Feedback von Betroffenen zum Botschafterbesuch

Im folgenden finden Sie eine Rückmeldung von einer Person, die das Angebot eines Besuchs durch einen MyHandicap-Botschafter wahrgenommen habt.

Feedback zu Botschafterin Dagmar Marth:

Auf welche Weise mir Dagmar Marth geholfen hat.

Mein Name ist xxx, ich bin 22 Jahre alt und studiere im 7. Semester BWL an der Universität. Bei einem Autounfall im März 2010 verlor ich neben zahlreichen
weiteren schweren Verletzungen meinen linken Unterschenkel.

In meinem heutigen Bericht möchte ich aufzeigen, wie viel mir die Unterstützung von Frau Marth bedeutet und warum ich diese Art der Hilfe auf ganz besondere Weise zu schätzen weiß.

Im Juni 2011 wechselte ich auf Grund von Schmerzen in der Prothese meinen Prothetiker, um mir eine zweite Meinung über die prothetischen Versorgungsmöglichkeiten einzuholen. Ich wurde im Unfall Klinikum Berlin (UKB) und beim Orthopädiemechaniker Eprotec aufgenommen. Hier erklärte man mir, die Hauptproblematik meiner Prothese liege darin, dass sie zwar technisch sehr hochwertig sei, aber aus demselbigen Grund sehr schwer (Harmony System / Otto Bock). Mit dieser könne ich Strecken von bis zu ca. 1 Kilometer sehr gut
laufen, die anschließenden Schmerzen bei längeren Strecken seien aber auf das Gewicht der Prothese und meinen kurzen Stumpf zurückzuführen.

Mein Wechsel zu Eprotec und die gleichzeitige stationäre Aufnahme im UKB geschahen, nachdem ich wieder ein Semester erfolgreich studierte und mein Leben mit Prothese selbstständig meisterte. So war es ein herber Rückschlag, dass ich mich wieder teilweise stationär wieder fand und mein Studium unterbrechen musste.

Ich war niedergeschlagen und zeitweise - trotz meiner grundsätzlich sehr positiven Einstellung – sehr bedrückt. Ich hatte Angst, wie die neue Anpassung verlaufen würde, ob tatsächlich Besserung in Sicht sei und wie lange es dauerte bis diese eintreten würde. Ich fühlte mich trotz der riesigen Unterstützung
von Familie und Freunden alleine mit meinen Ängsten und Gefühlen. Ich wusste nicht, inwiefern sich meine zwei Ziele - zum einen das einwandfreie Laufen trotz ultrakurzem Stumpf und zum anderen das ästhetisch schöne Aussehen durch eine Silikonkosmetik (die ein zusätzliches Gewicht mit sich bringt) - miteinander vereinbaren und erreichen ließen.

Die Firma Eprotec spürte meine Unsicherheit und sagte, sie kennen eine Dame namens Frau Marth, die ähnliche Stumpfverhältnisse habe, ihr Leben einwandfrei meistert und im UKB arbeitet, um mit Betroffenen Erfahrungen auszutauschen. Der Vorschlag, mich mit Frau Marth zu treffen und mich mit ihr austauschen zu können, machte mich sehr glücklich. Ich fand es großartig, dass ein Kontakt aufgebaut und ein Treffen organisiert wurde.

Vor dem Treffen war ich ein wenig nervös, doch die Nervosität schwand sofort zu dem Zeitpunkt, als ich äußerst herzlich von Frau Marth empfangen wurde. Sie schien mir von Beginn an offen und gab mir das Gefühl, ich könnte sie alles ganz offen fragen. Für mich war es nach dem einen Jahr Amputation und Prothesenversorgung das erste Mal, dass ich auf eine amputierte Frau mit ebenfalls sehr kurzem Stumpf traf. Das Treffen mit Frau Marth und ihre positive Einstellung beruhigten mich ungemein.

Allein der Fakt, sich über Schmerzen, Probleme, Ängste, aber auch Hoffnungen mit jemandem, dem Gleiches Schicksal zugestoßen ist, unterhalten zu können war ein großes Geschenk. Ich fühlte mich verstanden. Sie machte mir Mut und ich verlor die Angst vor all dem Neuen, was mich erwarten würden. Ich brachte
erneut mehr Energie auf, um für die optimale Prothesenanpassung mitzuarbeiten. In den nächsten Wochen kam es zu weiteren Treffen - sei es wenn es mir schlecht ging oder auch wenn ich guter Dinge war. Wir bauten ein gutes Verhältnis auf, was ich sehr zu schätzen weiß.

Anfänglich hatte ich das Gefühl, mein prothetischer Fall sei anders vielleicht auch
problematischer, denn wieso sonst würden alle anderen schon schmerzfrei ohne Gehstützen laufen. Dieses Gefühl wurde mir in den diversen Gesprächen genommen. Frau Marth verdeutlichte mir, dass mein Bein nun mal so sei, wie es ist und ich mir die Zeit geben sollte, die es bedarf. Auch fanden zwei Treffen mit meiner Mutter, Frau Marth und mir statt. Ich merkte sofort, dass es nicht nur mir, sondern ebenfalls meiner Mutter gut tat, mit Frau Marth ins Gespräch zu kommen. Denn wem tut es nicht gut, das Gefühl zu bekommen, jemand hört
zu und ich werde von jemandem verstanden, der diese ganze Situation bereits selbst durchlebt hat.

Heute nach drei Monaten Versorgung bei Eprotec und diversen Gesprächen mit Frau Marth stehe ich an dem Punkt, dass ich innerlich ruhiger bin. Dank der Treffen und ihrer großartigen Unterstützung weiß ich, dass ich auf einem guten Weg bin und habe gelernt zu akzeptieren, dass eine Amputation und Prothesenanpassung ein langer Weg und kontinuierliche Arbeit ist. Zudem hat sie mir auch viele gute Tipps für den Alltag gegeben. Kleinigkeiten, die ich an
der Prothese selbst verändern kann, damit diese besser sitzt oder auf was ich beim Schuhkauf achten soll.

Ich persönlich bin sehr dankbar nach Berlin gekommen zu sein. Nicht nur aus dem Grund, dass ich vollstes Vertrauen in die Orthopädiemechaniker habe, sondern nicht zuletzt auch aus dem Grund, dass sich hier Dagmar Marth als Selbstbetroffene dafür engagiert und einsetzt, anderen frisch amputierten Patienten Mut zu machen und Erfahrungen auszutauschen. Denn auch dafür macht man Erfahrungen: Um sie später teilen zu können.

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