hören können, sei sie ständig mit der „hörenden Welt“ konfrontiert. „Als Miss Handicap möchte ich mich einsetzen für mehr Gleichberechtigung. Und ich möchte Frauen mit einer Behinderung Mut machen, dass es sich lohnt, zu kämpfen und eine Familie zu gründen.“

Veronica Conceicao wurde mit offenem Rücken geboren, wodurch ihre Muskeln bei den Hüften ungleich sind und eine Fehlstellung entstand. Die Rollstuhlfahrerin arbeitet als kaufmännische Angestellte und ist auch Visagistin und Stylistin.

Die 26-Jährige lässt sich von ihrer Behinderung keine Steine in den Weg legen und sagt: „Ich mache alles, was ich will.“ Denn obwohl es Hürden gegeben habe in ihrem Leben, habe sie bis jetzt alle überwunden, sagt die gebürtige Schweizerin.

Im Bereich Integration und Gleichberechtigung gebe es noch viele Baustellen: „Als Miss Handicap möchte ich den Menschen Mut machen, ihre Vorurteile abzuschaffen.“ Sie möchte zeigen, dass man mit einem Handicap sehr viel erreichen kann.

Portraitfoto von Nilou Coron-Waldis und Martina Hunziker
Nilou Coron-Waldis und Martina Hunziker werden ebenfalls antreten (Marco Samuel/MHC)

Stimmen Sie jetzt ab!

Stimmen Sie jetzt schon ab! Hier finden Sie die jeweiligen Abstimmungsnummern der Kandidatinnen (MHC 01 – MHC 10). Senden Sie eine SMS mit dem gewünschten Code an die Nummer 9234 (1.50 CHF / SMS) und unterstützen Sie so Ihre Favoritin!

Die Wahl findet am 8. Oktober 2011 im Kultur- und Kongresszentrum Luzern statt. Informationen zur Anfahrt, Tickets und den spannenden Showacts finden Sie auf der Website von Miss Handicap.

Wir wünschen allen zehn Kandidatinnen viel Glück und Erfolg an der Wahl!


Text: MHC / M. Plattner - 07/2011

Bilder: Marco Samuel für MHC

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