Exklusiv aus Peking: Berichte von Margit Quell

MyHandicap-Botschafterin Margit Quell
MyHandicap-Botschafterin Margit Quell

MyHandicap-Botschafterin Margitt Quell, selbst mehrfache Paralympicsiegerin und Medaillengewinnerin, ist in Peking bei den Paralympischen Spielen dabei und berichtet für die MyHandicap-Community exklusiv von ihren Eindrücken.

Folgen Sie Margit Quell nach Peking zu den Paralympischen Spielen und erfahren Sie spannende Berichte über Land, Leute, Sportler und die Paralympischen Spiele aus erster Hand.

Abschlussbericht von den Paralympics in Peking - mein Fazit

Hostessen
Hostessen
Medaille
Medaille

Das ist nun mein Abschlussbericht von den Paralympics in Peking, die ich als Sporttouristin besuchen durfte. Durch die Schreiberei waren zwar meine Nächte kürzer, jedoch hat es mir Freude gemacht, den interessierten Lesern etwas von dem beeindruckenden Leistungssport der Menschen mit einer Behinderung näher zu bringen.

 

147 Nationen haben zum größten Teil ihre jungen Athleten zum wichtigsten internationalen Wettkampf geschickt. Ich habe tolle Wettkämpfe gesehen, große Freude bei den Gewinnern miterlebt und viele Tränen fließen sehen. Die chinesische Hymne ist 87 mal für einen chinesischen Sieger erklungen. Sie gefällt mir sehr gut, noch besser finde ich, dass nicht nur die Sportler selbst mitgesungen haben, sondern auch immer die zahlreichen Besucher auf den Rängen.

Die tausende von Volonteers, die Organisatoren, die Polizisten und die vielen Helfer waren ausnahmslos freundlich, hilfsbereit und immer korrekt. Es sind alles liebenswerte, aufgeschlossene junge Menschen, die für ihre Gäste das Beste gegeben haben.

Im gesamten Olympiapark wimmelte es täglich von Familien, die entweder auf dem Weg in eine Sporthalle und das Vogelnest waren oder einfach nur fotografierten. Oftmals haben sie ein Kind an meine Seite gestellt um ein Foto zu machen. Heute liefen mir zwei junge Damen nach, die 1 Jahr in Bochum Germanistik studiert haben. Auch sie wollten ein Foto mit mir. Die jungen Chinesen haben durch die Spiele begriffen, dass sie unbedingt englisch lernen müssen, sicher ein wichtiger Fortschritt für das Land.

 

In aller früh um 9 Uhr startete im Vogelnest der letzte Leichtathletiktag. Das erwartete Gold im Weitsprung F42/44 (Amputierte) sicherte sich am Vormittag Wojtek Czyz, der in Athen 2004 drei Goldmedaillen gewann. Der frühere Profifußballer, der durch eine Krankheit ein Bein verlor, ist bei diesen Paralympics wegen einer Verletzung nur bei dieser einen Disziplin angetreten.

Für deutsche Athleten gab es heute Abend noch weitere silberne Erfolge. So gewannen die deutschen Tischtennisdamen Monika Weinmann-Sikora und Andrea Zimmerer Silber in der Mannschaft. Sie freuten sich riesig, als Fr. Dr. Krombholz die Blumen überreichte. Weitere Zuschauer aus dem deutschen Team waren nicht anwesend.

Claudia Nicoletzik gewann im Leichtathletikstadion Silber im 100 m T36 (also der Athleten mit geringer Spastik). Ich war mit meinen zwei bescheidenen Deutschlandfahnen so weit ich sehen konnte die einzige, die bei der Siegerehrung winkte. Kein Offizieller, keine Fans! Traurig!

Was im deutschen Club so alles los war und wer sich dort jeden Tag traf, kann ich leider nicht sagen, denn ich war kein einziges mal dort. Die Wettkämpfe waren mir wichtiger. Aber schaut doch mal auf dem großen MyHandicap-Stand bei der Rehacare in Düsseldorf (15.-18. Oktober 08, Halle 4)vorbei - hier könnt ihr viele Paralympic-Sportler treffen und sie können Euch dann sicher auch Geschichten aus dem deutschen Club erzählen (Mich könnt Ihr dort übrigens ebenfalls treffen - ich freue mich drauf!).

 

Das Basketballspiel heute Nachmittag um den 5. Platz gewann das deutsche Team mit einer sehr geschlossenen Mannschaftsleistung gegen Israel. Anschließend fuhr ich zur Leichtathletik und konnte so den Sieg der Briten über die Rollstuhlbasketballer der USA nicht sehen. Der 4. Platz ist für die siegesgewohnten US-Boys bitter.

 

Das Endspiel Australien gegen Canada ließ ich mir dann aber nicht entgehen.

 

Die Halle war ein Hexenkessel. Fast alle anderen Basketballmanschaften sind zum Zuschauen gekommen.

Die canadischen Jungs wurden offensichtlich von der gesamten canadischen Delegation lautstark mit zahlreichen Fahnen angefeuert.

Um mich rum im VIP-Bereich standen viele Länderfunktionäre für Rollstuhlbasketball. Neben mir saß der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Sir Phil Graven, der selbst bei 4 Paralympics im britischen Rollstuhlbasketball-Nationalteam gespielt hat, und fieberte zum Teil mit kräftigen Ausrufen mit.

Der Kampfgeist der Australier, die nach der Halbzeit noch zurück lagen, hat mir sehr imponiert. Letztendlich stand das Glück auf ihrer Seite und sie holten sich nach 1996 wieder paralympisches Gold.

Die Organisatoren hatten mit ihrer Musikauswahl in der Halle immer den richtigen Song parat. Nach dem Abpfiff erklang für die Australier “walzing Mathilda” und die Tränen flossen…..

Es war einfach schön!

Trotz aller Emotionen, die ich genieße, muss ich doch das ein oder andere Fazit ziehen.

Im Medaillenspiegel sind die deutschen vom 8. Platz in Athen auf den 11. Platz abgerutscht.

Länder wie Ukraine platzierten sich hinter China, Großbritannien und USA auf den 4. Platz. Es folgen Australien, Südafrika, Canada, Russland, Spanien, Brasilien.

Obwohl Deutschland mit 170 Athleten hinter China das zweitgrößte Team stellte, konnten sie nicht den erhofften Gewinn daraus ziehen.

Vielleicht sind ja die Weichen für eine gezielter und effektivere Förderung des Leistungssports schon gestellt und kommen dann in 4 Jahren in London zum Tragen.
 

Ich hoffe und wünsche es!

Eure Margit Quell
 

16.09.08: Spannung im Olympic Green Tennis Center

Margit Quell und Friedhelm Buecher, Vors. Kuratorium Behindertensport im DBS
Margit Quell und Friedhelm Buecher, Vors. Kuratorium Behindertensport im DBS

Der heutige Tag brachte für mich eine weitere interessante Begegnung mit dem langjährigen Vorsitzenden des Sportausschusses im Deutschen Bundestag und jetzigem Vorsitzenden des Kuratoriums im Deutschen Behindertensportverband, Friedhelm Julius Beucher.

Er verfolgt seit Jahren als echter Fan die deutschen Behindertensportler und ist deshalb in erster Linie an den Sportstätten zu treffen. Das gefällt mir, denn für wichtige sportpolitische Entscheidungen ist eine gute Kenntnis der Materie unbedingt notwendig.

 

Nachdem das Olympic Green Tennis Center nicht weit vom Olympiapark entfernt ist, wollte ich mir nach vielen Jahren mal wieder Rollstuhltennis anschauen.

Der Aufbau und die Entwicklung im deutschen Rollstuhltennis begann Mitte der 80er Jahre in München. Auch ich habe damals einen Tenniskurs absolviert, bei dem es dann aber auch blieb. Es war einfach nicht meine Sportart.

Verwöhnt durch das Spitzentennis von Boris Becker und Steffi Graf, fand ich am Rollstuhltennis keinen Gefallen, obwohl gute Spieler aus dem Ausland zu den alljährlich in München quasi direkt vor meiner Haustür stattfindenden German Open kommen.

Dieser Sport ist seit 1992 paralympisch. Der Fürstenfeldbrucker Stefan Bitterauf erreichte bei den Paralympics 1992 in Barcelona zusammen mit Kai Schrameyer im Doppel den 3. Platz und damit Bronze. Der Hauptunterschied zum Fußgängertennis ist, dass der Ball ein zweites mal auftippen darf. Der erste Ball muss regelgerecht sein.

Was ich gestern dann von den Niederländischen Spielerinnen im Doppel um Gold und von den Herren aus Frankreich und Schweden, ebenfalls im Doppelfinale, zu sehen bekam, hat mich nachhaltig beeindruckt. Sie boten den ca. 10. 000 Zuschauern Rollstuhltennis vom Feinsten. Für mich gab es da, was die Taktik und die Ballwechsel anbelangt, so gut wie keinen Unterschied mehr zum Fußgängertennis.

Gestern siegten bei den Damen das niederländische Doppel Korie Homann/Sharon Walraven und bei den Herren die Franzosen Stephane Houdet/Michael Jeremiasz.

 

Seit vielen Jahren treffe ich bei wissenschaftlichen Kongressen und Paralympics eine fundierte Vertreterin des Behindertensports, Prof. Dr. Gudrun Toll-Tepper von der Freien Universität Berlin. Sie ist Weltpräsidentin der Sportwissenschaft und Vizepräsidentin im Deutschen Olympischen Sportbund. Frau Prof. Dr. Toll-Tepper hatte hier in Peking ebenso wie Dr. Gertrude Krombholz den ehrenvollen Auftrag, Medaillen und Blumen bei Siegerehrungen zu übergeben.

 

Ein Mammendorfer (also nähe meines Zuhause), Michael Winkler, der bei der Fa. Daimler in Peking beschäftigt ist, hat wohl zufällig Berichte von mir gelesen und hat mich per Mail zum Kaffeetrinken eingeladen. Nachdem ich bereits von Taxifahrern geschrieben habe, die Rollis nicht befördern wollen, hat er mir angeboten, mich mit seinem Auto abzuholen.

Viel Zeit bleibt uns allerdings nicht mehr. Die Schlussfeier von perfekten Paralympics hier in Peking rückt näher und damit auch mein Abschied von einer Stadt, in der ich mich wirklich wohl gefühlt habe.

Ein Schlussbericht mit dem obligatorischen Fazit folgt noch.

 

Also, bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell
 

15.09.08: Endspiel im Rollstuhlbasketball

Dr. Gertrude Krombholz, Margit Quell und Walter Tröger
Dr. Gertrude Krombholz, Margit Quell und Walter Tröger
RBB Damen Siegerehrung dt. Team
RBB Damen Siegerehrung dt. Team

Auf unseren paralympischen Pfaden trafen wir heute unter anderem Prof. Dr. Walter Tröger, einen alten Sportfreund von Frau Dr. Krombholz, der ehemaligen Leiterin der Sportlehrerausbildung an der TU München, die mich zu diesen Paralympics nach Peking als Begleitperson mit genommen hat.

Frau Dr. Gertrude Krombholz hat im IPC (Internationales Paralympisches Komitee) 13 Jahre die Position der Entwicklung und Leitung des Rollstuhltanzens bekleidet und ist Trägerin des Paralympischen Ordens. Mit Walter Tröger verbindet sie eine jahrzehntelange Freundschaft aus gemeinsamen Aktivitäten bei Olympischen und Paralympischen Spielen. 

Walter Tröger ist seit Jahrzehnten im IOC (Internationales Olympisches Komitee) zuhause und ist u. a. in dieser weltweit höchsten Sportorganisation der Beauftragte für den internationalen Behindertensport.

 

Im vollbesetzten “Vogelnest” habe ich vor zwei Tagen neben einem anderen Rollstuhlfahrer  aufmerksam den 10 000 m Lauf der Sehbehinderten in der Klasse T13 verfolgt, . Bei den Blinden und Sehbehinderten gibt es 3 Klassen, die Vollblinden T11 (T steht für Track/Bahn), die mit Begleitläufern laufen, die Athleten, die noch hell und dunkel unterscheiden können, das ist T12 und diejenigen mit einem kleinen Rest an Sehfähigkeit, T13.

Ein Athlet hat sich nach der Hälfte der Strecke durch einen langgezogenen Sprint vom übrigen Teilnehmerfeld abgesetzt. Spontan habe ich auf deutsch gesagt: “Junge, du machst einen großen Fehler, die holen dich alle wieder ein”. Der Amerikaner neben mir, antwortete mir auf deutsch, er sähe das genauso.

Ich war überrascht, über das gute Deutsch, das er sprach. Nach weiteren 2 Runden wurde der Ausreißer nach hinten durchgereicht. Ich kommentierte noch weiter und erzählte von meinem 10 000 m Rennen 1988 bei den Paralympics in Seoul. Daraufhin stellte sich mein Nachbar als Rory A. Cooper, Professor an der Universität in Pittsburgh vor und sagte, dass er 1988 auch Rollstuhlrennfahrer war und die 10 000 m gefahren ist. Er war in Worms bei der amerikanischen Armee stationiert und hat dort seine Frau kennen gelernt. Seine Querschnittslähmung bekam er, als er bei einem Straßenlauf in Worms von einem Autofahrer überfahren wurde. Seine Frau Rosi und er sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet und leben in Pittsburgh. Zuhause wird nur deutsch gesprochen, erzählt mir Rosi und wie ich höre, fast akzentfrei!

 

Viele gemeinsame Sporterinnerungen haben wir anschließend an zwei Leichtathletikabenden ausgetauscht und sind gestern dann gemeinsam zum Endspiel im Rollstuhlbasketball der Damen gegangen. Deutschland gegen USA.

 

Wie zu erwarten, haben beide Teams hervorragend gekämpft. Nach dem 1. Viertel führten die Deutschen knapp. Bis dahin wurde normale Zone gespielt. Wie ich es schon von der Vorrundenbegegnung her kannte, hat der amerikanische Trainer, ein ehemaliger Nationalspieler im Rollstuhlbasketball, im 2. Viertel Mann/Frau-Deckung (Presse) spielen lassen und damit konnten die deutschen Spielerinnen um Trainer Holger Glinicke, ebenfalls ein ehemaliger Nationalspieler im Rollstuhlbasketball, nicht richtig umgehen. Ballverluste, Zeitfehler und Fehlwürfe waren die Folge. Der Rückstand von 10 Punkten, der in dieser Zeit entstand, konnte dann bis zum Schluss nicht mehr wettgemacht werden, obwohl die deutschen Spielerinnen konsequent spielten und alles versuchten.

Über die Silbermedaille können sie sich wirklich freuen und stolz darauf sein. Die bayerische Spielerin Birgit Meitner aus Neusäss bei Augsburg war als kämpferische Stammspielerin häufig im Einsatz.

Bei aller Freude und Anerkennung über das hochkarätige Endspiel kochte in mir doch Kritik an der Taktik des deutschen Trainerteams. Sie spielen mit 3 sogenannten Fußgängerinnen, spielerinnen also, die sehr hoch im Rollstuhl sitzen. Diese Spielerinnen sind zwar gute Centerspielerinnen und machen unter dem Korb so auch ihre Punkte, jedoch sind sie dafür fahrerisch meist eher im Nachteil, also deutlich weniger wendig. Sie können daher leicht blockiert und zurückgehalten werden. Häufig haben die Deutschen Spielerinnen daher während der Presse der Amerikanerinnen den Ball nicht über die Mittellinie bekommen. Es rächt sich also, dass im deutschen Nationalteam keine 3 oder 3,5 Punkte (Klassifizierung gemäß dem Grad der Einschränkung) Spielerinnen sind, die sich schnell und wendig von der Gegnerin lösen und den Ball sicher nach vorne führen können.


Heute, Dienstag ist noch ein umfangreicher Wettkampftag mit vielen Endspielen und am Abschlusstag, Mittwoch, den 17.9. freue ich mich schon auf Marathon und Fechten.

 

Also, bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell
 

14.09.08: Glücksmond über Peking

Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest
Im Stadion: Hinweis zum Mondfest

Am heutigen Sonntag liefen alle Wettkämpfe auf Hochtouren. Viele chinesische Familien nutzten das Wochenende zum Besuch des Olympiaparks und auch aller anderen Sportstätten.

Außerdem feiern die Chinesen an diesem Wochenende und am Montag das herbstliche Mondfest. Es wird traditionell in der Familie mit gutem Essen und dem leckeren Mondkuchen gefeiert. Die Mondküchlein, die meistens mit Nüssen gefüllt sind, gibt es schon seit einigen Tagen. Sie sind ganz wichtig für das Glück der Chinesen.

Ich machte heute einen Besuch in der Fechthalle und traf dort auf das äußerst an den Paralympics interessierte Botschafterehepaar Schäfer mit Sohn Alexander.

Nachwuchsfechter mit Startschwierigkeiten

Der einzige deutsche Nachwuchsfechter konnte seine Kämpfe nicht gewinnen. Er ist somit ausgeschieden und hofft auf die nächsten Paralympics in London 2012. Wieder eine Sportart, in der die Deutschen einmal führend waren und nun keinen Leistungsträger mehr haben.

Das gleiche erlebte ich anschließend beim Bogenschießen. Auch mal eine Domäne der Deutschen und nun besteht die Mannschaft nur noch aus fünf Bogenschützen, die die nächsten Tage noch um gute Platzierungen schießen werden.

In der “Internationalen Zone”, die vor dem paralympischen Dorf als Begegungsstätte und Shoppingmeile fungiert, traf ich zufällig auf eines der zwei bayerischen Jugendlager, die mit privaten Sponsorengelder organisiert wurden, um jugendliche Nachwuchssportler für den Leistungssport zu begeistern.

Die Freude am Sport und dem notwendigen Training zu wecken ist das eine, die wichtigen Voraussetzungen für die gezielte Aufbauarbeit zu schaffen ist das andere. Und da hapert es gewaltig in Deutschland. Ich habe mich mit vielen nationalen paralympischen Vertretern unterhalten und mir deren Schwerpunkte in der gezielten Förderung erklären lassen.

Die “Tante- Emma-Läden” gibt es schon lange nicht mehr. Im Behindertensport soll aber noch alles nach dem Muster von vor 30 Jahren funktionieren. Ein Verband, dessen Mitglieder zu 60 % über 65 Jahre alt sind, steht nicht für die Anforderungen des behinderten Leistungssport, wie er sich jung und modern hier in Peking zeigt.

Den Abend verbrachte ich im ausverkauften Vogelnest und sah dort viele spannende Entscheidungen. Ganz besonders interessierte mich die Entscheidung im Speerwerfen der Frauen für die Klassen F54- F-56.

Der Ausgleich für die unterschiedlichen Behinderungen in den drei Klassen erfolgt mit einem Faktor, der sich aus den Weltrekorden in den einzelnen Klassen ergibt. Das ist für den Ausstehenden schwer zu überblicken.

Hervorragend: Martina Willing

In dieser Entscheidung waren die zwei deutschen Athletinnen Marianne Buggenhagen und Martina Willing auf dem Feld, die in den beiden anderen technischen Disziplinen Diskus und Kugel schon erfolgreich waren.

Martina Willing, die blind und querschnittsgelähmt ist, hat eine hervorragende Wurftechnik und ist Weltrekordhalterin. Souverän gewann sie die Entscheidung mit 22,30 m vor den Werferinnen aus Tunesien und Bulgarien. Es war sehr erhebend in dem stimmungsvollen Stadion die deutsche Flagge zu sehen und die deutsche Hymne zu hören. Das kommt ja leider selten vor.

Nur habe ich im gesamten VIP-Bereich, in dem die Ländervertreter sitzen, keine offiziellen deutschen Mannschaftsvertreter gesichtet. Bei den anderen Nationen gehört es dazu, dass mit Fahnen bestückt, die Siegerehrung ihrer Sportler gefeiert wird.

Morgen Abend um 21.30 Uhr geht es bei den Rollstuhlbasketballerinnen gegen die Mannschaft der USA um Gold. Das wird mich einige Nerven kosten!

Also, bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell
 

13.09.08: Goalball & mehr

Goallball
Goallball

Goalball ist eine schnelle, kraftvolle und dynamische Mannschaftssportart für Blinde und Sehbehinderte. Seit 1988 ist Goallball fester Bestandteil der Paralympics.

 

Gespielt wird auf einem 9m x 18m großen Spielfeld, das mit tastbaren Linien für die Spieler fühlbar gemacht wird. Das Ziel ist es, den 1250 g schweren Klingelball in das gegnerische 9 m breite und 1,30 hohe Tor zu rollen, wobei Geschwindigkeiten von ca 80 km/h erreicht werden. Abgewehrt wird mit der gesamten Körperlänge.

Dabei bleiben die aus drei Spielern und maximal drei Ersatzspielern bestehenden Mannschaften in ihren Spielhälften. Wegen der Chancengleichheit muss jeder Spieler eine Dunkelbrille tragen. Vorher werden die Augen noch abgeklebt.

Nachdem sich das deutsche Damenteam mit den zwei Spielerinnen Ina Fischer und Stefanie Schindler aus Nürnberg für die Teilnahme an den Paralympics qualifiziert hat, wollte ich sie zumindest einmal spielen sehen.

Das Goalballturnier wird auf dem Campus des Pekinger Instituts of Technology Gymnasium ausgetragen. Meine Begeisterung für die hochwertigen Sportanlagen kennt keine Grenzen. Die Funktionalität, die Barrierefreiheit und die Ausstattung finden immer wieder meine Bewunderung.

Die deutschen Spielerinnen hatten gegen das Team aus Japan keine Chancen. Ihre Spielweise war zu brav und mit wenig taktischen Angriffen gespielt. So war es für sie das siebte Spiel, das sie verloren.

Die folgenden Spiele Schweden gegen USA und China gegen Canada zeigten mir, wie dynamisch und Variantenreich Goalballspiele sein können. Erstaunlich ist, das ein Spiel von 12 IPC-Schiedsrichtern (IPC = Internationales Paralympisches Komitee) begleitet wird.

Aus München im Einsatz als IPC-Oberschiedsrichterin ist Christl Däntler, die Sportlehrerin am Blinden Institut und an der Förderschule für mehrfach Behinderte in München ist.

In der kurzen Pause zwischen zwei Spielen habe ich mir dann schnell noch ein paar Regeln von ihr erklären lassen, wie z.B. wann ein Strafwurf verhängt wird.

Während eines Spiels muss in der Halle absolute Ruhe herrschen, damit die Spieler den Klingelball hören.

Christl Däntler, die ich seit vielen Jahren als engagierte Sportlehrerin für blinde und sehbehinderte Schüler kenne, ist eine der wenigen Ausnahmen, die mit ihrer gezielten Sportförderung am Institut und im Verein den Nachwuchs im Behindertensport aufbauen.

Anne Heinzl, Sportlehrerin am Blinden- und Sehbehindertenzentrum in Unterschleißheim, die hier in Peking mit ihrer privat organisierten Jugendgruppe ein umfangreiches Kultur- und Sportprogramm absolviert, ist ebenfalls eine “Macherin” für den Leistungsport der Blinden und Sehbehinderten seit vielen Jahrzehnten. Für ihr Lebenswerk ist sie letztes Jahr mit dem Sportpreis ausgezeichnet worden.

Gewichtheben

Nach Goalball fuhr ich zum Gewichtheben, allein wegen der spannenden Kämpfe und wegen der Stimmung in der Gewichtheberhalle zur Pekinger Universität für Luftfahrt- und Astronautentechnik.

Bei dieser Sportart spielen die deutschen keine Rolle. Für das deutsche Team hat sich nur ein Gewichtheber qualifiziert.

In der Gewichtsklasse bis 67,5 Kg gewann während meines kurzen Besuches der Cubaner Perea Luis. In Rückenlage auf der Bank wird das Gewicht gedrückt. Der 24-Jährige, der ein Körpergewicht von 66,3 kg auf die Waage bringt, erzielte mit 180 kg die Goldmedaille.

Basketball

Der Abend gehörte den Basketballern. Zuerst spielten im Achtelfinale die Herren gegen Großbritannien und konnten leider nicht gewinnen. Dagegen endete das Spiel der Frauen gegen Japan deutlich mit 20 Punkten Unterschied, allerdings entschied sich das erst im letzten Viertel.

Für mich waren die deutschen Spielerinnen anfangs zu hektisch. Besonders gut gefallen hat mir bei diesem Spiel die Augsburgerin Birgit Meitner, eine hervorragende Aufbauspielerin.

Am Rande wurde dann doch wieder über den unglücklichen Dopingfall des Münchner Spielers Ahmed Coskun diskutiert. Was mir aus dem Paralympischen Dorf von Kennern der Szene berichtet wurde, ist es ein Versehen und Unkenntnis gewesen.

Er ist ein exzellenter Basketballer und hat Doping sicher nicht nötig!

Also, dann bis zum nächsten Mal,
Eure Margit Quell
 

12.09.08: Peking, ein Backofen

Max Weber im Rennen
Max Weber im Rennen...
und im Zielbereich
und im Zielbereich
Hübsch: Siegerehrungshostessen
Hübsch: Siegerehrungshostessen

Zur olympischen Triathlonanlage ist ein weiter Weg. Trotz freier Fahrt habe ich mit dem Pkw eine Stunde benötigt, um zu den Straßenradwettbewerben am heutigen Tag zu kommen, die an dieser herrlichen Parkanlage rund um einen kleinen See ausgetragen werden. 

Strahlend blauer Himmel wieder über Peking und dazu backofenheiß. Von den bayerischen Handbikern ist mir doch gleich nach der Ankunft ein langjähriger Sportkollege, der Obergünzburger Max Weber vor die Fotolinse gefahren.

Auf der 12,7 km langen Strecke waren drei deutsche Handbiker im Rennen. Gewonnen hat das Rennen mit 22.06.23 Minuten der Ausnahmeathlet aus der Schweiz Heinz Frei, den ich seit meinen letzten erfolgreichen Paralympics in Seoul/Südkorea 1988 gut kenne. Wir waren beide Rennrollstuhl-Athleten in den langen Distanzen. Der Cottbuser Stefan Bäumann belegte den undankbaren 4. Platz und Max Weber den 7. Platz vor dem 3. deutschen Fahrer.

Nach der Siegerehrung gratulierte ich Heinz Frei bewundernd zu seinem Sieg. Immerhin ist er schon 50 Jahre alt und seit 20 Jahren fährt er in der Weltspitze seine Rennen. Ich fragte ihn, was er denn in zehn Jahren machen wird. Seine Antwort: “dann spiele ich Curling”. Bevor es soweit sein wird, hat er noch ein Straßenrennen und fährt am letzten Tag den Rollstuhlmarathon, den er bei fast allen Paralympics seit 1988 gewonnen hat.

Auf der Zuschauertribüne traf ich auch meinen langjährigen Sportfreund aus Salzburg, Walter Pfaller. Er war viele Jahre erfolgreicher Leichtathlet und Rollstuhlbasketballer.

Beruflich ist er im Salzburger Land Sportdirektor für den gesamten Sport. In Peking ist er Chef de Mission für die österreichische Mannschaft, die aus 34 Athleten besteht.

Im anschließenden Mixed-Rennen der Klasse CP, das sind Sportler mit spastischen Beeinträchtigungen, holte sich Barbara Weise von der ISG Erlangen die Silbermedaille. Ausdauersportarten sind bestens geeignet für Menschen mit Spasmen.

Nachmittags starteten die Rennen der Klassen LC 1 - LC 4. Das sind Sportler mit inkompletter Lähmung und Amputationen. Endlich konnten die zwei oberbayerischen Topfahrer Wolfgang Sacher in der LC 1 (weniger Behinderung) und Michael Teuber in der LC 4 (inkomplette Querschnittslähmung an den Beinen) die ersehnte Goldmedaille einfahren. Ich habe mich riesig über den Erfolg der beiden sympathischen Sportler gefreut.

Im National Stadium, dem Vogelnest, war heute am Spätnachmittag und am Abend die Hölle los. Es gab viele spannende Wettkämpfe und Läufe. Die chinesischen Athleten sind aufs beste vorbereitet und werden von ihrem Publikum lautstark unterstützt. Aber auch für alle anderen Starter gibt es genügend Applaus und Anfeuerungsrufe.

Herauszuheben ist der chinesische Speerwerfer, der mit perfekter Wurftechnik einen neuen Weltrekord mit 57,23 m erreichte. Die deutschen Athleten, die heute Abend angetreten sind, konnten sich leider nicht weiter qualifizieren.

Die Stimmung war bestens und die geschätzte Temperatur noch um die 30 Grad.

Regen hatten die Olympischen Spiele, auf die Paralympics scheint die Sonne!

Morgen gibt es wieder einen interessanten Wettkampftag, auf den ich mich jetzt schon freue.

Bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell
 

11.09.08: Ausflug zum größten Platz der Welt

Blumenwerbung auf dem Platz des Himmlischen Friedens
Australische Fans in der Schwimmhalle
Wolfgang Sacher, Radsportler aus Penzberg

Mit einem normalen Taxi fuhr ich heute, wieder bei strahlend blauem Himmel, zum Platz des Himmlischen Friedens, dem größten Platz der Welt.

Im Hotel habe ich mir erstmal das Wort “Taxi” in chinesischen Buchstaben aufschreiben lassen und auch den Ort, an dem ich mich verabredet habe. Vor dem Swissotel ist es kein Problem ein Taxi zu bekommen. Ich bat einen freundlichen Helfer mittels Zettel mit dem chinesischem Wort Taxi darauf, mir ein Fahrzeug anzuhalten.

Für 3 Euro ging es dann im Stau in die Innenstadt.

Der Platz ist für die Paralympics herrlich mit Blumen geschmückt und war heute voller Menschen. Zu den Einheimischen, von denen immer noch viele im Zwangsurlaub sind, gesellte sich eine bunte Mischung der teilnehmenden Nationen.

Für die Teilnehmer werden solche Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten rund um Peking im Paralympischen Dorf angeboten.

Über eine Unterführung, die mit dem Rolli wegen der Querrillen nicht einfach zu befahren ist, gelangten wir zum Eingangsbereich in die “verbotene Stadt”, dem Alten Kaiserpalast.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ließ der Yongle-Kaiser in seiner neuen Hauptstadt ein architektonisches Meisterwerk schaffen, mit einem außergewöhnlichen Sinn für die Balance zwischen Gebäuden und offenen Flächen.

Trotz beschwerlicher Wege und viel zu steilen Rampen arbeiteten wir uns von Hof zu Hof auf der zentralen Achse vorwärts.

Die Wege für Rollstuhlfahrer waren gut ausgezeichnet. Beim großen Kaiserpalast angekommen staunten wir nicht schlecht über zwei mobile Treppenraupen, die die bereits in einer Schlange wartenden Rollstuhltouristen über die alten Steintreppen zum Kaiserpalast beförderten.

Hans und ich sind dann auch alle Rampen gefahren und haben so einen guten Eindruck von der ästhetischen Schönheit der zum größten Teil renovierten Höfe- und Palästeanlage erhalten.

Bereits in Athen haben die Paralympicteilnehmer von den großen Verbesserungen für Rollstuhlfahrer profitiert. So ist die U-Bahn in Athen absolut barrierefrei gebaut worden und für die Spiele wurde eine Aufzugsanlage zur Akropolis installiert. Auch ich habe damals wie heute diesen Extraservice gerne angenommen. Es ist nur zu hoffen, dass die Rampen und der Aufzug in der “verbotenen Stadt” nach den Spielen nicht wieder abmontiert werden. Wir haben heute auch eine größere Gruppe von einheimischen Rollstuhlfahrern gesehen, die diese Befahrmöglichkeit wohl genutzt haben. Jedoch ist es erbärmlich, in welch alten, zu großen und verrosteten Stühlen die Behinderten Chinesen herumgeschoben wurden. Mir fällt gar kein Vergleich ein, wann es solche Vehikel bei uns in Deutschland einmal gegeben haben könnte. Wohl nie!

Annafee, die 17jährige Starnberger Gymnasiastin und Tochter des Rollstuhl-Schützen Dr. Hans Brunner, spricht recht gut Chinesisch und hat uns damit so manche Information eingeholt.

Beim Zurückfahren haben wir sie vorgeschickt, damit sie uns ein Taxi anhält. Vorsorglich haben wir beiden Rollis uns im Hintergrund gehalten. Wir wissen schon aus Erfahrung, dass es im Ausland üblich ist, Rollstuhlfahrer lieber nicht mitzunehmen. Nachdem 4 Taxifahrer es auch tatsächlich abgelehnt haben, einen von uns mitzunehmen, obwohl Annafee immer ihre Hilfe angeboten hat, habe ich mich entschlossen, den langen Weg mit dem Rollstuhl zu fahren. Schließlich war ich mal Marathonfahrerin und da sollten 5 - 7 km kein Problem sein. Eine Karte auf englisch und chinesisch hatte ich im Rucksack.

Nach ca 30 Minuten war ich im Hotel. Erfreulicherweise sind auf den großen Straßen die Bürgersteige abgesenkt und der Fahrradstreifen ist auch breit genug. Ich habe mich in der chinesischen Fahrweise geübt und bin stur und erhobenen Hauptes im Eiltempo meinen Weg gefahren. Kein Auto und auch keines von den Klapperrädern hat mir die Vorfahrt genommen! Sollte ich nochmals in die Innenstadt wollen, werde ich wieder selbst fahren.

Durch diesen Ausflug sind mir einige erfolgreiche Wettbewerbe entgangen, die ich im Aquacenter am frühen Abend noch nachgeschaut habe.

Rollstuhlbasketball

Die Rollstuhlbasketball Damen haben deutlich das englische Team geschlagen. Die Herren haben ebenfalls ihr letztes Vorrundenspiel gewonnen.

Tischtennis

Im Tischtennis erkämpfte sich Jochen Wollmert Gold, Daniel Arnold musste sich mit Silber zufrieden geben und für die einzige noch im Wettbewerb stehende Dame Andrea Zimmerer gab es Bronze.

Rudern

Bei den Ruderwettbewerben, die dann auch mit dem heutigen Tag beendet sind, hat sich das erfolgreiche deutsche WM-Mixteam im Vierer von 2007 mit dem undankbaren 4. Platz abfinden müssen. Es hat sich allerdings gestern schon abgezeichnet, dass die Konkurrenz doch stärker ist, als bei der WM 2007 in München. Da hatten wohl die starken Nationen gefehlt.

Schwimmen

Im Aquacenter holte sich Kirsten Bruhn von der PSV Union Neumünster in 400 m Freistil die Bronzemedaille, nachdem sie bereits Bronze in 100 m Freistil und Silber in 100 m Rücken gewonnen hatte. In der China Daily News hat sie in einem Interview berichtet, dass sie bereits mit 3 Jahren Schwimmen lernte und von da an schon für eine Schwimmkarriere aufgebaut wurde. Sie hatte 1991 einen Unfall und ist seither inkomplett querschnittsgelähmt. 2002 hat sie dann im Behindertensport wieder mit dem Schwimmtraining angefangen und möchte trotz ihrer 39 Jahre noch vier Jahre Leistungssport dranhängen. Das deutsche Schwimmteam ist geprägt von jungen, talentierten Schwimmsportlern. Hier macht sich eine gute Nachwuchsarbeit um den Cheftrainer Bernhard von Welck und den Abteilungsleiter Winfried Wippern bemerkbar. Kirsten Bruhn betonte in ihrem Interview, das eine gezielte Talentsuche und Nachwuchsarbeit bereits im Kindergarten und der Grundschule erfolgen muss, will Deutschland nicht ganz abgehängt werden von den erfolgreichen Schwimm-Nationen, wie England, Australien, USA und Russland.

Also bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell
 

10.09.08: Blauer Himmel über Peking!

Daniel Arnold im Wettkampf
Siegreich Daniel Arnold und Jochen Wollmert

Peking und strahlend blauer Himmel den ganzen Tag,  was für eine Seltenheit.

Mein Weg führte mich heute zum Universitätsgymnasium zum Tischtennis. In der Sporthalle sind acht Spielfelder aufgebaut. Sie ist sehr funktional und absolut barrierefrei. Sporthallen mit diesem Raumangebot und Ausstattung kenne ich bei uns gar nicht.

Es ging für einige deutsche Spieler und Spielerinnen in die 2. Runde. Die Zuschauerränge waren voll und dementsprechend die Stimmung, insbesondere wenn einheimische Spieler am Tisch waren.

Bewundernswert für mich ist immer wieder Daniel Arnold mit seiner Nervenstärke. Er gewann sein Spiel im 4. Satz, ebenso sein Teamkollege Jochen Wollmert aus Solingen. Die Freude der beiden war riesengroß und ich konnte von meinem Platz aus direkt noch im Freudentaumel ein Foto schießen.

Das herrliche Wetter nützte ich für den etwas weiteren Ausflug nach Shunyi zum Olympia Ruder-Kanu-Park. Mit dem Auto waren wir trotz der freien Olympiastrecke circa eine Stunde unterwegs. Meine Beobachtung ist es, dass der Verkehr ruhig und mit wenigen Unfällen dahin fließt. Die Staus, wenn wieder alle Fahrzeuge fahren dürfen, kann ich mir vorstellen.

Auch für die Paralympic-Teilnehmer gilt die Regelung: an einem Tag dürfen Autos mit den geraden Zahlen auf den Nummernschildern fahren und am nächsten Tag die mit den ungeraden letzten Ziffern. Mittlerweile habe ich mich auch an das vorherrschende Gesetz gewöhnt: zuerst kommt der größere und der schnellere an die Reihe.

Ganz egal, ob ein Zebrastreifen oder die Radfahrer-Fußgängerampel grün zeigt. Ich habe das Gefühl, dass bei dieser hierarchischen Regelung mehr Rücksicht auf einander genommen wird. Unsere deutsche Art: wo ich recht hab, hab ich recht, ist sicher auch für ausländische Gäste gewöhnungsbedürftig.

Rudern

Das paralympische Rudern für Einer, gemischte Zweier und gemischte Vierer ist 2008 neu im Programm. Mix-Boote werden von Ruderern und Ruderinnen gefahren. Die Behinderung kann unterschiedlich sein. Geeignet ist Rudern für blinde und sehbehinderte Sportler. Ebenso für Menschen mit einer Amputation.

Ich habe heute  auch Einarm-Ruderer gesehen. Die beiden Ruderstangen sind miteinander verbunden und der kräftige Ruderschlag muss für beide Ruderblätter ausreichen. Wenn keine Rumpfstabilität mehr vorhanden ist, wird rudern als Leistungssport nicht möglich sein.

Aber wer weiß schon, was sich behinderte Sportler alles einfallen lassen, um nach einem Unfall den Lieblingssport wieder ausüben zu können. Vielleicht mit einer Bandage oder speziellen Sitz, der dem Körper genügend Halt gibt, könnte rudern möglich sein.

Es gibt noch nicht viele Ruderboote und auch die Leistungsdichte fehlt. Die Vorläufe, die heute stattfanden, zeigten die deutlichen Unterschiede. Es gibt noch zuwenig gut trainierte behinderte Ruderer. Wahrscheinlich auch deswegen hat die deutsche Mannschaftsleitung mehrere alte, erfahrene Ruderer ins Team genommen.

Der gemischte Vierer legte im letzten Vorlauf einen tollen Endspurt hin und qualifizierte sich damit für das Finale morgen.

Morgen habe ich mich mit Dr. Hans Brunner in der “Verbotenen Stadt” verabredet, damit ich außer Sport auch etwas von den markanten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt mit bekomme. Abends freue ich mich schon auf interessante Schwimmwettbewerbe im Aqua-Center.

Als bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell
 

09.09.2008: Neues vom 5. Wettkampftag

Margit Quell mit Mitarbeitern des Fahrdienstes
Margit Quell mit Mitarbeitern des Fahrdienstes
Margit Quell und Teilnehmer aus der griechischen Delegation
Margit Quell und Teilnehmer aus der griechischen Delegation

Heute Morgen war der sonst trübe Himmel über Peking noch trüber und dazu feucht.

Mit dem Paralympic-Fahrdienst fuhr ich zum Vogelnest, genauer gesagt zum Eingang in den VIP-Bereich. Ich staunte nicht schlecht, als es noch auf der großen Zufahrtsstraße in den Untergrund ging. Da schein ja das gesamte Olympiagelände untertunnelt zu sein.

Der gesamte Zubringerdienst für die Athleten und den Ehrengastbereich spielt sich in verschiedenen Untergeschossen ab. Überblickt habe ich das nicht. Mein Wagen hielt jedenfalls vor dem roten Plüschteppich und den golden glänzenden Spiegelwänden.

Auf den tiefen Teppichflor freue ich mich immer wieder. Das ist dann die fahrerische Trainingseinheit unter erschwerten Bedingungen. Sport in den Alltag einbauen, ist doch eine gute Devise!

Der Leichtathletikvormittag im fast vollbesetzten Stadion war kurzweilig und spannend. Die Berlinerin Marianne Buggenhagen gewann erwartungsgemäß den Diskuswettbewerb der Frauen in der Klasse F54-56 mit 26,83 m. Mit ihr tritt eine hervorragende Werferin an, deren Technik ausgefeilt und ihre Leistungen in den technischen Disziplinen Kugel, Diskus und Speer seit den Paralympics 1992 beständig ist.

Wie ich der Paralympic-Info entnommen habe, ist sie mit 55 Jahren die älteste Leichtathletin dieser Spiele.

Insgesamt stehe ich den technischen Wettbewerben sehr kritisch gegenüber. Diese Sportarten sind weltweit nicht mehr präsent und gehören zu Gunsten anderer Disziplinen vom paralympischen Programm genommen. Beim heutigen Weitsprung der Frauen waren nur noch sechs Athletinnen am Start. Gewonnen hat, wie schon die Jahre zuvor, eine 42-jährige Österreicherin.

Der Wettkampf im Diskuswerfen war mit zehn Frauen ebenfalls schwach besetzt. Bei einigen Werferinnen mangelte es an der Wurftechnik.

Radsport

Heute nachmittag war ich im Laoshan Velodrome, um die deutschen Radsportler anzufeuern.

Vor ein paar Tagen habe ich den 30 Personen starken Fanclub von Wolfgang Sacher aus Penzberg auf der Flaniermeile getroffen. Zu Gold hat es noch nicht ganz gereicht, aber das Rennen um Bronze heute Nachmittag bei 1000 m Zeitfahren der Klasse LC1 war spannend und die Konkurrenz sehr stark. Der 42-jährige Verwaltungsfachwirt hat 2005 durch einen Stromunfall den linken Arm und alle Zehen rechts verloren. Er hat sofort wieder mit dem Radsport, den er vorher schon betrieben hat, weiter gemacht.

Bei Michael Teuber aus Odelzhausen ging es im 3000 m Verfolgungsrennen um Gold. Die ersten drei Runden führte er noch, aber dann verlor er beständig gegenüber seinem Konkurrenten, einem italienischen Radsportler und mußte sich mit Silber zufrieden geben. Für den 40-jährigen Betriebswirt ist es nach 2 x Gold in Athen wieder ein guter Erfolg bei Paralympics. Er wird sicher seine guten Chancen beim noch ausstehenden Straßenrennen wahrnehmen.

Mit einem kulturellen Höhepunkt im Poly-Theater habe ich den heutigen Sporttag ausklingen lassen. Die Kunst-Universität für behinderte Kinder und Jugendliche bot ein kurzweiliges Programm mit Ballett, Tanz, Musik und Gesang von gehörlosen, blinden und körperlich behinderten jungen Menschen.

Es war das gleiche Ensemble, das bereits am Samstag in der Eröffnungsfeier zu sehen war.

Also bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell
 

08.09.2008: Der 4. Wettkampftag

Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen
Rollstuhlbasketballspiel der Damen

Ich bin soeben, es war gegen 21.00 Uhr Ortszeit, vom National Indoor Stadium, in dem Rollstuhlbasketball ausgetragen wird, zurück ins Hotel gefahren, voll von Impressionen eines aufregenden Tages.

Eine Vielfalt von bunten Lichtern an Gebäuden und in Grünanlagen zaubert diese besondere Stimmung in den Olympiapark und entlang der Straßen, die tagsüber durch die dunkelgrauen Hallen und eintönig gepflasterten Großflächen nicht vorhanden ist.

Dazu gehört auch das Vogelnest und das Aquacenter, die nur bei Nacht in bunter Schönheit erstrahlen. Tagsüber taucht auch der offensichtlich ständig vorhandene Dunst das graue Ensemble noch mehr ins farblose.

Stellt man sich einmal im Jahr die Lichterkunst an Gebäuden, Pflanzen und Bäumen in Fürstenfeldbruck während der Kulturnacht vor, so ist das in Peking Alltag.

Den Morgen verbrachte ich im Vogelnest bei der Leichtathletik. Um 8.30 standen schon Menschentrauben vor den Zugangskontrollen und weitere Massen bewegten sich auf den Bürgersteigen in Richtung Olympiapark. Da war ich doch hoch erfreut, denn für die Athleten sind volle Zuschauerränge zusätzliche Motivation.

Bei den technischen Wettbewerben der Frauen erzielten - im Beisein des Bundespräsidenten Horst Köhler, seiner Gattin, dem Botschafterehepaar Schäfer und seiner Begleitmannschaft - deutsche Athletinnen zwei Silber- und eine Bronzemedaille.

Zu gleicher Zeit konzentrierten sich zwei oberbayerische Schützen in der Pekinger Schützenhalle auf ihren Einsatz und mittags bereits konnte ich im Info-Center ihre erfreulichen Ergebnisse abrufen.

Der 46-jährige kaufmännische Angestellte Norbert Gau aus Erdweg bei Dachau, der seit 1981 nach einem Unfall mit einer Querschnittslähmung auf den Rollstuhl angewiesen ist, startete bei Luftpistole stehend mit 693.7 Ringen mit einer Silbermedaille.

Sein 50-jähriger Teamkollege Josef Neumaier aus Altötting belegte mit 692 Ringen den fünften Platz. Der Sparkassenbetriebswirt, der von Geburt an mit Glasknochen behindert ist, war bereits 1996 in Atlanta mit 1 x Gold und 1 x Silber und 2000 in Sydney mit 1 x Silber erfolgreicher Schütze. Beide haben in den nächsten Tagen noch Chancen auf weitere gute Platzierungen.

Im Sportschießen gibt es die Unterteilung in die Startklasse I (SH1) und die Start-klasse II (SH2). In welcher Klasse geschossen wird, richtet sich nach den Einschränkungen, die der behinderte Schütze hat. Die Paralympischen Disziplinen werden mit Luftdruck- und Kleinkalibersportwaffen geschossen. Insgesamt gibt es acht verschiedene Gewehrdisziplinen, die teilweise in offenen Klassen angeboten werden. In den nächsten Tagen kommen noch die oberbayerischen Schützen Harald Hack vom HSG München und Simon Voit von der SG Obing zum Einsatz.

Morgen wird es für mich wieder ein Leichtathletikvormittag und abends muss ich unbedingt in das Aqua-Center, denn dort soll die beste Stimmung herrschen.

Die Rollstuhlbasketball-Herren haben heute Abend leider ihr zweites Spiel gegen Japan knapp mit 56 : 58 verloren. Am Vortag konnten sie schon nicht gegen die Mannschaft aus Canada gewinnen. Damit sind ihre Chance auf einen Medaillenplatz gleich Null.

Die beiden Münchner Spieler Florian Fischer und Ahmet Coskun, die in der 1. Bundesliga für den USC München spielen, waren im heutigen Spiel häufig im Einsatz und ihr Kampfgeist und Können hat mir sehr gut gefallen. Florian Fischer ist ein Garant für 3-Punkte Würfe.

Das Damen-Team hat zwar ebenfalls knapp mit 38 : 42 gegen USA verloren, jedoch stehen ihre Chancen noch sehr gut. Die USA war in der Gruppe, in der sie die Vorrunde spielen, der stärkste Gegner. Vielleicht sehen wir beide Teams wieder im Endspiel.

Mit sportlichen Grüßen aus Peking,

Eure Margit Quell

07.09.2008: Die Eröffnungsfeier

Traumhafte Eröffnungsfeier (Margit Quell)
Traumhafte Eröffnungsfeier

In gespannter Erwartung auf die Eröffnungsfeier am Abend, habe ich untertags nur ein kleines Programm geplant. Mit dem ehemaligen Paralympioniken Dr. Hans Brunner aus Starnberg - er gewann jeweils Gold im Luftgewehr 1988 und 1992 - habe ich mich zum Mittagessen auf der edlen Einkaufsstrasse Wangfujing getroffen.

Er ist mit seiner 17-jährigen Tochter, die im Gymnasium Starnberg seit vielen Jahren chinesisch lernt, als Tourist in Peking. Er bedauert, dass es so wenig Eintrittskarten zu den Wettkämpfen gibt. Offensichtlich sind die meisten Karten an die Schulen verteilt worden, damit sicher gestellt ist, dass die Zuschauerränge voll sind. Ich kenne das von Seoul 1988.

Ich habe das Glück, dass ich über das Internationale Paralympische Komitee (IPC) akkreditiert bin und auch in dem offiziellen IPC-Hotel wohne. Das erleichtert natürlich alles. So habe ich Zugriff auf den offiziellen Fahrdienst, komme in alle Wettkampfstätten und in die VIP-Bereiche.

Verena Bentele, vom Post e.V. München, ist als IPC-Botschafterin ebenfalls in Peking und hat mir heute beim Frühstück erzählt, dass sie heute einige offizielle Termine hat.

Nun aber zu der eindrucksvollen Eröffnungsfeier gestern Abend im Vogelnest. Es war alles perfekt mit einer Armee an ausgesprochen freundlichen und englisch sprechenden Helfern organisiert. Noch nie habe ich ein so großes Heer an jungen, äußerst diszipliniert auftretenden Polizisten gesehen. Für mich ist auch immer wichtig, dass gute Stimmung herrscht und das Gefühl hatte ich.

Im VIP-Bereich wimmelte es an wichtigen Persönlichkeiten, die von dezenten chinesischen Bodyguards bewacht waren.

Mein Überblick war in der sitzenden Position nicht besonders gut.
Einige Persönlichkeiten konnte ich dennoch ausmachen. Allen voran unseren Bundespräsidenten mit Gattin, die der Eröffnungsfeier zu den 13. Paralympischen Spiele ihre Ehre gaben. Das war für die 170 deutschen Athleten und 110 Betreuer, Trainer und Funktionäre eine sehr wichtige Geste. Auch viele Stimmen aus der “Paralympic-Family” waren heute morgen sehr positiv.

Mit buntem Feuerwerk, klassischer Musik und Gesang begann bei trockener, schwülwarmen Abendstimmung das dreistündige Eröffnungsspektakel.

Die Hälfte der Zeit war nötig für den Einmarsch der 147 Länderdelegationen. Die Fröhlichkeit der Zuschauer, die das Programm kräftig mit Fähnchen, Lichter und Glöckchen unterstützten sprang allerdings leider nicht zu den VIP’s über.

Wir hatten zwar optimale Sicht, einen bequemen Sitz, Essen und Trinken und waren mit einem Fernglas ausgestattet, jedoch kam nur verhaltene Stimmung auf. Vor mir saß Katharina Witt mit Freund und war sichtlich angetan von den Choreographien zu den Themen “Eintauchen in die Träume”, Reise ins All”, “Zeitreise“, “Lebensreise”, “fünf Jahreszeiten”, “nie endender Tanz”.

Wir waren alle hingerissen von der sich immer wieder wandelnden Großbühne in der Mitte der Arena, die in den Farben der Jahreszeiten erstrahlte.

Es rückten an diesem Abend behinderte Künstler in den Blick der Weltöffentlichkeit.

In die Themen des Abends waren wunderbar eingebunden eine Sopranistin, ein Tenor, ein Pianist und ein Trompeter, die alle blind sind.

Mit den Reden von Liu Qi, dem Präsidenten des Pekinger Organisationskomitee der Olympischen und Paralympischen Spiele und Philip Graven, dem Präsidenten des Paralympischen Komitee wurden die Spiele eröffnet, die Paralympische Flagge aufgezogen und das Feuer entzündet.

Heute in aller früh gingen die Wettkämpfe los. Für einige bayerische Athleten stehen schon Finalkämpfe an. Ich fiebre zwar mit, freue mich jedoch auf den Emfang der deutschen Botschaft heute Abend.

Also bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell

5.09.2008: Ankunft in Beijing (Peking)

MyHandicap-Botschafterin Margit Quell
MyHandicap-Botschafterin Margit Quell

Ich bin heute am 5. September in Beijing (Peking) angekommen. Allerdings befinde ich mich schon seit Montag, den 1. September in China.

Mit einem zehnstündigen Direktflug von München nach Shanghai begann mein fernöstliches Abenteuer. Diese imposante Hafenstadt beeindruckte mich bereits bei der Ankunft am Flughafen. Weitläufig, für Rollis kein Problem - für das gehende Volk sehr weite Wege, macht er eher einen verlassenen Eindruck. Das geschäftige Treiben wie in München fehlt.

Ärgerlich für mehr als 100 Reisende und auch für mich war das alte Logistikproblem des Münchner Flughafens mit der Gepäckverschickung. In einer langen Warteschlange mussten wir Formulare ausfüllen, damit das fehlende Gepäckstück nachgeliefert werden kann.

Am nächsten Tag um Mitternacht war ich froh, meine Reisetasche wieder zu haben. Es war nicht leicht, passende Ersatzwäsche im Kaufhaus nebenan zu finden. Mit zierlichen Größen haben die gut genährten Europäer und auch ich Probleme. Etwas missmutig kamen mir die Erweiterungsabsichten der Flughafen GmbH in den Sinn. Da wäre es doch sinnvoll, die einfachen Logistikprobleme in den Griff zu bekommen, bevor der Bauwahnsinn weitergeht.

Diesen Betonwahnsinn kann man in Shanghai bestaunen. Wir hatten Dank der sehr guten Beratung des Fürstenfeldbrucker DER-Tour Reisebüros in Citylage ein günstiges, zwar altes aber sauberes Hotel und eine deutschsprachige Stadtführung gebucht. Auch der Transport vom und zum Flughafen mit dem deutschsprechenden Reiseleiter hat sich als sehr sinnvoll und hilfreich herausgestellt.

Alle fünf wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Shanghai konnte ich im Rollstuhl gut bewältigen. Vom Fernsehturm aus ist die Betonwüste weit hin sichtbar. Unvorstellbar, dass dort 18 Millionen Menschen wohnen und den Weg zur jeweiligen Arbeitsstätte bewältigen müssen.

Das märchenhafte China haben wir dann im Yu-Garten, der Altstadt und im Jadetempel erlebt. Auf de Nanjing Lu erlebten wir die typische großstädtische Shoppingwelt. Glücklich waren wir über ein Seidengeschäft, das sehr gut sortiert ist und die Verkäuferinnen sehr kompetent sind. Alle sprechen ein verständliches Englisch.

Mit einem befreundeten Arzt, der zwischen München und Shanghai pendelt, haben wir uns zu einem  ausgezeichneten Fischessen verabredet. Eine Stunde Schifffahrt bei Nacht auf dem Huangpu ist wie Tausend und eine Nacht. Hoch, bunt, schrill!

Gleich darauf haben wir uns wieder geerdet mit einem Absacker  im alten Turm   an der Uferpromenade, dem Bund. Der Turm der als Signal für die Schiffe des Huangpu Flusses 1907 erbaut wurde, wird heute als  Salsabar und Museum genutzt.

30 km in 8 Minuten, das musste sein, auch wenn der Weg mit dem Taxi zur Endstation 40 Minuten gedauert hat. 431 kmh haben wir auf dem Foto festgehalten.

Der Transrapid, auf den die Münchner nun verzichten müssen oder dürfen, war für uns eine Reise wert. Zurück in die Innenstadt bin ich wegen der Staus auf den Straßen mit der U-Bahn gefahren.

Ein Erlebnis, das ein Rolli nur mit viel Erfahrung und dem richtigen Riecher schaffen kann. Da heißt es: nur nicht aufgeben, irgendwo muß ja ein Aufzug sein. Sobald ich ihn gefunden hatte, musste ich das Schlüsselmädchen noch ausfindig machen. Aber ich hab’s geschafft und bin auf der Prachtstraße in der City gelandet.

Nun kann es in Peking mit den Paralympics los gehen. Die Spiele sind gut sichtbar  überall angekündigt.  Auf dem Inlandsflug heute mit  Air China habe ich auf dem Monitor zwei Stunden  Ausschnitte von den Paralympics 2004 in Athen gesehen.

Hoffentlich kommen viele Zuschauer zu den Wettkämpfen, ob freiwillig oder von der Regierung angeordnet. Mal sehen!

Bis zum nächsten Mal,

Eure Margit Quell