Das deutsche Gesundheitssystem

Das deutsche Gesundheitssystem gliedert sich im Wesentlichen in die privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen. Zwischen diesen beiden Versicherungsformen existieren allerdings wesentliche Unterschiede, welche wir Ihnen im Folgenden näher erläutern.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen

Der weit überwiegende Teil der Bevölkerung ist derzeit in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert. So waren im Jahre 2006 ca. 85% der Bundesbürger Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Die gesetzliche Krankenversicherung gliedert sich in unterschiedliche Kassenarten auf. Von den rund 250 Krankenkassen fallen die Betriebskrankenkassen (BKK) rein zahlenmäßig mit Abstand am stärksten ins Gewicht. Die meisten Mitglieder haben jedoch die Ortskrankenkassen (AOK), gefolgt von den Ersatzkassen (EAN), den Betriebskrankenkassen und den Innungskassen.

Das System der gesetzlichen Krankenversicherung baut auf dem Solidaritätsprinzip auf, so dass die Beitragssätze sich an der jeweiligen Finanzkraft des Mitgliedes orientieren und nicht an dessen Gesundheitszustand oder Alter. Es wird das Umlageverfahren angewandt, wodurch laufende Ausgaben durch die jeweiligen laufenden Einnahmen gedeckt werden. Der Einzelne erhält im Krankheitsfall unmittelbar Sachleistungen, ohne dass er gegenüber den Leistungserbringern direkte Zahlungen zu leisten hat. Dies wird als Sachleistungsprinzip bezeichnet. 

Die privaten Krankenversicherungen

In der privaten Krankenversicherung (PKV) versichern sich in erster Linie Personen, für die keine Versicherungspflicht in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) besteht (Arbeitnehmer, deren Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt sowie Beamte, Selbständige und Freiberufler).

Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung, wird bei  der PKV das Alter und der Gesundheitszustand als Grundlage der Beitragsbemessung zugrunde gelegt.

Für einen Teil der Bevölkerung besteht die Möglichkeit, zwischen der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung zu wählen. Arbeitnehmer können derzeit in die privaten Krankenversicherungen wechseln, sobald sie drei Jahre lang über der gesetzlichen Versicherungspflichtgrenze von 4.012,50 Euro pro Monat (Jahreseinkommen 48.150€) liegen.

Anlass für einen Wechsel besteht vor allem dann, wenn die Beitragsbelastungen in der PKV niedriger sind. Dies ist in der Regel bei jüngeren Versicherten ohne Kinder der Fall, da die Beitragsberechnung der PKV allein auf das Krankheitsrisiko und nicht auf die Einkommenshöhe abstellt. Der anfängliche Versicherungsbeitrag richtet sich nach folgenden Kriterien:

  • Geschlecht: Frauentarife sind aufgrund der höheren Lebenserwartung und häufigerer Inanspruchnahme von Behandlungen in der Regel teurer.
  • Eintrittsalter der versicherten Person.
  • Tarifliche Leistungen: Höhere Leistungen (z. B. Chefarztbehandlung) ergeben einen höheren Beitrag.
  • Gesundheitszustand

Text: Frank Bolz, MyHandicap

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung