Protest für Gleichstellung

Am Europäische Protesttag zur Gleichstellung behinderter Mensch passiert sehr viel Aufklärungsarbeit (Foto: Aktion Mensch)

Gehen Sie am 5. Mai auf die Straße! Machen Sie sich stark für die Gleichstellung und Inklusion von Menschen mit Behinderung!

Hunderte Menschen mit und ohne Behinderung fassen sich an den Händen. Sie bilden eine Kette. Vom Brandenburger Tor bis zum Deutschen Bundestag. Dabei reichen sie Lichter weiter. Um gesehen zu werden. Und um das Denken von Politikern und anderen Entscheidungsträger zu erhellen.

Sie fordern „Inklusion – Dabei sein! Von Anfang an!“.

Menschenkette der Inklusion

Am 5. Mai 2010 wird diese Vision in Berlin Realität. Anlässlich des Europäischen Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung rufen der Berliner Behindertenverband „Für Selbstbestimmung und Würde“ e.V. (BBV), der Landesverband Berlin-Brandenburg des Sozialverbands Deutschland und die Bundesinitiative „Daheim statt Heim“ gemeinsam zu einer erstmaligen großen bundesweiten Aktion auf.

Viele Vereine, Verbände und Einzelpersonen aus ganz Deutschland unterstützen den Aufruf zur Menschenkette der Inklusion. Rund fünfhundert Menschen werden erwartet. Jedes Glied der Kette zählt! „Menschen mit Behinderung können aktiv werden.

Mit unserer Aktion wollen wir, dass den Politikern ein Licht aufgeht“, sagt Frau Schulz von der Bundesinitiative „Daheim statt Heim“.

Die fünf Forderungen an die Politik sind klar formuliert:

  • Die UN-Behindertenkonvention soll rasch und gründlich gemeinsam mit Menschen mit Behinderung umgesetzt werden.
  • Ein umfassendes Diskriminierungsverbot sowie
  • Barrierefreiheit, Nachteilsausgleich und Teilhabesicherung sollen jetzt realisiert werden
  • Gemeinsam lernen und selbstbestimmt leben soll zur Selbstverständlichkeit werden und
  • das Nutzen-für-Alle-Prinzip, das „Design for all“, soll durchgesetzt werden.

Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen kommt nicht in die Jahre

Den Europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung gibt es seit 1992. Auf Initiative von Disabled Peoples International wurde der 5. Mai zum europaweiten Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen erklärt.

Bereits zum 19. Mal protestieren behinderte Menschen heuer in zahlreichen Städten, Regionen Deutschlands und anderen europäischen Ländern rund um den 5. Mai mit Demonstrationen, Aktionen und Fachveranstaltungen gegen Diskriminierungen und Benachteiligungen. Sie kämpfen für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen.

Am 5. Mai bilden hier mehrere hundert Menschen eine Kette, um der Politik den Weg in die Inklusion zu weisen (Ulla Trampert/pixelio.de)

Über 400 Aktionen bundesweit

Seit 1992 hat sich, auch durch die von diesem Tag ausgehenden Impulse, vieles verändert. Zumindest auf dem Papier. „Papier ist geduldig. Die Gesetze müssen nur im Alltag umgesetzt werden“, sagt Carolina Bontá von der Aktion Mensch.

Die Aktion Mensch unterstützt den Europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung seit 13 Jahren als größte private Förderorganisation in Deutschland. 2010 sind bundesweit über 400 Aktionen angemeldet, die von der Aktion Mensch gefördert werden.

Inklusion statt Integration

Der Europäische Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ist auch 2010 notwendig. Mit dem diesjährigen Motto „Inklusion – Dabei sein! Von Anfang an!“ wird der Schlüsselbegriff der UN-Konvention, die 2009 in Deutschland in Kraft getreten ist, in den Mittelpunkt des diesjährigen Protesttags gerückt.

Die Inklusion löst den Begriff der Integration ab.

Sie bezeichnet das selbstverständliche und gleichberechtigte Zusammenleben aller Menschen. Inklusion heißt gleiche Chancen für alle - im Bildungssystem, am Arbeitsmarkt, bei Wohnmöglichkeiten, in der Zugänglichkeit von Arztpraxen, der Freizeitgestaltung und sämtlichen anderen Lebensbereichen.

Aufklärungsarbeit für alle

„Am 5. Mai passiert sehr viel Aufklärungsarbeit“, sagt Caroline Bontá. Nicht nur für Politiker, sondern für alle Menschen. Denn eine inklusive Gesellschaft ist nicht nur Sache des Staates, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Seinen Sie am 5. Mai vorne mit dabei! Nehmen Sie an einer der über 400 bundesweiten Aktionen teil! Verlängern Sie die Menschenkette in Berlin oder drehen Sie eine Runde mit dem neu eröffneten Rollstuhlkarussell in Freiburg. Damit der Europäische Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung eines Tages vielleicht wirklich Geschichte ist.

 

Text: MHA - 5/10

Fotos: Aktion Mensch, Pixelio