Machen die Paralympics Städte barrierefrei?

Akropolis (Fantasy/Wikipedia)
Das Wahrzeichen Athens: die Akropolis (Fantasy/Wikipedia)

Immer genau drei Wochen nach den Olympischen Spielen beginnen die Paralympics – in derselben Stadt. Aber: Werden die Städte dadurch wirklich barrierefreier?

Ausgangspunkt dieser Frage ist ein Bericht unseres Fachexperten für Reisen & Mobilität. Letztens war er geschäftlich in Athen, ließ es sich aber an den freien Tagen nicht nehmen, die olympische Stadt zu erkunden und die „wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzusehen“, so der Fachexperte. „Dort waren ja mal die Paralympics, ergo dürfte das für mich Rollstuhlfahrer kein Problem sein“, dachte er sich.

Vorzeigebeispiel Flughafen

Er irrte sich. Mal abgesehen vom Flughafen Athen International, an dem sich „manch ein deutscher Flughafen ein Beispiel nehmen“ könne, findet der Fachexperte. „Der Flughafen ist so gestaltet, dass es für behinderte Menschen kein Problem ist, sich selbstständig zu Recht zu finden“. Auch das Hilton Hotel, in dem er untergebracht war, war „optimal gestaltet“ und alle Bereiche waren „einfach zugänglich“.

Ansonsten wurde er regelrecht enttäuscht. Das Wahrzeichen Athens – die Akropolis – wollte der Fachexpertesich nämlich nicht entgehen lassen. So erkundigte er sich nach Touren zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Und bekam Absagen von „allen großen Busunternehmen“: Sie wollten keinen Rollstuhlfahrer ohne Begleitperson mitnehmen, da man „nicht die Zeit hätte, bei den steilen und umständlichen Wegen hinaufzuhelfen“.

Falsch aufgestellte Erwartungen

Zwar hat die Akropolis an der Nordseite ein Lift, das Rollstuhlfahrer hinauf befördert, aber oben angekommen, ist der Bereich „sehr hügelig und mit Steinen gepflastert“. Auch viele andere Locations in und außerhalb Athen sind nur über unbeschilderte und unwegsame Umwege zu erreichen. der Fachexperte würde daher einem Athen-Interessierten im Rollstuhl „mindestens eine Begleitperson empfehlen“.

Diese Empfehlung teilt die Griechische Zentrale für Fremdenverkehr in München. „Die Museen kann man sehen und manche Orte sind auch geeignet“, allerdings sei es „auf der Straße manchmal ein bisschen schwierig“, heißt es. Jedoch seien Griechen grundsätzlich hilfsbereit gegenüber Hilfesuchenden. der Fachexperte bestätigt das: Sie hätten „keine Berührungsängste gegenüber behinderten Menschen“ und würden Unterstützung anbieten.

Die Lage in den anderen Austragungsorten

Wie schaut es in den anderen Städten aus? Die jüngsten Sommerspiele fanden 2008 in Peking statt. China und Barrierefreiheit? Das Fremdenverkehrsamt für die VR China verteilt ein wenig Zuversicht und berichtet von besser ausgebauten, ebenen „Straßen, nicht mehr wie früher, die wurden für die Olympiade korrigiert“. Gleichzeitig gibt das Amt zu, dass die Vorbereitungen darauf im Hinblick auf die Barrierefreiheit „wirklich nicht sehr gut durchdacht“ gewesen seien.

An vielen Sehenswürdigkeiten wie beim Himmelstempel oder am Kaiserpalast gebe es Schwellen oder Treppen. An der Chinesischen Mauer werden Gäste zwar mit einem Sessellift hinauf transportiert, jedoch keine Rollstühle. Aber wie bei den Griechen sei die Hilfsbereitschaft auch in der Volksrepublik sehr hoch, „gerade bei Ausländern“. Nicht zuletzt macht ein Buch des Fernsehjournalisten Marcel Bergmann, der seit einem Unfall 1994 im Rollstuhl sitzt, Mut. Sein Titel lautet „Trotzdem China“.

Vorbilder USA und Australien

In Salt Lake City, wo die Winter-Paralympics 2002 ausgetragen wurden, sieht es wiederum ganz anders aus. Laut dem Reisebüro „Utah Travel Council“ seien die USA hinsichtlich Zugänglichkeit für behinderte Menschen „sowieso generell viel besser ausgestattet als in Deutschland, nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land“. Das sei schon vor 2002 so gewesen, die Paralympics hätten kaum was daran geändert.

Sydney (Sommer-Paralympics 2000) präsentiert sich in vergleichbarer Weise: Busse mit Hydrauliksystemen, Rampen an öffentlichen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten sowie rund „120 Taxis, die auf Rollstuhlfahrer eingestellt sind“ (Fremdenverkehrsamt New South Wales). Behindertentoiletten und blindengerechte Ampeln unterstreichen die Behindertenfreundlichkeit der australischen Hauptstadt.

Punktuelle Barrierefreiheit

Selbstverständlich wird in den paralympischen Dörfern und an den Sportstätten die Zugänglichkeit ausgebaut, aber darüber hinaus erstrecken sich die Bemühungen meistens nicht – entweder weil die Anpassungen bereits vorhanden waren oder es keinerlei verbindlichen Vorgaben vom IOC gibt.

Man bekommt den Eindruck, dass die Paralympics zwar sicherlich die Präsenz von behinderten Menschen in der Öffentlichkeit und somit ihre Forderungen hervorheben, jedoch keinen Austragungsort ausschlaggebend barrierefrei machen. Vielmehr dürfte die Behindertenfreundlichkeit der vorherrschenden Politik wie der dortigen Gesellschaft entscheidend sein. Vom kanadischen Vancouver, dem Austragungsort der winterlichen Spiele 2010 darf der Fachexperte daher einiges erwarten.

Text: TMI

Foto: wikipedia