Ärzte ohne Grenzen

Farbenfroher Obst ist ein Garant für gesundes Leben
Tipps zur gesunden Ernährung gibt's genug im Internet (Klaus Steves / pixelio.de)

Nein, hier ist nicht von der weltweiten medizinischen Notfallhilfeorganisation die Rede. Wobei jedoch „weltweit“ und „medizinisch“ nicht so falsch wären. Hier geht es nämlich um Online-Portale und -Ratgeber rund um das Thema Medizin und Gesundheit. 

Seitdem das Internet seinen Siegeszug feiert und immer mehr Menschen einen Onlinezugang besitzen, wird das Internet vermehrt als Informations- und Austauschplattform genutzt. Leider stellenweise auch ohne Qualitätsanspruch. Denn mittlerweile kann so gut wie jeder Texte, Bilder oder Videos online veröffentlichen.

Webangebote rund um die Gesundheit

Für verschiedenste Interessen existieren eigene Online-Plattformen – Hundezüchterforen, Modellbauseiten und eben auch Gesundheitsportale. Nur taucht bei letzterem unweigerlich die Frage auf: Sind die Ratschläge und Informationen auf solchen Webseiten verlässlich? Es geht ja schließlich um die eigene Gesundheit und im Extremfall um Leben und Tod. Wieso sollte man sich da auf Laien verlassen, auch wenn diese kostenfrei und schnell zugänglich sind?

Diese Zweifel teilt die Patientenbeauftragte des Bundes, Helga Kühn-Mengel, zuständig für Patientenrechte und –schutz. Ihr Büro lässt den Standpunkt ausrichten, „dass sie die Patienten vor solchen Portalen warnt“, insbesondere vor denjenigen, wo Laien Informationen reinstellen. Natürlich stehe es jedem Patienten zu, „eine zweite oder dritte Meinung einzuholen, aber nicht durch Pseudowissen aus dem Netz“. Sind Online-Ratgeber etwa untauglich, um sich medizinisch zu informieren?

Kann ein Arzt auch online seinen medizinischen Dienst entrichten?
Immer mehr Menschen holen sich gesundheitlichen Rat über das Internet ein (OpaRalf / pixelio.de)

Durchaus brauchbare Informationen

Ganz so pauschal lässt sich das nicht beurteilen. Nicht alle Portale haben denselben Schwerpunkt: Bei vielen stehen redaktionelle Info-Artikel im Vordergrund, bei anderen der Austausch zwischen den Usern. Bei ersteren kommen die Artikel meistens von einer eigenen, medizinisch ausgebildeten Redaktion, oft unterstützt von Ärzten und Fachexperten. Letztere gleichen eher Community-Plattformen, wo andere User Ratschläge oder Erfahrungsberichte veröffentlichen können. 

Grundsätzlich empfiehlt es sich sowieso, Informationen aus dem Internet mit einer gewissen Skepsis gegenüberzustehen – insbesondere, wenn sie von Laien kommen. Deshalb weist auch so gut wie jedes Online-Portal darauf hin, dass diese auf keinen Fall den Gang zum Arzt ersetzen. Nicht selten ist dann bei Ratschlägen zu ernsteren Problemen diese Aufforderung zu lesen: „Gehen Sie zum Arzt!“. 

Welches Portal ist was für mich?

Die Stiftung Warentest hat vor wenigen Monaten rund ein Dutzend deutschsprachige Gesundheitsportale auf Herz und Nieren geprüft. Dabei waren Vollständigkeit, Richtigkeit und Neutralität die Hauptkriterien. Von den insgesamt zwölf getesteten Portalen hatte lediglich imedo.de den Schwerpunkt auf die Community. Das Ratgeberportal gesundheitsfrage.net wurde leider nicht getestet.

Ein weiteres Indiz für die Qualität eines Portals ist der so genannte HONcode – ein Zertifikat, herausgegeben von der Stiftung Health On the Net. Jahr für Jahr prüft sie Gesundheitsportale auf die Einhaltung von vorgegebenen Qualitätskriterien. Daneben gibt es auch das afgis-Qualitätslogo, welches „qualitativ hochwertige Gesundheitsinformationsangebote im Internet“ kennzeichnet. Die drei besten, von Stiftung Warentest getesteten Portale, tragen beide Siegel. Nach dieser „Messlatte richten wir uns, um zu zeigen, nach welchen Kriterien wir arbeiten“, sagt Matthias Moll, Pressesprecher von netdoktor.de.

Das eine Portal ist redaktionell geprägt, das andere community-orientiert
Die Logos von netdoktor.de und gesundheitsfrage.net

Ein paar Portale im Profil

Der netdoktor.de, mit rund drei Millionen Besuchern monatlich eines der größten deutschsprachigen Gesundheitsportale, gehört der Holtzbrinck Verlagsgruppe an. Der Marktführer „berichtet unabhängig und neutral über aktuelle Erkenntnisse aus Forschung, Medizin und Gesundheit“ und zwar laienverständlich aufbereitet. Ein großer Downloadbereich und Specials zu Themen wie Allergien oder Sport runden das Webangebot ab.

Das vitanet.de ist recht übersichtlich gestaltet. Dort können im Monat etwa zwei Millionen „interessierte Verbraucher und Gesundheitsexperten wissenschaftlich fundierte Gesundheitsinformationen“ einholen oder einen der zahlreichen Online-Selbsttests machen.

Onmeda.de – laut eigener Aussage eines der führenden Portale. Dort findet der User neben hochwertigen Artikeln auch einen Chat sowie eine praktische Arztsuche. Highlight ist der so genannte Symptom-Check, mit dem Sie die Symptome interaktiv schnell eingrenzen können. Wie beim Netdoktor ist das Webdesign modern und die Schriftgröße lässt sich für Sehbehinderte verändern.

Schlicht und informativ: das sprechzimmer.ch. Die Artikel auf diesem deutsprachigen Schweizer Gesundheitsportal sind für Laien gut verständlich gehalten. Auch hier kann man sich – wie bei fast allen Portalen – für den Newsletter anmelden.

Die Ratgeber-Community gesundheitsfrage.net, ist ein Ableger des Ratgeberportals gutefrage.net. Hier können User all ihre Fragen zu Krankheiten und Beschwerden stellen oder medizinische Erfahrungen austauschen. Innerhalb kurzer Zeit kommen hilfreiche Antworten und praktische Tipps der Community, zu deren Mitgliedern viele Menschen aus Gesundheitsberufen gehören, aber auch junge Mütter, chronisch Kranke oder Gesundheitsbewusste, die Anderen gerne mit ihrem Wissen und persönlichen Empfehlungen weiterhelfen. 

DocInsider.de ist ein etwas anderes Portal, da hier verstärkt die Usermeinung zählt. Zwar können hier Ratsuchende in der so genannten Online-Sprechstunde gesundheitliche Fragen stellen, die neben anderen Usern bis zu "800 Ärzte und Gesundheitsberater" beantworten. Dennoch richtet sich das Augenmerk auf die Suche und die Bewertung von Ärzten und Gesundheitseinrichtungen. User bewerten und kommentieren öffentlich Mediziner und Praxen.

 

Text: TMI

Fotos: pixelio.de

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!