Architekt Frank Opper

Frank Opper bei der Arbeit
Frank Opper ist Architekt mit Leib und Seele - und Rollstuhl

„Menschen sind nicht normbar“

Für eine Baustellenbegehung ist ein Rollstuhl sicher nicht das optimale Fortbewegungsmittel. Dennoch ist der querschnittgelähmte Frank Opper Architekt geworden und hat sich als solcher etabliert. Besonders bei der Begutachtung barrierefreier Umbauten hat sein Wort Gewicht. Seit einiger Zeit ist der 36-Jährige auch Botschafter und Fachexperte bei MyHandicap.

Die Bauaufsichtsbehörde in Neuss überprüft und genehmigt die Bautätigkeiten von Frank Opper. Beispielsweise achtet sie darauf, dass der Architekt mindestens eine barrierefreie Wohnung mit einplant, wenn er ein Objekt mit mehr als zwei Wohneinheiten baut. So schreibt es die nordrheinwestfälische Bauordnung nämlich vor. Problematisch daran ist allerdings, dass Frank Opper solche und andere Fälle gar nicht mit den zuständigen Sachbearbeitern persönlich besprechen kann: Der 36-jährige Architekt ist nämlich durch eine Querschnittlähmung auf die Benutzung eines Rollstuhls angewiesen, und die Bauaufsichtsbehörde hat keinen barrierefreien Zugang.

Frank Opper
Engagiert: Frank Opper will die Wohnsituation behinderter Menschen verbessern

Aber solche, an sich skandalösen Umstände werfen einen wie Frank Opper nicht aus der Bahn. Er ist sich bewusst, dass die Welt nicht überall rollstuhlgerecht ist. Wenn er beispielsweise mit seinen Freunden in der
Düsseldorfer Altstadt ausgeht, müssen sie ihn auch schon mal in die eine oder andere Kneipe reintragen; das ist nichts Besonderes. Und auf den Baustellen liegt das Mobilitätsproblem für ihn in der Natur der Sache. Hier kommt es nicht selten vor, dass ein paar Handwerker anpacken müssen, um den rollstuhlfahrenden Architekten an die richtigen Stellen zu bringen.
Seiner Anerkennung hat das keinen Abbruch getan. „Im Gegenteil!“, sagt der 36-Jährige, „Viele haben gro-ßen Respekt vor meiner Leistung“. Die besteht vor allem darin, die Welt ein wenig barrierefreier zu gestalten.

Frank Opper mit einem Bauherren auf deren Baustelle
Auge in Auge: Viele behinderte Bauherren schätzen die Kompetenz von Frank Opper

Dem barrierefreien Bauen mehr Beachtung schenken

Schon das allererste Bauprojekt, das Frank Opper durchführte, hatte etwas mit barrierefreiem Bauen zu tun: Nach seinem Motorradunfall vor 15 Jahren musste das elterliche Wohnhaus umgebaut werden. Damals war Frank Opper noch Student, und er führte das Projekt gemeinsam mit seinem Vater durch, der Bauingenieur ist. Seitdem Frank Opper sein Studium beendet hat, bildet er zusammen mit seinem Vater ein Team, das als Architektur- und Ingenieurbüro von der Planung bis zur Umsetzung alle Leistungen anbieten kann. Etwa 50 Prozent der Bauprojekte, die Frank Opper und sein Vater durchführen, haben etwas mit barrierefreiem Bauen zu tun. Ihre Erfahrung und ihre Kompetenz in diesem Bereich haben sich inzwischen herumgesprochen. „Es gibt nicht viele Architekten, die sich in diesem Bereich richtig gut auskennen“, berichtet Frank Opper aus seiner Erfahrung.

 

Das liegt vor allem in der Tatsache begründet, dass das Thema barrierefreies Bauen im Architekturstudium noch immer eine untergeordnete Rolle spielt. Für Frank Opper ist das unverständlich. „Nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung sollten wir diesem Thema wesentlich mehr Aufmerksamkeit widmen“, sagt er. In Nordrhein-Westfalen fehlt schon jetzt entsprechender Wohnraum, und die Situation wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen. Nach Ansicht des 36-Jährigen reicht es aber nicht aus, wenn seine Kollegen einmal einen Vortrag zu diesem Thema bei der Architektenkammer gehört haben. „Ich würde es begrüßen, wenn man qualifizierte Experten in diesem Bereich an einem geprüften Siegel erkennen könnte“.

Frank Opper auf einer Baustelle

Der Rollstuhl als Argumentationshilfe

Viele Architekten, die nicht über die entsprechenden Kenntnisse verfügen und mit dem Thema barrierefreies Bauen konfrontiert werden, greifen einfach zur DIN und setzen diese um. Im öffentlichen Bereich ist das nach Ansicht von Frank Opper auch ein guter Weg. „Im privaten Bereich kann die DIN aber nur eine Orientierungshilfe sein, weil Menschen nicht normbar sind“, stellt er fest. Allerdings ist es nicht immer unproblematisch von der DIN abzuweichen. Ist ein Kostenträger im Spiel oder geht die Sache gar vor Gericht, gilt die DIN wiederum als Maßstab. Eine von ihr abweichende individuelle Gestaltung des Wohnraums kann deshalb in solchen Fällen nur mit ausdrücklicher Genehmigung aller beteiligten Stellen erfolgen.

Frank Opper in seinem Büro
Unermüdlich: Sowohl bei der Planung und Kostenübernahme als auch auf der Baustelle hat Frank Opper immer wieder mit Barrieren zu kämpfen

Dabei ist die DIN nach Ansicht des Rollstuhl fahrenden Architekten längst reformbedürftig. Entsprechende Versuche sind in der Vergangenheit aber immer wieder an den zahlreichen Einsprüchen aus den verschiedensten Richtungen gescheitert. Insbesondere bei (Um-Baumaßnahmen im privaten Bereich kann das unange-nehme Folgen haben. „Wenn jemand frisch verletzt wurde, weiß er ja noch gar nicht, was er konkret braucht“, berichtet Frank Opper. Eine sture Umsetzung der DIN 18024 und 18025 führt im privaten Bereich deshalb oft nicht zu einer optimalen Mobilität und damit einem Höchstmaß an Selbständigkeit. Die langjährige Erfahrung als Architekt und Rollstuhlfahrer von Frank Opper sind deshalb mitunter ein Segen für die Betroffenen. Beispielsweise reicht bei einer durchschnittlichen Rollstuhlbreite eine Normtür mit einer Durchfahrtsbreite von etwa 86 cm aus, was nicht nur die Kosten verringert, sondern dem Betroffenen auch das Öffnen und Schließen der Tür erleichtert. Bei der Begutachtung vor Ort ist der Rollstuhl zudem oftmals eine gute Argumentationshilfe gegenüber den Kostenträgern. „Es hat natürlich ein anderes Gewicht, wenn ich sage: ‚Das müssen wir so und so machen!’“, berichtet er.

 

Umbaumaßnahmen zügig einleiten

Um die Situation für Frischverletzte zu verbessern, hält Frank Opper bereits seit über fünf Jahren unentgeltlich Vorträge in der Rehaklinik Bergmannsheil in Bochum. Hier war er selbst zur Erstrehabilitation und hat seitdem noch enge Kontakte zur Klinik. Im Vergleich zu damals hat sich die Situation für die Betroffenen jedoch dramatisch verschlechtert. Damals war die Verweilzeit länger und man konnte zur Not so lange bleiben, bis ein geeigneter, also barrierefreier Wohnraum zur Verfügung stand. „Heute werden die Rollstuhlfahrer nach drei, vier Monaten irgendwie in ihre alte Wohnung imvierten Stock gebracht und müssen dann gucken, wie sie klarkommen“, berichtet der Architekt. Eben deshalb empfiehlt er den Frischverletzten, sich so schnell wie möglich um einen geeigneten Wohnraum zu kümmern. „Gerade im Bereich Bauen können die Abläufe manchmal monatelang dauern“, berichtet er aus seiner Erfahrung.


Allerdings bleibt es bei den Vorträgen von Frank Opper selten beim Thema barrierefreies Bauen. „Die Leute haben tausend Fragen und sind oft überrascht, dass ich zehn Jahre lang meinen Haushalt ganz alleine geführt habe“, berichtet er. Als der 36-Jährige bei Recherchen im Internet auf die Stiftung MyHandicap aufmerksam wurde, war ihm schnell klar, dass sich eine Zusammenarbeit anbietet. „Das Botschafterkonzept der Stiftung setze ich ja ohnehin schon seit Jahren um“, stellt er fest. Hinzu kommt, dass er jetzt auch noch als Fachexperte zur Verfügung steht. Als solcher beantwortet er Fragen von Ratsuchenden und hält Vorträge auf Seminaren. Aber auch das Einstellen und die Pflege von Inhalten in die Wissensdatenbank gehören zu seinen Aufgaben. Beispielsweise hat Frank Opper eine Checkliste fürs barrierefreie Bad erarbeitet, die online abrufbar ist. „Die Wissensdatenbank ist ein gewaltiges Projekt, das nur bei einer großen und fundierten Informationsfülle gelingen kann“. Vielleicht nutzt eines Tages ja auch die Bauaufsichtsbehörde in Neuss dieses umfangreiche Wissen, um ihren Zugang barrierefrei zu gestalten.

 

Text und Fotos: Volker Neumann